Welcher tarifliche Branchen-Mindestlohn gilt für die Kaufleute?

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1 Antwort

Für die Zeitarbeit gibt es keinen für allgemeinverbindlich erklärten Tarifvertrag.

Für Arbeitnehmer von Zeitarbeitsfirmen gibt es zwei Möglichkeiten:

> Entweder die Zeitarbeitsfirma unterliegt einem der beiden Tarifverträge für die Zeitarbeit (iGZ und BAP/BZA), dann gelten die dort vereinbarten Entgeltstufen je nach Qualifikation, wobei die niedrigste Stufe teilweise geringfügig (noch aufgrund der Übergangsregelung des Mindestlohngesetzes MiLoG) unter dem gesetzlichen Mindestlohn liegt.

Es ist also nicht so, dass danach die Putzfrau (wenn sie jetzt in Deiner Frage als Beispiel für eine ungelernte Kraft herhalten soll) nicht weniger verdienst als ein kaufmännischer Angestellter.

> Oder - wenn die Zeitarbeitsfirma keinen Tarifvertrag anwenden muss - der Arbeitnehmer hast dasjenige an Entgelt zu bekommen, was ein vergleichbarer Arbeitnehmer im Kundenbetrieb erhält.

Wird im Kundenbetrieb ein Tarifvertrag angewendet, gilt der auch für den Leiharbeitnehmer, der in der Zeitarbeitsfirma keinem Tarifvertrag unterliegt; gibt es im Kundenbetrieb keinen Tarifvertrag, gelten für den Leiharbeitnehmer die betriebsüblichen Entlohnungen vergleichbarer Arbeitnehmer - und das kann dann unter Umständen/im "Extremfall" sowohl für die beispielhafte Putzfrau wie für den kaufmännischen Angestellten lediglich der Mindestlohn sein.

Ist auf den "Kaufmann bei Direkteinstellung" (also ohne "Umweg" über eine Zeitarbeitsfirma) kein Tarifvertrag anzuwenden, dann muss und kann er sein Gehalt mit dem Arbeitgeber frei verhandeln.

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Kommentar von Maniwa74
17.07.2016, 21:48

Danke für die logische und wie ich finde, sehr nützliche Antwort.

Ich muss aber in einem Punkt nachhaken: Beispiel Randstad: Die Randstad ist in Deutschland das größte Zeitarbeitsunternehmen. Die Eingruppierung des Entgeltes erfolgt bei Randstad, welche dem Tarifvertrag Zeitarbeit BZA-DGB angehört, nicht nach Qualifikation, sondern nach der tatsächlich überwiegenden Tätigkeit. Noch dazu kommt, dass überwiegend gerne Leute mit einer sehr guten Qualifikation genommen werden. Wenn man die Wahl hat, wählt man eben aus und man pickt sich die Rosinen heraus. Es kommt ja auch noch der Wettbewerb dazu. Es gibt im kaufmännischen Bereich einen Angebotsüberhang an Bewerbern. Es ist also offensichtlich, dass Leute mit einem Berufsabschluss im kfm. Bereich hier über Zeitarbeit über das Aufgabenprofil in eine Entgeltgruppe gedrückt werden können, die ihrer Qualifikation gar nicht entspricht, und oft die tatsächlichen Anforderungen für die Tätigkeiten real höher liegen, als über das Profil nach aussen kommuniziert. Was ich sagen will ist, dass es ganz einfach ist, eine gelernte Bürofachkraft in die Entgeltgruppe E2 einzugruppieren (Stundensatz 9,61). Wieviel ist denn die klassische, hochgelobte Berufsausbildung in Deutschland noch wert, wenn der Stundensatz nur 1,11 über dem der ungelernten Putzfrau liegt? (Das sind im Monat etwa 120 Euro netto mehr – das ist nicht viel.)

Ergänzend möchte ich noch hinzufügen, dass der Durchschnitts-Stundensatz eines/r direkt und festangestellten Bürokaufmanns/frau bei 12,00 und im Süden noch etwas mehr bei 12,50 bis 13,00 liegt. Im übrigen, lassen Sie mich das noch erwähnen, dürfte doch dauch das Geschäftsmodell der Zeitarbeit, nämlich einen unbefristeten Vertrag einzuhalten, überaus problematisch geworden sein im kaufmännischen Bereich. Wechselnde Einsätze auf Dauer gibt es hier bei einem Zeitarbeitsunternehmen wohl nur für die wenigsten. Das ist auch logisch, denn der Wettbewerb unter den Zeitarbeitsunternehmen dürfte immer mehr zugenommen haben, d. h. sie nehmen sich untereinander die Aufträge weg.

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