Frage von Elivbv, 90

Welche Vorteile bzw Nachteile hätte es, wenn ich eine Ausbildung zur Polizeivollzugsbeamten im Mittleren Dienst beginne?

Hallo liebe Community, welche Vorteile/ Nachteile gibt es generell im Beruf der Polizistin und was spricht für die Bundespolizei und was für die Landespolizei Baden Württemberg? Danke!

Hilfreichste Antwort - ausgezeichnet vom Fragesteller
von TheGrow, Community-Experte für Polizei & Recht, 90

Hallo Elivbv,

der einzige Nachteil, aber auch zugleich riesen Nachteil bei der Bundespolizei ist, dass man sich nicht für eine bestimmte Dienststelle und noch nicht einmal für ein bestimmtes Bundesland bewerben kann, sondern man bewirbt sie für DIE Bundespolizei.

Das bedeutet im Klartext, dass Du Dich für den mittleren Dienst bewirbst, aber schon ungewiss  ist, wo man seine Ausbildung macht. Die Ausbildung für den mittleren Dienst findet an den folgenden Standorten statt:

  • Walsrode
  • Neustrelitz 
  • Eschwege 
  • Oerlenbach 
  • Swisttal

Auch nach der Ausbildung ist es ungewiss wo Du hinkommst. Du kannst zwar zum Ausbildungsende Verwendungswünsche und Standortwünsche angeben, aber auf diese Wünsche nimmt die Bundespolizei sehr wenig Rücksicht, sondern die frisch gebackenen Polizeimeister bekommen nach der Ausbildung eine Stelle dort zugewiesen, wo gerade Personal gebraucht wird.

In den letzten Jahren sind ganze Ausbildungszüge nach der Ausbildung nach Frankfurt an den Flughafen versetzet worden. Auch die Zukunft wird wohl für viele die mit der Ausbildung fertig sind einen Dienstposten im Süden von Deutschland mit sich bringen.

Dieses Risiko hast Du bei der Landespolizei nicht, denn man bleibt in dem Bundesland, wo man sich auch beworben hat.

Was die Aufgaben angeht, unterscheiden sich diese zwischen Bundespolizei und Landespolizei gar nicht so sehr von einander.

Zu den Tätigkeiten bei der Polizei. Die Polizei bietet natürlich weit mehr, als nur mit dem Streifenwagen Streife zu fahren.

Du kannst z.B. zur:

  • Bereitschaftspolizei
  • Sondereinheiten wie MEK/SEK/GSG9 
  • Hundestaffel
  • Reiterstaffel
  • Fliegerstafel 
  • Autobahnpolizei (Nur Landespolizei)
  • Kriminalpolizei / Kriminalitätsbekämpfung
  • Wasserwerferzug
  • Ermittlungsdienst 
  • Wasserschutzpolizei / Küstenwache
  • Spurensicherung
  • Waffenwart / Wart für Unterkunft und Verpflegung
  • Küche / Einsatzkoch
  • Sanitätsdienst / Krankenabteilung (nur in den Verbänden)
  • Tauchergruppe
  • Funker / IKT (Aufrechterhaltung und Einrichtung Computer und Digitalfunk)
  • T-Züge (Einheiten die mit schweren Gerät und Booten dafür zuständig sind, Kontrollstellen auszuleuchten, Absperrgitter aufzustellen, Natodraht zu verlegen)
  • aber es gibt auch Polizeibeamte, die eher Tätigkeiten ausüben die man im zivilen Bereich wie  z.B. das Personalbüro / IKT (Computertechnik) / Fahrzeugtechnik vermuten würde.
  • Auslandsverwendung wie zum Beispiel den Schutz eigener Einrichtungen, sprich den deutschen Botschaften auf der ganzen Welt und auch Polizeikontingente in den Krisengebieten wie Afghanistan. Die Chancen auf eine Auslandsverwendung stehen bei der Bundespolizei aber wesentlich besser. Fast jeder der sich um eine Auslandsverwendung bewirbt, geht auch ins Ausland.

Auch von der Ausrüstung und Ausstattung unterscheiden sich Bundespolizei und Landespolizei nicht großartig voneinander. Im Einsatz sind beide fast identisch ausgestattet und die Polizisten sind nur am Wappen auf Mütze und Oberarm zu unterscheiden.

Schöne Grüße
TheGrow    

Kommentar von TheGrow ,

Nochmal ergänzend zu den Aufgaben. Die Landespolizei und die Bundespolizei sind sich nicht nur in den Aufgaben, sondern auch in der Ausbildung recht ähnlich.

Ich führe Dir mal nachfolgend die Ausbildungsinhalte der Bundespolizei an und man kann sagen, dass der Aufbau der Landespolizei ganz ähnlich ist:

http://www.gesetze-im-internet.de/bundesrecht/ap-mdbgsv/gesamt.pdf

Verordnung über die Ausbildung und Prüfung
für den mittleren Polizeivollzugsdienst in der
Bundespolizei (AP-mDBPolV)

§ 5 Grundausbildung

(1) Die Grundausbildung vermittelt die für eine erfolgreiche Weiterführung der Ausbildung erforderlichen theoretischen Kenntnisse und praktischen Fertigkeiten und dient der Steigerung der körperlichen Leistungsfähigkeit.

(2) Die Grundausbildung umfasst

1. die Wissensvermittlung in den Fächern

  a) Staats- und Verfassungsrecht/politische Bildung,

  b) Einsatzrecht (Polizei- und Ordnungsrecht, Strafrecht/Strafprozessrecht, Ordnungswidrigkeitenrecht)/
Verkehrsrecht,

 c) öffentliches Dienstrecht,

 d) Führungslehre/Psychologie,

 e) Einsatzlehre/Polizeidienstkunde/Verkehrslehre,

 f) Kriminalistik,

 g) Deutsch und

 h) Englisch,

2. die praktische Ausbildung in den Fächern

 a) Einsatzausbildung,

 b) Zwangsmitteleinsatz (Einsatztraining, Waffen- und Schießausbildung),

 c) Polizeitechnik und
 
 d) erste Hilfe,

3. die Ausbildung im Fach Dienstsport einschließlich Schwimmen und Retten,

4. ein Verhaltenstraining,

5. Fragen der Berufsethik,

6. eine Projektwoche und

7. ein Informationspraktikum in Dienststellen der Bundespolizei.

(3) Die Vermittlung der theoretischen Kenntnisse und praktischen Fertigkeiten soll auf der Grundlage der in
Absatz 2 Nr. 1 und 2 genannten Fächer fächerübergreifend in Handlungsfeldern polizeilicher Tätigkeiten erfolgen.

§ 6 Leistungsanforderungen

(1) Während der Grundausbildung sind in den Fächern

1. Staats- und Verfassungsrecht/politische Bildung,

2. Einsatzrecht/Verkehrsrecht,

3. öffentliches Dienstrecht,

4. Führungslehre/Psychologie,

5. Einsatzlehre/Polizeidienstkunde/Verkehrslehre,

6. Kriminalistik,

7. Deutsch,

8. Englisch,

9. Polizeitechnik,

10. Dienstsport,

11. Einsatzausbildung und

12. Zwangsmitteleinsatz Leistungsnachweise zu erbringen.

(2) Leistungsnachweise sind

1. schriftliche Aufsichtsarbeiten,

2. Leistungstests in schriftlicher und mündlicher Form sowie

3. praktische Überprüfungen.

§ 7 Weitere fachtheoretische und fachpraktische Ausbildung

(1) Ziel der weiteren fachtheoretischen und fachpraktischen Ausbildung ist es, die während der Grundausbildung erworbenen theoretischen Kenntnisse und praktischen Fertigkeiten zu erweitern und zu vertiefen sowie die körperliche Leistungsfähigkeit weiter zu steigern.

(2) Die weitere fachtheoretische und fachpraktische Ausbildung umfasst die Ausbildungsbereiche gemäß § 5 Abs. 2 Nr. 1 bis 6 sowie Praktika in den Einsatzfeldern der Bundespolizei. Das Nähere regelt der Ausbildungsplan.

(3) In den Prüfungsfächern (§ 16 Abs. 1) ist jeweils eine schriftliche Aufsichtsarbeit von 90 Minuten Dauer, in allen anderen Unterrichtsfächern jeweils eine schriftliche Aufsichtsarbeit von 45 Minuten Dauer zu fertigen. In den Fächern der praktischen Ausbildung (Einsatzausbildung, Zwangsmitteleinsatz, Polizeitechnik) und im Fach
Dienstsport sind Leistungsnachweise in Form von praktischen Überprüfungen zu erbringen. Die Aufsichtsarbeiten
fließen mit 50 vom Hundert in die jeweils entsprechend § 17 Abs. 1 zu bildende Fachnote ein. Die weiteren 50
vom Hundert ergeben sich aus den Leistungstests. Aus den einzelnen Fachnoten ist entsprechend § 17 Abs. 1
Satz 2 eine Durchschnittsrangpunktzahl zu bilden.

§ 8 Laufbahnlehrgang

(1) Der Laufbahnlehrgang dient der Vertiefung und Erweiterung der in der bisherigen Ausbildung erworbenen Kenntnisse und Fertigkeiten sowie der Vorbereitung auf die Laufbahnprüfung. Er schließt mit der Laufbahnprüfung ab.

(2) Der Laufbahnlehrgang umfasst die Fächer

1. Staats- und Verfassungsrecht/politische Bildung,

2. Einsatzrecht/Verkehrsrecht,

3. öffentliches Dienstrecht,

4. Führungslehre/Psychologie,

5. Einsatzlehre/Polizeidienstkunde/Verkehrslehre,

6. Kriminalistik,

7. Englisch,

8. Zwangsmitteleinsatz und

9. Dienstsport.

Kommentar von Elivbv ,

Ich bin Ihnen sehr dankbar für diese ausführliche Antwort! Herzlichen Dank! Ihnen noch einen schönen Abend.

Kommentar von Elivbv ,

Würde Sie an meiner Stelle nach meiner Mittleren Reife gleich zur Polizei gehen, oder noch auf ein Gymnasium, um gleich in den gD einzusteigen? Meine Noten reichen sehr gut dafür. Für mich ist klar, dass ich in den gehobenen Dienst möchte, allerdings bin ich so fasziniert, dass ich schon morgen zur Ausbildung antreten könnte :)

Kommentar von TheGrow ,

Die Frage ist sehr schwer zu beantworten, bzw. Dir zu dem einen oder zu dem anderen zu raten.

Was dagegen spricht, noch erst auf das Gymnasium zu gehen ist die, dass auch ein Abi keine Garantie dar stellt, dass man im gehobenen Dienst anfangen kann.

Viele die sich mit Abi auf dem gehobenen Dienst bewerben schaffen das weitaus schwierige EAV (Einstellungs.- und AuswahlVerfahren) nicht und fangen dann trotz Abi im mittleren Dienst an. Nach meiner persönlichen Erfahrung sind sogar die meisten die im mittleren Dienst anfangen Gymnasiasten.

Was natürlich dafür spricht, erst Abi zu machen und dann im gehobenen Dienst anzufangen ist, dass man später auch Führungspositionen übernehmen kann die einem vom mittleren Dienst verwehr bleiben.

Aber über eins musst Du Dir im klaren sein. In den Anfangsjahren, macht es keinen großartigen Unterschied, ob Du im mittleren Dienst oder im gehobenen Dienst angefangen hast. Du bekommst vielleicht 300 Euro mehr Gehalt, führst aber die gleichen Tätigkeiten wie Jemand vom mittleren Dienst aus.

Zudem besteht auch später für die Beamten des mittleren Dienstes bei vollen Gehalt die Möglichkeit den Aufstiegslehrgang zum gehobenen Dienst zu absolvieren und so in den gehobenen Dienst zu gelangen.

Kommentar von Elivbv ,

Habe ich das richtig gelesen und Sie würden mit eher zum mittleren Dienst raten? Sprich gleich nach der Realschule.

Kommentar von TheGrow ,

Einen konkreten Rat zu geben ist hier schwer, denn es kommt ja ganz da drauf an, was Du später machen willst.

Wenn Du Polizist werden willst um polizeiliche Aufgaben wahrzunehmen, langt der mittlere Dienst völlig aus.

Willst Du später von den polizeilichen Aufgaben weg und Dich mehr damit beschäftigen als Vorgesetzter Dein Personal zu führen, kommst Du um den gehobenen Dienst nicht drum rum.

Antwort
von Delveng, 82

Nachteile sind mir für diese Berufswahl keine bekannt.

Kommentar von Elivbv ,

Sind Sie selbst Polizist?

Kommentar von Delveng ,

@Elivbv, nein, ich gehörte einer anderen Exekutivbehörde an.

Antwort
von poeone94078, 55

Du wirst nicht gemocht werden !!!

Kommentar von Elivbv ,

Wie meinen Sie das?

Kommentar von poeone94078 ,

viele Leute mögen Polizisten nicht weil sie Gesetze durchsetzen die der letzte rotz sind man muss als Polizist schon ein kleiner Sadist sein und drauf stehen Leute selbst für den größten Schwachsinn anzukacken.... ich mein damit eig nur das du Viel mit Beleidigungen und Kritik zu kämpfen haben wirst weil Polizisten nunmal nicht die beliebtesten sind ....und das die auch nur ihren Job machen stimmt wohl aber die haben es sich auch so ausgesucht in diesem Land diesen Job zu machen

Antwort
von Wolke008, 87

Mein Bruder arbeitet im mittleren Dienst in BW, wenn dir der job selbst Spaß mach würde ich es schon machen, aber die Arbeitszeiten sind anfangs ziemlich blöd.
Und im mittleren Dienst sind es natürlich eher harmlose Einsätze, z.b. Autounfälle, Familien Streitigkeiten , etc

Kommentar von Elivbv ,

In welchen Schichten arbeitet dein Bruder? :)

Kommentar von Sirius66 ,

Die Schichtzeiten organisiert jede PD für sich. Allerdings sind sie fast überall gleich.

Eine Frühschicht geht von 6-14. Spätschicht 14-22. Nachtschicht 22-6. "Anpfiff" ist aber jeweils eine halbe Stunde früher.

An den Wochenenden gibt es auch lange Dienste. Hiermit ermöglicht man mehr freie Wochenende für jeden in dieser Schicht. Nach dem Motto Wenn ich schon arbeiten muss, das WE sowieso hinüber ist, kann ich auch lange Dienste schieben. Diese Schichten gehen dann Tag von 6-18 und Nacht von 18-6.

Gruß S.

Kommentar von Wolke008 ,

also er arbeitet jetzt im Moment im Büro aber als er im Außendienst war gab es nachmittags, früh morgens (4-5 Uhr ) und Nachtschichten, aber an die genauen Zeiten kann ich mich nicht erinnern :)

Kommentar von Wolke008 ,

Außerdem kann man sich, wenn man im mittleren Dienst ist, in den gehobenen Dienst "hocharbeiten" , macht mein Bruder irgendwann, aber erstmal muss er natürlich ein paar jahre im mittleren Dienst arbeiten; D

Kommentar von Sirius66 ,

Und im mittleren Dienst sind es natürlich eher harmlose Einsätze, z.b. Autounfälle, Familien Streitigkeiten 

Wieso beziehst du das auf den Mittleren Dienst? Das ist auch im gehobenen Dienst so. Die Polizeikommissare auf Probe fahren vorwiegend Streife oder stehen in den Reihen der Bereitschaftspolizei.

Wer sollte diese Arbeit denn dort tun, wo es keinen mittleren Dienst mehr gibt?

Gruß S.

Antwort
von azeri61, 74

Der einzige nennenswerte mir einfallende nachteil ist der schichtdienst der manch anderen durchaus gefällt

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