Frage von WVTEW, 83

Welche Verantwortung trägt ein Wissenschaftler (Gesetz)?

Hallo, ich muss in der Schule ein Referat über dieses Thema halten. Würde gerne auch etwas über den gesetzlichen Rahmen dazu sagen. Ich weiß, dass es in Deutschland Forschungsfreiheit gibt (Grundgesetz). Das bedeutet doch, man darf wirklich ALLES erforschen. Aber bedeutet das, dass ein Wissenschaftler nicht zur Rechenschaft gezogen wird, wenn er vorsätzlich eine Mordwaffe konstruiert? Das kann ich mir nicht so recht vorstellen. Gibt es irgendwelchen verpflichtenden Kodexe bzw. juristisch relevante Richtlinien für Wissenschaftler oder basiert das ethische Hinterfragen des eigenen Forschungsvorhabens nur auf freiwilliger Basis? (ohne juristische Relevanz) Vielen Dank im Voraus :) Vlt fallen euch ja auch noch weitere interessante Aspekte zu meinem Referatsthema ein.

Antwort
von grubenschmalz, 54

Das bedeutet doch, man darf wirklich ALLES erforschen

Ja, es gibt aber gesetzliche und ethische Grenzen.


Aber bedeutet das, dass ein Wissenschaftler nicht zur Rechenschaft gezogen wird, wenn er vorsätzlich eine Mordwaffe konstruiert?


Warum sollte er? Die Waffe alleine schwirrt ja nicht herum und bringt Leute um, sondern ein Mensch drückt den Knopf / zieht den Abzug usw.

Die Waffe selber ist ja nur ein Werkzeug. 


Außerdem, wo ziehst du die Grenze? Moderne Navigationstechnik oder Satellitenkommunikation ist im militärischen Bereich sehr nützlich und kann eine neue Waffe erst richtig effektiv machen, gleichzeitig wird sie im zivilen Bereich aber auch genutzt um das Leben der Leute angenehmer zu machen.


Deswegen halte ich diese Friedensklauseln an einigen Unis auch für absoluten Bullshit, zumal sie der Forschungsfreiheit widersprechen.



Hier steht einiges dazu: http://bfy.tw/3Z8m

Kommentar von WVTEW ,

Vielen Dank :) Das hilft mir schonmal sehr weiter! Weißt du zufällig auch, wo ich die gesetzlichen Grenzen nachlesen kann? Ethische (freiwillige) Richtlinien hab ich jetzt schon einige gefunden, aber halt keine gesetzlichen Grenzen der Forschungsfreiheit..

Kommentar von grubenschmalz ,

Die finden ihre Grenzen z.B. im Tierschutzgesetz o.ä.

Antwort
von berkersheim, 41

Ethik und darauf gründende Verantwortung ist nicht nur eine Sache des Einzelnen, sondern immer auch der gesamten Gesellschaft und ihrer Eliten, wovon die Wissenschaftler nur ein spezieller Teil sind. Wenn alle das Aufessen von Menschen feindlicher Stämme für gut finden, kann man nicht nachträglich demjenigen eine Verantwortung zuschieben, der dazu Messer und Gabel erfunden hat.

Antwort
von dandy100, 49

Es darf NICHT alles erforscht werden, wie kommst Du denn darauf?

Großes Thema ist dabei seit Jahren die Genforschung, wo es gesetzlich festlegte Grenzen der Forschungsfreiheit gibt.

Forschungsfreiheit bezieht sich Übrigen ausschließlich auf die Erforschung der Dinge - wie der Name schon sagt - und nicht auf deren industrielle Weiterverwertung, bestes Beispiel: Einstein war zwar Kernphysiker aber er hat nicht die Atombombe gebaut - was also mit Forschungsergebnissen passiert und wie sie verwendet werden, fällt höchstens in die moralische Verantwortung des Forschers, nicht in einen gesetzliche. Das wäre auch sehr unfair, denn was man mit Forschungsergebnissen alles machen kann, ist nicht vorhersehbar - allein innerhalb der medizinischen Forschung, ist es möglich durch die entsprechende Dosierung von synthetisch hergestellten Giften entweder die ganze Menschheit auszulöschen oder Leben zu retten.

Mit Ausnahme der Genforschung ist für den Umgang mit Forschungsergebnissen nicht der Forscher verantwortlich.

Was letztendlich mit Forschungsergebnissen passiert, wem sie zugänglich gemacht werden dürfen und wie sie industriell verwertet werden, dafür gibt es natürlich klare Beschränkungen und Vorschriften.

Irgendeine "Mordwaffe" erforschen bzw. erfinden, darf man - nur bauen darf man sie nicht


Kommentar von WVTEW ,

Oppenheimer war an dem Bau der Atombombe beteiligt und war sich definitiv über die Folgen im Klaren, hat sie aber nicht abgeworfen und später erklärt, dass er sich nicht verantwortlich sieht- zählt das jetzt schon zur industriellen Weiterverarbeitung?

Kommentar von dandy100 ,

Das kann man nicht vergleichen, denn im Fall Oppenheimer war es  ein klarer staatlicher Auftrag die Atombombe zu bauen, das sogenannte Manhattan-Projekt ist ja innerhalb des zweiten Weltkriegs forciert worden, aus Angst Deutschland könnte da schneller sein. Hier ging es alo nicht um einen Vorteil am internationalen Markt, sondern um einen Vorsprung innerhalb der Kriegsführung - moralisch und völkerrechtlich mag man das verurteilen, aber damals bewegte es sich innerhalb der legalen Grenzen der im Krieg beteiligten Staaten, die alle einen militärischen Vorteil haben wollten.

Antwort
von jorgang, 30

Es gibt ethische Grenzen, die auch das Gesetz reflektiert wie die in der Genforschung. Es gibt den hippokratischen Eid der Mediziner.

Auch in den Ingenieursbreichen gibt es ethische Grenzen, die auszuloten wohl jedem selbst überlassen werden.

Studenten der TU BS wurden bei der Erstimmatrikulation mit einem Versprechen verpflichtet, das folgendermaßen lautete:

Dort finden sich in der Ansprache des Rektors an die Studenten folgende
Textpassagen:

„Ich darf Sie nun als Bürger unserer akademischen Gemeinschaft
verpflichten; ich bitte Sie, sich von Ihren Plätzen zu erheben. Die
ausgewählten Vertreter bitte ich, zum Handschlag vorzutreten. Sprechen
Sie, alle neu zu immatrikulierenden Studentinnen und Studenten, mir
bitte folgende Formel nach:

Ich verpflichte mich, die Verfassung der Hochschule und die Satzungen
der Studentenschaft zu achten, Ehre und Ordnung der akademischen
Gemeinschaft zu wahren, mit Ernst und Wahrhaftigkeit der Wissenschaft zu dienen, in Treue zu Volk und Vaterland zum Fortschritt der Menschheit zu wirken.


Damit sind Sie, meine Kommilitoninnen und Kommilitonen, in die
akademische Gemeinschaft unserer Technischen Hochschule aufgenommen, und
ich darf Ihnen für Ihr Studium vollen Erfolg wünschen.“

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