Frage von Alain99, 23

Welcher Zusammenhang besteht zwischen der Wiener Klassik und dem Sonatenhaupsatz?

Hilfreichste Antwort - ausgezeichnet vom Fragesteller
von Merkantil, 11

Als Hauptmeister der sogenannten „Wiener Klassik“ gelten Haydn, Mozart und Beethoven, wobei manche Experten Beethoven schon nicht mehr ganz hinzuzählen, weil er schon neue Wege beschritten hat. Mit der Sonatenhauptsatzform ist eine Form gemeint, die insbesondere in vielen Sätzen der Instrumentalmusik angewendet worden ist. Sie kommt nicht nur in Sonaten vor, sondern auch in Sinfonien, Solokonzerten und vielen anderen Kammermusikwerken (Trios, Quartetten, Quintetten u.s.w.) insbesondere der Klassik und Romantik. (Man kann sagen, daß es sich bei diesen Werken um nichts anderes handelt als um Sonaten für eine größere Besetzung.) Mit dem „Hauptsatz“ ist der erste Satz eines solchen Werks gemeint, der in den genannten Epochen meist in der Sonatenhauptsatzform steht. Auch beim letzten Satz kommt diese Form öfter vor, in Mittelsätzen seltener. Ich habe jedoch auch schon langsame Sätze in der Sonatenhauptsatzform erlebt. Die Form, die damit gemeint ist, entwickelte sich aus Vorläufern im Spätbarock über die Vorklassik (z.B. Mannheimer Schule) bis hin zur Hochklassik (Wiener Klassik) allmählich, bis sich etwas herauskristallisierte, was dem theoretischen Begriff einigermaßen entspricht. Diese Form wurde von den Hauptmeistern der Wiener Klassik (und vielen ihrer Zeitgenossen) ausgiebig und in vielfältigen Varianten angewandt. Der theoretische Begriff „Sonatenhauptsatzform“ und seine genauen Anwendungsregeln wurde allerdings erst in der Mitte des 19. Jahrhunderts, also zur Zeit der Romantik und somit im Rückblick von Musiktheoretikern entworfen, und zwar insbesondere, um die Bauprinzipien der ersten Sätze von Beethovensinfonien zu beschreiben. Dieser Begriff ist also ein theoretisches Konstrukt, das zwar hilfreich ist, dem viele der davor entstandenen Werke jedoch nicht in jedem einzelnen Detail entsprechen. (Z.B. ist bei Haydn oft das 2. Thema in seinem Material vom ersten Thema abgeleitet; Mozart wiederum verzichtet oft auf einen echten Durchführungsteil, in dem Themen aus der Exposition verarbeitet werden, sondern bringt stattdessen neue Themen.) Auch in der Romantik spielte die Sonatenhauptsatzform weiterhin eine wichtige Rolle, wobei viele derjenigen romantischen Komponisten, die sich weiterhin mit dieser Form beschäftigten, ihr neue Aspekte abgewannen, z.B. durch Erweiterung der Form, durch Vermischung mit anderen Formen (z.B. Rondo), durch die Änderung des Charakters einzelner Formteile u.s.w. Im allgemeinen Bewußtsein verbindet man die Sonatenhauptsatzform aber besonders mit der Epoche der Wiener Klassik.

Kommentar von Merkantil ,

Danke für den Stern!
Es freut mich, daß ich Dir weiterhelfen konnte.

Antwort
von sanora223, 11

Bei "Wiener Klassik" denkt man z. B. an Beethoven. Und der hat eine Reihe von Klaviersonaten geschrieben und dabei auch die Sonatenhauptsatzform angewendet.


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