Frage von Wurzelstock, 149

Welches Problem entsteht der Gesellschaft aus sozialpsychologischer Sicht durch unterschiedliche sexuelle Orientierung?

Da eine ensprechende, schlecht formulierte Frage unterdrückt würde, formuliere ich sie neu und sachlicher. Sie ist gesellschaftsrelevant.

Homosexuelle empfinden anders als Heterosexuelle. Daduch gibt es einen bestimmten Punkt, an dem die Mechanismen der sozialen Resonanz nicht mehr funktionieren können. Das macht aggressiv auf beiden Seiten. Der Mehrheit ist das nicht bewusst - weder der Mehrheit der Homosexuellen, noch der Mehrheit der Heterosexuellen. Wie kann der einzelne damit umgehen? Ist eine gesellschaftliche Apartheit das geeignete Modell oder der offene Umgang miteinander? Gibt es Fachliteratur darüber?

Hilfreichste Antwort - ausgezeichnet vom Fragesteller
von Myosotis16, 69

Ethische Urteilsbildung zum Thema "Toleranz gegenüber Homosexualität"

Inhaltsverzeichnis

1 Einleitung

2 Definitionen
2.1 Toleranz
2.2 Homosexualität
2.3 Ethische Urteilsbildung

3 Öffentliche Aussagen zum Thema „Homosexualität“
3.1 Religion
3.2 Wissenschaft
3.3 Politik

4 Eigene Ethische Urteilsbildung

5 Literaturverzeichnis
5.1 Primärliteratur
5.2 Sekundärliteratur

1 Einleitung

Homosexualität scheint, trotz aufklärerischen Gedankens und einer oft betonten „toleranten Gesellschaft“, immer noch ein Tabuthema zu sein. Gerade in Deutschland, wo verschiedene Kulturen und Religionen aufeinander treffen, sind unterschiedliche Auffassungen zu finden. 

Mehrere Statistiken zeigen, dass die Toleranz gegenüber der Homosexualität in Deutschland zwar stetig steigt, jedoch in einigen Teilen der Erde homosexuelle Menschen oft noch mit dem Tod bestraft werden. Ist Homosexualität eine Krankheit oder nur eine Neigung, die sich von der Heterosexuellen unterscheidet?

Dieses Essay wird sich mit diesem Thema auseinandersetzen und verschiedene Meinungen benennen, die sich für oder gegen eine Toleranz gegenüber Homosexualität äußern. Hierzu werden Beispiele aus den Bereichen der Religion, der Wissenschaft und der Politik aufgelistet, die veranschaulichen sollen, wie stark sich die Meinungen bezüglich dieses Themas unterscheiden. 

Im Teilbereich der Religion finden sich Positionen aus dem Islam und der katholischen sowie evangelischen Kirche wider. Die Genforschung wird im Fokus der Wissenschaft beschrieben und der Bereich der Politik wird mit Auffassungen aus dem Iran und den heutigen Rechten der Homosexuellen in Deutschland untergliedert.

Im zweiten Kapitel werden zunächst Definitionen zu „Toleranz“, „Homosexualität“ und „Ethische Urteilsbildung“ gegeben, um im anschließenden dritten Kapitel die Sichtweisen aus den oben genannten verschiedenen Bereichen zu betrachten und zu verstehen. 

Abgeschlossen wird das Essay mit einer eigenen ethischen Urteilsbildung, die sich mit den genannten Positionen aus Religion, Wissenschaft und Politik auseinandersetzt und eigene Aspekte und Gedanken festhält.

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Einleitung: Diskriminierung als gesellschaftliches Phänomen

Zusammenfassung

Was unter Diskriminierung zu verstehen ist, scheint keiner weiteren Erläuterung zu bedürfen: Als Diskriminierungen gelten gewöhnlich Äußerungen und Handlungen, die sich in herabsetzender oder benachteiligender Absicht gegen Angehörige bestimmter sozialer Gruppen richten. 

Auch kann ein breiter Konsens darüber angenommen werden, dass Diskriminierungen im Sinne von Benachteiligungen und Bevorzugungen, die nicht auf Unterschieden der individuellen Leistungsfähigkeit und Leistungsbereitschaft beruhen, abzulehnen und zu überwinden sind. Denn sie widersprechen grundlegenden Gleichheits- und Gerechtigkeitsnormen, die im Selbstverständnis moderner Gesellschaften verankert sind.

Entsprechend kommt eine im Auftrag der Europäischen Kommission durchgeführte Umfrage zu dem Ergebnis, dass eine „andere (und zwar benachteiligende oder schlechtere) Behandlung von Menschen auf Grund der Rasse oder der ethnischen Herkunft, der Religion oder der Weltanschauung, einer Behinderung, des Alters und der sexuellen Ausrichtung“ (Marsh/Sahin-Dikmen 2003: 5) in allen Ländern der EU von einer deutlichen Mehrheit der Bevölkerung abgelehnt wird.

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Die Möglichkeiten gesellschaftlicher Veränderungen durch Sexualpädagogik

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Wertkonflikte als Statuspolitik oder als ‚Politik der Lebensführung‘

Topics
Political Theory
Political Philosophy
Ethics
Sociological Theory

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Handbuch der Kulturwissenschaften

pp 474-488

Politik zwischen Differenz und Anerkennung: Multikulturalismus und das Problem der Menschenrechte

Shingo Shimada

Zusammenfassung

Das Verhältnis von Menschenrechten und »Kultur« wird erst seit kurzem thematisiert. Die Vorstellung, dass die Menschenrechte im Zusammenhang unterschiedlicher kultureller Differenzen gedacht werden müssten, konnte so lange nicht aufkommen, wie ein bestimmtes Wertesystem als universell und kulturunabhängig angenommen wurde. 

Offensichtlich hat sich dies geändert, so dass die Relevanz der Menschenrechte angesichts der kulturellen Differenzen ein ernstzunehmendes, aktuelles Problem geworden ist. Daher hat sich die Diskussion um die Menschenrechte mittlerweile stark »interkulturalisiert«,1 und der Ausdruck »Multikulturalismus« verweist auf die innergesellschaftlichen Wandlungsprozesse, in denen der Aspekt der »Kultur« wiederum eine entscheidende Rolle spielt. 

Dennoch scheinen die sich zum Teil überschneidenden und sich gegenseitig beeinflussenden englisch- und deutschsprachigen Diskurse zu diesen Themen zwei eurozentrische Diskurse zu sein.

Kommentar von Wurzelstock ,

Vielen Dank, Myosotis! Die vorgezeigten Werke scheinen einen soziologischen Schwerpunkt zu haben. Mich interessiert allerdings in erster Linie die psychologische Seite. Lediglich von dem Titel "Diskriminierung" verspreche ich mir da was, weil er im Untertitel  "Grundlagen" erwähnt. Zumindest werde ich damit anfangen  :-)

Kommentar von Myosotis16 ,

Homosexualität: Daten und wissenschaftliche Studien – kurze Hinweise

In dieser Rubrik sind relevante Daten und Studienhinweise zu aktuellen Themen in den Bereichen Homosexualität/Bisexualität zusammengetragen:

Angaben zur Häufigkeit: SelbstidentitätHomosexualität und medizinische ErkrankungenHomosexualität und psychische ErkrankungenHomosexualität und sexueller MissbrauchHomosexualität und PromiskuitätHomosexualität und Jugendliche

Angaben zur Häufigkeit: Selbstidentität

Bei diesen Daten ist zu berücksichtigen: Nicht nur die sexuelle Orientierung und das sexuelle Verhalten können sich im Lauf eines Lebens spontan verändern, auch die Einschätzung der eigenen Identität wechselt nicht selten im Lauf eines Lebens.1

1. Eine repräsentative Untersuchung der University of Chicago (1994) ergab:

2,8 Prozent der Männer und 1,4 Prozent der Frauen bezeichneten sich in ihrer Selbstidentität als homosexuell oder bisexuell.2

2. Eine repräsentative Studie (2011) des amerikanischen Centers for Disease Control and Prevention kommt zu dem Schluss:

Was die Selbstidentität angeht, bezeichneten sich

bei den Männern zwischen 18 und 44 Jahren 1,7 Prozent als schwul und 1,1 Prozent als bisexuell.

bei den Frauen zwischen 18 und 44 Jahren 1,1 Prozent als lesbisch und 3,5 Prozent als bisexuell.3

Fußnoten

1 Siehe dazu ausführlich: Laumann, E.O. et al., The Social Organisation of Sexuality, Chicago 1994, S. 283-320. Ein anderes Beispiel: Die lesbisch lebende Forscherin Lisa Diamond stellte in einer Langzeituntersuchung fest, dass 50 % der jungen Frauen, die eine nicht-heterosexuelle Identität angenommen hatten, innerhalb von 2 Jahren mehr als einmal ihr „Identitäts-Label“ änderten. Diamond, L.M., Sexual identity, attractions, and behavior among young sexual-minority women over a two-year period. In: Developmental Psychology, 26, 241-250, 2000.

2 Laumann, E.O. er al., ebd.

3  Zugriff 07.01.2015

Homosexualität und medizinische Erkrankungen

Hier finden Sie ausführliche Informationen zu:
Homosexualität und HIV / AIDS »

1. Robert Koch Institut (RKI), Berlin 7.12.20151: „Weiterer starker Anstieg der Syphilis bei MSM im Jahr 2014“ (MSM: Männer, die Sex mit Männern haben)

Syphilis ist der Name für eine bakterielle Erkrankung, die vor allem durch sexuelle Kontakte übertragen wird; sie kann auch über Blut und intrauterin übertragen werden. In Deutschland sind fast ausschließlich Männer, insbesondere MSM, von Syphilis betroffen. Der Frauenanteil lag 2014 nur bei 6,3%.

Seit 2010 steigt die Zahl der jährlich gemeldeten Syphilis-Fälle in Deutschland kontinuierlich an, im Jahr 2014 noch stärker als in den Vorjahren, und zwar fast ausschließlich bei MSM. Bei den Frauen ging 2014 der sowieso schon geringe Anteil noch leicht zurück.

Homosexualität und psychische Erkrankungen

1. Eine neuseeländische, repräsentative Longitudinal-Studie (1999), die über 21 Jahre lief, untersuchte die psychische Gesundheit von über 1000 Jugendlichen im Alter von 14-21 Jahren. Es wurde dabei festgestellt, dass die homosexuell orientierten Jugendlichen deutlich häufiger an schweren Depressionen, Angstneurosen, Nikotinabhängigkeit, anderen Süchten sowie verschiedenen anderen psychischen Erkrankungen litten als die heterosexuell orientierten Jugendlichen.
Auch Selbstmordversuche waren in der Gruppe der homosexuell orientierten Jugendlichen deutlich häufiger.1

2. In einer 1999 veröffentlichten Studie aus den USA wurden erwachsene männliche Zwillinge, von denen einer homosexuell, der andere heterosexuell lebte, untersucht. Die Studie kam zu dem Ergebnis: Die homosexuell lebenden Männer wiesen eine deutlich höhere Rate an Selbstmordversuchen auf als die heterosexuell lebenden Männer.2

3. Der international durch seine Forschungen über Homosexualität bekannt gewordene Wissenschaftler Michael Bailey kommentierte die beiden unter 1. und 2. genannten Studien: „Diese Studien enthalten wohl die besten bisher veröffentlichten Daten über den Zusammenhang zwischen Homosexualität und psychischen Erkrankungen und beide kommen zu demselben unschönen Schluss: Homosexuell Lebende haben ein substantiell höheres Risiko, an bestimmten emotionalen Problemen, unter anderem Selbstmordneigung, schwere Depressionen und Angstneurosen zu erkranken.“ Bailey warnt davor, für diese emotionalen Probleme einfach eine negative Einstellung der Gesellschaft gegenüber homosexuellen Lebensstilen verantwortlich zu machen.3

4. Essstörungen sind deutlich häufiger bei homosexuell lebenden Männern als bei heterosexuell lebenden Männern.4

Fußnoten

1 Fergusson, D.M.:Is sexual orientation related to mental health problems and suicidality in young people?, Arch. Gen. Psychiatry, vol. 56, Oct. 1999, S. 876-80.

2 Herrel, R., Sexual orientation and suicidality Arch. Gen. Psychiatry, 56, Oct. 1999, S. 867-74.

3 Bailey, J.M.: Homosexuality and mental illness. Arch. Gen. Psychiatry, 56, Oct.1999, S. 883-884.

4 Carlat, DJ, Camargo CA Jr., Review of bulimia nervosa in males. American Journal of Psychiatry, 1991, 148, S. 831-843.

Kommentar von Garlond ,

Das mit den psychischen Problemen würde mich jetzt auch mal interessieren. So wie es da steht soll die Homosexualität der Auslöser sein.
Nur das man die Studie wahrscheinlich mit dem gleichen Ergebniss erhält, wenn man die psychische Gesundheit von Mobbing-Opfern untersucht.

Kommentar von Wurzelstock ,

Garlond, wo steht denn, dass Homosexualität der Auslöser für die psychischen Probleme sein soll? Solche Studien geben nur Zusammenhänge wieder - keine Kausalitäten!

Genau davor warnt Bailey in der zitierten Quelle, wenn er es auch explizit auf den Umkehrschluss bezieht.

Kommentar von Garlond ,

Nun ja, es steckt unterschwelig in diesem Satz:

Es wurde dabei festgestellt, dass die homosexuell orientierten
Jugendlichen deutlich häufiger an schweren Depressionen, Angstneurosen, Nikotinabhängigkeit, anderen Süchten sowie verschiedenen anderen psychischen Erkrankungen litten als die heterosexuell orientierten Jugendlichen.

Und genau die Warnung bekräftigt diesen Eindruck ja noch;

Bailey warnt davor, für diese emotionalen Probleme einfach eine negative Einstellung der Gesellschaft gegenüber homosexuellen Lebensstilen verantwortlich zu machen.

Die Warnung bezieht sich ja darauf, dass die psychischen Probleme nicht das Produkt der gesellschaftlichen Akzeptanz sein sollen, was wiederum dafür spricht, dass die Homosexualität als Auslöser gesehen werden soll.

Ich kenne die Studien ja nicht genau, und habe keins der Bücher gelesen, ich bin auch skeptisch was die Legitimation solcher Studien betrifft, aber ich bezweifle, dass die Homosexualität der Grund für psychische Probleme sind. Sondern eben genau jener gesellschaftliche Umgang mit der Homosexualität.

Kommentar von Wurzelstock ,

Ich kenne diese Studien auch nicht, aber ich kann mit Statistiken umgehen. Pardon, Garlond - Du kannst es nicht.

Ich sehe den Grund weder in der Homo- noch Heterosexualität. Es gibt noch andere, viel plausiblere Ursachen. Darüber müsste es ebenfalls Statistiken geben. Vielleicht findet sie Myosotis noch.

Doch auch die können keine Aussagen über Kausalität machen, sondern nur über Zusammenhänge. Kausalitäten können nur durch Experimente ermittelt werden. Nicht durch Statistiken.

Kommentar von Garlond ,

Siehst du, du kannst mit Statistiken umgehen und ich nicht, trotzdem kommen wir zum selben Ergebniss.

Kommentar von Wurzelstock ,

Ganz und gar nicht. Zu einem Ergebnis kommst nur Du - ich nicht.

Kommentar von Garlond ,

Warum schreibst du dann; Ich sehe den Grund weder in der Homo- noch Heterosexualität? Das ist genau das was ich auch gesagt habe; ich bezweifle, dass die Homosexualität der Grund für psychische Probleme "ist".

Was die Ursachen letztlich sind wissen wir beide nicht, ich würde es halt eher im Umgang der Homosexualität durch die Gesellschaft suchen als in der sexuellen Orientierung ansich. Dass das kein Ergebniss sein kann, setze ich als gegeben voraus.
Aber wie gesagt, ich würde auch erst mal nach dem Nutzen solcher Studien fragen, denn genau das, was ich oben aufgegriffen habe wird sicher gerne von Gegnern der Homosexualität ins Feld geführt.
Wenn wir eine gesellschaftliche Akzeptanz, dass andere Formen der Sexualität, neben der als aktuell als normal empfundenenen, erreichen würden, denke ich sehr, dass auch, die von dir angesprochene gegenseitige Wahrnehmung sich ändern würde. Ich bin nämlich davon überzeugt, dass die Wahrnehmung auch von unserer Umwelt beeinflusst ist.
Wie eine gesellschafliche Trennung hier helfen sollte oder auch nur umgesetzt werden könnte, kann ich mir dagegen überhaupt gar nicht vorstellen, ich bin mir ziemlich sicher, dass das der falsche Weg wäre.

Kommentar von Wurzelstock ,

Die Homosexualität wird in unserer Gesellschaft akzeptiert. Den Politikern, die sich geoutet haben, hat es kein bisschen geschadet. Auch im privaten Bereich wird Homosexualität akzeptiert. Selbst zu den Zeiten, als homosexuelle Aktivität noch strafbar war, wurden solche Menschen in ihrem unmittelbaren Umfeld akzeptiert. Das ging ja letztlich nicht anders.

Die fehlende Akzeptanz ist mittlerweile ein Klischee, das von intern einflussreichen Homosexuellen künstlich hochgehalten wird. Fällt dieses Klischee, dann verlieren sie ihre Macht.

Dabei sind aber auch übertriebene Sympathie- und Verständnisbekundungen von Heterosexuellen ein Indikator für tiefer liegende Ursachen. Die werden von beiden Seiten aus unterschiedlichen Motiven verbissen bestritten. Dabei erweisen sich die Homosexuellenkreise genau so mit Vorurteilen behaftet, wie die unverbesserlichen Schwulenhasser.

Kommentar von Garlond ,

Bist du dir sicher, das man da von Atzeptanz reden kann? Ich denke eher es wird einfach toleriert und vielen ist es einfach egal.

Klar, Homophobie wird es immer geben, aber was spricht dagegen gegen diese vorzugehen, auch wenn es nur einen kleinen Teil der Bevölkerung "Deutschlands" betrifft.

Würde nicht eine wirkliche Akzeptanz dazu führen (um mal deine Kommentare bei anderern Antworten aufzugreifen), dass man mehr darüber redet und somit die von dir angesprochenen Probleme bezüglich des Verständnisses untereinander schneller beseitigt werden könnten?

Du schreibst ja zum Beispiel: Der gleichgeschlechtlich orientierte Kumpel versteht nicht, dass Du ihn magst, ohne dass es mit sexuellen Ambitionen verbunden ist und sagst Das führt in jedem Fall zur Frust.

Ich denke jemand der akzeptiert geht viel offener damit um als jemand der nur toleriert. Beispiel; ein ehemaliger Arbeitskollege von mir (den ich für stockhetero halte) hatte kein Problem damit, dass ich mich bei ihm angelehnt habe. Ich habe es genossen und hatte auch keine Probleme damit, dass ich ihn nicht haben kann. Wir konnten einfach Problemlos nebeneinander leben. Ich denke das zulassen von - ich nenne es jetzt mal - leichten Intimitäten, also berühren, streicheln, umarmen, ist auch nicht unbedingt an die Sexualität gekoppelt, sondern resultiert aus dem Umgang mit körperlicher Nähe in der Erziehung. Eine Bromance kann sehr intim sein, ohne dass dabei Sexualität eine vorherschende Stellung einnäme.

Deiner Aussage Der Homosexuelle versteht darunter immer ein intimes Verhältnis, oder dessen Möglichkeit würde ich auch wiedersprechen, das kann ich zwar nur anhand meines Umfelds festmachen, und nicht an einer Studie, aber dein Beispiel mit Willi Brand scheint mir auch eher das Gegenteil aufzuzeigen, wobei ich das auch gar nicht an der sexuellen Orientierung festmachen würde.

Kommentar von Wurzelstock ,

Ich gebe dir in vielem Recht, nur nicht in der Konsequenz, die Du folgerst: Es ist nicht zulässig, gegen irgendwen vorzugehen. Schon garnicht, wenn das jemand willkürlich und nach eigenem Gutdünken tut. Genau das werfe ich dem Homosexuellenkreis vor.

So, wie Du den unbefangenen Umgang mit deinem ehemaligen Arbeitskollegen beschreibst - was übrigens nicht jeder Homosexueller kann - so kann man auch von jedem verlangen, dass er den Spott oder die Geringschätzung einzelner bis zu einer gewissen Grenze erträgt. das gilt für jede Minderheit.

Ansonsten: Was ist denn der Unterschied zwischen Akzeptanz und wirklicher Akzeptanz? Hinter solcher einschränkender Attribution steckt immer eine Ideologie, die nur das zulässt, was ihr in den eigenen Kram passt.

Und nein: Die Probleme der Verständigung können nicht beseitigt werden - so wenig wie Farbenblindheit. Deshalb muss man wissen, dass sie existieren. Und beide Seiten müssen wissen, dass sie davon keinerlei Rechte ableiten können.

Stattdessen werden sie weggeredet - genauso wie die Tatsache, dass ein Neger schwarz ist. Nun sage mir bitte nicht, dass das Wort Neger ein Schimpfwort sei - das war es nie! Man musste es erst dazu machen, um es dann beseitigen zu können.

Kommentar von Wurzelstock ,

P.S.: Was dir scheint bezüglich Willi Brand, kann ich nicht beeinflussen. Da ich Willi Brand kannte, weiß ich, woran ich es festzumachen habe. Er hat sich diesbezüglich noch ganz andere Bolzen geleistet. Sie kamen aus einer tiefsitzenden Aversion gegen Homosexuelle, die er nicht in den Griff bekam. So wenig, wie Scholl-Latour seine diesbezügliche Empfindlichkeit.

Kommentar von Garlond ,

Um mal auf einen Nenner zu kommen, welche Konsequenz folgere ich denn deiner Ansicht nach, gegen wen will ich vorgehen?

Und wenn du sagst man kann von jedem verlangen, dass er Spott oder Gringschätzung bis zu einer gewissen Grenze erträgt, stellst du dann nicht das Recht jemanden zu verspotten über das Recht gegen diesen Spot anzugehen? Vor allem, wo sollte denn die Grenze des Ertragbaren liegen und wer sollte sie festlegen? Weiter oben schreibst du selbst, Schon garnicht, wenn das jemand willkürlich und nach eigenem Gutdünken tut. Gilt das nicht eigentlich für alle Bereiche?

Bezüglich der Akzeptanz und der Toleranz, ich weiß nicht wo du Unterschiede in der Akzeptanz einordnen willst. Es geht um den Unterschied zwischen Toleranz, Akzeptanz ist sehr viel mehr als Toleranz, also bloßes erdulden von etwas.

Und warum meinst du die Probleme in der Verständigung können nicht beseitigt werden? Du beschreibst doch schon selbst den Weg dahin; Deshalb muss man wissen, dass sie existieren. Und beide Seiten müssen wissen, dass sie davon keinerlei Rechte ableiten können. Vielleicht kann man Farbenblindheit nicht heilen, aber mit dem Wissen darum, kann man sehr gut kompensieren.

Wenn du davon sprichst, dass die Probleme weggeredet werden, wen genau meinst du damit? Und auf welches Problem beziehst du dich dabei? Also wo genau siehst du das Problem bei Negern, oder um beim Thema zu bleiben bei Homosexuellen und in welcher Form wird es von wem weggeredet?
Wir sind ja nun noch nicht so weit, dass Schwul oder Homosexuell als Unwort zeichnen, weil es teilweise als Beschimpfung gilt.

Auch ein Hakenkreuz ist ja ansich nichts schlimmes, aber es halt halt durch die Nazis eine negative Konotation bekommen, so das es heute bei uns weitgehend verboten ist.

Und noch mal zu Willy Brandt, ich habe da eigentlich nichts falsch verstanden, aber du hast folgendes geschrieben, was nicht zusammen passt:

Dein "Achja" bezieht sich wahrscheinlich auf das Wort 'Freund'. Der
Homosexuelle versteht darunter immer ein intimes Verhältnis, oder dessen Möglichkeit. Der heterosexuelle Mann nicht.

Das brachte Willi Brand vor laufender Kamera ins Schwitzen, als er nach seiner Einstellung zu Peter Scholl-Latour befragt wurde:

"Sind sie mit ihm befreundet?"
"Nein. Ich habe nichts gegen ihn. Er macht eine gute Arbeit als Journalist, die man anerkennen muss, aber befreundet  bin ich nicht."
"Warum nicht?"
`"Weil ich einfach nicht mit solchen Leuten befreundet bin."
Ich verstand es damals nicht: Willi Brand, der ein "Schwulenfresser" war, wollte kein Missverständnis aufkommen lassen.

Ich verstehe nicht, wie das zusammenpasst, weiß allerdings auch nicht, was du mit "Schwulenfresser" meinst.

Ich wüsste aber auch nicht ob Willy Brandt oder Peter Roman Scholl-Latour schwul waren.

Auf was bezieht sich denn "mit solchen Leuten". Aus dem Zusammenhang gehe ich davon aus, das mit "solchen Leuten" Homosexuelle gemeint sind. Ansonsten wüsste ich gar nicht, wie du das in Einklang bringst. Von der Annahme ausgehend, dass Willy Brandt hier eine Freundschaft zu Scholl-Latour ausschließt, macht deine Aussagen keinen Sinn, denn dann wäre es der Hetero Willy Brandt, der ein Problem damit hat und gegebenenfalls unter Freund ein intimes Verhältnis oder dessen Möglichkeit versteht.

Kommentar von Wurzelstock ,

Garlond, ich bin in einem Punkt zu oberflächlich gewesen: Du willst nicht gegen jemanden vorgehen, sondern gegen etwas. Das ist was völlig anderes, und das kann man natürlich tun, wenn man sich was davon verspricht.  :-)

Mir geht es aber um das Ergründen - nicht ums Ändern.

Antwort
von HellasPlanitia, 84

Homosexuelle empfinden anders als Heterosexuelle. Daduch gibt es einen bestimmten Punkt, an dem die Mechanismen der sozialen Resonanz nicht mehr funktionieren können. Das macht aggressiv auf beiden Seiten.

Sicher? Ich teile schon diese Ausgangshypothese nicht.

Das einzige Problempotential, welches ich sehe, ist folgendes: A kann sich von B sexuell angezogen fühlen, B ist aber nicht interessiert (da A für ihn/sie das "falsche" Geschlecht hat). Ja, das kann zu Frust führen. Aber ehrlich? Ähnliches kommt auch in einer rein heterosexuellen Gesellschaft vor und genauso zwischen Homosexuellen. Ablehnung findet dauernd statt. Nur, weil sie in manchen Fällen unter anderem aufgund des Geschlechts stattfindet, soll das nun ein gesellschaftliches Problem sein, das eine "Rassentrennung" erfordert? Sorry, das ist doch Unfug.

Kommentar von Wurzelstock ,

Dein Paradigma ist nicht richtig. Es muss lauten: A kann sich von B angezogen fühlen, B merkt es aber nicht (da A für ihn/sie das "falsche" Geschlecht hat.)

Kommentar von HellasPlanitia ,

Aber auch das kann genauso zwischen zwei Homosexuellen oder zwei Heterosexuellen vorkommen.

Kommentar von Wurzelstock ,

Nein. Ein Mann wir als Mann erkannt, und eine Frau als Frau.

Kommentar von HellasPlanitia ,

Nicht jeder heterosexuelle Mann findet jede heterosexuelle Frau anziehend (und umgekehrt), und zumindest die Menschen, die ich kenne, betrachten nicht jedes Gegenüber des passenden Geschlechts gleich als potentiellen Partner. Wenn A sich von B angezogen fühlt, ist es an A, sich mitzuteilen (verbal oder nonverbal), bis B das merkt. Danach kann B entsprechend seiner Gefühle darauf reagieren. Welches Geschlecht A und B dabei haben, ist doch komplett irrelevant, das funktioniert in jeder Konstellation so.

Kommentar von Wurzelstock ,

Gib dir keine Mühe - Du verstehst das Problem nicht. Es geht nicht darum, ob dir jemand gefällt oder nicht. Die Frage stellt sich garnicht erst bei unterschiedlicher sexueller Orientierung.

Antwort
von MrRomanticGuy, 68

Es entstehen keine außer daß sich Homosexuelle nicht fortpflanzen können. Es könnten sich also manche über das Pensionsystem mockieren, gilt aber dann auch für Heterosexuelle Kinderlose. ^^

Kommentar von Wurzelstock ,

"Hauruck! - fertig!"

;-)))

Antwort
von undNichtAnders, 74

Es gibt nicht nur diese eine Schublade "schwul", in der sogenannten Gesellschaft (wer auch immer damit gemeint ist) können wir Menschen nach diversen Gesichtspunkten sortieren. Können und tun es auch.

Mann oder Frau

Schwarz oder Weiß

Staatsbürger oder Ausländer

Abi oder Nichtabi

Fleischkonsument oder Vegetarier

Erwerbstätig oder Arbeitloser

Verheiratete Mutter oder Ledige Mutter

usw.

Je nach Zugehörigkeit zur jeweiligen Schublade ergeben sich
Unterschiede. Je nach Zugehörigkeit zur jeweiligen Schublade werden
Menschen unterschiedlich behandelt und gesehen. Unterschiedliche Menschen empfinden unterschiedlich, sehen unterschiedlich aus, zeigen unterschiedliches Verhalten. Jeder von uns ist ein Individuum.

Im übrigen sind 10% der Leute nicht hetero. Schon immer. Die Mauer hat es schon immer gegeben und leider besteht sie immer noch in vielen Köpfen -  im 21. Jahrhundert, wo wir uns beinahe schon beamen können.

Antwort
von Mainspitz, 12

Den meisten Schwulen ist es sch.... egal was andere Leute über sie denken.

Kommentar von Wurzelstock ,

Zumindest ist das eine vernünftige Einstellung. So wie es auch den meisten Heteros egal ist.

Leider kann es aber den meisten Homosexuellen nicht egal seid, was ihre Freunde darüber denken. Dafür sorgt ihre straffe Organisation, deren Kopf Scholl-Latour war.

Kommentar von Mainspitz ,

Egal ob Homo, Hetero oder sonst etwas. Man sollte so leben dass man mit sich selbst zufrieden ist und nicht so leben wie andere es möchten oder um anderen zu gefallen. Ich lebe mein Leben. ICH muss damit zufrieden sein. Wenn andere das nicht mögen, ist mir das vollkommen egal. Ich schreibe anderen auch nicht vor, wie sie ihr Leben zu leben haben.
Wenn "Freunde"  negativ darüber denken, wären das für mich keine Freunde.

Ich brauchte aber auch eine gewisse Zeit um mir diese Einstellung anzueignen.

Kommentar von Wurzelstock ,

Goethe reimte: "Es kann der frömmste nicht in Frieden leben / wenn es dem bösen Nachbarn nicht gefällt."   ;-))

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