UlfDunkel am 16.05.2007 um 20:03 Uhr
Ich habe selbst im Gymnasium Latein als 2. Fremdsprache gelernt und ärgere mich heute noch darüber, dass ich nicht stattdessen eher mit der Baguette-Sprache angefangen habe.
Die Argumente heutiger Lateinlehrer/innen, dass Latein immer noch total wichtig sei, überzeugen mich nicht wirklich. Drei meiner Kinder sind noch auf dem Weg durch ihr Schulleben. Soll ich ihnen zu Latein raten? Wenn ja, warum?
Es wäre toll, wenn ihr mir Argumente pro/contra Latein geben könntet.

wenn man später im studium lateinkenntnisse benötigt und das nciht inder Schule hat, dann ist ein Lateinkrus fällig, und DER ist HAM-MER-HART!! Zig Prüfungen, sechs Stunden die Woche, Stress ohne Ende, staatliche Endprüfung... im Vergleich dazu sind die fünf Jahre Lateinunterricht in der Schule mit einer anschließenden glatten Vier (muss es mindestens sein) pillepalle:):)
also wenn man Latein im zukünftigen Studium warhsceinlichoder evtl. brauchen wird, sollte das gewählt werden, da niemals sonst der Weg zum Kleinen Latinum so "leicht" ist...
dagengen spricht natürlich, dass man absolut eine TOTE Sprahce lernt... Französisch wird gesprochen und man definitiv im täglichen Leben mehr davon;-)
Pro Latein:
Logonaut am 16. Mai 2007 22:37 DAS BRINGT ES EXAKT AUF DEN PUNKT!! Super Antwort!!

Pro: 1. Die romanischen Sprachen lernen sich mit Latein als Grundlage leichter.
Miss Superhirn sagte es schon: Latinum im Studium nachzuholen, ist die Hölle!
Man steht so schön gebildet da, wenn man lateinische Zitate auf Tasche hat (o.k. die kann man auch so lernen - aber man versteht auch besser, was die andern so daherreden!) - alte "Lateiner" fühlen sich auf langweiligen Stehparties sehr verbunden miteinander!
Seeehr hilfreich bei "Wer wird Millionär?"!!!!
Kontra: O.k. die Zeit zum Lateinlernen fehlt dann für andere Fächer. Aber ich hätte liebend gerne Religion gegen Latein eingetauscht (hatte 10 Jahre Realschule und erst die letzten 3 Jahre Gymnasium) oder auch die zwei Jahre Französisch, die ich auf dem Gymnasium belegen musste. Da haben wir nämlich genau dasselbe wiedergekäut, was ich schon in der Realschule hatte. Übrigens: Mein Französisch ist heute praktisch null. Lateinvokabeln lerne ich im täglichen Leben immer noch dazu, z.B. bei der botanischen Bezeichnung von Pflanzen usw.
Latein war bis ins 20. Jhdt. die Sprache der Wissenschaft. Nicht nur für Theologen und Philosophen, sondern auch für Juristen (Römisches Recht,z. B. Audiatur et altera pars; nulla poena sine lege etc.) und Historiker (Urkunden!) ist Latein hilfreich. Die Ausführungen von Boldtbrequ unterstütze ich. Gerade Latein erschließt zwingend ein genaues Textverständnis; die hier erworbenen Fähigkeiten lassen sich auf andere Fächer wie z. B. das Lesen von deutschen Texten transferieren. Latein ist meines Wissens immer noch die Fachsprache der Medizin und der damit zusammenhängenden Wissenschaften. Allerdings: Ich würde einem Kind niemals gegen seinen Willen die Wahl des Faches Latein aufzwingen! Eine Beratung in der Schule dürfte unterstützen.- Ich persönlich habe das "Große Latinum", was ich nie bereut habe.
Kontra Latein: die Grammatikochserei treibt viele Schüler zur Verzweiflung und überlagert, zumindest an Schulen mit starker humanistischer Prägung, manchmal sogar ihre Aufnahmefähigkeit für das System ihrer Muttersprache (das sich nicht ausschließlich mit Begriffen aus der Lateingrammatik erklären lässt, wie einige D/L-Lehrer vielleicht immer noch meinen).
Pro Latein: die Sprache lag nun mal mit in der Wiege unserer Zivilisation. Ab einem bestimmten Bildungsniveau kommt keiner ohne das Verständnis von Begriffen lateinischen Ursprungs, ob mit Umweg über das Englische/Französische oder nicht, aus. Manchmal glaube ich: je neuer die Wissenschaft, desto "lateinischer" - Auch wenn man sich nach der Schule alle Mühe gibt, das vermutlich ungeliebte Latein schnell zu vergessen: es kann jederzeit durch einfaches Nachschlagen wieder reaktiviert werden, Nachlernen als Erwachsener: sehr schwer. NB: Ähnliches gilt natürlich für Altgriechisch.

Meine Latein-Kenntnisse haben mir sehr oft geholfen, bestimmte Begriffe unmittelbar zu verstehen, wenn ich allein an die Etymologie der Begriffe denke. Wenn ich mich sehr konzentriere, kann ich damit sogar oft die italienische und spanische Sprache verstehen, zumindest den wesentlichen Inhalt. Und es hilt mir sehr beim Erlernen anderer romanischer Sprachen (übrigens, ich habe Latein und Französisch in der Schule gelernt).
Ich kann nicht beurteilen, inwieweit Latein wichtig ist zu können. Ich denke mal das ist eher spezifisch zu betrachten. Fakt ist jedoch, das Fremdsprachen, je mehr man beherrscht, in unserer globalisierten Welt auf keinen Fall schaden. Manchmal habe ich sogar den Eindruck, das wenn man 3-4 Sprachen einigermassen in Wort und Schrift beherrscht, interessiert es niemand ob man 1 und 1 zusammenzählen kann. Ist zwar etwas drastisch geschildert, aber die Richtung stimmt.
In welchen Studiengängen braucht man denn noch Latein (ernstgemeinte Frage)?
Na, Medizin - denke ich!?? Jedenfalls war das mal so, als Mediziner sich noch von Medizinmännern und GesundheitsministerInnen unterschieden.
Mein Sohn will Chemiker werden, da braucht er es wohl auch!? Auf jeden Fall will er dann ab der 9. Latein als 3. Fremdsprache wählen! Da muss ich dann aber leider passen - "Baguette" ;) hatte ich 10 jahre lang - wir wohnten im Saarland und haben auch Verwandte in Frankreich, Englisch hab ich mir selbst beigebracht und mal in nem VHS-Kurs ein wenig aufgefrischt aber latein kann ich nur ein paar Brocken! :(
@ UlfDunkel : nicht nur Medizin, auch Jura, Geschichte, romanische Sprachen, hier brauchst Du Latein zum Studium
auch @UlfDunkel: Auch für Biologie!