Frage von Wahrhaftigkeit, 74

Welcher Übersetzung von "Paradise Lost" entstammt das wortgenau?

Werte Leute,

ich habe eine neue Frage an euch, deren Klärung sich zugegebenermaßen etwas difficil gestalten wird. Ich habe im folgenden zwei Zitate aus "Paradise Lost" von John Milton, und keine Ahnung, welcher Übersetzung sie entstammen.

Einem aber bin ich bewusst, und zwar dem Umstand, dass die Übersetzung von Bernhard Schuhmann nicht jene gesuchte ist, denn diese ists, die mir vorliegt und im Wortlaut bedeutende Abweichungen vorzuweisen hat.

Auf diese zwei Zitate bin ich das erste Mal gestoßen, als ich die Hörspielreihe "Die Schwarze Sonne" von Lausch hörte und beide Zitate fanden sich in der achten Folge, die passenderweise den Titel "Das Verlorene Paradies" trug.

Hier nun - endlich - folgen jene beiden Zitate, die mir mächtigen Eindruck machten und mich in selten gekanntem Ausmaße mit Interesse für jenes Buch ansteckten:

Zitat 1:

So längelang lag Satan, ungeschlacht,
Mit Ketten auf den Feuersee gefesselt,
Und hätte nie auch nur den Kopf noch sich
Daraus erhoben, hätt's der Himmel nicht,
Der allgewaltige, gewollt und ihm
Erlaubt, nur frei zu walten seiner Ränke,
Auf dass in stets erneutem Frevel er
Verdammnis auf sein eigen Haupt sich häufe,
Indem er anderen Arges zubemisst,
Damit er schließlich wutentbrannt erkenne,
Wie all seine Bosheit nur gedient,
Unendlich Gutes, Gnade und Vergebung
Hervorzubringen für den Menschen, den
Er einst verführte, während auf ihn selbst
Sich dreifach Schande, Zorn und Rache goß.

Zitat 2:

Gefallner Cherub, schwach zu sein ist elend,
Ob handelnd oder leidend; dessen sollst
Du stets gewiß sein. Gutes je zu tun
Wird niemals unser Auftrag, sondern immer
Böses zu tun uns einzig nur ergötzen,
Das Gegenmaß zum hohen Willen dessen,
Dem wir uns widersetzen. Wenn also
Seine Voraussicht strebt, aus unserm Bösen
Heraus das Gute zu entwickeln, so
Muß unsre Arbeit sein, dies umzukehren
Und stets noch aus dem Guten Böses schöpfen!

Für jede konstruktive, oder gar zum gewünschten Ende führende Antwort danke ich herzlich und wünsche euch bis dahin einen friedlichen und erholsamen Abend.

Matthias :)

Hilfreichste Antwort - ausgezeichnet vom Fragesteller
von andreasolar, 33

Es könnte die Übersetzung von Hans Heinrich Meier sein (Reclam Bibliothek), aber wenn ich mir die bei "Amazonien" anschauen will, wird mir immer eine andere Ausgabe, die es definitiv nicht ist, angezeigt.

Vielleicht schaust du dir mal die o.g. Ausgabe in einer Buchhandlung an.

Zu Meier:

http://www.nzz.ch/zuerich/zuercher\_kultur/von-max-und-moritz-bis-milton-1.18285...

Kommentar von andreasolar ,

Danke für den Stern und die Auflösung! :D

Kommentar von Wahrhaftigkeit ,

"Kein Ding", sprach Dong. :D

Hilfsbereitschaft wird immer belohnt. ^^

Der anonyme Kommentar mit der Übersetzerfrage war übrigens von mir gewesen. Breitflächige Recherche mit gutem Ausgang. Gestern bestellt, vllt schon morgen da. Und hier freut sich schon einer wie Hans drauf .. :D

Kommentar von Wahrhaftigkeit ,

Heute da und einer überglücklich ist =)))

Es ist definitiv Meier, da bestehet nunmehr nicht der Geringste unter den Zweifeln.

  • Zitat 1 ist aus dem Buch 1, Zeile 242 bis 256.
  • Zitat 2 ist aus dem Buch 1, Zeile 180 bis 191.
Kommentar von andreasolar ,

Viel Freude bei der Lektüre! :-)

Antwort
von earnest, 26

Auch mich haben insbesondere die ersten beiden Zeilen von Zitat 1 mächtig beeindruckt. 

Was für ein Sprachkünstler. Milton wäre entzückt gewesen.

Mich dünkt, andreasolar könnte richtig liegen.

Gruß, earnest

Kommentar von earnest ,

Um die Kon-Genialität des Übersetzers - nein, Nachdichters - so richtig genießen zu können, hier der Anfang im Original: 

"So stretched out huge in length the Arch-fiend lay, 

Chained on the burning lake."

(Natürlich ist erkennbar, dass Englisch die "knappere" Sprache ist.)

Kommentar von andreasolar ,

"On His Blindness" kann ich nach über 50 Jahren immer noch (mit kleineren Lücken) auswendig.

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