Frage von peacexout, 97

Welt ohne Religion- eine friedlichere Welt?

Liebe Community nächste Woche habe ich meine mündliche Abiturprüfung zum Thema: Welt ohne Religion eine friedlichere Welt? Dazu möchte ich gerne verschiedene Meinungen hören, am Besten auch von Menschen unterschiedlicher Religionen. Bisher habe ich mich vor Allem mit dem Weltethos von Hans Küng und den Vorträgen von Marcus Wengardt beschäftigt, aber ich dachte ich frage mal noch nach persönlichen Ansichtenund Meinungen. Wäre super wenn ihr mir ein paar Tipps, Gedankenanstöße, Ansichten und Meinunen dalassen könntet. Dankeschön! :)

Hilfreichste Antwort - ausgezeichnet vom Fragesteller
von critter, 33

Ohne Religion zu leben, das ist nur einigen Menschen möglich, aber niemals der ganzen Menschheit. Der Mensch sucht sich eine höhere imaginäre Macht, um ihr seinen Kummer auszuschützen, ihr zu danken, sie zu bitten, auch, um einen Schuldigen zu haben, wenn etwas gut und wenn etwas schlecht ausgegangen ist. Diese Macht bzw. dieses Wesen gibt ihm Halt und suggeriert ihm, nicht allein mit allem Kummer und aller Freude dazustehen. Und schon setzt der Mensch sich selbst unter Druck, indem er für sich und durch Überredungskunst auch seinen Mitmenschen Regeln aufdrängt bis hin zur Unterdrückung. Er wird immer Anhänger finden, auch wenn seine Theorien noch so absurd sind. Eine Religion, ein Gott, Götter, all das ist auch dafür gut, etwas Verantwortung für das eigene Handeln an diese abzugeben. Es macht den Menschen Vieles leichter, man kann dann behaupten, da war eine höhere Macht, eine innere Stimme, die mir befahl, etwas so oder so zu tun. Wir Menschen sind im Grunde genommen keine großen Einzelkämpfer, sondern Rudeltiere. In einer Gemeinschaft fühlen wir uns stark, geschützt, aufgehoben und überlebensfähiger.

Kommentar von critter ,

Danke für das Sternchen! :-)

Expertenantwort
von Enzylexikon, Community-Experte für Religion, 30

Ich bin Buddhist und äußere mich mal dazu:

Meiner Meinung nach wäre eine religionslose nicht automatisch eine friedlichere Welt und zwar aus verschiedenen Gründen.

Religion ist aus meiner Sicht oft lediglich die Rechtfertigung für Gewalt, die eigentlich auf sozialen Problemen, oder wirtschaftlichen Interessen beruht.

Die Konflikte wären somit nicht gelöst, sondern müssten sich lediglich ein anderes ideologisches Feigenblatt suchen - und sicher auch finden.

Außerdem ist Aggression ein Teil der menschlichen Natur. Der Wegfall von religiösen Hasspredigern ändert nicht das grundlegenden Gewaltpotential der Menschen.

Religion kann zudem Trost und Hoffnung vermitteln, die Gemeinschaft
stärken und so den Ausbruch von Gewalt, die aus Verzweiflung erwächst, sogar verhindern.

Frieden ist aus meiner Sicht zudem mehr, als die Abwesenheit von Gewalt, sondern besteht aus einer Kooperation der Menschen

Gerade Religion inspirierte im Laufe der Geschichte immer wieder Menschen zu selbstlosem Handeln und dazu, sich für Schwächere einzusetzen.

Auch Hilfsorganisationen und Projekte beruhen zum Teil nicht nur auf humanistischen Idealen, sondern auch auf religiösen Überzeugungen ihrer Gründer.

Religion kann zudem einen positiven Einfluss auf die Gesellschaft haben. Dieser würde bei der Entfernung der Religion wegfallen.

Einige Menschen haben das Bedürfnis nach klaren Normen und Regeln in ihrem Leben und finden diese insbesondere in konservativen Auslegungen der Religion.

Gesellschaften sind von Religionen mitgeprägt und diese damit ein Teil von Brauchtum und Kultur. Der Wegfall der Religion könnte zu kultureller Armut führen.

Gebote und Regeln der Religionen tragen in unterschiedlichem Maße nicht nur zur individuellen, sondern auch zur gesellschaftlichen Ordnung bei.

Die Morallehren der Religionen wollen häufig eigentlich ein ethisches Verhalten der Menschen erreichen, problematisch sind lediglich zu konservative und radikale Auslegungen.

Die Besinnung auf einen gemeinsamen religiösen Geist, eine grundlegende Ethik, könnte dazu beitragen, langfristig Frieden zu schaffen.

Nicht die wörtliche Auslegung, sondern die religiöse, transpersonale Erfahrung müsste in den Mittelpunkt gerückt werden, um die Religion friedensstiftender zu machen.

Die Idee einer Ökumene mag schön sein, wirkliche "Interkonfessionalität" über religiöse Grenzen hinweg würde aber eben auf religiöser Erfahrung und nicht auf religiösen Lehren beruhen.

Antwort
von MikeKeller, 40

Ich glaube nicht, dass eine Welt ohne Religion eine friedlichere wäre. Vielleicht gäbe es zwar auf den ersten Blick weniger Konfliktpotential zwischen verschiedenen Ansichten. Man darf aber nicht unterschätzen, wieviel Trost und Hoffnung die Religionen den Menschen schenken. Unzählige verzweifelte Menschen bewahrt der Glaube ans Jenseits und die ethischen Grundsätze der Religion davor sich unrechtmäßig zu bereichern oder der Gesellschaft Schaden zu zufügen. Natürlich verhalten sich auch Menschen die nichts mit der Religion am Hut haben ethisch. Ich glaube jedoch, dass eine nicht zu unterschätzende Zahl von Menschen nur durch ihren Glauben einen Sinn fürs Leben und einen Sinn dafür findet, rechtschaffend zu sein. Menschen die mit sich im Reinen sind, schaden nicht der Gesellschaft und lassen andere Menschen auch andere Überzeugungen haben. Ich bin mir ziemlich sicher, dass es meistens ein Mangel an Glauben ist bei Menschen, die im Namen ihrer jeweiligen Religion gewalttätig werden. Man sieht das diese Menschen oftmals sehr unsichere Persönlichkeiten sind.  

Antwort
von NewKemroy, 34

Ich denke nicht, dass die Religionen an für sich die Zerwürfnisse und den Krieg in der Welt zu verantworten haben. Schuld hieran sind ein falsches Religionsverständnis, die Verwechselung von Symbolen mit dem auf das die Symbole hindeuten sollen und ein fundamentaler Wahrheitsanspruch, insbesondere im Bereich Moral, Recht und Sicherheitsfragen, welcher die religiöse Lehre über alles andere (z.B. staatliche Gesetze) überhebt.

Einigend könnte hier die Besinnung auf die Mystik wirken. denn die Mystik hat in allen Religionen eine lange Tradition und verfolgt ungeachtet von Interessen der Gesellschaftsorganisation, Tradition und Sittenlehre nur ein einziges übergeordnetes Ziel. Nämlich den Menschen wieder zu Gott zu bringen. Häufig durch sozusagene Rückgängigmachung des Sündenfalls, bzw. der Erbsünde. Siehe hierzu 1. Korinther 15.22 Denn gleichwie sie in Adam alle sterben, also werden sie in Christo alle lebendig gemacht werden.

Der Weg der Religionen in der Zukunft sollte sich daher stärker von den Morallehren, Rechtslehren und Sittenlehren abwenden und bestrebt sein zurück zu Gott zu finden. So sagt Jesus: Ich bin der Weg die Wahrheit und das Leben. - Auf dass wir nicht weiterhin alle wie Zombies rumlaufen. Halleluja!

Antwort
von DerBuddha, 19

ob es uns ohne religionen besser gehen würde, ist ansichtssache......auf jeden fall aber könnte man ohne religionen und götter keine millionen menschen mehr zu sinnlosem töten im namen eines gottes überreden, denn das ist der grund für die meisten kriege dieser welt gewesen..................sie wurden immer im namen eines gottes geführt und gerade im islam sieht man zur zeit, welche auswüchse sowas hat...........man nutzt die widersprüchlichen texte um menschen zu sinnlosen attentaten und kriegshandlungen zu missbrauchen, weil die schriften nicht unmissverständlich sind, sie sind, genau wie alle anderen religiösen schriften auch, voller widersprüche und missdeutungen...............

bei 85 prozent der menschen, die an einen gott glauben, sollte man mal die frage stellen, WARUM diese 85 prozent nicht in der lage sind, eine friedliche und bessere welt aufzubauen..........die restlichen 15 prozent sind ja wohl mit sicherheit nicht der grund dafür, denn solche macht haben wir nicht.............*g*

wenn wir es schaffen, alle religionen endlich mal abzulegen, wäre dass die wahre erkenntnis und wir würden dann einen riesigen geistigen sprung machen, denn wir hätten durch unsere neue erkenntnis endlich die basis dafür, leben zu achten, denn wir wüssten dann, dass der körperliche tod endgültig ist, es also keine belohungen von erfundenen märchenfiguren gibt, die eine auferstehung oder ein leben nach dem tod versprechen......dass würde dann auch zur erkenntnis führen, dass ALLE gleich sind, nicht die krone der schöpfung, dass es noch unendlich viele andere lebensformen im universum gibt (was wir in naher zukunft wirklich beweisen werden) und dass alle götter und religionen nur erfindungen von menschen sind..........DENN:

jeder gläubige, der sich vorstellt wie sein gott wäre, der also behauptet, dass sein gott gütig, weise, friedlich usw. ist, hat sich gerade seinen eigenen gott erschaffen, denn würde es einen echten gott geben, einen erbauer des universums, wäre er nicht nur ALLES zusammen, also gut/böse usw., wir könnten ihn auch niemals begreifen, verstehen, seine motive, seine ideen erahnen, aber wir maßen uns an, ihn dann in unsere kategorien und eigenschaften zu stecken und seinen namen dann für alle taten zu missbrauchen...........was für ein glaubenswahn.........wird zeit diesen endlich loszuwerden.......:)

Antwort
von Bodesurry, 15

Eine Welt ohne Religion wäre keine friedlichere Welt. Denken wir nur an die ehemalige Sowjetunion oder  China. In beiden Ländern ging es überhaupt nicht friedlich zu. In beiden Staaten gab es sehr unruhige Zeiten praktisch ohne religiöses Leben.

Auch der 1. und 2. Weltkrieg, die Kriege in Vietnam, Korea und dem Irak (zur Zeit von Saddam Hussein) waren keine Religionskriege. 

Wenn Kriege im Namen der Religion geführt werden, dann geht es in der Regel um Macht oder wirtschaftliche Interessen. Menschen verschiedener Religonen, die friedlich zusammen lebten, wie zum Beispiel in Ländern in  Afrika oder in Asien, werden durch religiöse Führer zu Gewalttaten veranlasst. Bewusst gestreute  Gerüchte bringen einen Mob gewaltbereiter Menschen dazu, Unschuldige zu verjagen oder zu ermorden. Es sind jedoch meist nur ein ganz kleiner Teil der Bevölkerung die zu Gewalttaten greifen. 

Antwort
von josef050153, 9

Es knallt ja jetzt schon genug, welches der richtige Atheismus ist. Stell dir mal vor, das wird zur einzigen zugelassenen Religion.

Die heutige Welt würde uns dann wahrscheinlich wie ein Paradies vorkommen.

Antwort
von kenibora, 43

Durchaus möglich aber nicht machbar. Die meisten Kriege waren und sind "Religionskriege"!

Kommentar von peacexout ,

Genau das ist ein elementares Problem der Frage! Auf der einen Seite vermittelt Religion viele gute Gedankenanstöße um den Prozess des Friedens in Gang zu setzen, auf der deren Seite werden gerade in der heutigen Zeit viele Kriege im Namen Gottes geführt oder die Macht der Religion ausgenutzt. Die Frage ist, wie wäre es ohne Religion?

Kommentar von gottesanbeterin ,

Wenn man den Namen Gottes missbraucht, hat das nichts mit der ursprünglichen Aufgabe einer Religion zu tun. Die Kriege, die Gott führt, sind in unserem Inneren; gegen den "inneren Schweinehund"!

Kommentar von TheReaper52 ,

Eher Ressourcenkriege

Kommentar von Bodesurry ,

Die meisten Kriege sind "Religionskriege". Aus meiner Sicht völlig falsch  - beweise mir bitte das Gegenteil durch Fakten. 

Antwort
von gottesanbeterin, 30

Auch ohne Religion(en) gibt es Gier, Hass, Neid, Überheblichkeit und Ähnliches.

Religionen sollten ja ursprünglich alle destruktiven "Energien" überwinden. Das sie das nichtschaffen, liegt nicht an den diversen Religionen, sondern an den Religionsausübenden.

Kommentar von peacexout ,

Also wärst du auch der Meinung, dass wenn man eine Religion richtig interpretiert und sie von den Ausübenden auch dementsprechend umgesetzt wird, dass sie zum Frieden führt? Und dass es ohne Religion nicht friedlicher wird, sondern dass noch immer die gleichen Proleme da wären? Nur ohne Lösungsansatz von Religionen

Kommentar von gottesanbeterin ,

Aber sicher, ganz bestimmt; man könnte ohne Religionen diese nicht missbrauchen, doch die Machthungrigen würden ganz bestimmt andere Wege finden, um ihre Interessen durchzusetzen.

Keine passende Antwort gefunden?

Fragen Sie die Community