Frage von Funmichi, 57

wenn das recht des stärkeren entscheidet, für was brauchen wir dann moral, eine erfindung der schwächeren überzahl im kampf gegen den stärkeren?

Antwort
von Andrastor, 31

Das Recht des Stärkeren ist eine Fehlübersetzung des Prinzips "Survival of the fittest."

In einer Gruppe braucht es Regeln, wer diese nicht befolgt wird bestraft, so ist es in allen Tierarten, die in Gruppen leben und auch beim Menschen.

Antwort
von drachenfreund, 15

Ein Mensch(enaffe) allein konnte vor Urzeiten nicht überleben, immerhin muss er irgendwie Kinder zeugen (Also braucht es schon Mann und Frau) . Kinder müssen betreut werden (Familie) und nur in einer Familie kann man nicht überleben (oder wie sollte man nur zu Zweit Mammuts jagen?).

Also erfand die Natur etwas so intelligentes wie Empathie. Wir können uns in andere Menschen hineinversetzen. Schlägt mich jemand, so tut es mir weh - Schlage ich jemanden, weiß ich, dass es ihm weh tut und kann es ein Stück weit mitfühlen.

Als die Menschen noch in Höhlen lebten, mussten sie sich notfalls aufeinander verlassen können, denn nur so konnte man auf Dauer überleben. Der Schwache wurde gebraucht wenn er ein guter Medizinmann war. Der Schnelle wurde gebraucht, um schnelle Tiere zu erlegen. Der Nächste konnte Speere herstellen, ein Anderer konnte gut Tierstimmen imitieren, etc. Man brauchte einander, dafür brauchte es aber Regeln, damit niemand dem Anderen den Schädel einschlägt. So entwickelte sich ein Moralverständnis. Sobald jemand zur Gefahr für die Gruppe wurde, wurde er hart bestraft, verstoßen oder ermordet (die erste Gesetzgebung entstand). Seitdem hat sich unser Moralempfinden aber zum Glück stetig weiterentwickelt

Antwort
von JaniXfX, 8

Hallo Funmichi,

supercoole Frage. Ganz ehrlich: Das würde hier einfach keinem passen, Deine Frage mit "JA" zu beantworten. Dafür sind die Menschen einfach zu dünnhäutig, das würde radikal ihr Weltbild auseinander reißen. Es hätte keinen Sinn mehr, dass sie für arme Tiere und Menschen spenden...

Aber ich würde Dir sogar sagen: Ja, es ist ein wenig so. Ich halte es da etwas wie Freud: der ging ja davon aus, dass es eine psychisch dunkle Seite gibt (das ES), welches von kultureller Moral (ÜBER-ICH) gebremst wird. Und ich sehe das ganz genau so: wenn es keine Moral gäbe, würde sich genau diese Seite ausleben. Dann würden junge Männer ihre Väter töten, dann würden wir uns nur mit Menschen abgeben, die uns gefallen, wir würden Aufwand scheuen und ganz anders leben. Tierischer im Grunde. Viel Selbstbezogener. 

Als Kulturpsychologe kann ich Dir sagen: die deutsche Kultur ist geprägt von Übermoral. Das merkt man ganz besonders dann, wenn sich solche Moralkeulen auf kritische Themen kondensieren: Flüchtlingsdebatte. Diese Debatte ist keine Debatte mehr, weil eine Debatte voraussetzen würde, dass eine Gegenseite legitimiert ist. Ist sie aber nicht. Das heißt: Auch wenn jemand dezentes Unwohlsein empfindet, würde sofort die Moral anspringen und diese zensieren. Deshalb stehen manche Menschen mit Refugee-Welcome schildern umher, weil sie Angst vor eigenen unmoralischen Tendenzen haben. Die Moral ist nicht das grundlegende Problem. Das grundlegende Problem ist, dass moral ja in einer Nationalkultur verankert ist. Wir haben aber nach dem 2. WK versäumt, eine Nationalkultur zu formen. Das hat man sich nicht mehr getraut und führt jetzt dazu, dass jedes Moralphänomen wie in der Luft hängt. Als ich mein Psychologiestudium begonnen habe, sagte mir mein Prof einen dritten Weltkrieg voraus. Ich habe es erst für Müll gehalten - heute kann ich es verstehen.

Antwort
von Polepolepolska, 13

Hi,
Interessante Frage....
Aber was ist denn Moral: "Gesamtheit
von ethisch-sittlichen Normen, Grundsätzen, Werten, die das
zwischenmenschliche Verhalten einer Gesellschaft regulieren, die von ihr
als verbindlich akzeptiert werden." Quelle: Duden

Die Moral hat also nicht (nur) die Funktion, schwächere zu schützen. Es werden in der Gesellschaft Normen und Werte gesetzt, die sich im Laufe der Zeit entwickeln und verändern. Es regelt einfach das Zusammenleben zwischen den Menschen.
Aber das wurde nicht "erfunden". Das hat sich einfach so ergeben, entwickelt und verändert sich weiterhin stetig. ;-)

LG ;-)

Antwort
von loema, 38

Der Mensch ist ein soziales Wesen. Das Recht des Stärkeren ist in einer Gruppe nicht viel Wert, wenn der Stärkere strohdoof ist und die Gruppe nicht führen kann. Der Stärkere hat auch eine Familie, die er liebt und die ihn großgezogen hat und für die er sorgen möchte. Seine Kinder sind schwach und die möchte er beschützen. Jeder der mal in seinen jungen Jahren stark ist, wird mal schwach. Und wer das weiß, der weiß das die Stärke gut ist, wenn man anderen damit helfen kann.

Kommentar von JaniXfX ,

... solche Einschätzungen bleiben übrig, wenn man stärker nur auf Muskelkraft bezieht. Deshalb gab es Gleichnisse wie David und Goliath.

Antwort
von Akainuu, 21

Definiere Stärke.

Ist es Stärke, wenn du irgendeine Person umbringst, weil du ihr körperlich überlegen bist?

Und ist es dann nicht umso mehr Stärke, wenn eine Gemeinschaft von Personen ihre Stärke vereint, um dich dafür zu bestrafen? Warum soll das Schwäche sein?

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