Frage von DBKai, 56

Welche Texte darf man verwenden, ohne dass das Copyright/Urheberrecht verletzt wird?

Wenn ein Lehrer die Kinder etwas in der Schule lehrt - handelt es sich ja meist um Wissen, dass von vorherigen Generationen (Bücher, Internet) erworben und weitergegeben worden ist....

Was darf man alles erzählen?

Wenn ich mich jetzt über die Zusammensetzung von einer Grapefruit informieren, handelt es sich hierbei ja auch um Wissen von einer anderen Person, dass ich dann verwende... Eigentlich weiß ich es selber nicht, ob die Grapefruit wirklich diese Vitamine in sich hat - ich glaube es einfach der Quelle, von der ich es habe... besonders dann, wenn es in mehreren Büchern ähnlich/gleich beschrieben wird... auch dass man dieses Vitamin D und das andere Vitamin C nennt - ist ja nicht auf meinem Mist gewaschen - sondern hat sich irgendwann mal jemand so ausgedacht... aber nun nennt es jeder so... entweder so oder Ascorbinsäure, Cobalamin usw.

Wie weit ist man rechtlich geschützt, wenn man sich das Wissen anderer Leute aneignet und selbst weiter gibt? Wann wird es strafbar? Was ist öffentlich frei zugängliches Wissen? Was sind öffentlich frei zugängliche Bilder? Was darf jeder frei verwenden und was nicht?

Hilfreichste Antwort - ausgezeichnet vom Fragesteller
von ThomasMorus, Community-Experte für Copyright & Urheberrecht, 14

OK. Das sind sehr viele, sehr verschiedene Fragen auf einmal.

Wie weit ist man rechtlich geschützt, wenn man sich das Wissen anderer Leute aneignet und selbst weiter gibt?

Da kann ich dich beruhigen:

Informationen, Sachverhalte und Daten sind grundsätzlich nicht urheberrechtlich schützbar. Geschützt sind allenfalls die konkret formulierten Texte in Sachbüchern.

Urheberrechtlich geschützt sind immer im weitesten Sinne kreative Leistungen. Dass eine Grapefruit Vitamin D enthält, hat sich aber niemand ausgedacht. Deswegen sind solche Sachverhalte nicht urheberrechtlich geschützt. (Anders als zB. die Handlung eines Romans, die auch unabhängig vom konkret formulierten Text geschützt ist.)

Wann wird es strafbar?

"Strafbar" im Sinne des Strafgesetzbuchs sind Urheberrechtsverletzungen nicht. Theoretisch besteht zwar nach §106 UrhG die Möglichkeit, für Urheberrechtsverletzungen auch zu Haftstrafen verurteilt zu werden. Das hat in der Praxis aber kaum Bedeutung.

Was du mit einer Urheberrechtsverletzungen natürlich riskiest, ist dass dich der Rechteinhaber auf Schadenersatz in Anspruch nimmt. (Abmahnung, Urheberrechtsklage) und das kann teuer werden.

Was ist öffentlich frei zugängliches Wissen?

Wie gesagt. Wissen ist nicht urheberrechtlich geschützt. Allenfalls die Texte, Bilder und anderen Medien, die es vermitteln sind geschützt.

Was darf jeder frei verwenden und was nicht?

Das Urheberrecht an einem Werk erlischt 70 Jahre nach dem Tod des Künstlers. (UrhG §64) Das gilt sowohl für Bilder, als auch für Texte und Musik.

Was sind öffentlich frei zugängliche Bilder?

Siehe Frage davor.

Leider hat das Reiss Engelhorn Musum Mannheim vor dem Berliner Oberlandesgericht im Mai letzten Jahres einen Prozess gewonnen. http://www.utopianreflections.net/reiss-engelhorn-museum-erklaert-blogger-szene-...

Seither dürfen digitale Reproduktionen von Kunstwerken nicht mehr ohne Weiteres genutzt werden. (Die Bilder selbst sind nicht urheberrechtlich geschützt. Aber die Fotos davon)

Ich hoffe ich konnte etwas weiter helfen.

Thomas Morus

Antwort
von Falkenpost, 28

Hallo!

Bzgl. Kopien aus (Schul)Büchern scheint eine Sonderregelung getroffen worden zu sein:

Die Bundesländer konnten sich (...) im Dezember 2012 mit den Rechteinhabern auf eine Ergänzungsvereinbarung zum bestehenden Gesamtvertrag zur Einräumung und Vergütung von Ansprüchen nach § 53 UrhG  einigen: Ab dem 1. Januar  2013 sind digitale Vervielfältigungen aus Schulbüchern möglich. Pro Schuljahr und Schulklasse können aus einem Werk 10 %, maximal aber 20 Seiten vervielfältigt werden

http://lehrerfortbildung-bw.de/sueb/recht/urh/kop\_2013/


Oder auch hier unter "Was geht, was geht nicht?"
http://www.schulbuchkopie.de/index.php/digitale-kopie-was-geht-was-geht-nicht

Gruß
Falke


Antwort
von PinguinPingi007, 13

Alles,

§ 52 Öffentliche Wiedergabe

(1) Zulässig ist die öffentliche Wiedergabe eines veröffentlichten Werkes, wenn die Wiedergabe keinem Erwerbszweck des Veranstalters dient, die Teilnehmer ohne Entgelt zugelassen werden und im Falle des Vortrags oder der Aufführung des Werkes keiner der ausübenden Künstler (§ 73) eine besondere Vergütung erhält. Für die Wiedergabe ist eine angemessene Vergütung zu zahlen.

Die Vergütungspflicht entfällt für Veranstaltungen der Jugendhilfe, der Sozialhilfe, der Alten- und Wohlfahrtspflege, der Gefangenenbetreuung sowie für Schulveranstaltungen, sofern sie nach ihrer sozialen oder erzieherischen Zweckbestimmung nur einem bestimmt abgegrenzten Kreis von Personen zugänglich sind.

Dies gilt nicht, wenn die Veranstaltung dem Erwerbszweck eines Dritten dient; in diesem Fall hat der Dritte die Vergütung zu zahlen.

(2) Zulässig ist die öffentliche Wiedergabe eines erschienenen Werkes auch bei einem Gottesdienst oder einer kirchlichen Feier der Kirchen oder Religionsgemeinschaften. Jedoch hat der Veranstalter dem Urheber eine angemessene Vergütung zu zahlen.

(3) Öffentliche bühnenmäßige Darstellungen, öffentliche Zugänglichmachungen und Funksendungen eines Werkes sowie öffentliche Vorführungen eines Filmwerks sind stets nur mit Einwilligung des Berechtigten zulässig.

Antwort
von Dybli49, 7

Wissen ist nicht Urheberrechtlich geschützt ausser patentierte Formeln und Pläne. Du darfst immer über Informationen aus Büchern, Zeitschriften berichten. Gut ist wenn eine Quellenangabe geliefert wird. Bei Bildern und Textkopien ist es anders. Du benötigst eine Lizenz oder eine schriftliche Erlaubnis. Nutzt Du die Dokumente privat, spielt es keine Rolle. Klar Bücher, und E-Books die nicht Du erworben hast dürfen nicht kopiert werde. Erworbenes entsprechen dem Nutzungsrecht.

Antwort
von Welux, 28

Erzählen darfst du was du willst. Egal aus welchem Buch du dein Wissen beziehst. Die reinen Informationen sind NICHT rechtlich geschützt sondern Allgemeingut, dass kann dir schlecht jemand verbieten.

Was hingegen verboten wäre, wenn du deine Informationen vor der Klasse mit der Kopie einer Buchseite belegst, auf die du keine Rechte hast. Das wäre dann einer Urheberrechtsverletzung.

Kommentar von Falkenpost ,

Was hingegen verboten wäre, wenn du deine Informationen vor der Klasse mit der Kopie einer Buchseite belegst, auf die du keine Rechte hast. Das wäre dann einer Urheberrechtsverletzung.

http://www.schulbuchkopie.de/index.php/digitale-kopie-was-geht-was-geht-nicht

http://lehrerfortbildung-bw.de/sueb/recht/urh/kop_2013/

Kommentar von Welux ,

Wer redet hier von Schulbüchern? Das du aus Schulbüchern kopieren darfst ist mir klar, das hat er aber nicht gesagt, dass es speziell um Schulbücher geht.

Kommentar von Falkenpost ,

Schön dass du die Ergänzungsvereinbarung zum Gesamtvertrag zur Einräumung und Vergütung von Ansprüchen nach § 53 Urheberrechtsgesetz (UrhG) so gut kennst. Ich kannte diese nicht!

Dann kennst du bestimmt auch deren Inhalt und weißt, dass scheinbar es nicht nur Schulbücher betrifft:

Für den eigenen Unterrichtsgebrauch können aus Printmedien, die ab 2005 erschienen sind, eingescannt werden

  • bis zu 10 %, jedoch nicht mehr als 20 Seiten. Das gilt für alle Printmedien, d.h. auch für Schulbücher, Arbeitshefte, Sachbücher, Musikeditionen und belletristische Werke.

Gruß
Falke

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