Frage von chaouchaou, 221

Wenn der Islam eine Religion der Liebe ist, warum ist dann in Ländern der Scharia das Küssen auf offener Straße verboten?

Hilfreichste Antwort - ausgezeichnet vom Fragesteller
von DottorePsycho, 29

Das Wort Islam wird im Arabischen aus der Wortwurzel s-l-m
gebildet. Zum Wortfeld dieser Wurzel gehören folgende Bedeutungen: Frieden
schließen; eine Atmosphäre des allseits geachteten Friedens genießen; Grüße; Errettung; Sicherheit; in Sicherheit sein; Frieden finden; Heil und Wohlergehen erlangen; sich Tugend, Wohlbefinden und Gnade erwerben; fernab von Gefahr sein; sich von Problemen und Unglück fernhalten; Respekt bekunden; kein Unrecht begehen; das Selbst zügeln; gehorsam sein. Die letzten beiden Punkte beinhalten in diesem Kontext, dass sich Muslime mittels ihres freien Willens für Gerechtigkeit und Rechtschaffenheit einsetzen sollten, um Frieden und Sicherheit und eine im weitesten Sinne friedvolle Atmosphäre zu schaffen.

Andere aus der Wurzel s-l-m gebildete Wortformen wie Salam und Salama lassen sich wiedergeben mit Erlangung von Heil und Unversehrtheit, das ebenfalls verwandte Aslama steht für: sich ergeben in, Muslim werden, Frieden schließen. Der Begriff Islam selbst kann all diese Wortbedeutungen tragen und erscheint auch so als Substantiv oder Verb in vielen Koranversen.

Demnach steht der Islam für Gottergebenheit, Akzeptanz der Autorität Gottes und Gehorsam gegenüber seinen Geboten, für den Dienst an Gott und ausschließlich an ihm sowie auch für die Annahme und Befolgung der vom Propheten Muhammad übermittelten Botschaft mit Herz und Seele. In diesem Sinne ist ein Muslim ein Mensch, der im friedvollen und sicheren Schatten des Islams Zuflucht nimmt. Gott möchte, dass die Muslime in einem friedvollen und sicheren Umfeld leben und sich auch aktiv darum bemühen, Frieden zu verbreiten und aufrecht zu erhalten.

Soweit die Selbstdarstellung.

O ihr, die ihr glaubt! Kommt in völliger Selbsthingabe zu Gott, allesamt, (und lasst keine Uneinigkeit aus weltlichen Gründen unter euch zu) und folgt nicht den Fußstapfen Satans; wahrlich, er ist euch ein offenkundiger Feind (der sich bemüht, euch durch verlockende Versprechungen zur Auflehnung gegen Gott zu verführen). (2:208)

Dem Islam zufolge bringt die Hingabe an Gott eine friedvolle Atmosphäre hervor.

Der Koran ruft die ganze Menschheit dazu auf, den Weg des Silm - des Friedens - einzuschlagen, und warnt uns davor, dem Satan zu folgen. Denn der Satan ist ein Feind des Friedens

Und genau hier hört die Liebe des sunnitischen oder schiitischen Islam auf. Wer dem Islam nicht folgt, hat obigem zufolge keinen Anspruch auf Liebe und Frieden des Islam. Es geht also nicht um das, was man im westlichen Kulturkreis unter Liebe versteht. Es geht einzig und allein um Deine Beziehung zu Allah und die Verbreitung des Islam über den gesamten Globus; alles Persönliche ist eine Prüfung, Bestrafung oder Belohnung und darüber hinaus unwichtig.

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Im alevitischen Islam sieht das alles ein wenig anders aus; das Ziel des Lebens im Alevitentum ist es, die Erleuchtung bzw. Vollkommenheit, den sogenannten Al-Insān al-Kāmil, zu erreichen. Diesen erreiche man, wenn man sich an die Regeln der 4 Tore, 40 Pforten, die vom Koran inspiriert wurden, hält und dabei Nächstenliebe, Geduld, Bescheidenheit und andere gute Werte zeigt und im öffentlichen Leben anwendet. Die Aleviten kennen keine Sunnah, keine Schariah, keinen Djihad, keine "5 Säulen des Islam", kurz gesagt keine von Menschen erdachten Ergänzungen bzw. Verschlimmbesserungen. Der Quran wird als Sammlung von Metaphern verstanden. Ein voreheliches Miteinander wird zwar auch hier oft kritisch gesehen - meist aus Tradition heraus (war ja in Deutschland früher nicht anders) - ist aber nicht verboten. Überhaupt gibt es so gut wie keine religiösen Pflichten oder Verbote. Es gibt GEbote, an die man sich halten kann/soll. Selbstverständlich beten, fasten, spenden, pilgern Aleviten .... ohne Zwang.

Expertenantwort
von Enzylexikon, Community-Experte für Religion, 86

Selbstdarstellung und Realität

Es gibt einen Unterschied zwischen Selbstdarstellung einer Gruppe und dem tatsächlichen Verhalten dieser Gruppierung.

Kaum ein Mitglied einer destruktiven Gruppe würde seine Lehre als manipulativ und die Gruppierung als machtversessen und geldgierig darstellen.

Anspruch und Realität

Religionen stellen meist derart hohe moralische Ansprüche, dass sie von Menschen unmöglich einzuhalten sind.

Selbst wenn also ein Gläubiger versuchen sollte, alle Gebote zu befolgen, wird ihm das dauerhaft nicht gelingen. Auch nicht beim Friedensgebot.

Religion und Realpolitik

Oft ist Religion lediglich die moralische Rechtfertigung für machtpolitische Interessen, die überhaupt keinen religiösen Hintergrund haben.

Ein Führer der zur Gewalt im Namen der Religion aufruft, will damit womöglich lediglich ganz weltliche Interessen durchsetzen.

Differenzierung

"Die" Religion gibt es eigentlich nicht, denn es existieren meist unterschiedliche Gruppierungen, deren Ansichten auch miteinander im Konflikt stehen.

Somit kann eine Gruppierung beabsichtigen den Frieden zu fördern, während andere Ableger menschenverachtende Regeln durchsetzen wollen.

Religion und Staat

In einigen Staaten stellt eine einzelne Religion auch gleich die Grundlage des Rechtssystems dar, was zu undemokratischen Staatsformen führt.

Dann sind Folter und Verstümmelungen im Namen der Religion ein Teil der Rechtssprechung - von Frieden kann dabei keine Rede sein.

Fanatismus und Alltagsrealität

Neben konservativen, fundamentalistischen Hardlinern gibt es auch gemäßigte Gläubige, die eine offenere Form ihres Glaubens leben.

Da sie jedoch die gleiche ideologische Grundlage wie die Fanatiker haben, kann es sehr leicht sein, sie zu radikalisieren.

Bedarf nach Entwicklung

Es gibt nach meiner Ansicht immer noch Defizite in den Religionen, die durch eine  zeitgemäße Interpretation, die der Lebensrealität des 21. Jahrhunderts entspricht, überwunden werden sollten.

Fazit

Du siehst also, pauschale Bewertungen wie "Die Religion XY ist..." werden der Komplexität und Vielfalt des Themas nicht gerecht.

Antwort
von ArbeitsFreude, 38

Vielleicht handelt es sich hier einfach um ein Missverständnis, liebe(r) Chaouchaou:

Bei "...Islam Religion der Liebe..." ist AUSSCHLIESSLICH gemeint:

Liebe zu Allah!

(wo kämen wir auch sonst hin, wenn die Menschen anfangen würden, Menschen zu lieben - das wäre aller Laster Anfang - Früher oder später käme ein Mann auf die Idee, seine Frau mehr zu lieben als Allah - oder seine Tochter usw. usw. - das würde alles enden wie in Sodom und Gomorrah - d.h. wie bei uns in Europa - und wohin das geführt hat, kannst Du ja erkennen:)

Antwort
von Giustolisi, 98

Das ist doch kein Problem des Islam. Auch in Europa galt das Küssen auf offener Straße vor einiger Zeit noch als unschicklich. Die islamischen Länder hängen da nur um über 100 Jahre hinterher. Vergleich mal deren Moralvorstellungen mit denen im Europa des Mittelalters. Die ähneln sich schon sehr.

das Problem des Islam ist, dass Viele Muslime der Welt etwas hinterher hängen. Das gibt sich schon noch. In ein paar Generationen werden wie bei den Christen nur noch ein paar verrückte Radikale übrig sein.

Kommentar von wickedsick05 ,

das Problem des Islam ist, dass Viele Muslime der Welt etwas hinterher hängen.

z.b. Küssen in der Öffentlichkeit. somit ist

Das ist doch kein Problem des Islam.

ein wiederspruch. Denn es ist DOCH ein Problem des Islams... weil dieser im Mittelalter stehen geblieben ist und sich nicht wie das christentum an die Moderne angepasst hat.

Kommentar von Giustolisi ,

Eben das meine ich. Es ist kein exclusiv islamisches Problem. Genau das gleiche Problem hatten schon Andere, sie wollten sich nicht weiterentwickeln. Deswegen rennen den Katholiken in allen gebildeten Schichten die Gläubigen davon. Deswegen wenden sich mehr und mehr junge Menschen vom Islam ab oder sind noch noch auf dem Papier Muslime, wie drei Muslime, die ich kannte, als ich noch zur Berufsschule ging. Die aßen während dem ramadan mit uns das Schweineschnitzel, weil sie die ganzen regeln für überholt hielten. Die taten nur noch für ihre Eltern und Großeltern so, als wären sie Muslime. das ist genau die Entwicklung, wie sie im Christentum längst im Gange ist. Die Muslime hängen nur etwas hinterher, das ist ihr eigentliches Problem.

Kommentar von wickedsick05 ,

Es ist kein exclusiv islamisches Problem. Genau das gleiche Problem hatten schon Andere

eben dann ist es AKTUELL ein exclusiv islamisches Problem...

Antwort
von Jack19X1, 118

Kommt drauf an welchen Islam du meinst: Die Radikalen, erlauben keinerlei solches Treiben.

Die Netten machen keine Vorschriften.

Antwort
von wickedsick05, 59

Der Islam ist keine Religion "der Liebe". Schau nach Schweden dort gibt es 55 No Go Zonen wo sich der Islam ausgebreitet hat.

https://swedenreport.org/2014/10/29/swedish-police-55-official-no-go-zones/

Antwort
von suziesext08, 36

irgendwas haste da wohl missverstanden, fücht ich. Denn unter den Religionen gilt ausschliesslich das Evangelium als die Liebesbotschaft, das Gebot: Liebe Gott aus ganzem Herzen und mit deiner ganzen Seele und deinen Nächsten wie dich selbst.

Im Koran gibt es so ein allgemeines ethisches Prinzip der Liebe nicht; Allah erscheint im Koran als quasi altorientalischer Despot, Richter und Vollstrecker, der völlig willkürlich straft und belohnt, und überhaupt macht was er und wie ers will und niemandem was erklärt. Denn Allah hat die Menschen und Dschinnen ausschliesslich dazu geschaffen, dass sie ihm dienen.

Weisst du, seinen Richter, seinen Henker, den liebt man nicht, dem macht was vor, man kuscht und kriecht ständig mitn völlig dubiosen schlechten Gewissen durchs Leben, und betätigt sich wie die Hofschranzen am Sultanshof als Speichellecker, und preist und lobt den Gott als 'allbarmherzigen', als 'allerbarmer', nicht weil er es ist, sondern weil man sich das erbetteln will.

Also der Islam ist ja so manches, aber Liebe zur Menschheit oder zum Gott, und Frieden untereinander, Menschenwürde, Menschenrechte und Toleranz, solche Artikel hat der Sunnitenislam leider nicht im Sortiment. Kann man ja ganz empirisch, vor Ort nachprüfen, da wo Sunniten seit Jahrhunderten das Sagen haben.


Kommentar von ArbeitsFreude ,

ja, wobei hier der Standard-Sermon unserer lieben Checkit03 darüber fehlt, wie viel Liebe doch im Koran drinsteckt - Ich fürchte, sie hat diese Frage verpasst....;)

Antwort
von PWolff, 53

Was kann der Islam dafür, wenn wir Europäer so blöd sind, die Bedeutung unseres Wortes "Liebe" auf die Liebe zwischen Mann und Frau zu reduzieren, und als wäre das noch nicht genug der Verwirrung, diese Bedeutung weiterzuverändern in Richtung "sexuelle Handlungen"?!

Die Frage, ob der Islam eine Religion der "Agape" (so der im christlichen Bereich übliche Begriff für die von Gott geforderte/gewünschte Liebe, Nächstenliebe und ähnliches) ist und ob dies mit der Praxis übereinstimmt, ist eine völlig andere Frage.

Kommentar von DottorePsycho ,

Ist so ein Kuss nicht das Unschuldigste und Intimste, das zwischen zwei Menschen sein kann? Ist DAS nicht "Liebe pur"?

Wer wird da denn gleich an Sex denken ....

Kommentar von PWolff ,

Wenn du es so siehst - nach allem, was ich weiß, ist es in streng islamischen Staaten durchaus üblich, dass befreundete Männer sich auf offener Straße mit einem Kuss begrüßen, und niemand, auch nicht der strengste Sittenrichter, nimmt daran Anstoß.

Damit sind alle Antworten hier falsch; es müsste heißen: Küssen auf offener Straße ist im Islam, auch in den strengsten Richtungen, überhaupt kein Problem.

Kommentar von DottorePsycho ,

die "strengsten Richtungen" machen da leider einen Unterschied, ob sich zwei Männer begrüßen oder sich ein Liebepaar küsst.

Und obwohl ich Muslim bin, sehe ich das persönlich ganz entspannt. Meine Sichtweise ist da jedoch nicht repräsentativ - zumindest nicht für die Fundis. :-)

Antwort
von josef050153, 26

Das Problem ist eben, dass der Islam KEINE Religion der Liebe ist, sondern der Angst und Gewalt. Verfolge doch hier einmal, wovor (besonders junge) Muslime Anst haben, dass es falsch sei, was sie tun.

Allah ist eben im Gegensatz zum Gott der Bibel ein terroristischer Gartenzwerg. Was willst du also von seinen Anhängern erwarten?

Das beginnt ja schon in der Familie. Einem Moslem ist es GEBOTEN (nicht nur erlaubt), in bestimmtern Situationen seine Frau zu schlagen.

Die Männer stehen den Frauen in Verantwortung vor, weil Allah sie ausgezeichnet hat und wegen der Ausgaben, die sie von ihrem Vermögen gemacht haben. Und die rechtschaffenen Frauen sind demütig ergeben und geben acht mit Allahs Hilfe auf das, was verborgen ist. Und wenn ihr fürchtet, daß Frauen sich auflehnen, dann vermahnt sie, meidet sie im Ehebett und schlagt sie! Wenn sie euch gehorchen, dann unternehmt (weiter) nichts gegen sie! Allah ist erhaben und groß.

Sure 4:34

Was soll bei solch gewalttätigen Vorgaben schon bei einem Staat herauskommen?

Dazu kommt noch ein Problem des Islam selbst. Die friedlichen Suren stammen alle aus der frühen Periode  Mohammeds in Mekka, diejenigen, welche zur Gewalt aufrufen aus der späteren Zeit in Medina. Nach gängiger Koranauslegung überschreibt eine spätere Offeenbarung aber eine frühere und macht sie so ungültig.

Die Gewalttäter (einschließlich Islamischer Staat & Co.) sind also vollkommen im Recht, wenn sie ihre Gewalt durch den Koran rechtfertigen.

Das Problem islamisch dominierter Staaten ist aber auch, dass sie keine demokratische Tradition im unserem Sinn kennen und sie auch zu einem großen Teil ablehnen. Was glaubst du warum Israel der einzige Staat im Nahen Osten mit einer funktionierenden Demokratie ist?

Islam führt immer zur Gewalt und nie zum Frieden und zur Liebe, obwohl gebetsmühlenartig das Gegenteil behauptet wird.

Antwort
von Lapushish, 115

Liebe definiert sich nicht durch Körperkontakt

Kommentar von ArbeitsFreude ,

ABER sie ZEIGT sich durch Körperkontakt, liebe(r)Lapushish! - und wenn man die öffentlich nicht zeigen darf, ist was faul!

Kommentar von Lapushish ,

Nein, sie zeigt sich durch Taten.

Antwort
von 3plus2, 48

Was ist beim Islam schon normal, das Normale wird beim Islam verkrüppelt.

Antwort
von troublemaker200, 23

Wenn der Islam eine Religion der Liebe ist, warum:

-werden dann Frauen und deren Rechte unterdrückt?
-werden Geschwister ermordet, nur weil sie die "Ehre" der Familie "verletzt" haben?
-werden dann Menschenrechte mit Füßen getreten?
-öffentliche Steinigungen zugelassen?
-Männer als Patriarche erzogen und alle anderen als "niedere" Mitglieder?

Kommentar von extrapilot350 ,

auf Deine guten Fragen bleibt nur die eine Antwort:

Religionen sind nichts göttliches sondern eine Erfindung von Menschen. Menschen die sich seit dem Entstehen von Religionen mit Erzählungen von irgendwelchen Dingen damit ernähren konnten. Das war zur Zeit der Entstehung einfacher und einträglicher als eine Arbeit als Zimmermann oder Fischer.

Antwort
von einzigartigacc, 55

Welche Länder meinst du genau?

Antwort
von Salsum, 114

Es sind eben verschiedene Moralvorstellungen. Hier würdest Du ja auch nicht GV in der Innenstadt auf der Straße machen.

Kommentar von PWolff ,

... NOCH nicht. ;-(

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