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Welche Vor- und Nachteile haben Hartz IV und 1-EUR-Jobs für wen?

gefragt von WildeFeeWildeFee am 07.06.2007 um 13:04 Uhr

Anlässlich der Jammerer-Frage mit Diskussionsansatz von gestern möchte ich diese Frage stellen.

Und: wie sieht es mit der Altersvorsorge bei Hartz VI-Empfängern aus? Wie und inwieweit kann man noch etwas ansparen, das der Staat nicht antasten darf?

Bzw. Wie sichere ich mein Erspartes für den Fall, dass ich in die Lage komme, Hartz IV zu beziehen?

Mir geht es hier nicht um Meinungen, sondern um stichhaltige Begründungen und Argumente. Ich will zu Argumenten und Fakten Quellenangaben und Links. Anders kann ich nicht verstehen und nichts dazulernen.

Und ich bitte darum, sich hier nicht gegenseitig zu beleidigen - auch nicht implizit. Danke.


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schurke
beantwortet von schurke am 7. Juni 2007 13:49
8x
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1 € Jobs haben den Nachteil, dass sie für dem Jobber schlecht bezahlt sind, für die Allgemeinheit, es fallen sozialversicherungspflichtige Arbeitsplätze weg. Ein Beispiel (die Quelle darf ich Dir nicht nennen, Du wirst verstehen)Der Berliner Senat hat mit Beginn der 1€ Jobs vier Forstmitarbiter der Berliner Forst entlassen und die Stellen mit 1€ Jobbern besetzt. Obwohl es immer hieß, 1€ Jobs sollen zusätzlich sein! Der Vorteil für den Senat, er spart Personalkosten auf Kosten der Allgemeinheit. Für mich sind 1€ Jobs mit einer der größten Lügen/Betrügerein der Politiker.

Hartz4, Altersversorgung, man darf 200€ pro Lebensjahr angespart haben.

Wie sicherst Du Dein Erspartes? Ich habe einen Teil meiner Kohle zu einem meiner Brüder ins Ausland transferiert, er hat es auf dem Namen seines Sohnes für mich gut verzinst angelegt. Was soll ich Dir sonst dazu sagen? Was sind schon 200€ pro Lebensjahr, wenn Du mit 45 oder 50 Jahren Deinen Job verlierst, in diesem Staat hast Du dann fast keine Perspektive mehr, da sie Dir alles nehmen, was Du Dir durch Fleiß erwirtschaftet hast.

Gut geht es den jungen Hartz4 Empfängern, die noch nie gearbeitet haben und es auch nicht wollen, denen reicht das, was sie bekommen. was sagte letztes die 16 Jährige Tochter einer Bekannten auf meine Frage ob sie nicht mal ein paar Bewerbungen mehr schreiben möchte?: Och, wennnichts klappt werde ich eben schwanger oder Hart4 Empfänger........, ich hätte zum Mörder werden können.

Kommentar von 42341ebb4309af8c583c7e5302f41d49smallpipiopa am 7. Juni 2007 14:33

1 € jobs haben doch was soziales, nämlich man ist unter menschen und verblödet nicht.

Kommentar von 344c7f33ec5d90c2b730c1352202a760smallschurke am 7. Juni 2007 15:11

das ist aber auch das einig "Gute" an ihnen, da hast Du Recht

Kommentar von B0062c7fab7bf0da32f420f3b225d453smallNiklaus am 8. Juni 2007 09:24

Wenn Menschen aus welchem Grund auch immer, vom Staat Geld bekommen ausser Rente, dann sollten sie dafür auch etwas tun. Denn das Geld das sie erhalten, wird von anderen bezahlt. Ich finde das nur gerecht und auch logisch. Leistung nur bei Gegenleistung. Das gilt für 1€ Jobs genauso wie für Hartz IV. Natürlich gibt es auch viele Menschen in Deutschland die unverschuldet in Not geraten sind, das ändert aber nichts am Prinzip. Übrigen Riester-Rente und Rürup-Rente sind Hartz IV sicher. Klar wer kein Geld hat so eine Versorgung aufzubauen, hat jetzt nichts davon.

Kommentar von 906a0bbe98354ac23e7a8bb90821dd59smallWildeFee am 8. Juni 2007 22:02

Zustimmung zu den letzten beiden Sätzen. Ich bekomme mit der Riesterrente am Ende, wenn es gut läuft, 40-60 EUR ausgezahlt monatlich. Das sind wirklich peanuts, wenn man älter wird, und vielleicht zusätzliche Medikamente oder ähnliches braucht. Einen gewissen kleinen Comfort braucht ein Mensch doch im Alter auch.

Ich kann aus gesundheitlichen Gründen nicht arbeiten und bekomme Grundsicherung. Ich kann nix gegenleisten. Ich darf aber auch nichts sparen - bzw. nur bis zu einem gewissen Limit, was - je nachdem, wie alt ich werde - einfach verschwindend gering ist.

Aber selbst, wenn ich vorher viel angespart hätte, wäre es in dem Moment, wo ich Hartz IV beziehe weg. Und DAS finde ich ganz miserabel: das nämlich niemand sicher sein kann, dass er das Geld, dass er im Schweiße seines Angesichts verdient, auch als Altersvorsorge oder kleines Polster behalten kann. Zumal wir eh nicht wissen, wie es in wenigen Jahren mit der Rente aussieht...

Ich hab echt angst, alt zu werden unter diesen Bedingungen.

Kommentar von 906a0bbe98354ac23e7a8bb90821dd59smallWildeFee am 8. Juni 2007 22:10

Ich höre das auch immer wieder, dass 1-EUR -Jobs genutzt werden, um eigentlich kompetente Mitarbeiter mit einem gewissen Status gegen 1-EUR-Jobber einzutauschen. Das ist eine ganz miese Sache. Warum ist das eigentlich jetzt möglich, wenn es damals, als es noch Sozialhilfe gab, tatsächlich eine gemeinnützige, auch halbwegs sinnvolle Sache war, die nicht ausgenutzt werden konnte (nicht, dass ich wüsste jedenfalls)?

Den Satz, den ich sparen kann, kenn ich hier mit 150,-, wobei mir die ARGE noch niedrigere Summen nennt.

Du sagst es: man verarmt, wenn man nicht trickst und Erspartes aus dem Land schafft oder ähnliches. Das kann es doch aber nicht sein, oder?

So wird doch Armut regelrecht erzeugt! Und eine große Frustration.


loopwithme
beantwortet von loopwithme am 7. Juni 2007 14:30
7x
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Für den Empfänger ist wohl nur der einzige Vorteil, den ich sehe, dass er nicht betteln gehen muss, um zu überleben. Obwohl das kein kleiner Vorteil ist, wars das aber auch schon mit den "Vorteilen"...

Prinzipiell sehe ich von der Grundidee her die Zusammenlegung der damaligen Sozialhilfeempfänger und ALG-II-Bezieher in die ARGEn als sehr großen Fortschritt an, denn das Nebeneinander dieser beiden Systeme hat uns alle sehr sehr viel Geld gekostet.

Leider war auch diese Reform handwerklicher Pfusch, so dass sich die Vorteile sehr häufig in Nachteile für die Betroffenen verwandelt haben.

Die 1-€-Jobs sind übrigens keine neue Erfindung. Sie entsprechen der alten "Gemeinnützigen Arbeit", die viele Sozialhilfeempfänger leisten mussten. Auch hier ist die Grundidee gar nicht so verkehrt gewesen: Arbeitsentwöhnte oder Leute, die noch nie gearbeitet haben, sollen an den Arbeitsmarkt herangeführt werden. Das über Arbeiten, die "gemeinnützig" und "zusätzlich" sind (oder wie es jemand vom Arbeitsamt mal ausdrückte: "Loch graben und wieder zuschaufeln"...), damit keine regulären Arbeitsplätze gefährdet werden. Deshalb dürfen 1-€-Jobber auch nicht in privaten Firmen eingesetzt werden, sondern nur in Kommunen und Organisationen der freien Wohlfahrtspflege oder in gemeinnützigen Vereinen.

Leider haben diese Organisationen durchaus erkannt, dass sich damit eine Menge Geld einsparen und auch verdienen lässt. Bei uns z.B. hat die AWO ziemlich eins auf den Deckel bekommen, als herauskam, dass die sich an regulären Ausschreibungen im Garten- Landschaftsbau beteiligt und alles weggeboten haben, weil die mit den 1-€-Jobbern unschlagbar günstig kalkulieren konnten...

Trotzdem sind die 1-€-Jobs nicht prinzipiell zu verdammen, wenn sie richtig eingesetzt werden. Es gibt mittlerweile sehr viele gute Ideen, die nie entstanden wären, gäbe es diese Möglichkeit nicht. Das Anlegen von Abenteuerspielplätzen oder Einkaufsdienste für ältere Menschen sind hier Beispiele. Das Argument, dass man hier nur einen Euro verdient, zählt nicht: man muss die Hartz-IV-Leistungen hinzurechnen, die ja auch weiterhin ausgezahlt werden.

Diese Jobs sind von der Grundanlage her nicht dazu gedacht, sie irgendwann in einen regulären Job zu überführen, denn sie sollen ja wie gesagt gemeinnützig und zusätzlich sein, weil sonst keine Mittel dafür eingestellt werden. Leider tun sie das nicht immer, besonders im kommunalen Bereich gibt es viele "Sünder", die reguläres Personal, vor Allem im Gartenbaubereich, durch 1-€-Jobber ersetzen...

Das jetzt alles mit Links zu belegen wäre etwas viel verlangt, ich komme aus dem Bereich...

Eine sehr informative Seite rund um Hartz-IV und die Rechte gibt es hier: http://www.tacheles-sozialhilfe.de/default.aspx . Die Seite ist aber grauslig zu navigieren...

Kommentar von 906a0bbe98354ac23e7a8bb90821dd59smallWildeFee am 8. Juni 2007 21:45

Recht fundierte Antwort.

Der Sozialhilfeempfänger hatte auch den Vorteil, nicht betteln gehen zu müssen. Und das 1-EUR-Jobs keine neue Erfindung sind, ist mir auch bewusst.

Ich sehe in der Zusammenlegung keinen Fortschritt, denn bisher ist das nicht weniger Verwaltungsaufwand, sondern mehr - noch jedenfalls. Und es ist absolut klientenfeindlich, anonym und unflexibel geworden.

Es muss sich also etwas verändert haben mit diesen ursprünglich gemeinnützigen Arbeiten für ca. 1 EUR. Und da wüsste ich gern, was es ist und was es bringen soll. Ich sehe hauptsächlich Benachteiligungen und Ausnutzung.

Den Tacheles-Link kenn ich, finde ich sehr gut (inhaltlich).

Kommentar von 906a0bbe98354ac23e7a8bb90821dd59smallWildeFee am 8. Juni 2007 21:52

Hmm... GF hat mir hier einen Absatz gekappt.

Ich hatte schreiben wollen, dass mein Bruder auf Arbeitssuche immer wieder 1-EUR-Jobs bekommt, wo ihm nach kurzer Zeit versprochen wird, dass er übernommen wird. Was dann aber nicht geschieht. In dieser Zeit, bis er wieder entlassen wird für den nächsten 1-EUR-Jobber, arbeitet er sich dumm und dämlich mit Überstunden, Ausnutzung etc. Weil er ja in Aussicht hat, übernommen zu werden.

Und mein Bruder ist auch keiner, der erst das Arbeiten lernen müsste. Er sucht einen festen Job. Er bekommt auch kein ALG II, weil er ja nicht arbeitslos ist.

Wie kommt das? Wie läuft das, dass er 1-EUR-Jobs bekommt? Wie wird das gerechtfertigt von den Firmen, dass sie ständig billiges Personal haben, die einen vollen Job machen, auch mit der entsprechenden Ausbildung?!


Eastside
beantwortet von Eastside am 7. Juni 2007 18:51
5x
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Obwohl du hier keine Meinung haben willst, möchte ich die meine trotzdem abgeben.

Zum Glück bin ich von Hartz IV nicht betroffen weil ich Österreicherin bin, aber ich war selbst 14 Monate arbeitslos und habe mich auch mit dieser Thematik auseinandergesetzt.

Die sozialen Gräben in der Gesellschaft werden mit Hartz IV immer tiefer (das spürt man ja zum Teil hier schon bei den Diskussionen) das verfügbare Einkommen von Kleinverdienern, Erwerbslosen, Rentnern und Studenten wird geringer. Die Kaufkraft bricht noch weiter ein und die Wirtschaftskrise wird beschleunigt.

1€-Jobs = Arbeitszwang für 1 Euro!

Das alles reicht zum Leben und zum Sterben nicht und enthält absolut keine Zukunftsperspektive!

Die Grenze verläuft nicht zwischen Ost und West, auch nicht zwischen Nationen, sondern zwischen oben und unten.

Kommentar von 906a0bbe98354ac23e7a8bb90821dd59smallWildeFee am 8. Juni 2007 22:13

Du erwähnst einen wichtigen Punkt: Die Zukunftsperspektive! Und ich nenn Dir nocb zwei, die drunter leiden, unter diesem System und der sozialen Schere: Motivation und Würde.

Kommentar von 649301eb130914b4a8b5d88fbe2634a2smallSilmoo am 2. Januar 2008 00:50

Sehr reich und sehr arm , diese Zeitepochen gab es schon immer, und das Ende war immer grauenvoll.


pipiopa
beantwortet von pipiopa am 7. Juni 2007 14:37
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vorteile in meiner stadt;halbe hundesteuer, zahnersatz in angemessener form umsonst,das amt zahlt auch rentenbeiträge,u.v.m.

es ist zwar nicht schön,aber aussichtslos auch nicht,man muß eben das beste daraus machen.

gruß pipiopa

Kommentar von 906a0bbe98354ac23e7a8bb90821dd59smallWildeFee am 8. Juni 2007 21:23

Das Amt zahlt bei mir keine Rentenbeiträge.

Und was ist besser mit Hartz IV im Gegensatz zum alten System?


demosthenes
beantwortet von demosthenes am 7. Juni 2007 17:04
4x
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Die Idee hinter HartzIV, nämlich Sozial- und Arbeitslosenhilfe zusammenzulegen, war schon gut, weil damit viel Verwaltungsaufwand gespart wird und nicht weiter die eine Behörde der anderen ihre Klienten aufs Auge drücken kann, um Kosten zu sparen, nur handwerklich wurde dabei leider etwas sehr gepfuscht.

Auch die 1€-Jobs sind eine gute Idee, die aber leider in der praktischen Umsetzung an vielen Stellen für (fast) alle Beteiligten Nachteile hat, wie schon die ABM unseligen Angedenkens.

Wenn Du für den Fall des ALG-II-Bezugs Dein Erspartes sichern willst, dann bleibt Dir letztlich nur die (illegale) Methode, das Geld einem anderen Menschen zur Anlage zu geben, dem Du absolut vertrauen kannst.

Zu diesem Vorschlag kann ich aus verständlichen Gründen keinen passenden Link anbieten.

Kommentar von 906a0bbe98354ac23e7a8bb90821dd59smallWildeFee am 8. Juni 2007 21:30

Ok.

Was den Verwaltungsaufwand angeht, so ist das ein Irrtum. Der Verwaltungsaufwand ist wesentlich größer. Das Chaos ist riesig, keiner blickt durch, die Gesetze und Regelungen sind so verschachtelt, dass viele Mitarbeiter der ARGE noch nicht richtig durchblicken, geschweige denn wird es verständlich für den Bürger gemacht. Vielmehr wird durch ein ordentliches Zahlenchaos verschleiert, was mensch warum bekommt, und es gibt Kurse, in denen man lernen kann, Bescheide der ARGE zu lesen/interpretieren.

Nein, der Verwaltungsaufwand ist mehr geworden, das weiß ich von Leuten vom Amt selbst. Und unpersönlicher. Spielräume werden nicht mehr ausgereizt, sollen sie auch gar nicht. Gelder werden unterschlagen, die einem eigentlich zustünden (daran spart der Staat nämlich im 8-9stelligen Bereich jährlich), dafür heißt es jetzt aber, vor Gericht ziehen zu müssen.


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