Frage von Scarlet2016, 129

Welche strafrechtlichen Konsequenzen sind zu befürchten?

Hallo!

Hier eine wichtige Frage! Es wäre super, wenn ein Anwalt oder Experte auf dem Gebiet antworten könnte. Eine Freundin von mir war leider in einen schweren Unfall verwickelt. Sie hatte (ohne es vorher zu wissen) eine Wespe im Auto. Als das Tier dann plötzlich vor Ihr auftauchte, reagierte sie panisch und fuhr leider eine ältere Frau an. Sie hielt daraufhin an, stieg aus dem Wagen und "fing" sich einigermassen schnell wieder. Zum Hintergrund: Sie ist Allergikerin und ein Wespenstich kann für sie sehr gefährlich werden. Sie leistete 1. Hilfe und setzte den Notruf ab. Leider wurde die Frau recht schwer verletzt. Meine Freundin hat nun eine Anzeige wegen Körperverletzung bekommen. Sie ist verzweifelt. Denn es tut ihr natürlich wahnsinnig leid, dass die Frau verletzt worden ist aber sie leidet auch unter dem Schock und den Unfallfolgen. Sie ist nur Haftpflicht versichert. D.h. auf den Kosten für den Schaden am eigenen Auto, ist sie sitzen geblieben, dazu kam die Geldstrafe und die Punkte. Nun eben auch noch die Anzeige wegen Körperverletzung. Was sind da für Konsequenzen zu erwarten? Sie fuhr nicht zu schnell und es war auch kein Alkohol o.ä. im Spiel. Sie hat nicht viel Geld und daher auch leider keine Rechtschutzversicherung. Droht ihr wegen der (unabsichtlichen!) Körperverletzung nun eine Geldstrafe? Wie hoch fällt sowas in der Regel aus? Drohen gar noch schlimmere Konsequenzen wie eine Freiheitsstrafe? Sie ist natürlich nicht vorbestraft oder sowas...

Lieben Dank für eure Antworten!

Antwort
von juristendeutsch, 41

Denkbar wäre nur eine Geldstrafe. Eine Haftstrafe ist nicht zu befürchten.

Aber wenn Ihre Freundin kein Schuld an dem Unfall trifft, kann sie auch nicht wegen Körperverletzung bestraft werden. Bei einer plötzlichen Wespenattacke kann ihr kein Schuldvorwurf gemacht werden. Sie sollte diesen Zwischenfall also im Anhörungsbogen schildern und auch ihre Allergie und die damit verbundene Panik darlegen.

Wenn es gut läuft, wird das Verfahren eingestellt. Ansonsten wird es eine Geldstrafe geben, die vielleicht bei 500 EUR liegt. Das ist aber nur eine grobe Schätzung, weil die Geldstrafe sich an dem eigenen Einkommen und auch den Verletzungen der Geschädigten orientiert. Letzteres halte ich aber für relativ unwahrscheinlich.

-juristendeutsch-

Kommentar von Scarlet2016 ,

Danke! Einen festen Job hat sie nicht. Sie jobbt ab und zu neben dem Studium.

Kommentar von ErsterSchnee ,

Ich darf dich mal zitieren:

"Eine solche Aussage ohne Akteneinsicht und das durchlesen der Aussagen aller Beteiligten ist unseriös und entbehrt jeder Grundlage. Wie der Richter entscheidet, bleibt immer noch dem Gericht überlassen, bzw. ob es überhaupt zu einer Anklage kommt."

Kommentar von juristendeutsch ,

Ich begründe meine These in Gegensatz zu Ihnen. Und das "Du" habe ich Ihnen nicht angeboten.

Antwort
von Joergi666, 40

pauschal kann man die Frage nicht beantworten, auch da wir die ganzen Details nicht kennen. Ich denke aber, dass die Chance recht hoch ist, dass die Versicherung die zivilrechtlichen Kosten trägt, wohingegen ich die Wahrscheinlichkeit einer Geldbuße wegen fahrlässiger Körperverletzung für recht hoch halte- aber wie gesagt immer Einzelfallprüfung. Eine solche Geldstrafe bemisst sich nach dem Einkommen (Tagessätze) - bei mehr als 90 Tagessätze gilt man als vorbestraft. Ich denke aber, dass es eher darunter liegen wird, ebenso ist bei so etwas normalerweise keine Haftstrafe zu erwarten.

Antwort
von Pucky99, 57

Auch ohne Experte zu sein, kann man folgendes festhalten. Gerade als Allergikerin ist davon auszugehen, dass sie weiß, wie man sich verhalten muss um nicht gestochen zu werden. Panik ist da die schlechteste Reaktion. Insofern kann hier unter Umständen auf fahrlässige Körperverletzung plädiert werden. Allerdings müsste die Fahrlässigkeit nachgewiesen werden. Ob die Reaktion auf eine Wespe diesen Tatbestand erfüllt müsste im Einzelfall entschieden werden.

Kommentar von Scarlet2016 ,

Panik ist keine bewusste / absichtliche Reaktion...

Kommentar von Pucky99 ,

Das ist irrelevant. Sie könnte ja das Auto vir Fahrtantriit auf Wespen prüfen oder das Fenster zu lassen. Selbst das könnte als Fahrlässigkeit ausgelegt werden. Ich sage KÖNNTE es muss nicht so sein. Kommt sicherlich auf die Argumente an.

Kommentar von Johnbobs ,

Es ist nicht Pflicht das Fahrzeug vorher auf Insekten zu überprüfen. Diese können überall sitzen. Das Gericht wird hier sicherlich nicht auf fahrlässige Körperverletzung plädieren.
Meist kommt es nicht mal zu einem Gerichtsverfahren. Denn der Fall ist klar und wird unter den Versicherungen geklärt.

Kommentar von Pucky99 ,

Wer sagt, dass es Pflicht ist es? Als Allergikerin könnte es aber eine gebotene Vorsichtsmaßnahme sein. Hat die Person es vielleicht schon mal erlebt, dass sie pansich wurde im Auto. Es dann nciht zu prüfen, wäre fahrlässig. Sicherlich nciht grob fahrlässig. Richtig ist auch, dass die Versicherung die Kosten trägt. Die trägt die Kosten im übrigen nur wenn es fahrlässig war. Ansonsten hat die Frau gar ein Anspruch auf Schmerzensgeld.

Kommentar von Scarlet2016 ,

Ich denke, dass es fast unmöglich ist, ein Auto vor einer Fahrt komplett auf Wespen zu untersuchen. Die könnte auch in irgendeiner Ritze gesessen haben. Pflicht dazu besteht übrigens auch nicht, soweit haben wir inzwischen recherchiert.

Kommentar von Pucky99 ,

Es geht auch nicht darum, dass es bereits Ordnungswidrigkeit wäre das absuchen zu unterlassen oder ob es im Einzelfall (z.b. ob die Fahrerin etwas ähnliches bereits erlebt hat, also Wespe im Auto und da nichts passiert ist), dann könnte ein Richter sagen, dass es fahrlässig ist, wenn man nicht zumindest im vertretbaren Maß nach Wespen im Auto schaut bzw das Fenster öffnet. Aus dem Bauch heraus würde ich sagen, dass diese Argumentation auf sehr wackeligen Beinen steht. Schmerzensgeldansprüche bestehen jedoch nur, wenn es zu einer Verurteilung wegen Körperverletzung kommt. Diese Verurteilung setzt nun mal Fahrlässigkeit oder Vorsatz voraus. Ist beides nicht gegeben, wobei Vorsatz von hier sowiese nicht zutrifft, ist es keine Körperverletzung.

Antwort
von Lkwfahrer1003, 29

Deine Freundin muss mit einer Verurteilung wegen fahrlässiger Körperverletzung rechnen (§229 STGB )

Hier gibt es aber verschiedene Möglichkeiten .

Die Staatsanwaltschaft könnte das Verfahren nach §153 STPO oder § 153a STPO gegen Geldauflage einstellen .

Es könnte auch sein das es zu einer Gerichtsverhandlung kommt , hier wird sie mit einer Geldstrafe von 40-70 Tagessätzen zu rechnen haben wenn sie noch nicht einschlägig Vorbelastet ist ! 1 Tagessatz = 1/30 Monatseinkommen

Heilbehandlungskosten werden von der Haftpflichtversicherung übernommen !

Kommentar von Scarlet2016 ,

Danke für die Infos! Einen festen Job hat sie gar nicht. Sie jobbt ab und zu neben dem Studium.

Vorbelastet ist sie nicht. Keine Punkte, keine Knöllchen bisher.

Kommentar von Lkwfahrer1003 ,

Sie hat ja ein Monatliches einkommen ....von irgendetwas muss sie ja leben ! Auch dann wenn es einnahmen vom Sponsoring der Eltern ist !

Darum werden Geldstrafen auch in Tagessätzen verhängt ! Einer der Viel einkommen hat , bei dem ist die Geldstrafe höher als bei einem der wenig hat :

Beispiel ;

Monatseinkommen 5000 € /30 tage = 167/tag x 40 Sätze = 6680 € Geldstrafe

Monatseinkommen 400 €  = 13 x 40 = 520 €

für die selbe tat !

Ihr müsst abwarten , wie der Staatsanwalt das ganze einschätzt !

Antwort
von CreativeBlog, 57

Das schlimmste ist nicht die Freiheitsstrafe, sondern eher, das sie ein Lebenlang für die schwerverletzte frau zahlen muss. 

Kommentar von Scarlet2016 ,

Aber das zahlt doch die Kfz Haftpflicht, oder?

und Freiheitsstrafe wäre Horror pur! Sie ist total sensibel und würde daran kaputt gehen.

Kommentar von Pucky99 ,

Ja das sollte die Haftpflicht übernehmen

Kommentar von CreativeBlog ,

Nein muss nicht. Er wer Recht hat, muss kein Recht bekommen. Sonst ist das leider.

Kommentar von railan ,

Wenn Kinder "beraten"...

Kommentar von CreativeBlog ,

Ein Kollege ist damals angefahren worden, starb wenig später. Durch die verletztung wurde ein schadenersatz preisgegeben, die dieser dafür verantwortlich ist monatlich bezahlen muss.

Und für diese aussage kann ''kinder beraten'' nur den Kopf schütteln.  Sprich nicht,wenn du dummes aus dir raus kommt.

Antwort
von Johnbobs, 61
Kommentar von Scarlet2016 ,

Danke für den Artikel. Leider steht da nichts zu strafrechtlichen Konsequenzen drin, wenn andere Personen verletzt wurden.

Kommentar von Johnbobs ,

Die werden natürlich auch von der Versicherung bezahlt.
Dass deine Freundin wegen Körperverletzung angezeigt wurde ist in solch einem Fall normal, nur so kann die Gegenpartei Schmerzensgeld einfordern.

Die Versicherung bezahlt für alle Personen die demnach zu schaden gekommen sind, ob die nun im Auto oder außerhalb waren.

Bei einem normalen selbstverschuldeten Unfall verletzt man ja auch einen anderen Menschen der nicht im gleichen Auto sitzt.

Am besten ist es aber, wenn ihr bei ihrer Versicherung nachfragt. Dann habt ihr eine direkte und vor allem aussagekräftige Antwort.

Kommentar von Scarlet2016 ,

Wird das Schmerzensgeld denn auch von der Versicherung übernommen? (Falls ja: wozu dann die zusätzliche Anzeige...?)

Kommentar von Johnbobs ,

Ja sollte sie! Sonst würde man sich bei einem selbstverschuldeten Unfall direkt in den Ruin treiben.

Wie oben bereits geschrieben ist eine Anzeige nötig um das Schmerzensgeld bei ihrer Versicherung beantragen zu können.

Kommentar von Joergi666 ,

du vermischst hier zwei wichtige Dinge- nämlich Straf- und Zivilrecht. Die zivilrechtlichen Geschichten wie Schmerzensgeld sind dabei (zumindest wenn nicht grob fahrlässig gehandelt wurde) von der Versicherung gedeckt- ganz unabhängig davon sind die strafrechtlichen Folgen, die bezahlt keine Versicherung.

Kommentar von juristendeutsch ,

Eine Versicherung bezahlt keine Geldstrafe aus einem rechtskräftigen Strafurteil bzw. Strafbefehl.

Antwort
von ErsterSchnee, 62

Das entscheidet der Richter. Vermutlich wird sie aber schon recht hart bestraft.

Kommentar von Scarlet2016 ,

Begründung?

Kommentar von ErsterSchnee ,

Die Frau wird ja nicht urplötzlich auf die Straße gesprungen sein! Also hat sie entweder vorher schon nicht richtig aufgepasst oder hätte Zeit gehabt, anders zu reagieren. 

Kommentar von juristendeutsch ,

@ErsterSchnee Eine solche Aussage ohne Akteneinsicht und das durchlesen der Aussagen aller Beteiligten ist unseriös und entbehrt jeder Grundlage. Wie der Richter entscheidet, bleibt immer noch dem Gericht überlassen, bzw. ob es überhaupt zu einer Anklage kommt.

Kommentar von ErsterSchnee ,

Entbehrt jeder Grundlage? Es gibt ausreichend Urteile, in denen sogar Leute verurteilt wurden, weil sie einen Unfall gebaut haben aufgrund von Husten oder Niesen. 

Und eine schwerverletzte Fußgängerin oder Radfahrerin ist ein ausreichendes Argument für Strafe. 

Kommentar von juristendeutsch ,

@ErsterSchnee Quelle ihrer Urteile mit einer anschließend harten Strafe wie oben geschildert? Aktenzeichen?

Kommentar von ErsterSchnee ,

Ist dein Google kaputt? Oder die Fachliteratur verbrannt?^^

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