elloco am 27.10.2009 um 9:13 Uhr
Und wieso durchsucht man tausende Stasi-Akten? Habe glücklicherwiese das Kapitel Deutscher Geschichte nicht miterleben dürfen und mir ist der Sinn/Zweckk dessen ein wenig unkla

Wenn ein Unrechtsregime beendet wurde, dann werden die Verbrechen aufgearbeitet und Du kannst ja Verbrecher mit falscher Ideologie z.B. keine Kinder erziehen lassen. Auch in gewissen anderen Berufen sollen solche Menschen nicht eingesetzt werden und privat durchforsten wohl viele Ex-DDR-Bürger ihre Akten, um zu lesen, dass sie vom Ehepartner, Eltern, Nachbarn, Arbeitskollegen bespitzelt und verraten wurden.

„Das Leben der Anderen“ holten das Thema ins Bewusstsein der Menschen zurück. Ein anderer Grund sei die zunehmende „Versachlichung“ des Themas: Für viele Betroffene sei erst nach Jahren der nötige emotionale Abstand hergestellt. Teilweise lösten auch Nachrichten wie die von der Schließung der BStU-Außenstelle in Potsdam Ende 2008 bei manchen die – unbegründete – Sorge aus, die Akten irgendwann nicht mehr einsehen zu können.
Unter den Antragstellern sind nach Sielaffs Erfahrungen auch zahlreiche nicht-oppositionelle Ex-DDR-Bürger. „Viele ärgert und verletzt, wie von ehemaligen Funktionären und Ex-Stasi-Mitarbeitern versucht wird, die Geschichte zu klittern.“ Mit einem Antrag beim BStU wollten sie sich ihre eigenen Erinnerungen an die Unterdrückung bestätigen lassen. Zumal bereits die Nichtteilnahme an Wahlen oder Besuch aus dem Westen zu einem Eintrag in die „Vorverdichtungs-, Such- und Hinweiskartei“ führen konnte.
Wie Ziehm vermutet auch Sielaff, dass das Antragsvolumen 2009 „mindestens auf dem Niveau vom letzten Jahr“ bleiben wird. Das Jubiläum des Mauerfalls werde viele Menschen „erinnern und inspirieren“, sich mit ihrer Vergangenheit zu beschäftigen.
(Erschienen im gedruckten Tagesspiegel vom 06.01.2009)