Frage von Chrisfcn, 57

Welche Variante ist in meiner derzeitigen Situation die sinnvollste (Selbstständigkeit / Angestelltenverhältnis / etc.)?

Hallo zusammen,

ich wende mich heute mit einer wichtigen Frage an euch und hoffe, dass mir hier geholfen wird.

Aktuell bin ich bei einem kleinen Versicherungsunternehmen angestellt. Meine Lehre habe ich bei der Debeka gemacht. Inkl. Lehre habe ich mittlerweile 4 Jahre Erfahrung im Berufsfeld des Kaufmannes für Versicherungen und Finanzen sammeln können. Für meine Zukunft habe ich große Pläne (bspw. Haus, schönes Auto etc.). Nun bin ich mir leider nicht mehr sicher, ob es nicht besser wäre sich unter dem Dach einer namenhaften Gesellschaft selbständig zu machen. Gibt es hier erfahrene Versicherungskaufleute die mir ein paar Tipps geben können?

Zu mir: Ich bin 21 Jahre alt, brauche ein bestimmtes Grundgehalt da laufende Kosten wie bspw. Wohnung etc. vorhanden sind und möchte nun gerne wissen, ob es generell sinnvoller ist sich selbständig zu machen oder im Angestelltenverhältnis zu bleiben.

Zu meiner bisherigen Tätigkeit: Meine bisher durchschnittlich erarbeitete Provision liegt bei rund 2000€ pro Monat (sehr niedrige Provisionssätze da wie schon erwähnt Angestellter). An einem normalen Arbeitstag bin ich zwischen 9-12 Stunden unterwegs und habe kein Problem damit länger und intensiver zu arbeiten um Erfolg zu haben.

Welche Erwartungen ich im Falle einer Selbständigkeit hätte:

Grundgehalt durch Courtagen oder Fixum + Kundenbestand

Über ein paar hilfreiche Antworten wäre ich sehr dankbar.

Viele Grüße Chris

Hilfreichste Antwort - ausgezeichnet vom Fragesteller
von RudiRatlos67, 38

In anbetrachtder sinkenden Anzahl an vermittlern (2010 Ca. 250.000/ 2015 nur noch gut 180.000 und Ca. 30% davon nahe dem hIV Satz sowie immer strengerer Reglementierung kann ich heute niemandem mehr dazu raten. Ohne einen mindest bestand von Ca. 2.000.000 brutto jahresbeitrag, ist es wirklich sehr schwer am Markt zu bestehen. Wenn sich natürlich eine solche Möglichkeit bietet lohnt es sich schon darüber nachzudenken

Kommentar von Chrisfcn ,

Sie meinen also man müsse schauen, dass man als selbständiger Makler oder selbständiger Ausschließlichkeitsvertreter einen ordentlichen Bestand mit mind. 2.000.000€ Beitragsvolumen erhält?

Einen Bestand werde ich mir wohl von einem Unternehmen geben lassen müssen, da ich noch nicht lange genug dabei bin um mir selbst einen Bestand aufzubauen.

Kommentar von Buerger41 ,

Mit 2 Mio Sachbestand erwirtschaften Sie als VersMakler zwischen 300.000,--€ und 500.000,--€

Greifen Sie mal büschen tiefer in den Zahlen

Kommentar von RudiRatlos67 ,

In der Ausschließlichkeit sind 2.000.000 das minimum um davon leben zu können. Bei einem gemischten Bestand von LV, Komposit und KV sind das ca. 2.000 € fixe Einnahmen monatlich und die Grundlage für ein ausgewogenes Cross-Selling

Kommentar von Chrisfcn ,

Gibts denn bekannte Firmen / Maklerunternehmen die solche Voraussetzungen bieten? Denn 2.000€ fixe einnahmen und eine gute Grundlage für Cross-Selling (Bestand) werde ich auf jeden Fall benötigen.

Und wie schon gesagt...um selbst einen Bestand aufzubauen bin ich zu jung und habe zu wenig Connections.

Kommentar von RudiRatlos67 ,

Naja... mit Beständen dieser Größenordnung rückt natürlich kein Unternehmen gerne heraus. Aber aus meiner Sicht wäre das schon das mindeste gewesen was ich hätte haben müssen. Das sollte auch so im Vertrag stehen, manche Unternehmen schreiben statt dessen auch gerne, 1 Mio Bestand plus 1.000 Zuschuss Monatlich.... Da sollte man schon vorsichtig sein, denn Bestände können nicht ohne weiteres aberkannt werden, zuschüsse in welcher form auch immer sind dagegen von jetzt auf sofort aufzuweichen.

Kommentar von Chrisfcn ,

Ok Sie meinen also ich müsse schauen das ein festes Beitragsvolumen steht und nicht etwa ein Zuschuss?

Habe nämlich bereits mit der uniVersa geliebäugelt. Dort wäre ich selbständig, könnte mir ein Grundgehalt zwischen 1500-2000€ dauerhaft geben lassen (das Gleiche muss an Provision reingearbeitet werden und kommt aber auf das Grundgehalt drauf -> also ohne "Auffüller") und würde einen Bestand mit 300-500 Personen bekommen.

Kommentar von Apolon ,

@Chrisfcn,

ich habe den Eindruck, dass dir nicht bekannt ist, dass man als Selbständiger alle Kosten die man für seine Tätigkeit benötigt selbst zahlen muss.

Du benötigst außerdem mindestens eine Mitarbeiterin, denn sonst darfst du auch Sozialversicherungsbeiträge zahlen, da es sich dann um eine Scheinselbständigkeit handelt.

Ergänzend, Fahrtkosten, Einkommensteuer, Gewerbesteuer, Porto, Vermögensschadenshaftpflichtversicherung, IHK-Beitrag, Werbegeschenke, Büroeinrichtung, Büromaterial, usw. usw.

Als Selbständiger bekommt man auch kein Grundgehalt.

Außerdem sollte man sich nie auf den übertragenen Bestand verlassen, denn oft bleiben diese Kunden nicht bei dem neuen Vermittler, bzw. sind in einem Alter, wo keine Verträge mehr abgeschlossen werden.

Bedeutet, seine Kunden sollte man selbst suchen.

Kommentar von RudiRatlos67 ,

Das bedeutet: 300 - 500 Personen aus denen man Cross-Selling Geschäft generieren kann, je nach Jahresbruttobeitrag ist das ziemlich dürftig.

Wie willst du mit 2.000 Euro überleben können? Telefon, Kfz Büprokosten, EkSt da bleibt Netto doch nicht mal die Butter auf dem Toast...... und wenn die 2.000 Euro Provision  nicht reinkommen ist es  nach ein paar Monaten Welpenschutz kein Tabu die Garantie zu kürzen. Damit kannst du Dich mit ziemlicher Sicherheit direkt in die Reihe derer Vermittler einreihen die unter dem H IV satz leben. An Urlaub oder Hobby ist dabei nicht mal mehr zu denken.

Kommentar von RudiRatlos67 ,

Du musst meiner Meinung nach einigermaßen feste Bezüge aus BP / AP und Bürokostenzuschuss von durchschnittlich mindestens  4.000 Euro mtl. haben um überleben zu können. (wegen Urlaub und Kurzurlaube sind das 48.000 Jahreseinnahmen geteilt durch 11 Monate)
Davon gehen ab:
200 Euro Ekst. Vorrauszahlung (berechnet monatlich, zu zahlen 600 € 1/4 jährlich),
200 Euro PKV, oder GKV ca. 15%  vom zu versteuernden Einkommen
500 Euro Kfz und Betriebststoffe incl. Rücklagen für Neuerwerb und Reparaturen (Kleinwagen VW Up / Renault Clio oder vergleichbares wirklich verdammt knapp gerechnet)
100 Euro Telefon,
250 Euro Werbung und Werbegeschenke
200 Euro Heimbüro incl Heizung, Strom u. Wasser
130 Euro für PC und Wartung,
80 Euro Monatlich Rücklagen für Büroeinrichtung,
100 Euro Porto, Papier und Tinte,
Gewerbesteuer (von Kommune zu Kommune unterschiedlich aber rechne mal mit 10 Euro mtl.)
IHK Beitrag ca. 10 Euro mtl.
10 Euro Mtl Vermögensschadenhaftpflicht
10 Euro Gewerbehaftpflicht
30 Euro Gewerberechtsschutz
100 €uro Rüruprente oder alternative Altersvorsorge
180 Euro GRV (3 Jahre zu befreien)

Bleibt Netto weit weniger als 2.000 Euro und davon musst dir dann auch noch mal nen neuen Anzug, Krawatten und Schuhe kaufen.

Wenn Du weniger halbwegs sichere Einnahmen hast kannst Du besser irgendwo als Angestellter arbeiten, da verdienst Du leicht das gleiche und trägst das Risiko nicht, dafür hast du 6 Wochen Jahresurlaub und bekommst obendrein villeicht sogar noch Weinachts- und Urlaubsgeld.

Kommentar von Chrisfcn ,

Danke für die Auflistung. Das war mal sehr hilfreich.

Natürlich weiß ich, dass man alle Kosten selbst tragen muss jedoch habe ich die Kosten gnadenlos unterschätzt.

Antwort
von RostockFinanceD, 36

Dann werde unabhängiger Makler. Dann musst du dir natürlich einen Bestand von Anfang an aufbauen. Du hast jedoch den Vorteil deine Kunden umfassend beraten zu können. Außerdem  kannst du viele Alternativen aufzeigen die du als Verischerungsvertreter nicht hast.

Kommentar von Chrisfcn ,

Ok danke. Allerdings bin ich wie schon erwähnt erst 21 Jahre alt und habe lediglich 4 Jahre Berufserfahrung. Die Menge an Kunden um mir einen eigenen Bestand aufzubauen ist leider noch nicht vorhanden.

Antwort
von Apolon, 10

Wenn man die Tätigkeit als Selbständiger im Außendienst wählt, sollte man ein mtl. Einkommen von mindestens 5.000 € haben.

Denn die mtl. Kosten werden um einiges höher.

Allerdings habe ich mit deinem Text ein großes Problem:

Meine bisher durchschnittlich erarbeitete Provision liegt bei rund 2000€ pro Monat

An einem normalen Arbeitstag bin ich zwischen 9-12 Stunden unterwegs

Hier passt etwas nicht.

Was verkaufst du denn für Verträge wenn du bis zu 12 Stunden am Tag unterwegs bist?  Reisekrankenversicherungen? + Privathaftpflichtversicherungen?

Oder könnte es sein, dass du dich auf die Kunden nicht vorbereitest?

Oder fehlen dir noch die erforderlichen Fachkenntnisse?

Von einer Selbständigkeit möchte ich dir hier völlig abraten.

Auch ein Angestellter sollte in der Lage sein, ein mtl. Einkommen von mindestens 5.000 € im Versicherungsaußendienst zu verdienen.

Gruß N.U.

Kommentar von Chrisfcn ,

Dann hierzu gleich eine Frage...auf wie viel belaufen sich denn die monatlichen Kosten?

PKV selbst zahlen etc. ist mir selbstverständlich bekannt.

Die 2.000€ sind lediglich die grobe Durchschnittssumme, da ich wir schon erwähnt 3 Jahre Azubi war und deshalb einen recht kleinen und abgearbeiteten Kundenstamm bekommen habe.

Seit meinem Antritt beim neuen AG (11.07.16) bin ich jetzt bei knapp über 6.000€ für diese 1 1/2 Monate.

Auf meine Kundentermine bereite ich mich durchaus lange und gut vor. Allerdings ist es wie schon erwähnt schwierig Provisionen zu verdienen wenn man lediglich Umstellungen durchführen kann und dafür kaum Geld bekommt. 

Durch meine Weiterbildung in Form von Vorträgen diverser Verkaufsspezialisten konnte ich mir bereits eine halbwegs erfolgreiche Empfehlungsstrategie erarbeiten allerdings ist auch das noch 4 Jahren Tätigkeit noch kein Selbstläufer.

Das ich fachlich noch lange nicht so weit bin wie jemand der 30 Jahre Berufserfahrung hat ist mir natürlich bewusst...es wäre aber fast schlimm wenns so wäre^^

Leider sehe ich Ihre Vorstellung von 5.000€ Einkommen monatlich bei einem Angestellten als ziemlich hoch an. Die Erfahrung bei meinem Ausbildungsbetrieb hat mir gezeigt, dass es nur ganz selten Leute gibt die diese Summe mal überschreiten.

Dennoch vielen Dank für Ihre Antwort

Kommentar von Apolon ,

Hallo Crisfcn,

meine Kosten belaufen sich im Jahr auf ca. 23.000 €.

Hier wurden jedoch noch nicht die Einkommensteuer, bzw. Gewerbesteuer berücksichtigt.

Von Vertragsumstellungen kann man als Agenturinhaber nicht leben.

Wichtig ist, dass man sich eigene Kunden sucht, z.B. durch eine eigene Homepage, Werbung schalten in der Tageszeitung, Flyer verteilen in einem Neubaugebiet, Vorträge halten in Behörden - Betrieben - Vereinen usw., Tippgeber suchen die dann gegen eine Provision oder einer Sachprämie Kunden vermitteln (z.B. Betriebsräte, Vereinsvorstände, Gemeinderäte).

Dazu kann man auch bei Freunden, Bekannte, Verwandte oder Nachbarn fragen.

Man kann auch Kunden auf Weiterempfehlungen ansprechen, gegen eine Sachprämie bei einem Abschluss.

Nur sollte man davon ausgehen, dass solche Informationen während der Ausbildung weiter gegeben werden.

Leider sehe ich Ihre Vorstellung von 5.000€ Einkommen monatlich bei einem Angestellten als ziemlich hoch an.

Weshalb, ich war fast 20 Jahre als Agentur-Inhaber im Angestelltenverhältnis und meine durchschnittlichen Brutto-Einkünfte lagen fast immer dieser Grenze.

Wenn du diese 5.000 € nicht schaffst, wie willst du dann eine Mitarbeiterin bezahlen und die erforderlichen Ausgaben aufbringen.

Gruß N.U.

Antwort
von Buerger41, 41

Solange ein Angestelltenverhältnis besteht, sollte man für eine gute Fortbildung sorgen , also IHK gepr. Fachwirt in Versicherungen, vielleicht noch die Ausbildereignungsprüfung ablegen.

Man sollte prüfen, ob man zum Unternehmer geeignet ist. Da sind Gespräche mit erfahrenen Versicherungsagenten oder Versicherungsmaklern vor Ort hilfreich,

Wenn Sie sich zum Unternehmertum entscheiden, dann sollten Sie  den Ratschlag meines Vorschreibers RostockFinanceD bedenken.


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