Frage von piusalex, 11

Welchen psychologischen Zusammenhang kann es haben, dass jemand, der als Kind misshandelt wurde als Erwachsener Strafverteidiger ist?

Also wenn er in der Kindheit/Jugend von Familienmitgliedern körperlich und seelisch verletzt, eingesperrt wurde etc. Wieso wird man dann Strafverteidiger? Also mit solchen Fällen, in denen man wirklich gewalttätige Schläger etc. verteidigen muss...  Müsste man nicht eigentlich eine Ablehnung gegenüber kriminellen und gerade gegen gewalttätigen Menschen  empfinden, wenn man selbst mal Opfer von Gewalt wurde?

Antwort
von Spielwiesen, 9

Ja vielleicht war dieser Mensch, als er mit dem Studium begann, ursprünglich auf der 'Gegenseite'.

Aber im Verlauf des Studiums blickte er hinter die Kulissen und erkannte, dass das Strafrecht systembedingt darauf ausgelegt ist, nie wirklich zur Rehabilitation eines Täters beizutragen (das hat mir mal eine Jurastudentin erklärt); und inzwischen hat  er womöglich ebenfalls erkannt, was dahinter steckt, wenn jemand - wie seine eigenen Familienangehörigen - anderen körperliche und seelische Verletzungen zufügt und was es psychologisch damit auf sich hat. 

Je nachdem, wie stark die eigene Persönlichkeit (des späteren Strafverteigers) ist, findet er aus solchen Erkenntnissen heraus seine Motivation - Strafverteidiger zu werden: um nämlich Delinquenten zu einem - ich würde sagen - höheren Maß an Gerechtigkeit zu verhelfen; er selbst ist gerade durch seinen eigenen tragischen Werdegang eher in der Lage, die Bedingtheit vieler psychologischer Motive zu erfassen und in Worte zu fassen.

Ich habe mal das Buch von Bruno Bettelheim 'Ein Leben für Kinder' gelesen und verstanden, dass immer nur das weitergegeben wird, was man selbst erfahren und erlitten und verinnerlicht hat. Täter sind insofern auch oft Opfer, die das gleiche Unrecht erfahren haben, wie sie später weitergeben. 

Bestraft man sie ohne dieses Hintergrundwissen, straft man sie doppelt. 

Und wenn erlittene Delikte im ganz frühen Kindesalter stattgefunden haben, wo noch keine Kritikfähigkeit und abstrakte Differenzierungsmöglichkeit gegeben ist, ist es für einen allein fast unmöglich, aus eigener Kraft seine Untaten aufzuarbeiten. Genau DABEI mitzuwirken, könnte die treibende Kraft hinter diesem Menschen sein, der Strafverteidiger wird.

So ähnlich stelle ich mir seine Motivationslage vor. 

Expertenantwort
von furbo, Community-Experte für Recht, 6

Wieder ein Fall aus deiner Traumwelt? 

Du solltest dich eher mit dem realen Leben als mit deinem Alter Ego in deiner Traumwelt befassen. Nimm das als ernstgemeinten Hinweis, aufzuwachen.

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