Frage von amonymous2001, 42

Welches Ereignis bezeichnet eigentlich den endgültigen Untergang des Weströmischen Reiches?

Hi,

man sagt ja, dass das weströmische Reich 554 n.Chr. untergegangen ist. Neben den Faktoren wie der Vüölkerwanderung, Absetzung von Kaisern und Krigen, muss es doch ein spezielles Ereignis gegeben haben, dass dann zum Endgültigen Zerfall des Reiches führte oder?

Danke

Expertenantwort
von ArnoldBentheim, Community-Experte für Geschichte, 13

Die Fragestellung sowie die beigefügten Erläuterungen enthalten drei Irrtümer:

man sagt ja, dass das weströmische Reich 554 n.Chr. untergegangen ist.


Wer "sagt" das? Jedenfalls ist das ein Irrtum.


muss es doch ein spezielles Ereignis gegeben haben, dass dann zum Endgültigen Zerfall des Reiches führte oder?


Nein, das "muss" es keineswegs. Das Römische Reich war ein komplexes, riesiges Gebilde, das mannigfaltigen "Ereignissen" und Einflüssen - politischen, wirtschaftlichen, gesellschaftlichen - ausgesetzt war und von diesen in seiner Entwicklung positiv oder negativ beeinflusst worden ist. Damit sind wir beim letzten Irrtum angelangt:

endgültiger Untergang des Weströmischen Reiches ... endgültiger Zerfall des Reiches ...

Geht es nun um den "Untergang" oder den "Zerfall" des weströmischen Reiches? Und gab es diese Erscheinungen überhaupt?

Um es kurz zu machen: diese Erscheinungen gab es eigentlich nicht! Im weströmischen nicht weniger als im oströmischen Reich fanden Veränderungen, Wandlungen statt. Selbst die Absetzung des letzten weströmischen Kaisers 476 n. Chr. war kein wesentlicher Einschnitt. Der oströmische Kaiser war seitdem Kaiser des Gesamtreiches. Dass es nur einen Kaiser im römischen Reich gab, war keine Besonderheit.

Ohne Frage gab es politische Wandlungen, etwa die durch die sog. "Völkerwanderung" verursachte verstärkte Präsenz germanischer Herrscher in den Provinzen, die aber formell dem oströmischen Kaiser unterworfen blieben. Die Macht der fränkischen Merowinger beruhte nicht zuletzt auf ihrer Stellung als kaiserliche Bevollmächtigte und ihre Aufnahme in die römische Reichsaristokratie. Gerade die Franken führten römische politische Strukturen weiter und arbeiteten mit den römischen Aristokraten und der Kirche in ihrem Herrschaftsgebiet zusammen. Die Kirche und der Papst machten sich die Abwesenheit eines Kaisers in Rom zunutze und übten - unter Beibehaltung der politischen Provinzialstrukturen des spätrömischen Reiches - mehr und mehr auch politische Macht aus, sodass der Papst im Jahre 800 aus eigener Machtvollkommenheit das weströmische Kaisertum an den mächtigsten Germanenherrscher, den Franken Karl, übertrug.

Wirtschaftlich gab es ohne Frage Einbußen, die durch zahlreiche Kriege mit germanischen Völkern, aber auch den mächtigen Hunnen entstanden. Der römischen Reichsregierung in Rom fehlten die Steuereinnahmen, um aus eigener Kraft Legionen besolden zu können. Sie griff auf germanischen Völker als sog. Föderaten zurück, die für Rom kämpfen mussten.

Diese Föderaten siedelten sich mehr und mehr auf dem Gebiet des weströmischen Reiches an, sodass sich die gesellschaftlichen Strukturen in manchen Gebieten deutlich veränderten. Nach und nach kam es zu einer Verschmelzung der römischen und germanischen Bevölkerungsgruppen, die kulturelle Lebensformen übernahmen oder neue ausbildeten, die wichtig und nützlich waren, andere jedoch aufgaben. Nicht zuletzt die Kirche und ihre Lehren trugen erheblich zu diesem Wandel bei.

Diese wenigen Hnweise mögen genügen. Das weströmische Reich ist nicht "untergegangen", sondern es hat sich politisch, wirtschaftlich, gesellschaftlich und kulturell "gewandelt"! Daher gibt es auch kein bestimmtes "Ereignis", das diesen Wandel repräsentiert.

Für Interessierte noch Literaturtipps:

Reinhold Kaiser: Die Mittelmeerwelt und Europa in Spätantike und Frühmittelalter (Neue Fischer Weltgeschichte 3). 2014.


Jochen Martin: Spätantike und Völkerwanderung (Oldenbourg Grundriss der Geschichte 4). 4. Aufl. 2001.

Sebastian Scholz: Die Merowinger. 2015.


MfG

Arnold




Antwort
von Dea2010, 18

Du meinst den Niedergang des weströmischen Reiches, das mit der Absetzung des weströmischen Kaisers Romulus Augustulus im Jahr 476 (bzw. mit dem Tod des letzten von Ostrom anerkannten Kaisers Julius Nepos im Jahr 480) endete.

Wie du auf 554 n.C. kommst, kann ich nicht nachvollziehen.

Antwort
von yersiniapestis3, 18

Ich kenne das so, dass das weströmische Reich im Jahr 476 unterging, als Romulus Augustus abgesetzt wurde.

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