Frage von thinkling, 70

Welchen juristischen Status hat die "Erklärung über die eigenständige Erstellung" einer wissenschaftlichen Arbeit?

Deutsche Universitäten verlangen seit einer Weile, wissenschaftlichen Arbeiten eine Versicherung darüber beizulegen, dass man darin nicht plagiiert bzw. die ganze Arbeit nicht von Dritten angefertigt wurde.

Ich persönlich halte das für überflüssig, da der Schutz des geistigen Eigentums rechtlich verbrieft ist, unabhängig von einer derartigen Erklärung. Selbst davon mal abgesehen, wäre die Verwendung "unerlaubter Hilfen", wie die Formulierung schon nahelegt, ein Verstoß gegen die Prüfungsordnung, und die gilt auch dann, wenn sie mir nicht gefällt.

Im besten Fall sind diese Erklärungen redundant ("Ich erkläre hiermit, dass ein Verstoß gegen die Regeln ein Verstoß gegen die Regeln wäre"), im schlimmsten Fall demütigend: Man stelle sich vor, ein Kaufmann müsste bei jeder Transaktion schriftlich versichern, dass er keine Hehlerware vertreibt.

Kann das jemand aus rechtlicher Perspektive erhellen? Kann so eine Erklärung überhaupt irgendeine juristische Funktion haben?

Antwort
von Yuncil, 42

Das ist mal ne gute Frage. Ich musste das schon vor 4 Jahren unterschreiben.

Wenn ein Plagiat nachgewiesen wird, dann wird einem eh der Titel aberkannt. Ob dann noch eine Geldstrafe fällig wird weiß ich nicht, diese könnte dann eventuell höher ausfallen da man zusätzlich noch falsche Angaben gemacht hat.

Aber insgesamt denke ich das es mit und ohne Unterschrift keinen Unterschied machen wird, da du es aber eh unterschreiben musst, wird es auch keinen Fall geben wo einer eine wissenschaftliche Arbeit ohne diese Unterschrift abgibt.

Wieder mal einfach Bürokratie in Deutschland würde ich sagen.

Antwort
von brennspiritus, 46

viele Universitäten stellen den Zusatz "eidesstattliche Versicherung" davor, also eine erhebliche juristische Bedeutung.

Antwort
von Mignon2, 41

Immerhin wäre so eine Erklärung der schriftliche Beweis dafür, dass vorsätzlich plagiiert wurde. Ich denke (bin mir aber nicht sicher), sie ist juristisch ähnlich wie eine eidesstattliche Erklärung zu bewerten.

Kommentar von thinkling ,

Vielleicht denke ich da zu logisch für juristische Fragen, aber: Wenn eine solche Erklärung irgendeinen Unterschied machen soll, müsste ja im Umkehrschluss gelten, dass ich mich, wenn ich nicht ausdrücklich versichert habe, dass ich nicht abgeschrieben habe, mich auf Unwissenheit berufen darf. Sich vor dem Gesetz auf Unwissenheit zu berufen, funktioniert aber doch prinzipiell nicht, oder habe ich da etwas falsch verstanden? ;-)

Kommentar von Mignon2 ,

Das stimmt natürlich. :-) Aber ich denke, ohne diese Erklärung wird deine wissenschaftliche Arbeit von den Unis gar nicht angenommen. Außerdem kann ich mir nicht vorstellen, dass sich jemand auf dem akademischen Niveau mit Unwissenheit herausreden kann. Das ist völlig unglaubwürdig.

Kommentar von thinkling ,

Was nur zusätzlich zeigt, wie redundant dieses Prozedere ist =P Mein Punkt ist einfach: Ich sehe das Prinzip der Unschuldsvermutung verletzt. Die Uni hat keinen Anlass, in mir bzw. jedem eine Schummelwurst zu vermuten, so wie auch nicht jeder so lange als Mörder gilt, bis er eidesstattlich versichert hat, dass er keiner ist =))

Kommentar von Mignon2 ,

Ich könnte mir vorstellen, dass mit der Erklärung eine abschreckende Wirkung beabsichtigt ist. Man könnte auch argumentieren, dass sich die Unschuldsvermutung mit Abgabe der eidesstattlichen Erklärung erhöht. Niemand wird deine Arbeit prüfen, wenn nicht schwerwiegende Fakten vermuten lassen, dass eben doch plagiiert wurde (abgesehen von den "GuttenPlag"-Leuten).

Man kann die Erklärung drehen und wenden, wie man will, du wirst nicht darum herumkommen. Es sei denn, du klagst bis zum Bundesverfassungsgericht, was mehrere Jahre dauern dürfte. Der Inhalt deiner wissenschaftlichen Arbeit wäre dann vermutlich überholt. :-)

Kommentar von thinkling ,

Ich werde auch wie immer eine solche Erklärung anfügen, erlaube mir aber, durch den Wortlaut höflich deutlich zu machen, was ich von dieser Vorgabe halte ^^ Danke jedenfalls ;-)

Kommentar von Mignon2 ,

Sehr gerne! Viel Glück und Erfolg mit deiner Arbeit. :-)

Antwort
von Zumverzweifeln, 43

Sicherlich, unser ehemaliger Verteidigungsminister hat genau deswegen sein Amt verloren!

Kommentar von thinkling ,

Ich glaube, als der sein Examen gemacht hat, waren solche Erklärungen noch nicht üblich... ^^

Kommentar von Zumverzweifeln ,

Doch, ganz sicher! Ich habe 1973 unterschrieben!

Kommentar von thinkling ,

Hmm, erstaunlich. Bei uns gibt es das erst seit ein paar Jahren - aber immerhin knüpft das dann wohl an eine bestehende Tradition an =P Willst du eigentlich tatsächlich sagen, dass Herrn G.s Plagiatsverfahren anders ausgegangen wäre, wenn er einen solchen Wisch nicht beigelegt hätte? Das würde mein Vertrauen in die Juristerei nur noch weiter erodieren...

Kommentar von Zumverzweifeln ,

thinkling: Nein, wegen der Plagiate wäre er auf jeden Fall dran gewesen. 

Aber die Tatsache, dass er bewusst und offensichtlich die Erklärung unterschrieben hat, obwohl er es besser wusste, hat ihn das Vertrauen in der Öffentlichkeit gekostet. 

Man kann halt schlecht mit Zuverlässigkeit und Ehrlichkeit werben- wenn man betrogen hat!

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