Frage von John1688, 85

Welche Richtung könnt ihr im Buddhismus empfehlen?

Und was sind die Unterschiede zwischen den Richtungen? Danke ...

Antwort
von NewKemroy, 32

Zwei große Strömungen (auch im Westen) sind der Zen-Buddhismus und der Theravada-Buddhismus. Der Zen-Buddhismus kommt mir persönlich etwas geheimnisvoll, eher ohne Erklärung als reine Erfahrungs-Praxis vor.

Der Theravada-Buddhismus ist da ein bisschen anders. Hier gibt es kiloweise Literatur und er ist sehr systematisch strukturiert. Natürlich steht auch hier die Erfahrungs-Praxis der Meditation im Mittelpunkt, allerdings mit mehr System, bzw. Struktur.

Beides hat Vor- und Nachteile.


Kommentar von NewKemroy ,

Beides hat Vor- und Nachteile. .... : Zunächst kann man wohl bei beiden feststellen, dass es jeweils Unter-Traditionen gibt, die entweder ziel-orientiert oder routine-orientiert sind.

So spielt beim Rinzai-Zen  Satori (=Erleuchtung) eine deutliche Rolle (Zielorientiertheit), während beim Soto-Zen Hauptaugenmerk auf dem Sitzen in Meditation besteht (Routine).

Im Theravada-Buddhismus ist das ähnlich. Es gibt die Technik-Methoden nach dem ehrw. Mahasi Sayadaw, welche sehr zielorientiert sind und systematisch auf die Ausrottung der Kilesa https://de.wikipedia.org/wiki/Klesha angelegt sind, was ebenfalls einer Erleuchtung entspricht. Dann gibt es noch die sogenannte Waldtradition, die mehr auf klösterliches Leben und Routine setzen.

Zielorientiertheit und Routineorientiertheit sind nicht gegeneinander aufzurechnen. Sie entsprechen unterschiedlichen philosophischen Ansätzen, die meiner Meinung nach beide gleichermaßen ihre Berechtigung haben.

Die Zielorientiertheit krankt daran, dass Erleuchtung nur vom "Ich"-Standpunkt einen Sinn ergibt. Der Buddhismus erklärt aber, dass dieses Ich keinerlei Substanz hat und nur ein Konzept ist.

Die Routineorientiertheit krankt daran, dass sie das Bedürfnis des Menschen nach Besserung/Erlösung eher ignoriert und das Heil im Augenblick sucht.

Antwort
von ArbeitsFreude, 14

Nun, lieber John1688:

EMPFEHLEN kann ich natürlich nur meine eigene Richtung:), den "Nichiren-Buddhismus" (obwohl ich prinzipiell natürlich auch alle anderen buddhistischen Richtungen im Zweifelsfalle den theistischen Religionen vorziehe...)

Was den Nichiren-Buddhismus von den meisten anderen Richtungen unterscheidet:

Er ist sehr "diesseitsorientiert", sehr weltlich und (in seiner Laien-Version) sehr alltagstauglich.

Gut finde ich, dass man mit etwas Übung schnell an die Kraftquelle des N.B. mit hilfe der Mantras NamMyohoRengeKyo andoggen kann und - wann immer man's im Alltag braucht - Kraft tanken.

Dabei geht's vor allem darum, sich und anderen zum Glück hier und jetzt in unserem Alltag zu verhelfen (also nicht um ein Nirvana oder die nächsten Inkarnationsstufen)

Erleuchtung ist nur hilfreich, wenn Sie Dir hilft...

a) Deinen Alltag zu meistern

b) anderen zu helfen

Mehr auf: www.sgi-d.org

Grundsätzlich würde ich Dir aber empfehlen: Schnuppere rein in buddh. Gruppen unterschiedlichster Couleur in Deiner Gegend - Welche Richtung für DICH in Betracht kommt, kannst nur DU entscheiden - am besten, indem Du verschiedene Menschen kennenlernst, die unterschiedliche Richtungen praktizieren...

Antwort
von Mabur, 60

Empfehlen kann ich dir lieber nichts dergleichen anzufangen es sei denn du bist dir wirklich sicher, dass du es willst und dass du weißt worauf du dich einlässt. Ich habe mit Religion eigentlich wenig am Hut, aber da die Meditation das Gehirn grundlegend verändert wurde ich neugierig. (Mich interessierte nicht die Lehre von der Widergeburt usw. weil ich an so etwas nicht glaube). Mich interessierten die Folge von Meditation zu erleben und ich kann dir sagen, die Auswirkungen waren heftig. Es gibt ja zwei Arten (vielleicht auch mehr will mich nicht als Experten ausgeben der ich nicht bin) - Metameditation und Vipassana - bei Vipassana geht es darum dich selbst zu beobachten, während du bestimmte Erfahrungen machst und bei Meta (die angeblich der schnellste Weg zur Erleuchtung sein soll), geht es darum das Mitgefühl zu üben - für alle Lebewesen.

Insbesondere die Metatmeditation hat es in sich und ich beschreibe dir mal welche Auswirkungen sie anfing bei mir zu entfalten: Es stimmt - ich war nicht mehr aus der Ruhe zu bringen. Und ja ich sah in meinen Mitmenschen viel mehr Gutes und sah auch leichter ihre Ungeduld und das "Leiden" welches damit verbunden war. Aber und das ist ein großes Aber die Auswirkungen waren viel dramatischer als nur das. Es war nicht so ein bißchen mehr Mitgefühl so wie ich es mir "kalter" Knochen erhofft hatte. Nein es nahm mir auch überall die Spannung - ein Film sehen - wozu? Ins Kino gehen mit Freunden, warum soetwas sinnloses tun? Es nahm mir das Leid das stimmt, aber es nahm mir die Freude gleich mit und steckte alles hinter einen Schleier der teilnahmslosen Existenz - man könnte es vielleicht auch ein wenig aphatisch nennen. Aber die normalen Freuden des Lebens waren hinterher wirklich nicht mehr viel wert. Am Besten läßt es sich vielleicht so beschreiben, statt teilzunehmen am Geschehen beobachtet man das Geschehen - wenn du genau dies anstrebst und willst, dann will ich dich nicht aufhalten - ich will dich nur warnen, dass die Auswirkungen nicht zu unterschätzen sind und das es eben nicht bei ... ich lerne jetzt ein wenig Mitgefühl usw. bleiben wird.

Kommentar von John1688 ,

Wie ist denn der Ablauf einer Metta-Mediation bei dir?

Kommentar von Mabur ,

https://www.youtube.com/watch?v=BncD2pinvTo so wie in diesem Video beschrieben - ich nehme an du sprichst Englisch oder?

Kommentar von John1688 ,

Ich schreib grad vom Handy und kann mir keine Videos anschauen, kannst du mir nicht kurz die Schritte erklären/erzählen?

Kommentar von Mabur ,

Das Video geht eine Stunde - und so gut wie der Mönch, das erklärt kann ich es nicht - ich kann versuchen dir das wichtigste zusammenzufassen - aber ich kann dir nur raten, wenn du es testen willst, beobachte genau was es mit dir macht und wenn es dir nicht gefällt breche ab - es ist nicht unbedingt alles umkehrbar wenn du es zu lange machst.

Schritt 1: Du musst dich natürlich richtig hinsetzen und deine Augen schließen dann machst du Wünsche für dich, sowas wie möge ich frei von Leid sein usw.
das machst du so 10 Minuten - wichtig dabei ist du akzeptierst, wenn dein Geist anfängt abzugleiten und bestraft dich nicht selber für - du kannst dann sowas denken wie: "Oh Menschen sind schon komische Kreaturen" und dann konzentrierst du dich wieder auf das Wünschen. Also immer nur einen Wunsch knapp formulieren ohne hast ihn nachfühlen und dann den Nächsten.

Nach 10 Minuten suchst du dir dann einen guten Freund der aber nicht aus der Familie ist und das gleiche Geschlecht hat wie du (das gleiche Geschlecht damit du nicht auf andere Gedanken kommst) und wünscht ihm die gleichen Sachen, die du dir auch Gewünscht hast. Dazu stellst du ihn dir aber so vor dass du ihn in dein Herz nimmst (wenn du kannst bildlich je nachdem) und überschüttest ihn mit möglichst viel Güte. Dann nach einer halben Stunde (ich bin mir grad nicht ganz sicher... das Video ist so lang und mir fehlt grad die Zeit das nochmal alles zu schauen) stehst du auf hast ihn immer noch in deinem Herzen und überschüttest ihn mit Liebe ungefähr mit dieser Art von Liebe die du empfindest, wenn du ein kleines Tierbaby im Arm hälst...

Das ist grob glaube ich wie ich es gemacht hatte... aber bei weitem keine genaue Beschreibung.

Kommentar von John1688 ,

Ich bin schon an dem Punkt, an dem ich es schaffe, mich in meine "schlimmsten Feinde" hinein zu versetzen und ehrlich zu sagen, ich wünsche uns Glück, ich wünsche uns Frieden, ich wünsche uns Freude. Also weg vom Dir hin zum Uns. 

Aber warum soll das schlecht sein? Ich fühle mich besser, seit ich das tue. Und mir ist auch klar geworden, dass jeder Mensch in seinem Kern gleich ist. Jeder Mensch wünscht es sich glücklich zu sein, geliebt zu werden und Achtung zu erfahren. 

Der einzige Unterschied sind unsere Erfahrungen. Sprich ein Mensch der einen anderen fertig macht, glaubt auf diese Weise Glück und Achtung zu erfahren, weil er vorher etwas entsprechendes erlebt hat. Es gibt kein objektives oder absolutes "gut und böse", dass was mir böse erscheint, tut dieser Mensch, um glücklich zu sein, bzw. nicht unglücklich sein zu müssen. "Jetzt darf ich Täter sein und bin nicht mehr Opfer." - Darum macht er einen anderen nieder, nicht weil er irgendwie böse ist, sondern weil er selber einmal Opfer war (nur ein Beispiel).

Kommentar von Mabur ,

Weißt du ich bin eh der Ansicht, dass wir keinen freien Willen haben und das ich deswegen sowieso niemand die Schuld für irgendetwas geben könnte... ein Punkt der jeglichen "besten" Weg etwas paradox macht.

Aber geht es dir nicht so, dass du keine Lust mehr auf andere Sachen hast, wie das bei mir der Fall war?
Z.b. wurden für mich Besuche im Kino kompliziert... weil wie gesagt jeder Film nicht mehr wichtig war für mich - ich wurde um es anders auszudrücken durch die Meditation etwas zum Aussenseiter - weil alles das wonach die Menschen sonst streben - für mich irgendwie ziemlich bedeutungslos war.

Also ein Beispiel wenn ich früher ein Spiel wie Go gespielt habe, dann habe ich mich gefreut wenn ich gewonnen und geärgert wenn ich verloren habe - aber mit etwas Meditationpraxis war es so... dass ich mich weder freute noch ärgerte - es nahm den Reiz aller dieser Dinge. Ich habe deshalb das Gefühl durch Meditation einen Teil meiner Selbst verloren zu haben. Ich weiß ja nicht wie es bei dir ist.

Das heißt um es anders auszudrücken die Emotionen, die ich sonst hatte wurden mehr oder weniger immer mehr durch eine einzige ausgetauscht. Aber Emotionen sind jetzt erstmal nicht unbedingt gut oder schlecht... sie sind einfach entstanden und sollen uns das Überleben sichern. Sicher ist es etwas reizvoll dass wir selbst in der Lage sind so stark in unser emotionales Empfinden einzugreifen, aber wenn ich die Wahl habe zwischen allen möglichen Empfindungen und dem Fokussieren auf nur einer dieser bedingslosen Liebe, habe ich das Gefühl, dass nur diese eine, ein etwas kleines Paket ist.

Kommentar von John1688 ,

Ich bin mir auch nicht sicher, ob wir einen freien Willen haben ... Ich bin eigentlich sehr lange davon ausgegangen, dass unser Handeln determiniert ist. Ich glaube auch heute noch, dass es in der Hinsicht determiniert ist, dass ein Mensch, bevor er eine Entscheidung trifft immer auf sein Erlebtes zurückgreift. Hier wird er sich immer für das entscheiden, von dem er annimmt, dass es ihm wohl bringt und das ablehnen, was ihm wehe bringt. Ist immer so. Diese Kausalität ist aber ein fester Bestandteil im Buddhismus und auch zu verstehen, dass es keine guten oder bösen Menschen gibt.
Ja, Filme interessieren mich auch nicht wahnsinnig (ich hab auch keinen Fernseher und ich geh auch nicht gerne ins Kino) und Unterhaltungsliteratur mag ich jetzt auch nicht so. 

Ich empfinde es als Erleichterung, zu wissen, dass ein Mensch, der mich z. B. beschimpft, einfach etwas erlebt hat, das ihn glauben lässt, er muss sich in diesem Moment so verhalten um glücklich oder zumindest nicht unglücklich zu sein. Ich fühle mich dadurch eigentlich sehr im Reinen mit den Menschen und würde, offen gesagt, auch nicht böse werden, wenn man mich beschimpft. Ich würde es nur traurig oder tragisch finden, dass dieser Mensch etwas erlebt hat, dass ihn jetzt so handeln lässt.

Was ein freier Wille ist, kann ich mir, offen gesagt, nicht vorstellen, darum lasse ich das Ganze ein bisschen. Aber in der Quantenphysik wurde ja angeblich auch ein objektiver Zufall nachgewiesen und das Thema Nahtoderfahrungen und die Frage ob unser Bewusstsein wirklich in unserem Gehirn entsteht, finde ich auch spannend. 

Kommentar von Mabur ,

Also ich möchte dir nur mal nebenbei sagen, dass ich es sehr angenehm finde mich mit dir zu unterhalten, weil die Unterhaltun so angenehm "schmerzlos" ist :).

Was den freien Willen anbelangt so möchte ich dir folgendes Gedankenexperiment vorschlagen - stell dir dich hier und in einem Paralluniversum vor. Und nun überlege, welche Ursachen es hätte haben können, wenn das eine Ich, welches die gleichen Sachen erlebt hat, sich plötzlich anders verhält als das andere ich - obwohl bis dato genau dasselbe erlebt worden ist. Für mich kann es nicht das Individuum selbst gewesen sein, welches entschieden hat, denn seine Erfahrungen und Gefühle sprich die Identität müssten ja sonst eine bestimmte Handlung erzwingen und dementsprechend müsste es der Zufall aber nichts eigenes gewesen sein, welches eine Entscheidung herbeigeführt hat.

Nahtoderfahrungen und die Frage ob unser Bewusstsein wirklich in unserem Gehirn entsteht

Das was in meinen Augen dafür spricht ist die Tatsache, dass sich Menschen nach Gehirnschäden regelrecht verändern. Das kann alles mögliche betreffen - Gefühle ... auch plötzliche Hemmungslosigkeit, weil ein Gehirnbereich geschädigt wird der zur Kontrolle dient. Oder aber das eine vorher tadelos moralische Person durch einen Hirnschaden plötzlich ihre Moral verliert. Oder keine Angst mehr empfindet etc. Dies ist für mich ein starker Hinweis, dass unsere erfahrenen Emotionen durchaus "hirngemacht" sind.

Kommentar von NewKemroy ,

Weder gibt es freien Willen noch Schicksal. Das gehört zusammen. Ist ein Gegensatz-Konzept.

Kommentar von John1688 ,

Wenn es weder freien Willen noch Schicksal gibt (Schicksal bedeutet ja immer, dass es einen Schöpfer gibt) oder unsere Welt determiniert ist, was gibt es dann? Das andere wäre halt der Kompatibilismus, sprich das es einen freien Willen und "Ursache und Wirkung" gibt. Daran glauben die meisten Leute. Kann ich mir aber schwer vorstellen. 

Kommentar von Mabur ,

Hm ich glaube dem kann ich nichts mehr hinzufügen ... es wäre etwas schwer eine Dikussion am Leben zu halten, wo drei Menschen einfach einer Meinung sind - eigentlich unglaublich bei diesem Thema, aber gut.

Kommentar von NewKemroy ,

Tja, ich sage immer: Du kannst weder etwas tun noch etwas lassen.

Kommentar von Buddhishi ,

Sorry, dass Du apathisch geworden bist, aber dann muss etwas falsch gelaufen sein. LG

Kommentar von Mabur ,

Danke Buddhishi, nein so schlimm ist es nicht - denn ich habe ja aufgehört als merkte, dass es in die Richtung geht.

Antwort
von gerdr108, 21

Wenn du schnell an das Ziel (Befreiung & Erleuchtung) gelangen willst nimmt man das schnellste Fahrzeug. Das ist Vajrayana oder bei uns auch Diamantweg genannt, in einem Leben zur Befreiung und in Deutschland die größte buddhistische Gruppe mit ca. 157 Zentren. Sicher findest Du auch eines in Deiner Nähe. Schau doch einfach mal rein ob Dir die Leute zusagen und ob Du mit den Erklärungen und Vorträgen etwas anfangen kannst!

https://www.diamantweg-buddhismus.de/

http://www.buddhismus-schule.de/inhalte/gliederung.html

Antwort
von Buddhishi, 32

Hallo John1688,

alle, außer den Diamantweg.

LG

Kommentar von NewKemroy ,

Bingo :-)

Kommentar von John1688 ,

Was ist am Diamantweg abzulehnen? Meinst du hier den Vajrayana-Buddhismus?

Kommentar von NewKemroy ,

Als ich in der Orientierungs-Phase war, da gefiel mir nicht, dass im Diamantweg soviel mit Ritualen gemacht wird. Und diese Bilder im Internet von diesen Massenveranstaltungen mit 1000 oder mehr Leuten, das mochte ich auch nicht.

Aber, was bei mir am meisten Ablehnung hervor gerufen hatte, war das Lachen des Mannes, der über Jahrzehnte die Gallionsfigur des Diamantweg-Buddhismus war:  Lama Ole Nydahl.  Das war nicht das Lachen eines weisen Mannes oder das eines ehrwürdigen spirituellen Lehrers.

Ich schildere hier bewusst meine ganz subjektiven Eindrücke. Natürlich gibt es auch objektivere Kritik, z.B.:

http://info-buddhismus.de/lama_ole_nydahl.html

Kommentar von Buddhishi ,

Steht schon fast im Ruf einer 'Sekte'. Trinken Alkohol. Alles dreht sich um Ole. Null wahrer Buddhismus! LG

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