Frage von Tom249912, 34

Welche römischen Quellen beschäftigen sich thematisch mit dem Vater-Sohn Verhältnis im antiken Rom?

Hallo,

ich schreibe eine Hausarbeit in der ich zeigen will, dass die Macht des pater familias, die per Gesetzt sehr groß war, in Wirklichkeit gar nicht so groß war. Ich suche daher Quellen, die das Verhältnis eines Vaters zu seinem Sohn thematisieren. (Vorzugsweise eines pater familias, dessen Sohn nicht mehr in seinem Haus wohnt) Ich habe bisher eine Quelle (Cicero Atticus 12.32) http://perseus.uchicago.edu/perseus-cgi/citequery3.pl?dbname=PerseusLatinTexts&a...

Auf der Seite gibt es auch noch tausende andere Quellen. Es ist aber utopisch alle zu lesen. Kennt vielleicht jemand von euch Quellen, in der Interaktionen zwischen, bzw. Gespräche über Vater und Sohn dokumentiert werden?

Alles was ich brauche sind Quellen, die dies thematisieren, in denen aber nicht gesagt wird "bestraf deinen Sohn doch indem du auf deine Macht zurückgreifst".

Gruß, Tom

Hilfreichste Antwort - ausgezeichnet vom Fragesteller
von ArnoldBentheim, 19

Um es mal so zu sagen: deine "These" ist schon längst erwiesen und gehört zum Wissen, das man in jedem Lehrbuch findet. Beispiel:

"Die Herrschaft des pater familias war rechtlich nahezu unbeschränkt (ius vitae ac necis). (...) Es wäre allerdings falsch, diese Herrschaft für eine 'totale' zu halten. Der pater familias konnte von der ihm rechtlich zustehenden Vollgewalt aufgrund des geltenden Sakralrechts und den von der Sitte geschaffenen Bindungen nur in eingeschränktem Maße Gebrauch machen."

aus: Stephan Meder: Rechtsgeschichte. 4. Aufl. 2011, S. 42.

Wenn du dieses Forschungsergebnis in deiner Hausarbeit noch einmal nachvollziehen willst, dann stimme ich den Ausführungen von Wurzelstock zu: die umfassende Quellenarbeit, die du betreiben müsstest, wäre wahrlich sehr mühsam.

Hier noch ein paar Literaturangaben, anhand derer du Quellenstellen erschließen kannst, wenn du bei deinem Thema bleiben willst:

  • Antti Arjava: Paternal Power in Late Antiquity. In: Journal of Roman Studies. Bd. 88 (1998), S. 147–165.
  • Elmar Bund: Patria Potestas. In: Der kleine Pauly. Band 4 (1972), Sp. 552 f.
  • Jane F. Gardner: Family and familia in Roman Law and Life. 1998.
  • Otto Karlowa: Die Formen der römischen Ehe und manus.
  • Raymond Westbrook: Vitae Necisque Potestas. In: Historia. Bd. 48,2 (1999), S. 203–223.

MfG

Arnold

Kommentar von Tom249912 ,

Hallo Arnold, danke. Dass die Forschung sich mitlerweile einig ist, dass Theorie und Praxis weit auseinanderklaffen weiß ich. Ich habe das nur kurz beschrieben um zu verdeutlichen wofür ich Quellen brauche.

Ich möchte in der 12 Seiten HA veruschen die Forschungsfrage zu beantworten, wenn die Macht des pater familias schon nicht so extrem war, wie war dann das Verhältnis zu seinen Nachfahren, die nichtmal mehr in der domum gewohnt haben und schon ihre eigenen Familien hatten etc. Ob es da überhaupt noch (starken) Einfluss gab.

Kommentar von ArnoldBentheim ,

Ich verstehe. Aber dann solltest du vornehmlich aus der Literatur arbeiten und die dort zitierten Quellen gelegentlich beispielhaft heranziehen, wenn sie deine Ausführungen beispielhaft stützen können.

Kommentar von Tom249912 ,

danke für den Tipp, das mache ich. In "VITAE NECISQUE POTESTAS" werden Quellen verlinkt. Wofür steht denn die Abkürzung "Decl. mai."? Würde in die Quelle gern reinschauen.

Kommentar von ArnoldBentheim ,

Ich habe den Aufsatz überflogen, habe diese Abkürzung aber nicht entdeckt - oder übersehen. Auf welcher Seite oder in welcher Anmerkung steht sie? Eine Autor kann ich nämlich nicht erkennen, aber "Decl. mai." dürfte bedeuten: declamationes maiores. - Ich kenne die "declamationes maiores et minores" von (Pseudo-)Quintilian  -  schau mal hier rein: http://www.thelatinlibrary.com/quintilian.html

Kommentar von ArnoldBentheim ,

Danke für die Auszeichnung!  :-)

Antwort
von Wurzelstock, 24

Die Inversion einer bestehenden Geschichtsauffassung ist der Traum eines jeden Pimaners. Trenne dich von ideologischen Perspektiven zugunsten einer objektiven Recherche. Erweitere damit das bisher Bekannte statt es widerlegen zu wollen.

Vor allem: Erfinde nicht erst ein Klischee, um es dann "investigativ" zu widerlegen.


Kommentar von Wurzelstock ,

Ich glaube, ich bin dir eine Erklärung schuldig, da Du ja in meinem Profil warst.

Es soll ein allgemeiner warnender Hinweis sein. Du verknüpfst nämlich in deinem Fragetext zwei Begriffe, die nicht auf einer Ebene liegen: "... dass die Macht des pater familias, die per Gesetzt sehr groß war, ..."

Ein Gesetz verleiht keine Macht, sondern ein Recht. Beides ist nicht von einander abhängig. Deshalb muss die Antwort ("...in Wirklichkeit...") zwangsläufig schief werden.

Du müsstest entscheiden, ob Du das Recht des pater familias darstellen willst, wozu Du nach den Bezügen auf das Zwölftafelgesetz suchen müsstest, (bei Cicero, Festus, Gellius, Plinius der Ältere, Gaius und Ulpian), oder ob Du darstellen willst, wie im Detail bzw. üblicherweise damit umgegangen wurde. Auch das läßt nur einen indirekten Schluss auf die Macht des einzelnen zu.

Die Fragen sind schon faszinierend. Mir wäre es aber, offen gestanden, zu mühsam.

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