Frage von Mueller345, 42

Welchen ursprünglichen Sinn hatten Optionsscheine?

Hallo,

mit einem Optionsschein habe ich ja das Recht eine Aktie oder andere Finanzprodukte zu einem Kurs zu kaufen/verkaufen, zu dem ich ihn vereinbart habe (so habe ich das zumindest verstanden). Also angenommen, ich kaufe die Daimler-Aktie mit der Option im Dezember für 50 Euro zu kaufen und sie steht dann bei 60 Euro, so habe ich einen Gewinn gemacht.

Aber was ich nicht stehe ist, welchen Sinn haben solche Finanzprodukte? Was haben sich die Leute ursprünglich dabei gedacht, was diese Optionsmöglichkeit leisten soll? Für mich persönlich ist das eigentlich ein reines Zockinstrument. Aber ist es auch sinnvoll?

Mülli345

Hilfreichste Antwort - ausgezeichnet vom Fragesteller
von DinoSauriA1984, 26

gschyd hat es eigentlich ganz gut erklärt.

Also, die grundsätzliche Idee ist, sich einen Preis in der Zukunft zu sichern. Das ist vor allem in der Landwirtschaft wichtig.

Ein Bauer, der z. B. Getreide anbaut, kann dieses Getreide nur einmal im Jahr verkaufen. Mit dem Erlös muss er, wenn er nicht noch weitere Standbeine hat, das ganze Jahr über auskommen.

Das bedeutet für ihn aber ein großes Risiko: Er weiß im Frühjahr noch nicht, welchen Preis für seinen Weizen er im Spätsommer erzielen kann. Er weiß aber schon, was der Weizein im Durchschnitt der letzten Jahre gebracht hat. Mit diesem Durchschnittspreis käme er über die Runden. Ein viel höherer Preis wäre toll, ein wesentlich tieferer Preis könnte den Ruin bedeuten. Er geht also zu seinem Getreidekäufer und bietet ihm seinen Weizen zum Durchschnittspreis an.

Auch der Händler weiß, was der Weizen im Durchschnitt kostet. Für ihn wäre es toll, wenn er den Weizen unter dem Durchschnittspreis kaufen könnte, über dem Durchschnitt würde der Preis seine Marge schmälern. Die beiden verhandeln jetzt im März über den Getreidepreis im August. Ob die Ernte gut oder schlecht ausfallen wird wissen heute beide noch nicht.

Sie einigen sich z. B. auf einen Preis, der 3% über dem Durchschnitt der letzten fünf Jahre liegt. Ob das Geschäft gut oder schlecht war, wissen beide erst im August, aber beide können mit diesem durchschnittsnahen Preis gut leben. Der Landwirt hat somit die Option, den Weizen zu einem festen Preis im August verkaufen zu können. Wird der Weizenpreis dieses Jahr hoch ausfallen, hat er Pech gehabt. Fällt er niedrig aus, hat er vielleicht seinen Ruin abgewendet. In beiden Fällen kann er aber mit dem Preis gut leben.

Dem Händler geht es genauso. Mit Zockerei hat dieses Geschäft nichts zu tun. Es geht einzig darum, bereits zu einem frühen Zeitpunkt mit einem festen Betrag kalkulieren zu können.

Dieses Modell kann ich jetzt auf Wertpapiere übertragen: Ich habe die XY-Aktie, die gerade 100 € kostet und möchte sie eigentlich nicht verkaufen (sie wirft jährlich eine tolle Dividende ab). Da sich die Anzeichen aber mehren, dass der Markt überhitzt sein könnte, möchte ich auch nicht das Verlustrisiko voll in Kauf nehmen. Ich kaufe mir also das Recht (die Option), die XY-Aktie in sechs Monaten für 100 € verkaufen zu können. Das kostet mich jetzt 5 €. Wenn die Aktie in den nächsten Monaten um 30 % einbricht, ziehe ich die Option und verkaufe meine Aktie für 100 €. Die 5 € für die Option kann ich in dem Fall verschmerzen. Es war halt meine "Versicherungsprämie". Trifft meine Befürchtung nicht ein und die Aktie behält ihren Wert oder steigt sogar, kann der Optionskäufer sein Recht verfallen lassen. Auch hier hat er nur die "Versicherungsprämie" von 5 € bezahlt.

Das zumindest war die ursprüngliche Funktion von Optionen am Wertpapiermarkt. Dass man Optionen auch zum "zocken" nutzen kann, was ja vielfach gemacht wird, ist natürlich unbestritten.

Kommentar von DinoSauriA1984 ,

Vielen Dank für das Sternchen :D

Antwort
von gschyd, 33

Eine Option ist ja nichts anderes als eine Vereinbarung über ein zukünftiges Geschäft (eine bestimmte Menge zu einem fixen Preis & Zeitpunkt) und als solches durchaus sinnvoll.

Zur Entstehung - Tulpenzwiebelhandel im 17. Jhdt - und die erste Spekulationsphase :)

Die Option entsteht

Der Verkäufer der Tulpenzwiebeln versprach dem Käufer zu einem bestimmten Zeitpunkt eine bestimmte Menge an Zwiebeln zu einem bestimmten Preis zu verkaufen. Der Käufer wiederum verpflichtete sich diese Zwiebeln zu dem vereinbarten Preis zu kaufen - und so waren Optionen geboren.

... gravierender Unterschied ... Im Fall unserer Vereinbarung des 17. Jahrhunderts hatte der Käufer eine Ausübungspflicht. Er durfte sich also nicht aussuchen ob er zum Ausübungszeitpunkt die Zwiebeln kaufen möchte oder nicht. Er musste sie kaufen. ...

Ein Unterschied zu heutigen Optionen

Dieser Unterschied zur heutigen Ausübung der Option hatte damals gravierende Folgen. Viele der Handwerker setzten ihr komplettes Vermögen in ein solches Geschäft in der Erwartung, dass die Preise für die Tulpenzwiebeln immer weiter steigen werden. ....

Dies funktionierte in der Form auch für eine ganze Zeit. 1637 war es dann jedoch soweit. Die Entwicklung, die nicht nur im Nachhinein betrachtet nicht gesund sein konnte, kam ins Stocken. Die Nachfrage brach ein. Plötzlich gab es kaum noch Käufer die glaubten, dass diese Zunahme fortzuführen war.

Die Niederlande am Abgrund

Es ist relativ einfach nachvollziehbar in welch schwierige Situation ein Land gebracht wurde deren Bevölkerung größtenteils am Handel mit Tulpenzwiebeln beteiligt war.

Die beschriebene Entwicklung in den Niederlanden des 17. Jahrhunderts lag natürlich nicht an der Funktion der Optionen. Hier wurde von einem Großteil der Marktteilnehmer die Situation einfach falsch eingeschätzt. Niemand konnte sich vorstellen, dass die Preise für Tulpenzwiebeln irgendwann wieder fallen können.

Die sogenannte Tulpenmanie oder auch Tulpenwahn wird als die erste Spekulationsblase in der Wirtschaftsgeschichte angesehen.

http://www.broker-test.de/finanzwissen/optionen/geschichte-und-entstehung-der-op...

Antwort
von Nasdaq14, 15

GRundsätzlich ist das Gesagte über Optionen richtig.

Mit klassischen Optionscheinen hat es etwas anderes auf sich.

Der Ursprung lag darin , da man eine Optionsanleihe begab.

Wenn der Marktzins 6 % betrug , zahlte man nur 1 % UND das Recht bei entsprechendem Unternehmenserfolg  - gleich steigende Kursen. -  Aktien zu einem günstigen Kurs zu beziehen.

Sie waren also eine presiwerte Möglichkeit sich sofort Fremdkapital zu beschaffen UND wenn das Unternehmen gut lief war in der Regel ja uch weiterer Kapitabedarf da - durch die Ausübung der Optionsscheine  neue Aktien auf den Markt zu bringen und somit zusätzlich  wichtiges Eigenkapital zu erwerben.

Das war insbesonder in aufsteigendne märkten der Fall, wo hohe Zinsen herrschten aber auch hohe Wachstumsraten.

In den 1980 - 90ern etwa Japan mit 10 % Zinsen aber zunehmender industrieller Konkurrenzfähigkeit auf den Weltmärkten

Diese Optionsanleihen wurden dann oft " gestrippt " , das heißt Anleihe und  Optionsschein getrennt und auch getrennt gehandelt.

Die Optionslanleihe  hieß dannenstprechend  " cum " ( mit Optionschein " oder" ex " ( ohne ).

Heute ist das kaum noch anzutreffen, abgesehen von einigen Anleihen , die aber meist nur noch bis in das Profisegment gelangen in  großen MIndestbeträgen gehandelt werden und bei institutionellen Anlegern landen.

Dort sind sie recht beliebt, weil  - Bonität des Unternehemns vorausgesetzt - die Sicherheit einer Anleihe mit den Chancen einerAktie kombiniert werden.

Mit freundlichen Grüßen

Nasdaq

Kommentar von korruptepolitik ,

Die richtige Antwort auf die gestellte Frage. Der Fragesteller, spricht hier von Optionsscheinen. Weizen und Commodities laufen über die Futures Märkte. Ein Privatanleger kann in einem überkauften Markt üblicherweise mit Optionsscheinen nicht short gehen, da die Bank dies nicht zuläßt. Die short Position kann er nur über die Eurex darstellen. Daher hat Nasdaq die Frage des Fragestellers beantwortet, da er auf die früher gehandelten Wandel- und Optionsanleihen eingegangen ist, nach denen mit der Definition Optionsschein tatsächlich gefragt war.

Antwort
von Nube4618, 21

Die Entstehungsgeschichte von Optionen wurde ja bereits gut erklärt. Heute werden Optionen wohl vorwiegend zum traden (oder zocken) eingesetzt. 

Vor allem wenn man eine Option aus dem Geld kauft, ergeben sich enorme Gewinnchancen, aber es sind nur Chancen, der Verlust des eingesetzten Kapitals ist eher wahrscheinlicher. Nicht zu vergessen die Prämie, die gezahlt wird, und am Ende der Laufzeit verloren ist. 

Ein Kaffeebauer hingegen könnte mit einer Put Option seine zu erwartende Ernte absichern. Wird die Ernte gut oder sehr gut, verdient er insgesamt etwas weniger, weil die Option wertlos wird, die er ja gekauft hatte. Wird die Ernte sehr schlecht, kann er zumindest einen Teil des Ernteausfalls über die Put Option ausgleichen. 

Antwort
von Sonnenstern811, 15

Die mögliche Absicherung des Depots gegen Kursrückgänge.

Übrigens in den USA nicht zugelassen, weil Kursmanipulationen durch die herausgebende Bank möglich ist (und auch geschieht).

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