Frage von JohnGrammaticus, 28

Welches Buch von Paul von Lettow-Vorbeck war ein größerer Erfolg und ist dementsprechend bekannter "Meine Erinnerungen aus Ostafrika" oder "Heia Safari!"?

Hilfreichste Antwort - ausgezeichnet vom Fragesteller
von Albrecht, Community-Experte für Geschichte, 13

»Heia Safari!« ist das erfolgreichste, auflagenstärkste Buch gewesen, das Paul von Lettow-Vorbeck veröpffentlichen ließ. Es hatte eine größere Verbreitung als »Meine Erinnerungen aus Ostafrika« und war schon deshalb bekannter, außerdem gezielt eher einfach und eingängig geschrieben.

Ein Text „Heia Safari“ (der Ausdruck ist darin ein Refrain, Reimwort zu „Askari“ bzw. „Halali“) ist 1916 von Hans Anton Aschenborn (auch „A. Aschenborn“ ist als Angabe zum Textautor zu finden) geschrieben worden und mit einer Melodie von Robert Götz als Lied von der Schutztruppe in Deutsch-Ostafrika gesunden worden. Der Buchtitel wendet sich an die breite Bevökerung und hat den Ausdruck noch bekannter gemacht.

Beide Bücher sind Erinnerungen an seine Zeit in Ostafrika und in demselben Jahr (1920) und bei demselben Verlag (Koehler) erschienen. Paul von Lettow-Vorbeck will zum eigenen Rum und den der deutschen »Schutztruppe« beitragen. Die grundlegende politische Botschaft ist gleich: Jede Kriegschuld Deutschlands wird bestritten, der Kolonialgedanke vertreten, die Werke sind kriegverherrlichend, nationalistisch, teilweise rassistisch.

»Heia Safari!« hatte von 1920 – 1952 in Deutschland eine Gesamtauflage von 281000 Exemplaren, »Meine Erinnerungen aus Ostafrika« von 1920 – 1941 in Deutschland eine Gesamtauflage von 73000 Exemplaren.

Bei »Meine Erinnerungen aus Ostafrika« hat der Historiker Dr. Fritz Kern bei der Recherche und beim Verfassen geholfen. Walter von Ruckteschell, Offizier (Hauptmann) der »Schutztruppe« und Adjutant von Paul von Lettow-Vorbeck, und nach dem Ersten Weltkrieg Maler und Bildhauer, hat die Sache zu einer kürzeren, einfacheren »Volksausgabe« umgearbeitet (offiziell wurde er zunächst nur als Illustrator angegeben). Es war auch besonders als Lektüre für die Jugend gedacht. Paul von Lettow-Vorbeck hat dann das Manuskript durchgesehen, redigiert und Eränzungen einfügen können.

»Heia Safari!« ist im Stil eines Abenteuerromans geschrieben, enthält Anekdoten und perönliche Empfindungen. »Meine Erinnerungen aus Ostafrika« hat einen im Vergleich stärker sachlichen Stil, enthält viele Zahlenangaben.

Literatur:

Eckard Michels, »Der Held von Deutsch-Ostafrika« - Paul von Lettow-Vorbeck : ein preußischer Kolonialoffizier. Paderborn ; München ; Wien ; Zürich : Schöningh, 2008, S, 267 – 271 (Dritter Teil: Der Kolonialheld 1919-1964 X. Gefeierte Rückkehr und Offizier in der Reichswehr. 6. Der Offizier als Autor; gibt für »Meine Erinnerungen aus Ostafrika« eine Gesamtauflage von rund 72000 Exemplaren an, in den ersten 2 Jahren 50000 verkaufte Exemplare, für »Heia Safari!« eine Gesamtauflage von rund 280000 Exemplaren)

Uwe Schulte-Varendorff, Kolonialheld für Kaiser und Führer : General Lettow-Vorbeck ; Mythos und Wirklichkeit . 1. Auflage. Berlin : Links, 2006 (Schlaglichter der Kolonialgeschichte ; Band 5), S. 101 – 104 (schreibt zu »Heia Safari!« von mehreren Hunderttausend Exemplaren)

Kommentar von earnest ,

Danke, Albrecht.

Ich war zu faul zum Recherchieren. Außerdem hatte ich das Lied als widerlichen Ohrwurm im Kopf.

Da wird auf dem "N.gerpfad geschritten", da wird, wie bei Kiplings "White Man's Burden" der weiße Mann als Heilsbringer zelebriert, da werden die einheimischen "Kapos", die "Askari", als Helden gefeiert: "Siehste, das kann aus N.gern werden, wenn man sie richtig anleitet."

Dabei waren es die Askari, die der deutschen "Schutztruppe" auch damit beschäftigt waren, als "gute N.ger" die "schlechten N.ger" niederzuknüppeln oder zu erschießen. Ohne die Askari wäre die "Schutztruppe" nicht funktionsfähig gewesen.

Ich erinnere mich an Bildbände aus "unseren" Kolonien, in denen diese "Kapos" posierten. Ich erinnere mich, dass alte Männer hierzulande stolz darauf waren, dass Lettow-Vorbecks Fast-Privat-Armee nie "besiegt" worden war.

Insofern stand dieser Reaktionär dann auch für das "im Felde unbesiegte Deutschland".

Ziemlich krank das Ganze ...

Kommentar von earnest ,

Hier ist der Liedtext: 

http://www.volksliederarchiv.de/wie-oft-sind-wir-geschritten-heia-heia-safari/

Mit einigen Anmerkungen, die die "Lagerfeuer-Romantik" relativieren.

Antwort
von LiloB, 5

ganz spontan, ohne viel zu wissen,- ich kenne (nur vom Titel) heia safari- daraus schließe ich (vielleicht zu Unrecht), es ist die bekanntere Version.

Antwort
von earnest, 18

"Heia Safari" ist immerhin der Refrain eines früher recht bekannten Liedes.

Ich tippe also auf Nr. 2 aus der Feder dieses Reaktionärs, dessen Werke heute glücklicherweise dem Vergessen anheim gefallen sind.

Gruß, earnest

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