Welchen Zusammmenhang gibt es zwischen der Erkenntnistheorie (Kant) und dem metaphysischen Bedürfnis (Schopenhauer)?

... komplette Frage anzeigen

1 Antwort

Die Erkenntnistheorie Kants besagt – kurz gesagt - dass die bisherige (bis Kant) praktizierte Metaphysik unsinnig ist. Erkenntnis erfolgt nach Kant in Urteilen. "In diesen Urteilen werden die Anschauungen, die aus der Sinnlichkeit (den Erfahrungen) stammen, mit den Begriffen des Verstandes verbunden (Synthesis). Sinnlichkeit und Verstand sind die beiden einzigen, gleichberechtigten und voneinander abhängigen Quellen der Erkenntnis" (s. Wikipedia). Gedanken ohne Inhalt sind leer, Anschauungen ohne Begriffe sind blind. Allen voran sind die Aussagen, welche die alte Metaphysik über Gott machte (z.B. dass er der Urheber der Welt, der unbewegte Beweger des Universums. der allererste Anfang ist) zu verwerfen. Der Mensch kann kraft seines Verstandes nur Aussagen über Dinge machen, die zu seinem Erfahrungsbereich gehören. Phänomene wie Gott, Unsterblichkeit der Seele, Allmacht Gottes, Existenz seit Ewigkeiten können niemals zum menschlichen Erfahrungsbereich gehören, also kann man über diese „Dinge“ auch keine Aussagen machen. Gedanken, die man sich trotzdem über diese „Dinge“ macht, sind leer, weil sie bar jeglicher Sinnlichkeit sind. - Da jetzt durch diese Aussagen Kants der Erkenntnis des Menschen enge Grenzen gesetzt worden sind, gibt es zwei Möglichkeiten: Für die einen, die Agnostiker, bedeutet Kants Erkenntnistheorie die Bestätigung ihres Agnostizismus. Man kann über den metaphysischen Bereich keine Aussagen machen; also ignoriert man ihn, lässt den lieben Gott einen guten Mann sein. Irgendwelche Aussagen sind ohnehin nichts als Märchenerzählungen. Für die anderen tut sich gerade jetzt ein starkes metaphysisches Bedürfnis auf. Denn dass es den metaphysischen Bereich gibt, darüber gibt es eindeutige Indizien, wenn nicht Beweise. Schopenhauer nennt z.B. den Lauf der Zeit, die ohne Anfang und Ende ist, die also sozusagen in die Ewigkeit hinausläuft. Dann nennt er die Lebenskraft, die schlechthin unerklärlich ist. Auch die unendliche Teilbarkeit der Materie und die Unendlichkeit des Weltraums werden von ihm genannt. Da unsere Vernunft über diese Dinge keine sinnvollen Aussagen machen kann, diese „Dinge“ aber vorhanden sind, besteht für viele, wenn nicht die meisten, das starke Bedürfnis, sich bei den Religionen Auskünfte zu holen. Die Kant'sche Erkenntnistheorie hat als nicht zum Ende, sondern gerade zum Aufschwung des metaphysischen Bedürfnisses des Menschen geführt.

Antwort bewerten Vielen Dank für Deine Bewertung