Wenn dem Guten alle Mittel recht ist, das Böse zu vernichten, so ist es von seinem Feiden nicht mehr zu unterscheiden - stimmt das wirklich - wenn ja, wie?

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8 Antworten

"Der Zweck heiligt die Mittel."

Man kann jeder vermeintlichen Weisheit, eine andere entgegensetzen. Nun ist das eine perspektivische Frage.

"Wenn dem Guten alle Mittel recht sind, das Böse zu vernichten, so ist es von seinem Feinde nicht mehr unterscheiden." ist eine Aussage aus der Beobachterperspektive, die versucht die Objektivität gegenüber der jeweiligen Motivation zu wahren - sie dementsprechend auch vorerst nicht bewertet.

Bei dieser Aussage werden lediglich die Handlungen bewertet und wenn beide Handlungen sich gleichen, dann ist ein Unterschied tatsächlich nicht mehr auszumachen. Die Handlung wird hier sehr grob gefasst unter der Bezeichnung "alle Mittel".

Die Frage die sich nun also stellt ist, ob man die eingesetzten "Mittel" im Dienste des "Zwecks" nun "heiligen" möchte oder eben nicht. Das ist eine subjektive Entscheidung, die mit der Einstellung gegenüber dem "Zweck" steht und fällt. Da liegt dann auch der Unterschied verborgen.

So wäre eine Tötung auf beiden Seiten dieselbe Handlung - "Gut" und "Böse" wären nicht voneinander zu unterscheiden, da sie beide dieselbe Handlung vollziehen. Wenn ich jedoch den "Zweck", also das angestrebte Ziel, der einen Seite gutheiße und den der anderen Seite missbillige, kann ich sie doch voneinander unterscheiden. 

An einem fiktiven Beispiel:

Tötet jemand aus niederen Beweggründen, beispielsweise der reinen Lustbefriedigung, dann missbillige ich diese Handlung. Wird dieser dann, im Zuge des Schutzes einer dritten Person, bewusst getötet, dann billige ich diese Handlung.

Es ist uns bleibt dieselbe Handlung - beide Seiten begehen eine Menschentötung. Nur "heilige" ich das "Mittel" der einen Seite, da ich den "Zweck" gutheiße.

[Anmerkung: Die vertretene Haltung ist ebenfalls teil des Beispiels und steht in keinem direkten Bezug zu meiner persönlichen Haltung. Diese ist im Zuge der Frage nicht relevant.]

Kurzum - Am besten trifft es das Kunstwort "Jein", um diese Frage zu beantworten. Beide Seiten lassen sich, rein anhand der Handlungen, nicht unterscheiden. Bezieht man jedoch die Motivation mit ein und die eigene, subjektive, Haltung zu eben dieser, dann ist ein Unterschied klar auszumachen.

Liebe Grüße.

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Das ist eine prekäre Frage.

Zum einen: Der Stärkere bleibt am Ende eines Konfliktes stets „im Recht“. Zum anderen: Aber keineswegs zwangsläufig auch moralisch!

Dennoch muss nicht am Ende derjenige, der sich eines nötigenfalls beliebigen Mittels bedient, um sich seiner Haut zu erwehren, ununterscheidbar sein vom „Bösen“.

Aber was soll „das Gute“, und was soll „das Böse“ sein? Eine Weltformel ist schwer zu finden. Das zeigt nicht zuletzt die Menschenrechts-Charta der Vereinten Nationen – die von vielen Staaten dieser Erde systemimmanent nicht vollumfänglich anerkannt werden kann. Die Menschenrechts-Charta baut darauf auf, dass das Individuum eigenständige Bedürfnisse hat. Diese werden nur eingeschränkt, wo sie im Kollektiv eingeschränkt werden MÜSSEN, damit auch andere als Individuen existieren können. (so im Groben) Es gibt aber auch Kulturen, die dem Individuum KEIN Recht auf ein selbst gestaltetes Leben zubilligen: Das Kollektiv steht nicht nur als höhere Regelungsgewalt über dem Einzelnen, sondern beansprucht die im Grunde bedingungslose Dienstbarkeit eines jeden Einzelnen im Sinne des Kollektivs.

Die christlich geprägte Welt folgt im Wesentlichen bei der Anerkennung individueller Rechte dem Ansatz der griechisch-römischen Antike. Es gibt sogar eine fast unmittelbare Bezugnahme darauf. (Johannes-Evangelium: „Am Anfang war der Logos…“ Wird gern übersetzt mit „Am Anfang war das Wort…“ Das aber ist unsinnig. Denn alle „Logien“ heißen nicht so, weil das „Wort“ gemeint ist: Die „Bio“-Logie ist nicht das Wort von den Organismen usw. – sondern der „Verstand“, der andere Sinn des Wortes „logos“, also das „Verstehen“ von Organismen usw. Ergo: Am Anfang war der Verstand!)

Dennoch haben erst Aufklärung und Reformation gleichsam Hand in Hand einen Prozess in Gang gebracht, dem wir heute den hohen Stellenwert individueller Rechte zu verdanken haben! Denn auch der längste Teil christlicher Geschichte war davon geprägt, dass ein gewisses Maß an individuellen Freiheiten und Rechten dem Adel und dem Klerus vorbehalten waren. Ansonsten hatte man zu dienen. Und dieses dann konkret dem System, ethisch aber Gott. Nur: Was ist „Gott“? Gott ist der Sammelbegriff für eine gesellschaftliche Grundethik.

Schon Begriffe wie „gut“ und „böse“ sind also schwierig einzuordnen, weil sie kulturell bedingt unterschiedlich ausgelegt werden.

Also zur Unterscheidbarkeit – die aber (s.o.) kulturell bedingt ist. Man kann letztlich nur in den langen Linien das "Gute" bewerten.

Ein Beispiel der Geschichte, um nun weniger abstrakt zu bleiben: Das Dritte Reich gilt praktisch weltweit und universell als „das Böse“. Der Sieg darüber ist damit universell etwas Gutes. Und ich meine mit „weltweit“ weder kulturell noch geografisch lediglich die Spanne von Nordamerika bis nach Israel. – Natürlich ist auch das letztlich eine Leistung gelenkter Information. Aber wie auch immer: Wir können für Deutschland und für Europa durchaus erleichtert sein, dass jenes Regime dereinst die zwölf Jahre seines Bestandes so leidlich erfüllt hat.

Lass mich das Beispiel Großbritanniens in jenem Konflikt (zwischen GB und D) nehmen: GB hatte die Bombardierungen dt. Großstädte als „strategische“ Bombardierungen wesentlich vorangetrieben. Dabei war aus den dt. Bombardierungen z.B. gegen Coventry oder gegen London bekannt, dass dadurch nur der Zusammenhalt gegen den Feind gestärkt wurde. Und was in London mehr verunsicherte (im späteren Kriegsverlauf), war nicht die Zerstörung an sich, sondern die Unvorhersehbarkeit – die zwar zermürbt hat, die aber den Willen, den Feind zu besiegen, nicht relevant geschwächt hat: V1 und V2 waren viel zu wenig treffsicher und kamen vergleichsweise „selten“ an. Und die Ansicht, dass die Bombardierungen dt. Städte – berühmt und allen voran: die Bombardierung Dresdens – moralisch nur verurteilt werden könne, ist wohl weitreichend unbestritten. Die Bombenflüge gegen Dresden waren schon damals nicht unumstritten.

Churchill, der VOR dem Krieg und noch zu Beginn des Krieges selbst ein Gegner des Krieges gegen die Zivilbevölkerung war, soll zum Bombenkrieg gegen dt. Städte irgendwann gesagt haben, das sei nur eine Frage der „Moden“. So in dt. Übersetzung. Aber ich glaube, im Original dürfte er geäußert haben, that it was a question of the mode! Das ist etwas ganz anderes! Mit dem engl. „mode“ sind nämlich die Modalitäten, die Vereinbarungen, die Grundlagen gemeint. Und zur Grundlage des Krieges hatte Hit-ler den Krieg gegen die Zivilbevölkerung gemacht: Im spanischen Bürgerkrieg 1936 durch dt. Bomber getestet (Guernika!), hatte er den ersten wesentlichen Schlag gegen engl. Zivilbevölkerung in Coventry gelandet!

Nun mag also der Kontrast zwischen „gut und „böse“, den Du abfragst, in der Tat so schwer wiegen, wie er absolutistisch klingt. Aber die Frage zwischen „böse“ und „besser“ ist trotz der Wahl der Mittel noch schnell gefunden: Das britische Verständnis von Demokratie und das britische Sozialverständnis und das britische Verständnis von individueller Freiheit ist durchaus beachtenswert. Jenes Deutschland nach dem 2. WK ist fraglos weniger mustergültig, weil die Entwicklungen in Dtschld stets begleitet wurden (und werden) von Einflussnahmen von außen – und dem Schuldbewusstsein, das jene 12 Jahre des tausendjährigen Reiches nach sich ziehen.

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Ein Guter, der Böses tut, ist kein Guter mehr, sondern auch ein Böser.

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Hallo,

Wenn das Gute die eigenen Prinzipien außer Acht lässt, um eben diese vor dem Bösen zu schützen und auch Regeln/Gesetze besitzt, um dann nach dem Kampf gegen das Böse die Prinzipien wieder beachten zu können, da dann die Sicherheit der Prinzipien wieder hergestellt wird, lässt sich das Gute vom Bösen trennen.  

MfG

Steven Armstrong

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Weil Gut und Böse nicht die Dinge sind, die man will, sondern die Dinge, die man tut.

Wenn du willst, daß alle nett zueinander sind, dann ist das was Gutes. Aber wenn du jeden verprügelst, der nicht nett ist, dann ist das was Böses und damit bist auch du der Böse in der Situation.

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Was genau verstehst du denn daran nicht?

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Kommentar von EsWerdeLight
02.08.2016, 15:03

Aber es bleibt doch der Unterschied dass der Gute eben das Gute und der Böse das Böse will.

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Sobald es ebenso wie das Böse alle Mittel nutzt, werden unausweichlich böse Handlungen die Folge sein: In der Umsetzung seiner Ziele ist es dann tatsächlich nicht vom Bösem zu unterscheiden.

Man könnte natürlich argumentieren, dass die Ziele immer noch Gut vs Böse sind, aber auf lange Sicht fördern böse Mittel eben Böses und korrumpieren das Gute.

Deswegen ist doch Anakin letzendlich zum Darth Vader mutiert..

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Weil der Zweck die Mittel nicht heiligt.

Jedenfalls nicht in der Regel.

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