Frage von LordDerDrachen, 78

Welchen Sinn genau hat EINE Rechtschreibreform?

Jetzt mal ganz objektiv betrachtet, ist es doch nur logisch, dass danach mehr Probleme entstehen werden als durch so eine Reform gelöst werden... wieso macht man Rechtschreibreformen und gab es sowas eigentlich auch mal in Großbritannien ODER den USA?

Antwort
von Malavatica, 16

Man wollte die Regeln vereinfachen, damit die Schüler nicht mehr so viele Fehler machen. Vielleicht auch mit Blick auf die Pisa Studie, in der Deutschland einigen nicht gut genug abgeschnitten hat. Also auch in Hinblick auf die Konkurrenz im Ausland. 

Erreicht hat man meiner Meinung nach nur Verwirrung. Keiner oder viele wissen gar nicht mehr, wie sie schreiben sollen. Ob das Ziel erreicht wurde ist für mich zweifelhaft. Ich schreibe so wie ich es gelernt habe. Auch weil ich die neuen Regeln entweder nicht kenne oder sie als falsch empfinde. Und ich stehe damit nicht alleine da. 

Antwort
von MaraMiez, 30

Rechtschreibung hat sich schon immer verändert, sonst würden wir heute noch in Teutschland leben, oder Teütsche Grammatica schreiben (und ja, diese schreibweisen gab es).

Aus dem 15. jahrhundert gibt es eine Abhandlung über Interpunktionen mit dem Titel "Was die puncten bedüten vnd wie man darnoch lesen soll" Und es hieß nicht Schrift, sonder Schryfft.

Und dann gabs da noch massig regionale Unterschiede. Man musste das irgendwann mal vereinheitlichen.

Die deutsche Sprache wurde früher stark einfach so geschrieben, wie man gesprochen hat. Stell dir mal vor, es gäbe keine einheitliche Rechtschreibung (die mit der Zeit auch mal angepasst werden muss) und jeder würde so schreiben, wies ihm gerade passt.

Und ja, Rechtschreibreformen gab es nicht nur in der deutschen Sprache. Auch im z.B. englischen https://en.wikipedia.org/wiki/English-language\_spelling\_reform aber auch in vielen anderen Sprachen.

Die Umstellung ist kurzfristig für Leute, die schon länger schreiben, natürlich immer erstmal verwirrend. Wenn man mit den neuen Schreibweisen aber aufwächst, sind sie nicht schwer. Ich hatte nie Probleme damit, meine Großeltern schreiben heute noch so, wie vor 60 Jahten.

Kommentar von LolleFee ,

Ich denke aber schon, dass man zwischen von außen herbeigeführten Reformen und Ergebnissen eines natürlichen Sprachwandels, die dann festgeschrieben wurden, wenn sie sich "bewährt" hatten, unterscheiden muss.

Antwort
von DerKalif, 36

Reformen sind immer eine Umstellung für diejenigen, die die Zeit vor und nach der Reform miterleben - das ist klar. Und wenn dann so eine Reform 
auch noch "demokratisch" abläuft, also mehrere Leute daran mitarbeiten und ihre Meinung durchsetzen wollen, dann wird das Endergebnis bis zu einem gewissen Grad immer "Flickwerk" sein; soll heißen: Keiner wird je ganz zufrieden damit sein.

Meiner Meinung nach - auch wenn ich mit der Rechtschreibreform selbst nicht hundertprozentig glücklich bin - ist diese aber im Großen und Ganzen gelungen. Es hat sich ja, wenn wir ehrlich sind, auch nicht "die Welt" verändert.

Das Positivste an der Reform sehe ich sowieso in der Abschaffung des sog. Duden-Privilegs. Laut diesem lag die Deutungshoheit über die dt. Rechtschreibung ja seit geraumer Zeit beim Duden-Verlag - einem privatwirtschaftlichen Unternehmen, das sollte man nicht vergessen!

Und da du nach ähnlichen Fällen fragst: In der Türkei gab es - wenn ich recht informiert bin - schon vor längerer Zeit eine ziemlich große Reform, seit der man streng nach der (Aus-)Sprache schreibt. Vereinfscht vll. einiges, aber ich kann mir vorstellen, dass diejenigen, die noch an andere Schreibungen gewohnt waren, trotzdem damit nicht glücklich wurden.

Kommentar von LolleFee ,

In Frankreich gibt's auch immer mal wieder Reformen, aber nicht alle werden angenommen ;))

Antwort
von Manioro, 39

Kurzfristig mag es tatsächlich dazu führen, dass viele Menschen sich umgewöhnen müssen und dadurch Probleme entstehen. Ohne Frage.  Langfristig jedoch haben die bisherigen Rechtschreibreformen geholfen, die Sprache zu vereinfachen. Im Übrigen unterliegt jede Sprache einem stetigen Wandel.   Deine These ist also etwa skurz gedacht.

Kommentar von LolleFee ,

Aber der "stetige Sprachwandel" ist ein natürlicher Prozess, die Sprache wandelt sich von innen heraus, weil manche anfangen, etwas anders zu machen, was sich dann ausweitet und generalisiert. Solche Änderungen sind fließender und meines Erachtens auch besser akzeptiert.

Antwort
von DieKatzeMitHut, 47

Wieso sollte es logisch sein, dass es danach mehr Probleme gibt?

Die deutsche Rechtschreibreform hat viele Dinge vereinfacht und logischer gemacht - natürlich musste man sich erst einmal umstellen, inzwischen sollte das aber für niemanden mehr ein Problem sein.

Reformen gibt es, um alte Fehler zu beheben und Dinge zu vereinfachen.

Kommentar von LolleFee ,

Für niemanden mehr ein Problem? Oh je...

Kommentar von earnest ,

Empfindest du etwa DIESE Missgebu.t als eine rundherum erfolgreiche Reform?

(Hinweis: Hier, bei "M...", hatte die GF-Zensur zugeschlagen ...)


Kommentar von DieKatzeMitHut ,

Die Rechtschreibreform ist von 1996 - wer es in 20 Jahren nicht schafft, sich da reinzufinden, der sollte sich vielleicht mal Gedanken machen.. (Und der hätte mit der alten Rechtschreibung mit Sicherheit nicht weniger Probleme.)

Kommentar von earnest ,

Wer sich in in ein solches Kompromisskonglomerat nicht reinfuchst, ist ein ganz normaler Mensch.

Ich würde ihm weder Intelligenz noch Sprachgefühl absprechen.

Kommentar von LolleFee ,

Na glücklicherweise habe ich es geschafft. Und die alte konnte ich auch. Puh, dann bin ich hoffentlich in Deinem Ansehen nicht drei Etagen tiefer gesackt. Ich gebe aber zu, dass ich selbst nach 20 Jahren noch hin und wieder überlegen muss, wie es denn jetzt heißt - und wenn ich dann nachschlage (ja, das kommt vor) muss ich mich dann für die unlogische Variante entscheiden. So viel zur Logik. 

Sag mal, musstest Du eigentlich umlernen? Und wenn ja: Wie alt warst Du zu dem Zeitpunkt? Und fällt Dir Sprache generell leicht oder schwer?

Es geht auch gar nicht darum, ob man es schafft oder nicht - es ging um Deine großkatzige Aussage, die neue Rechtschreibung sollte für niemanden mehr ein Problem sein. Das ist so realitätsfremd wie überheblich.

Kommentar von DieKatzeMitHut ,

Ich habe nicht gesagt, dass es nie vorkommt, dass man sich bei der Rechtschreibung unsicher ist und man mal nachschauen muss - wer aber so ein ganz grundsätzliches Problem mit der neuen Rechtschreibung hat und sie schlichtweg überhaupt nicht beherrscht (und sich noch dazu nach 20 Jahren noch immer darüber aufregt), der will sie sehr wahrscheinlich einfach nicht annehmen.

Kommentar von Herb3472 ,

Die deutsche Rechtschreibreform hat viele Dinge vereinfacht und logischer gemacht

Das ist so nicht richtig. Manches hat sich vereinfacht und ist logischer geworden, Anderes wiederum wurde verkompliziert und ist für mich bis heute noch völlig unlogisch.

Antwort
von Herb3472, 33

Selbstverständlich machen Rechtschreibreformen Sinn, sonst würden wir heut noch mit all verschiden hochwohlgebohren Leit unterthänigst verkerren.

Auch Englisch hat sich selbstverständlich verändert, das Englisch von Shakespeware ´war ein anderes als das moderne Englisch.

Kommentar von Herb3472 ,

Korr. Shakespeare

Kommentar von earnest ,

Die englische Lautung hat sich in der Tat sehr verändert, aber die Schreibung ist seit dem Frünneuenglischen mehr oder weniger unverändert.

Und genau darin liegt das Problem - siehe auch meine Antwort.

Englisch hat (bis auf Kleinigkeiten) eben keine Rechtschreibreform durchgeführt.

Die armen learners of English leiden tagtäglich darunter.

Kommentar von Herb3472 ,

Ist z.B. die Anrede in der 3.Person ("Thy, thou, thee") tatsächlich heute noch gebräuchlich?

Kommentar von earnest ,

Nein, mit "thou" wird niemand mehr angeredet, wie du sehr wohl weißt.

Aber habe ich das denn irgendwo behauptet?


Kommentar von Herb3472 ,

Nein, hattest Du nicht behauptet. Hat mich nur in dem von Dir erwähnten Zusammenhang interessiert, dass Englisch bisher noch keiner Rechtschreibreform unterzogen wurde. Wobei die Anrede in 3.Person natürlich nichts (nicht direkt) mit einer Rechtschreibreform zu tun hat.

Kommentar von earnest ,

Ja, das ist genau das Problem.

Ich wage hier auch keine verbindliche Erklärung. Es ist aber so, dass da einige frühe Monumente aus dem Meer der Sprache ragen. Zum Beispiel Shakespeares Werke und die King James Bible. Höchst eindrucksvolle Sprachmonumente, vergleichbar mit Luthers bahnbrechender Bibelübersetzung.

Und nun stell dir mal vor, die deutsche Rechtschreibung hätte sich seit Luther nicht geändert ...

Der Vergleich trifft natürlich nicht zu 100% zu; so gewinnst du aber einen recht plastischen Eindruck.

Kommentar von Herb3472 ,

Hat natürlich zumindest in Bezug auf Shakespeare den Vorteil, dass man sich bei der Aufführung seiner Werke nicht um eine Adaptierung seiner Sprache bemühen muss ;-)

Kommentar von earnest ,

Die kiddies in englischsprachigen Ländern haben durchaus ihre Schwierigeiten mit Shakespeares Englisch.

Es gibt sogar "Schlüssel-Werke" für Schüler, in denen der Text in heutiges Englisch "übersetzt" wird.

Kommentar von earnest ,

-upps: seit dem Frühneuenglischen

Antwort
von Ashuna, 25

dahmit jehmand der dem deutsch nicht mäschtig ist trotzdem deutsch schreiben tut.

Expertenantwort
von earnest, Community-Experte für Sprache & deutsch, 21

Nicht: durch EINE Rechtschreibreform, sondern: durch DIESE Rechtschreibreform.

DA liegt meiner Ansicht nach der Hase im Pfeffer. DA muss die Kuh vom Dach geholt werden.

Und die Nicht-Reform in GB hat dazu geführt, dass Schreibung und Lautung derart weit auseinanderklaffen, dass da kein Anfänger mehr durchblickt.

Manch Fortgeschrittener auch nicht. 

Das Ganze hat also schon einen Sinn ...

Gruß, earnest

Antwort
von Grautvornix, 23

Für mich?

Keinen, ich komm weder mit der alten, noch mit der neuen klar.

Oooooddderrr versssssstehhhhhhst duuuuuuuuuu michhhhhhhhhhhh nnnnicht?

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