Welche Rolle hat der Staat bei Hobbes Menschenbild gespielt, was waren seine Aufgaben?

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3 Antworten

Die Menschen leben im Naturzustand in bedrohlicher Unsicherheit. Sie befinden sich in einem Krieg aller gegen alle. Der Staat ist notwendig, um dieser Lage zu entkommen, indem in einem Gesellschaftssvertrag ein Staat gegründet wird.

Thomas Hobbes versucht eine rationale Ableitung der Notwendigkeit des Staates. Um aus dem Naturzustand herauszukommen und Frieden herzustellen, ist ein Staat notwendig. In einem Gesellschaftsvertrag aufgrund rationaler Berechnung wird der Staat gegründet (als „politischer Körper“, eine künstliche Person, konstruiert) und ein Souverän übernimmt die Aufgabe, die Konflikte einzudämmen, das gierige und zu Agressionen neigende Verhalten durch Furcht niederzuhalten und Schutz zu bieten.

Das grundsätzliche natürliche Gesetz ist nach Thomas Hobbes, nichts sich selbst Schädigendes zu tun. Zur Überwindung des Kriegs aller gegen alle in einem fiktiven und abstrakten Naturzustand werden 2 oberste natürliche Gesetze aufgestellt:

1) Frieden suchen und, wenn keiner kommt, nach anderen Mitteln der Selbsterhaltung suchen

2) auf das Recht auf alles verzichten, sofern dies auch die anderen tun, und so viele Freiheiten einräumen, wie sie haben wollen (um mit dem Abgeben von Rechten andere Vorteile zu bekommen)

Ein gedachter Vertrag besteht darin, einen Staat zu bilden, der Furcht vor der Macht des staatlichen Souveräns und einer von diesem durchgeführten Strafe hervorruft, so das Verhalten der Individuen von außen stabilisiert und einen Friedenszustand herstellt. Der Gesellschaftsvertrag enthät eine Unterwerfung, bei der Macht einem Souverän übertragen wird. Denn bei Hobbes stellt sich mit Hilfe eines auf Interessen reduzierenden Ansatzes nur die Alternative, den Naturzustand zu verlassen und in den Gesellschaftszustand einzutreten oder dies nicht zu tun. Ist der Eintritt einmal erfolgt, gibt es keine Optionen (Wahlmöglichkeiten) mehr, sondern nur noch Gehorsam als Bedingung, eine Nutzenmaximierung erreichen zu können.

Für Hobbes ist Sicherheit und damit Freiheit nur im Rahmen staatlich verfaßter Ordnung möglich, da nur innerhalb des Staates die Garantie von Rechten überhaupt denkbar ist.

Aufgaben des Staates

  • Schaffung, Bewahrung und Wiederherstellung eines Friedenszustandes innerhalb einer Gesellschaft (Friedensssicherung)
  • Schaffung und Aufrechterhaltung von Recht und Ordnung, mit Durchsetzung eines staatlichen Gewaltmonopols
  • Schutz von Leib und Leben, Freiheit und Besitz der Bürger
  • Aufsicht über Meinungen und ihre Beurteilung, insoweit sie Frieden und Einigkeit im Staat gefährden
  • Belohnungen und Bestrafungen

Bücher in Bibliotheken enthalten zum Thema Erläuterungen, z. B.:

Otfried Höffe, Thomas Hobbes. Originalausgabe. München : Beck, 2010 (Beck'sche Reihe ; 580). ISBN 978-3-406-60021-0

Wolfgang Kersting, Thomas Hobbes zur Einführung. 4., aktualisierte Auflage. Hamburg : Junius, 2009 (Zur Einführung ; 373). ISBN 978-3-88506-673-6

Thomas Hobbes, Leviathan oder Stoff, Form und Gewalt eines kirchlichen und bürgerlichen Staates. Herausgegeben von Wolfgang Kersting. 2., bearbeitete Auflage. Berlin : Akademie-Verlag, 2008 (Klassiker auslegen ; Band 5). ISBN 978-3-05-004446-0

Herfried Münkler, Thomas Hobbes. 3., aktualisierte Auflage. Frankfurt/Main; New York : Campus Verlag, 2014 (Campus Studium). ISBN 978-3-593-39870-9

Eduard Georg Jacoby/Jean Bernhardt/François Tricaud, Thomas Hobbes. In: Die Philosophie des 17. Jahrhunderts. Band 3: England. Erster Teilband. Völlig neubearbeite Ausgabe. Herausgegeben von Jean-Pierre Schobinger. Basel : Schwabe, 1988 (Grundriß der Geschichte der Philosophie. Begründet von Friedrich Ueberweg; Abteilung 4, Band 3.1), S. 93 – 177

Henning Ottmann, Geschichte des politischen Denkens : von den Anfängen bei den Griechen bis auf unsere Zeit, Band 3, Teilband 2: Das Zeitalter der Revolutionen. Stuttgart ; Weimar : Metzler, 2008, S. 265 - 321

Karl Schuhmann, Thomas Hobbes. In: Großes Werklexikon der Philosophie. Herausgegeben von Franco Volpi. Stuttgart : Kröner, 1999. Band 1: A – K, S. 692 - 697

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"Nur der Staat kann Menschen zu seinem Glück zwingen weil er den Naturzustand befriedigt"

Von Natur aus neigt der Mensch dazu Krieg gegen seinen eigenen Verstand zu führen und sieht jeden Menschen als potentiellen Feind. Es ist daher notwendig (laut Hobbes), dass es einen Vertrag zwischen den Menschen gibt, und eben diesen Vertrag stellt der Staat dar.

Der Mensch ist der Staat (Gibt ja dieses Leviathan-Bild)

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Die Kernaussage seines Hauptwerkes "Leviathan" ist, dass der Staat den Menschen vor sich selbst schützt (also vor dem Menschen).

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