Frage von Saralein94, 73

Welches Teleskop funktioniert gut, unterstützt Astrofotografie (meine Spiegelref.cam ist D3100) und ist für EinsteigerInnen gut geeignet?

Hallo meine Liebe,

die Frage habe ich im Titel vollständig gestellt. Also ich liebe die Sterne und den Nachthimmel und wollte eben ein gutes Teleskop kaufen (unter 400) das auch Astrofotgrafie unterstützt für meinen Kameratyp Nikon D3100. Das Objektiv ist VR DX 18- 105 (hoffe richtig geschrieben). Ich würde eben gerne so ins All schauen (und dabei die Möglichkeit haben über Jupiter raus zukommen) und Fotos machen.

Leider sind die Beiträge ziemlich kompliziert, da ich absolute Einsteigerin bin, daher frage ich mich ob jemand hier eventuell einen Tipp hat.

LG derweil und Danke! Sara!

Expertenantwort
von Startrails, Community-Experte für Astronomie, 31

Hallo Sara,

jedes Teleskop hat seinen eigenen Himmel heißt es immer so schön. Soll heißen, dass es die eierlegende Wollmichsau nicht gibt. Die meisten die sich auch mit Fotografie beschäftigen, haben die Kamera an einem kleinen Teleskop laufen während sie selbst mit deutlichen größeren Teleskopen den Himmel beobachten.

Um Objekte am Himmel abzulichten braucht es ordentlich Belichtungszeit. Hier macht uns aber die Erdrotation einen Strich durch die Rechnung - Sterne werden ab einigen Sekunden zu Strichen. Das gleicht man aus mit einer parallaktischen Montierung. Möchtest du nun auch noch länger als 30 Sekunden belichten, kommst du ums Guiding nicht drumherum - ist aber mit Mehrkosten verbunden weil du eine zweite Kamera und ein zweites Teleskop benötigst (mal ganz von dem ganzen Kabelkram und Laptop abgesehen).

Gleich die Kamera ans Teleskop packen wird sicherlich eine ziemliche Herausforderung für einen Anfänger. Wenn es unbedingt die Fotografie sein muss, würde ich dir raten, dass du erst mal nur die Kamera ohne Teleskop nachführst. Da kann man auch tolle Übersichtsaufnahmen vom Himmel machen bzw. mit Objektiven um die 100 mm Brennweite lassen sich schon so einige Deepsky-Objekte abbilden.

http://www.teleskop-express.de/shop/product_info.php/info/p6597_Skywatcher-EQ3-A...

Bei dieser Montierung wäre z.B. schon alles dabei was man braucht wie Polsucher (die Montierung will schließlich genau eingenordet sein), die Motoren für die Nachführung, Handbox zur Bedienung, Prismenschiene sowie ein stabiles Stativ.

Mit einer DSLR wirst du beim Jupiter nicht viel Erfolg haben. Du hast dann ein kleines Pünktchen mit viel schwarz drumherum. Besser hierfür sind CCD-Kameras die den Jupiter (oder andere Planeten oder Mond) dann filmen! Da reicht auch ne günstige Webcam mit CCD-Sensor.

Später kann man hier immer noch kleine Geräte draufpacken mit Kamera. Das kann die Montierung schon ab.

Dann werden mehrere Bilder des gleichen Himmelabschnittes gemacht und später am PC zusammengefügt - das Bearbeiten kann auch nochmal ne Wissenschaft für sich sein ;-)

Kommentar von Saralein94 ,

Hallo, also oben habe ich auch schon geschrieben. Erstmals vielen, vielen Dank für die rasche und genaue Antwort. 

Sie hat mir wirklich geholfen. Beide. 

Ich habe beschlossen, mit der Astrofotografie, alleine schon aus finanziellen Gründen noch etwas zu warten. Vielleicht darf ich auch mal bei einem Freund/ einer Freundin probieren um mal zu sehen, ob mir das gefallen würde. Ich glaube, dass das Anschauen alleine auch schon sehr wertvoll ist und muss zu meiner Schande gestehen, dass ich dabei die Rotation vollkommen vergessen habe, die hier Probleme machen könnte. 

Danke nochmals und lg

Antwort
von Hellstorm, 29

Mit maximal 400 Euro Astrofotografie zu betreiben ist schwierig. Pauschal könnte mit dem Budget nur dazu raten, insbesondere die bereits vorhandene Ausrüstung zu nutzen. Der erste Weg wäre, die Kamera einfach auf ein Stativ zu packen und mit der kürzesten Brennweite sich etwas in der Langzeitbelichtung zu üben. Zehn bis 20 Sekunden sind durchaus möglich mit 18mm. Kannst auch 30s austesten, aber die Sterne könnten dann schon leicht zu Strichen werden.

Der Trick ist dabei der, möglichst viele Aufnahmen der selben Himmelsregion zu machen. Anschließend überlagert man diese Einzelbilder in speziellen Programmen und erhält somit viel mehr Gesamtbelichtungszeit und Farbinformationen. Das Rauschen nimmt gleichzeitig ab. Das so gewonnene Summenbild bearbeitet man dann mit anderen Programmen weiter. Histogramm strecken, Hintergrund dunkler machen, usw... Diese Technik kann ich bei Bedarf genauer Beschreiben.

Das Beschriebene bedeutet natürlich auch, dass Astrofotografie nicht einfach nur bedeutet, mit einer Kamera ein Bild zu machen, und fertig. Ich habe dazu hier unten einmal zwei Beispielbilder angehängt. Einmal ein Rohbild, wie es direkt aus der Kamera kommt und daneben das bearbeitete Endergebnis. Nur damit Du einen Vergleich hast, wieviel Arbeit man dann noch am Computer in die Bilder stecken muss.

Wenn Du nun wirklich mehr willst, als nur 10 bis 20-Sekunden Bilder zu machen, musst Du dir eine Nachführung kaufen. Also ein Stativ, das die Erddrehung ausgleicht. Das günstigste wäre wohl z.B. der Skywatcher Star Adventurer, der etwas unter 400 Euro liegt. Das ist eine Nachführung, die man auf ein normales Fotostativ packen kann und wo dann die Kamera draufgeschraubt wird. Vom der Belastbarkeit her trägt sie sogar einen kleineren Refraktor inkl. Kamera. Aber es bleibt dennoch eine kleine Montierung, die eher für Kameras mit Teleobjektiv geeignet ist.

Die Alternative wäre sonst, wie schon genannt, die Skywatcher EQ-3-2 mit motorisierter Nachführung. Damit bist Du dann auch schon knapp 400 Euro los. Die EQ-3-2 ohne Motorset liegt im moment bei etwa 260 Euro. Das einfachste Motorset liegt dafür aber leider auch schon bei etwas über 100 Euro. Ein Teleskop ist noch nicht dabei. Dafür solltest Du im allereinfachsten Fall noch einmal wenigstens 100 bis 200 Euro rechnen. Ich muss dann aber gestehen, dass die EQ-3-2 nur max. 5 kg visuell trägt. Für die Fotografie sollte man die Montierung aber max. zu 2/3 auslasten. Wenn ich die Kamera mit knapp 1kg berechne, kannst du also noch ein kleies Teleskop mit max. 2 bis 3 kg Gewicht draufpacken. Alles andere bringt dir nur Probleme.

Und hier liegt dann auch der Hund begraben. Die Montierung ist voll ausgereizt, aber taugt dennoch nur für die absolut ersten Schritte in der Astrofotografie. Am besten auch nur ohne Teleskop drauf, sondern direkt die Kamera mit Teleobjektiv drauf geschraubt.

Sinnvoller Weise sollte man wenigstens das Geld sonst in eine EQ-5 investieren. Mit vernünftigen Nachführset (Motoren an beiden Achsen) liegt man dann bei etwa über 550 Euro ohne Teleskop. ABER: Die EQ-5 trägt 10 kg und somit Spiegelteleskope bis etwa 150mm Öffnung fotografisch. Da es für die Montierung ein Goto-Upgrade-Kit gibt, kann man später problemlos auf eine vollwertige Montierung upgraden, die automatisch zu den angewählten Deep-Sky-Objekten fährt. Das Upgrade-Kit schlägt allerdings auch mit ca. 350 Euro zu Buche.

Wäre aber eine Überlegung wert. 550 Euro sparen und erstmal die Basisvariante kaufen, wo man schon einmal die Kamera draufschnallen kann. Für erste Schritte ist sie optimal geeignet. Und auch für später. Da diese Montierung dann auch Autoguiding-Fähig ist, lassen sich schon sehr gute Bilder damit machen. Autoguiding bedeutet, dass eine zusätzliche Kamera eine ggf. ungenaue Nachführung ausgleicht und entsprechende Korrekturimpulse an die Motoren sendet. So kann man problemlos auch Einzelbelichtungen von 10 Minuten machen.

Aber dennoch muss ich folgendes ebenfalls erwähnen: Preislich kratzt man selbst mit knapp 600 Euro noch am unteren Ende. Durch Lichtverschmutzung ist für gute Bilder später der Einsatz diverser Filter unabdingbar. Diese liegen preislich, wenn man nicht nur "Fensterglas" möchte, auch über 200 Euro. Für ein gutes Teleskop (ohne Montierung) sollte man später auch noch einmal 400 Euro einplanen. Dazu den passenden Adapter um die Kamera dann auch ans Teleskop zu kriegen und noch einen sogenannten Koma-Korrektor, um die Bildfeldverzerrung auszugleichen. Sonst hat man am Bildrand Eier statt Sterne.

Bevor ich hier aber um den heißen Brei rede: Wenn Du erst einmal testen willst, nimm wie gesagt einfach nur die vorhandenen Mittel und pack die Kamera auf ein Stativ. Das wird nicht gleich klappen und man wir viel herumprobieren müssen. Wenn Du nach den ersten Versuchen noch Lust hast, bist Du auf jeden Fall auf dem richtigen Weg und kannst über den Kauf eines Star Adventurers oder EQ-3-2 bzw. EQ-5 nachdenken. ;)

Kommentar von Saralein94 ,

Hallo und wieder danke für eine so ausführliche Antwort. Bei den Hobbyastronomen ist man ja richtig gut aufgehoben! 

Nein, also ich habe mir gedacht, da ich wirklich erst am Anfang bin und das ja in erster Linie mal ein Hobby bleiben soll, lasse ich das mit der Fotografie vollständig weg. 

Im Notfall kann ich nach Jahren immer noch alles umändern. 

Ich habe aber dank deiner Erklärung jetzt ein bisschen mehr verstanden wie das so mit der Fotografie läuft und bin froh, wenn auch zugleich enttäuscht, dass es schwieriger ist als angenommen. Aber zum Glück weiß ich das jetzt!

Danke nochmals und Alles Liebe!

Antwort
von ralphdieter, 28

Deine Feinde beim Astro-Fotografieren sind:

  • Wackeln: Extrem lange Belichtungszeiten brauchen ein sehr stabiles Stativ ("Dreibein") und eine robuste Montierung (dreh- und schwenkbarer Kopf). Allein dafür bist Du schnell 400€ los, und nach oben ist keine Grenze in Sicht.
  • Erddrehung: Aus punktförmigen Sternen wird schon nach wenigen Sekunden ein kleiner Strich. Ein Motor (>100€) leistet da unschätzbare Hilfe.
  • Lichtmangel: Das Weltall ist stockduster. Ein Teleskop mit großer Öffnung (Linsen- bzw. Spiegeldurchmesser) sammelt mehr Licht, kostet aber auch mehr und ist schwerer, was wieder zum Wackeln beiträgt. Aus dem hohlen Bauch raus: unter 20cm Spiegeldurchmesser wird Fotografieren zur "Herausforderung". Aber fixiere Dich nicht auf eine bestimmte Zahl. Egal, wieviel Öffnung, es wird immer zu wenig sein!
  • Dunst, Wärme und Licht: Straßenlampen, Wohngebiete, Luftverschmutzung und natürlich Nebel und Wolken trüben den Blick ins All. Dagegen hilft auch die teuerste Ausrüstung nicht.

Die D3100 hat den Vorteil, extrem leicht zu sein. Mit einem T2-Adapter passt sie an fast jedes Teleskop. Letzteres fungiert dann als gigantisches Teleobjektiv.

Fazit: Für'n Tausender bekommst Du eine passable Grundausstattung. Drunter musst Du erhebliche Abstriche machen. Auf die Schnelle habe ich z.b. dieses gefunden:

http://www.teleskop-express.de/shop/product\_info.php/info/p5880\_Skywatcher-Her...

Zusammen mit einem Kamera-Adapter bleibt das preislich noch im Rahmen. Ich habe allerdings keine Erfahrung mit diesem Gerät; nur so ein Gefühl, dass es wohl gerade noch unter meiner Schmerzgrenze liegen würde.

Kommentar von Saralein94 ,

hallo, also vielen, vielen Dank erstmal für so eine genaue Antwort. Ich sehe schon bei beiden Kommentaren, dass ich da vielleicht einige Dinge falsch eingeschätzt habe. 

Vielleicht ist es besser, wenn ich mich "nur" auf das Beobachten von Gestirnen usw. beschränke ohne Fotografie, denn wenn ich mal mehr verdiene, kann ich da ja dann aufrüsten. Ja, also ich wohne zwar in einem Dorf, aber alleine schon unsere Straßenlaternen sind so hell, dass man die Nacht oft meint, es ist Vollmond... 

Ich glaube, ich werde ein normales EinsteigerInnenteleskop nehmen. 

Vielen, vielen lieben Dank für die Antwort, sie hat mir wirklich weitergeholfen!

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