Frage von Samsuna, 30

Welcher Anspruch auf Urlaubsvergütung steht Teilzeitkräften zu, und, Wer zahlt die Sozialversicherungsbeiträge bei versäumter Anmeldung?

Zu meiner Situation:

Ich bin als Werkstudent angestellt (keine Vergütung nach Tarif). Da ich aber Promotionsstudent bin, bin ich voll sozialversicherungspflichtig (KV, RV, PV, AV). Meine Vergütung liegt im Gleitzonenbereich.

Ich arbeite 20 Stunden die Woche zu festen Zeiten, was auch in Tabellen genau festgehalten ist. Im Anstellungsvertrag ist allerdings nur eine Arbeitszeit bis 20 Stunden nach Bedarf vermerkt.

Jetzt habe ich Urlaub genommen (nur jeweils an den drei Tagen, an welchen ich üblicherweise arbeiten würde) und bin davon ausgegangen, das mir mein Entgelt dementsprechend fortgezahlt wird (nach § 11 BUrlG). Der Arbeitgeber will mir aber nur zwei Stunden für jeden Urlaubstag verrechnen, mit der Begründung, dass zehn wöchentliche Arbeitsstunden angesetzt werden, die sich auf die drei Tage genommenen Urlaub aufteilen. Das würde effektiv auf eine Entlohnung von weniger als 30% des Gehalts hinauslaufen, das ich im Normalfall bezogen hätte. Ist das rechtens? Meine Überlegung ist auch, dass der anteilige Urlaubsanspruch sich irgendwie errechnen musste. Nach diesem Rechner (http://www.lohn-ag.de/service/urlaubsrechner.html) entspricht der mir gewährte Urlaubszeitraum einer Arbeitszeit von drei Tagen - wieso setzt dann der Arbeitgeber fünf Wochentage an?

Meine zweite Frage: Weil ich als Werkstudent angestellt bin, habe ich die ersten sieben Monate keine Sozialversicherungsabgaben geleistet - alle Parteien gingen davon aus, dass ich als Promotionsstudent nicht anderen Regelungen unterliege als Vollzeitstudenten. Nun hat der Arbeitgeber nochmal geprüft und festgestellt, dass dem nicht so ist. Für die Nachzahlungen werde ich anteilig zur Kasse gebeten. Da der Arbeitgeber in der Pflicht steht, die Versicherungsverhältnisse mit der Krankenkasse zu klären (§28a SGB 4) bin ich mir nicht sicher, ob ich für die Nachzahlungen anteilig aufkommen muss?

Für Fragen oder weiterführende Bemerkungen wäre ich äußerst dankbar!

P.S. die Zitate aus den Gesetzbüchern basieren nur auf meiner Laienrecherche.

Antwort
von Familiengerd, 5

Zum Urlaubsentgelt:

Die Bezahlung während des Urlaubs ist im Bundesurlaubsgesetz BUrlG § 11 "Urlaubsentgelt" einfach und klar geregelt:

Du hast für jeden Urlaubstag den Durchschnitt des Verdienstes aus den vergangenen 13 Wochen/3 Monaten vor Urlaubsantritt zu erhalten - also: Gesamtverdienst in dieser Zeit geteilt durch die Gesamtzahl der Arbeitstage in dieser Zeit.

Nicht zu berücksichtigen ist dabei die Vergütung für Überstunden.

Zur Nachzahlung von Sozialversicherungsbeiträgen:

Auch wenn die Verantwortung für die (irrtümliche) Nichtzahlung der Sozialversicherungsbeiträge beim Arbeitgeber liegt, so ändert das doch nichts an der Tatsache, dass Du als Arbeitnehmer die entsprechenden Anteile finanziell zu tragen hast.

Der Irrtum des Arbeitgebers enthebt Dich nicht der eigenen Pflicht, nachträglich diese finanzielle Last zu tragen.

Vielleicht ist der von eulig vorgeschlagene Weg, dass der Arbeitgeber  (als der "Verantwortliche") den von Dir zu leistenden Nachzahlungsbetrag "vorschießt" und Dir die Rückzahlung an ihn über Raten ermöglicht.

Antwort
von eulig, 13

bezüglich der Urlaubsfrage musst du mal in deinen Arbeitsvertrag schauen. dort ist idR die Urlaubsregelung aufgeführt.

wieviel Urlaubsanspruch hast du denn genau und wieviele Tage sind in deinem Arbeitsvertrag pro Woche festgelegt?

was die Rückrechnung durch den Arbeitgeber angeht, so ist dies korrekt. auch die durch die Rückrechnung entstehenden Pflichtbeträge sind bei dir einzufordern. da gibt es keine Ausnahmeregelungen.

Sozialversicherungsbeiträge verjähren generell erst nach 4 Jahren. für dich heißt das, das die entstehende Forderung mit dem nächsten Lohn verrechnet wird. hier solltest du allerdings mit dem Arbeitgeber eine Ratenvereinbarung machen. also dass nicht die komplette Forderung auf einmal vom Lohn einbehalten wird, sondern z.b. auf drei Monate verteilt.

Kommentar von Samsuna ,

Vielen Dank für die Antwort! Mein urlaubsanspruch in Tagen und Geld ist vertraglich nicht genau festgelegt, im Vertrag steht nur der Vermerk, dass nicht explizit vereinbarte Sachen nach den üblichen gesetzlichen Regelungen gehandhabt werden. 

Kommentar von Familiengerd ,

Mein urlaubsanspruch in Tagen und Geld ist vertraglich nicht genau festgelegt

Wenn auf die gesetzlichen Bestimmungen verwiesen wird, dann hast Du entsprechend der Anzahl Deiner Wochenarbeitstage einen anteiligen Urlaubsanspruch auf Basis des gesetzlichen Urlaubs von 24 Werktagen (Montag bis Samstag, entsprechend einer 6-Tage-Woche; 20 Tage bei 5-Tage-Woche; 16 Tage bei 4-Tage-Woche usw. - es sind gesetzlich immer 4 Wochen) oder auf Basis des möglicherweise betrieblich allgemein länger gewährten Urlaubs.

Die Berechnung des Urlaubsentgelts erfolgt wie schon in meiner eigenen Antwort beschrieben.

Kommentar von Samsuna ,

Alles klar, vielen Dank!

Antwort
von kabatee, 16

Ruf deine Krankenkasse an und die werden den Arbeitgeber die Hölle heiß machen!

Kommentar von Samsuna ,

Vielen Dank für die schnelle Antwort! Könntest du das noch ein wenig ausführen?

Keine passende Antwort gefunden?

Fragen Sie die Community