Welche Ursachen hat die geringe Interesse am Umweltschutz?

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6 Antworten

Ich denke das ist eine Mischung aus Bequemlichkeit und sich nicht vorstellen können was in 50 Jahren ist. Etwa die gleiche Erklärung warum Leute mit 16 Jahren rauchen: Man weiß, das es lebensgefährlich ist, aber man macht das halt so und es ist viel zu unbequem aufzuhören... und wenn man dann mit 55 Lungenkrebs hat und gerade ganz elend verreckt ist es zu spät aufzuhören.

Warum sollte ich *jetzt* weniger Auto fahren und mal den Bus nehmen? Was interesiert es mich, ob in 100 Jahren irgend welche Inseln absaufen und es hier und da zu Mißernten kommt durch die Klimaerwärmung? Kann ich mir nicht vorstellen, macht keinen Sinn, ist zu kompliziert und ich bin zu bequem.

Das scheint mit Plastikabfall, Energiesparen, Regenerativer Energie (klar will ich Windräder, aber bitte nicht vor meiner Haustür!), usw. immer das gleiche zu sein. Man ist zu bequem, man hat die Ausrede das auch die anderen nichts machen und man kann sich einfach nicht vorstellen was in 50 Jahren passieren könnte...

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Kommentar von RodionKosmodrom
19.01.2016, 22:40

Interessant ist doch, wo diese Bequemlichkeit gesichtet wird. Nicht in den Etablissements von Boris Becker, Josef Ackermann und den anderen Reichen, sondern im Haushalt Normalsterblicher, denen im Namen wirtschaftlicher Konkurrenzfähigkeit seit Jahrzehnten eine Lohnsenkung nach der anderen offeriert wird. Aber der aufgeklärte Konsument weiß die Kürzung seines Lebensstandards mit dem Zugewinn einer neuen Einsicht wegzustecken, die aufhorchen lässt: „Vieles braucht man einfach nicht!“ Nämlich ungefähr das, was einem genommen wird: Muss es wirklich ein eigenes Auto sein oder tut es nicht auch eine Fahrgemeinschaft? Ist die Urlaubsreise nicht auch durch den heimischen Balkon zu ersetzen? Selbst die Ernährungsgewohnheiten eines ganzen arbeitenden Volkes werden von solchen Erwägungen nicht verschont, und der Fleischverzehr in der Woche wird wieder zu einer verzichtbaren, weil überflüssigen Angelegenheit. Alle sachlichen Güter eines guten Lebens sind reichhaltig vorhanden, aber eben für das Gros nicht verfügbar, weil sie ihnen als Warenreichtum gegenüberstehen, von dem sie mangels Finanzkraft ausgeschlossen sind. Und in einer solchen Welt, die alle Mittel des Genusses bereitstellen könnte, wird die arbeitende Bevölkerung auf den harten Maßstab des existenziell Unverzichtbaren, des Brauchens eben, festgenagelt. Die allgemeine Akzeptanz, die diese Sicht der Dinge gefunden hat, belegt ein weiteres Mal, dass mehr als die pure Notwendigkeit in Versorgungsdingen nie vorgesehen und auch nie verlangt war. Wohlstand ist es jedenfalls nicht, der da einbehalten werden soll, wenn vermeintlicher Überfluss abgebaut wird.

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Das fängt schon in der Schule an, wo Umweltschutz höchst unpraktisch und fernab aller Anschaulichkeit gelehrt wird. Kommt hinzu, dass Umweltverschmutzung als eine üble Tat "der" Menschen dort doziert wird, statt Roß und Reiter zu nennen, nämlich die egoistischen Interessen der Betriebe/Firmen zu benamsen, die ausschließlich ihrer Profitlogik folgen. Auch fehlt es in unseren Verbildungsstätten am ganz konkreten Aufzeigen, wie denn der Umweltschutz vorangetragen werden kann. Dazu gehörte auch eine Kontaktaufnahme zu den maßgeblichen Umweltverbänden.

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Das Bedürfnis des "Umweltschutzes" empfinden nur die fertigen kapitalistischen Nationen, die schon geraume Zeit den Weltmarkt mit konkurrenzfähigen und profitbringenden Waren bestücken. Dafür haben sie ihren Eigentümern neben der Vernutzung des Volkes als lohnende Arbeitskraft auch die Vernutzung der Natur gestattet: So darf von den Privatunternehmern z.B. vieles kostenfrei oder gegen geringe Gebühr, also höchst wirtschaftlich zur Produktion und zur Beseitigung unerwünschter Produktionsrückstände beansprucht werden. Luft, Wasser und Boden sind als Mülldeponien in den Heimatländern des Kapitals so weit vergiftet, daß der Gesundheitszustand der nachwachsenden Generation, Leistungsfähigkeit und Lebenserwartung der ganzen Bevölkerung, die Bodenerträge der Landwirtschaft, brauchbares Wasser für den Bedarf der Industrie usw., kurz die Brauchbarkeit der Nation als Kapitalstandort auf Dauer gefährdet sind. Für den Gebrauch vieler Produktionsbedingungen entstehen daraus Kosten neuer Art. Außerdem ist seit geraumer Zeit in den europäischen, amerikanischen und japanischen Zentren anerkannt, dass sich der Staat um diese Resultate der privaten Wirtschaftserfolge kümmern muss, damit es mit dem Wachstum des Kapitals und seinen ruinösen Folgen so weitergehen kann. Natürlich darf das nationale Geschäft nicht wegen einer Rücksicht auf seine langfristigen Bedingungen leiden: Nur für diesen Reichtum brauchen die kapitalistischen Nationen die benutzbare Natur und Volkssubstanz.

Deshalb hat "Umweltschutz" nichts zu tun mit den romantischen Vorstellungen von grüner Wiese, heiler Natur und schonender Produktion, sondern entspricht seinem Zweck: Die Verpestung der Luft in den Industriestädten hat man jahrzehntelang durch höhere Schlote "bekämpft", bis nicht nur im näheren Umkreis, sondern auch in den industriefernen Regionen der Alpen und Nordschwedens der saure Regen seine Wirkung tut. Seitdem werden wirtschaftlich verantwortbare Belastungsgrenzen der Luft definiert und mittels Filtertechniken manchmal sogar eingehalten. Dadurch kann dann die Energieerzeugung und der KFZ-Verkehr weiter wachsen, bis trotz KAT und Filter die Luft immer schlechter wird. "Umweltschutz" meint nicht eine Naturbenutzung, die auf langfristige Brauchbarkeit achtet, sondern ist die notwendige Rücksicht bei der zerstörerischen Vernutzung der Lebensgrundlagen. Er besteht in einer Kalkulation mit der wirtschaftlich vorteilhaften Vergiftung, achtet auf Grenzen der Unbrauchbarmachung der Natur – und weil dabei, als Mittel der kapitalistischen Industrie, auch auf so allgemeine Bedingungen wie die Volksgesundheit geachtet wird, hat sich die Umweltschutzpolitik einen guten Ruf zugezogen. Den ökonomischen Zweck der Sache weggedacht, bleibt ein Ideal der heilen Welt. Dass dieses Ideal zum Zweck der Sache in einen gewissen Gegensatz tritt, kann gar nicht ausbleiben. Der praktizierte Umweltschutz lässt sich davon allerdings nicht weiter irritieren: Die Verfrachtung giftiger Abgase in große Höhen, die Benutzung der Flüsse zum Transport und die der Meere zur Endlagerung der Gifte ist und bleibt Teil der "Umweltschutzpolitik".

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der egoismus der menschen

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Keine persönliche Betroffenheit, Dummheit, Denkfaulheit, Egoismus, der Gedanke, dass den Forschern schon irgendwas einfallen wird, damit sie weiterhin mit ihrem Audi Q7 fahren können und mit Sicherheit auch: "Nach mir die Sintflut."

Die ganz harten Vollpfosten wie mein Schwiegervater machen eine kombinierte See- und Flugreise nach Grönland, um sich nach Produktion von 10 Tonnen CO2-Emissionen vor Ort das Abschmelzen der Gletscher anzusehen und Eisbären zu filmen, die wegen Packeismangel verhungern. Ich freue mich schon auf den Filmabend, kotz....

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Kommentar von RodionKosmodrom
19.01.2016, 22:31

Ich würde sagen es ist eher umgekehrt: Es machen sich recht viele Leute Gedanken, bilden sich aber ein mit ihrem "Konsumverhalten" die Welt zu einer besseren zu machen. Die schlechte Behandlung von Mensch und Natur stirbt auch in den Branchen nicht aus, die elaborierte Konsumenten zu den Edelsegmenten auch moralisch inspirierter Produktion zählen. Man hat sich daran gewöhnt, dass die großen Skandale unserer Tage auch und gerade auf das Konto derer gehen, von denen man „so etwas nicht erwartet“ hätte.

Was auf dieser falschen, aber wohlmeinenden theoretischen Grundlage als Auswuchs oder Entgleisung entdeckt wird, ließe sich diesem Weltbild zufolge ja durch die Konsumentenmacht verantwortungsvoller Verbraucher durchaus wieder ins Lot bringen. Wo dieser Effekt aber angesichts der täglich wiederkehrenden Horrormeldungen ausbleibt, muss er wohl eindeutig auf das Konto des Bestellers gehen, der sich beim Einkauf oder der Urlaubswahl immer noch und immer wieder danebenbenimmt, beim Blick in seinen Geldbeutel knausrig wird und damit den „schwarzen Schafen“ unter den vielen guten Anbietern überhaupt erst eine Gelegenheit für ihr schäbiges Geschäft bietet.

Die Probe auf diese Behauptung ist in jeder Tageszeitung leicht zu haben. Warum geht das Klima den Bach runter? Weil der Konsument zu bequem ist und sein Auto nicht in der Garage lassen und die Heizung nicht drosseln will. Warum leiden Menschen in der Dritten Welt Hunger? Weil die Bewohner der Nordhalbkugel den Hals nicht voll kriegen und im Wohlstand schwimmen, auch wenn die Verkäuferin bei Schlecker davon nichts merkt. Warum sterben Lebensmittelskandale nicht aus? Weil der Verbraucher geizig ist und sein Geld lieber in ein teures Auto investiert statt in gesunde Bio-Vollwertkost. Wer für fünf Euro ein Kilo Fleisch erwartet, hat ja geradezu Gammelfleisch bestellt.

Das ist sie, die schlechte Meinung vom Verbraucher, bei der die gute Meinung vom Kapitalismus als Dienst am Kunden notwendig landet. So kommt „König Kunde“ am Ende in den Genuss einer Doppelrolle. Als Konsument darf er dem Kapitalismus für eine Leistung danken, die gar nicht im Programm ist: Versorgung. Und die schädlichen Wirkungen, die das kapitalistische Wachstum tatsächlich auf Natur und Gesundheit hat, weil Gewinn statt Versorgung sein Ziel ist, darf der Konsument seiner mangelnden Verantwortung und Maßlosigkeit in Versorgungsdingen zurechnen.

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Es sind vor allem die Großunternehmen, die das verursachen. Man denkt sich man wäre nicht verantwortlich fuer die Umwelt. Und wenn jeder so denkt, dann wird das nichts.

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