Frage von mynus, 58

Welcher Philosoph zum Thema?

Hallo,

Ich muss am 12. Mai meine Abi Präsentation im Fach Ethik abgegeben haben. Von Ethik selber habe ich leider Lehrer bedingt (hat gesamte Oberstufe keinen richtigen Unterricht gemacht, davor hatte ich Religion) leider keine Kenntnisse. Ethik musste ich jedoch wählen, da die alternative, Englisch, vermutlich noch schlimmer geworden wäre.

Mein Thema ist:

Spannungsverhältnis zwischen Menschenrechten und nationalem / internationalem Recht mit Hintergrund von Bürgerkriegen und Flüchtlingskrisen.

Gegliedert in:

  • Begriffserklärungen für Menschenrechte, Recht, Rechtsstaat
  • Erklärungen für Bürgerkriege, Vertreibung, Flucht aus ethischer Sicht
  • Mögliche ethisch begründete Reaktionen auf Gefahr von Bürgerkriegen und Fluchtbewegungen
  • Mögliche ethisch begründete Reaktionen auf tatsächliche Bürgerkriege und Fluchtbewegungen
  • Persönliche Position

Mein Ethiklehrer war so freundlich mir eine Liste von Autoren/Philosophien zu geben, die sich potenziell für die Präsentation eignen:

  • Kant
  • Hobbes
  • Rawls
  • Schopenhauer
  • Voltaire

Nun meine Fragen an euch : Welche(r) Autor(en) eignen sich am besten für das Thema? Gibt es Bücher, in denen die verschiedenen Philosophien erklärt werden, oder Internetquellen? Habt ihr noch weitere Tipps? Meine Stärken liegen im Präsentieren und im Visualisieren, von Ethik weiß ich jedoch nichts, ich bin über jeden Tipp dankbar!

Kennt ihr Ethikforen oder Internetforen in denen die oben genannte Thematik angesprochen wird?

Über schnelle (die Zeit drängt) und hilfreiche Antworten würde ich mich freuen,

LG MYNUS

Hilfreichste Antwort - ausgezeichnet vom Fragesteller
von berkersheim, 29

Ich würde ein anderes Thema anfordern. Mit dem Thema kannst Du je nach politischer Einstellung der Korrektoren bei dem einen voll ins Klo greifen und bei einem anderen den Preis gewinnen. Die angegebenen Philosophen können höchstens etwas zur Auffassung Menschenrechte, Recht, Rechtsstaat beitragen, zum Rest nicht, denn dabei handelt es sich um aktuelle politisch-gesellschaftliche Einschätzungen. Natürlich kann man Kants kategorischen Imperativ auf alles Mögliche auslegen, aber wehe Du triffst nicht die politische Meinung. Stell Dir vor, Du schreibst die Bürgerkriege wären teils nur Stellvertreterkriege der USA und Russlands auf fremdem Territorium und die Geheimdienste der USA hätten überall ihre Finger drin. Und dann korrigiert so ein USA-Fan. Dann bist Du unten durch, egal ob es richtig ist oder nicht. Frag mal, ob Du auch ein anderes Thema haben kannst. Mir wäre das zu heiß.

Kommentar von mynus ,

Vielen Dank für deine Antwort, 

Leider kann ich weder mit meinem Lehrer über das Thema reden, noch ein neues anfordern. An die 10 minütige Präsentation wird allerdings eine genauso lange Diskusions - und Fragerunde gehängt in der ich mit meinen Lehrern über den Inhalt reden könnte. 

Hast du Empfehlungen bzgl. der Autoren ? Welche eignen sich nun besonders für das Thema ?

Vor allem an dem Unterpunkt Erklärungen für Bürgerkriege, Vertreibung, Flucht aus ethischer Sicht verzweifel ich.   

LG 

Kommentar von berkersheim ,

Nun, Du musst ja nicht den ganzen Kant lesen. Ich würde mal mehrere Internetseiten zum Thema Kategorischer Imperativ - den es ja in verschiedenen Fassungen gibt - durchlesen, vor allem die Kommentare zu den verschiedenen Fassungen. Ich würde auch mal auf youtube nachschauen, auch da gibt es Darstellungen die Dir selbst eine Anregung geben könnten. Die Frage nach den Kriegen und Bürgerkriegen und Fluchtursachen kannst Du mal googeln. Das sind eher politische Einschätzungen. Grund ist eigentlich immer erst mal das Problem der Überbevölkerung, vor allem die vielen jungen Leute ohne Perspektive, die dann leicht Opfer der Verführung durch radikale Bauernfänger werden. Dann kommen ausländische Interessen und Stellvertreterkriege hinzu. Aber das würde ich nicht zu weit treiben, weil auch solche Thesen mehr als umstritten und heiße Eisen sind.

Kommentar von mynus ,

Puuh, okay, vielen Dank ! 

Das einzige was mir fehlt, ist eine passende Leitfrage, die den Titel mit den Gliederungspunkten verbindet. 

Mir erschließt sich nämlich nicht, inwiefern ein es Probleme zwischen Menschen - und Internationalen / Nationalen Recht bei Bürgerkriegen und Flüchtlingskrisen geben sollte. Vielleicht stehe ich auch nur total auf dem Schlauch. 

Hast du einen eventuell einen passenden Einfall ?

LG 

Kommentar von berkersheim ,

Spannungsverhältnis zwischen Menschenrechten und nationalem / internationalem Recht mit Hintergrund von Bürgerkriegen und
Flüchtlingskrisen.

Gegliedert in:

- Begriffserklärungen für Menschenrechte, Recht, Rechtsstaat
- Erklärungen für Bürgerkriege, Vertreibung, Flucht aus ethischer Sicht
- Mögliche ethisch begründete Reaktionen auf Gefahr von Bürgerkriegen und Fluchtbewegungen
- Mögliche ethisch begründete Reaktionen auf tatsächliche Bürgerkriege und Fluchtbewegungen
- Persönliche Position

Die Menschenrechtserklärung ist ja eine Good-Will-Erklärung den beigetretenen Länder, die jedes für sich ein eigenes nationales Recht umsetzen, das in vielen Ländern nicht mit der Menschenrechtserklärung zusammengeht (z.B. Rechte der Frauen in SaudiArabien, China (Todesstrafen)) und erst recht nicht in der Rechtspraxis (dann dürfte es ja keine Bürgerkriege und Fluchtbewegungen geben. Alle Länder mit Bürgerkriegen und Fluchtbewegungen sind von seiten der kriegführenden Parteien im Prinzip im Konflikt mit den Menschenrechten. Dass in Bürgerkriegen ein von allen getragener "Rechtsstaat" zerbricht, ist im Kern bereits eine Verletzung der Menschenrechte. Wem dafür die Verantwortung zuzuweisen ist, ist eine immer wieder umstrittene Frage. Die ethischen Aufforderungen zum Frieden richten sich erst mal an die kriegsführenden Parteien und ihre Unterstützer. Da findet der Krieg allerdings auch in den Medien statt und bei aller Bewertung muss man sich immer wieder fragen, ob man diesbezüglich in der Meinungsbildung nicht selbst Opfer von Kriegspropaganda ist.

Die Frage ist, ob man die Menschenrechte nicht so sehr idealisieren sollte sondern mehr die je reale Situation in den Ländern als Grundlage nehmen sollte. Wie z.B. soll Indien Arbeit für alle in Indien garantieren, obwohl sie den Menschenrechten zugestimmt haben. Was ist mit Brasilien, das z.Zt. unter Korruption der Eliten fast zerbricht - wer fordert da die Gleichbehandlung aller Menschen ein? Um es brutal zu sagen, die Menschenrechte sind ein hoher idealer Anspruch, der fast in keinem beigetretenen Land umgesetzt ist.
Gegen die hohen Forderungen steht das Selbstbestimmungsrecht der Länder und ihr Selbsterhaltungsrecht. Grund ist, dass die Menschenrechtserklärung teils viel zu abstrakt ist und weder reale Verhältnisse unterscheidet noch, dass es Menschen mit sich ausschließenden Kulturen und Einstellungen gibt und keine abstrakten Menschen. Wenn z.B. der radikale und rückwärtsgewandte Islam sich nicht mit einem offenen demokratischen Prinzip vereinbaren lässt (schau mal nach, welche islamischen Länder Demokratien in unserem Sinne sind - nicht mal die Türkei!), dann steht der Hilfe für Menschen in Not das Prinzip des Selbsterhalts gegenüber, weil Hilfe für Menschen in Not nicht bedeuten kann, sich selbst Konflikte ins Land zu holen. Eigenverantwortung geht immer noch vor "Fremd"verantwortung, erst recht, wenn Bürgerkriege in eigenen internen religiösen und gruppenegoistischen Konflikten ihre Ursache haben.

Kommentar von mynus ,

Wow , das ist definitiv Hilfreich. Den Rest schaffe ich selber. 

Vielen Dank für alles

Antwort
von Grimwulf78, 25

Oh Mann! Das ist ein wenig so als würdest Du sagen: "Das Thema ist Tiere. Wer hat mal was über Tiere geschrieben?" Welche denn? Pferde? Fische? Mikroben?

Alles was Du sagst oder tust basiert auf ethischen Vorprägungen.

Ethik (oder auch "Moral") ist ja grob vereinfacht der Versuch, einen Kompass für "richtiges " Handeln zu definieren, der sich auf die jeweilige Gesellschaft übertragen lässt. Im ersten Schritt suche Dir ein Thema.

Umgang mit Minderheiten / Erzeugung von Nahrung / Ungleichverteilung des Wohlstands / Umgang mit ungeborenem Leben / Fleischkonsum vs Vegan / Fossile vs erneuerbare Energien / Mann vs Frau / Achtung religiöser Befindlichkeiten vs freie Meinungsäußerung / ...

Dann googelst Du, welcher Philosoph sich mit dem Thema beschäftigt hat und den knöpfst Du Dir vor ;)

Antwort
von KeksRaider87, 6

Pogge! eignet sich am besten, denke ich. Er hat einige Artikel und Bücher geschrieben zu dem Thema Menschenrechte und warum sie umgesetzt werden sollte, was das aktuelle Problem ist usw. Bei Hobbes bist du, meiner Meinung nach, ganz falsch.

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