Frage von General001, 84

Welche Übersetzungsmöglichkeiten gibt es für das PFA?

Ich kenne nur die Relativsatzmöglichkeit: z.B.: der Mensch der fliegen will. Beim PPP und PPA gibt es ja auch noch die wörtliche Möglichkeit. Wie sieht die beim PFA aus?

Wenn jetzt im Satz ein Verb im Präsens steht müsste ja das wollen im Futur stehen? Also der Mensch der fliegen wollen wird?

Hilfreichste Antwort - ausgezeichnet vom Fragesteller
von Volens, Community-Experte für Grammatik, Latein, Schule, ..., 31

Entweder "wollen" oder "werden" kannst du dir dabei sparen. Eins von beiden reicht.
Wenn das PFA attributiv daherkommt, würde ich auf alle Fälle einen Relativsatz nehmen:
einer, der fliegen will (oder wird).

Als PC wäre ggf. auch noch ein Konjunktionalsatz möglich:
Ikarus kommt an die Küste, wenn er fliegen will.
Icarus volaturus ad oram venit.     (nachzeitig)

Kommentar von General001 ,

Aber wird und wollen sind och ganz unterschiedliche Verben.

Kommentar von General001 ,

Wie müsste es man mit wollen machen? Denn es muss ja nachzeitig sein.

Kommentar von General001 ,

Wie würde unteranderem die wörtliche Methode aussehen?

Kommentar von Volens ,

Sowohl wollen als auch werden drücken eine Zukunft aus.
Ob man sich in der Übersetzung für das eine oder das andere entscheidet, kommt auf den Zusammenhang an.

Die nachzeitige Wirkung wird erst durch die Zeitenfolge in einem deutschen Satzgefüge erzeugt, bei der der Nebensatz so konstruiert wird, dass er nach dem Tempus des Hauptsatzes eintritt. Wegen der deutschen Luschigkeit beim Futur (ich fahre morgen nach Hamburg - so etwas geht in anderen Sprachen meist nicht, es ist als Tempus ja Präsens) bilden wir dann gern irgendwelche Konjunktive.

Die wörtliche (aber im Deutschen nicht übliche) Formulierung eines PFA ginge so:


Icarus volaturus ad oram venit.

Der fliegen werdende Ikarus kommt an die Küste.
Der fliegen wollende Ikarus kommt an die Küste.

Das Partizip würde sich auch im Präteritum nicht ändern.
Das Prädikat ist im lateinischen Perfekt zufällig dieselbe Form.
Daher sieht der lateinische Satz genauso aus. Im Deutschen ändert sich nur das Prädikat.


Der fliegen werdende Ikarus kam an die Küste.
Der fliegen wollende Ikarus kam an die Küste.

Jedoch im Satzgefüge ändert sich im Deutschen mehr:

Ikarus, der fliegen wollte, kam an die Küste.
Wenn er fliegen wollte, kam Ikarus an die Küste.
Ikarus kam an die Küste, um zu fliegen.

Die Nachzeitigkeit wird nur durch "wollte" angezeigt. Ein passendes Tempus gibt es im Deutschen nicht.
Auf "werden" muss man sprachlichen Gründen verzichten. Das passende Wort "würde" hätte auch ein "würde" im Hauptsatz zur Folge. Da ginge es dann nur um die Möglichkeit des Fliegens, wenn man an die Küste käme. Das ist mit dem PFA aber nicht gemeint.

Kommentar von General001 ,

Aber wollend könnte aber doch auch ein PPA sein oder? Das wird doch auch mit nd im Deutschen übersetzt.

Kommentar von General001 ,

Wieso muss man auf das werden verzichten? Das Futur 1 von wollen wird doch mit werden gebildet weshalb ich auch nicht das mit dem weglassen verstanden habe.

Kommentar von General001 ,

Wieso gibt es im Deutschen kein anderes Tempus für diesen Fall das Präsens ist doch nachzeitig zum Perfekt also könnte man doch auch will nehmen?

Kommentar von General001 ,

Über eine Antwort von dir würde ich mich sehr freuen.

Kommentar von General001 ,

:)

Kommentar von General001 ,

:)

Antwort
von phnx94, 33


Das PFA ist nachzeitig: Der mensch, der fliegen wollte. Partizipien mit Relativsätzen zu übersetzten ist nicht gerade die beste Lösung, versuche Subjunktionen zu nehmen: weil, während, usw.. Also: Weil er fliegen wollte, .... gefällt deinem Lehrer sicherlich besser. Wörtlich hieße es: Der fliegen wollende Mensch, ...

Alternativ kannst du, es soweit ich, weiss auch mit um zu ... übersetzten


Kommentar von General001 ,

Das wollend ist bei jeder Zeitform des Satzes gleich?

Kommentar von General001 ,

Aber ist wollend nicht PPA?

Kommentar von Volens ,

Es ist nicht so, dass die Bezeichung PPA etwas mit der Zeit selbst zu tun hätte. Ein PPA kann man durchgehend (wie auch das PPP) in allen Zeiten verwenden. Es hängt ja auch vom Beziehungswort ab und nicht vom Prädikat. Die Zeitenfolge kommt erst durch den Nebensatz mit hinein.

Bei der direkten Konstruktion gilt im Deutschen dann nur die zeitliche Positionierung des Beziehungswortes. Die kann bei einem anderen Substantiv anders sein:

Beispiel:
Die an den Tag gelegte (PPP) Aktivität und das ansprechende (PPA) Verhalten des Schauspielers kommen seiner Rolle zugute.

In den Nebensätzen hätten wir dann beim PPP Vorzeitigkeit und beim PPA Gleichzeitigkeit.

Kommentar von Volens ,

Ursache ist immer die im Grunde falsche Bezeichnung der Partizipien.

Das PPA (deutsch: Mittelwort der Gegenwart) heißt "Partizip Präsens Aktiv". Man denkt dann, es habe etwas mit dem Präsens zu tun. Das stimmt nur zum Teil, denn das Partizip ist für alle Unvollendeten Zeiten zuständig (Präsens, Imperfekt, Futur I).

Analog heißt das "Mittelwort der Vergangenheit" PPP (Partizip Perfekt Passiv), und seine Zuständigkeit bei der Zeitenbildung gilt für alle Vollendeten Zeiten (Perfekt, Plusquamperfekt, Futur II).

Aber PPP als Wortverbindung ist sowieso schon lang. Würdest du immer sagen wollen:
Partizip Perfekt-Plusquamperfekt-Futur-II-Passiv?
Das Wort "Perfekt" soll die anderen vollendeten Zeiten eben andeuten.

Kommentar von phnx94 ,

"Wollend" ist ein PPA aber "fliegen wollend" entspricht dann einem PFA

Kommentar von General001 ,

Ich habe gedacht dass man das PPP auch mit dem Perfekt verwenden kann und es somit Gleichzeitig symbolisiert. Und warum kann man das PPP nicht mit dem Präsens verwenden? Man übersetzt es dann halt mit Perfekt.

Kommentar von phnx94 ,

Das PPP ist nie gleichzeitig sondern vorzeitig. Steht der Hauptsatz im Imperfekt/Perfekt, muss das PPP mit Plusquamperfekt übersetzt werden. Steht der Hauptsatz im Präsens, muss das PPP mit Imperfekt/Perfekt übersetzt werden. Das PPP ist immer eine Zeitform nach hinten verschoben

Kommentar von General001 ,

Also bei der wörtlichen Übersetzung ist die Zeitfolge egal?

Über eine Antwort von dir würde ich mich sehr freuen.

Kommentar von phnx94 ,

Ja du kannst es in jedem Fall mit wollend, um.. zu oder der mensch,der fliegen wollte/fliegen wird, was am besten vom Sinn her passt, übersetzten

Kommentar von Volens ,

Also bei der wörtlichen Übersetzung ist die Zeitfolge egal?

Das ist richtig:
ein Partizip - wörtlich übersetzt - umgeht die Zeitenfolge total, hört sich aber häufig nicht besonders gut an und ist im Deutschen auch sehr ungebräuclich.

Erst wenn man einen Nebensatz konstruiert, schlägt die Zeitenfolge zu, und zwar wie bekannt:

vorzeitig bei Partizip Perfekt
gleichzeitig bei Partizip Präsens
nachzeitig bei Partizip Futur (nur PC, der Abl. abs. kennt keine Nachzeitigkeit)

Kommentar von General001 ,

Danke

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