Frage von Alysa19, 170

Welche rechtlichen Folgen kommen auf einen zu der Nacktbilder einer Minderjährigen weiterschickt/veröffentlicht?

Halllo Comunity, Ich wende mich an euch weil ich nicht weiß an wen ich mich sonst wenden soll. Wie meine Frage oben schon sagt, möchte ich wissen was auf einen zukommt, der Nacktbilder einer Minderjährigen weiterschickt oder gar veröffentlicht. Mein Problem ist, dass ich vor drei Jahren, als ich 14 Jahre alt war Nacktbilder an meinen damaligen Freund, meine erste große Liebe, geschickt habe. Ich weiß dass das sehr dumm von mir war aber er hat mich dazu gezwungen. Er war damals 18 Jahre alt... Vor kurzen hatten wir wieder Kontakt und er hat mir erzählt und gezeigt, dass er meine Nacktbilder noch hat. Ich wollte dass er sie löscht abewr das hat er nicht. Jetzt hab ich riesige Panik, dass er diese weiterschickt oder es schon getan hat.. Ich bin total verzweifelt. Würde das psychisch über haupt nicht verkraften, wenn das der Fall wäre.. Kann mir denn jemand sagen, was rechtilich auf ihn zu kommen würde und was ich dagegen unternehmen kann? Danke im Vorraus Alysa..

Antwort
von Dannius, 69

Ich nehme einmal an, dass Du 14 Jahre alt warst. Eine Strafbarkeit im Zusammenhang mit Kinderpornographie kommt damit erst einmal nicht in Betracht, weil Du zu dem Zeitpunkt, als die Aufnahme angefertigt wurde, kein Kind im strafrechtlichen Sinne mehr warst; vgl. die Definition von "Kind" im (ansonsten nicht einschlägigen) § 176 Absatz 1 Strafgesetzbuch: https://www.gesetze-im-internet.de/stgb/__176.html.

Da Du 14, aber noch nicht 18 Jahre alt warst, könnte es sich um "Jugendpornografie" handeln. Was dies genau bedeutet, ist in § 184 Absatz 1 Nummer 1 Strafgesetzbuch bestimmt: https://www.gesetze-im-internet.de/stgb/__184c.html

"Jugendpornografisch" ist also nicht jedes Nacktbild. Wenn Du auf den Bildern einfach "nackt stehst" oder es sich um eine Körperstudie handelt, wo die Ästhetik im Vordergrund steht (Aktbild), ist es zum Beispiel keine Pornografie. Etwas anderes wäre es, wenn Du z.B. aufreizend posiert hast, erregte Geschlechtsorgane oder sogar sexuelle Handlungen zu sehen sind. Es kommt darauf an, ob die sexuelle Komponente der Aufnahme im Vordergrund steht.

Sollte es sich demnach um Jugendpornografie handeln, siehst Du in § 184 c Strafgesetzbuch (siehe oben), dass nach dem dortigen Absatz 4 die Herstellung und der Besitz dieser Schriften (Bilder) nicht strafbar ist, wenn die sie "ausschließlich zum persönlichen Gebrauch mit Einwilligung der dargestellten Personen hergestellt" worden sind. Das war damals nach Deiner Schilderung der Fall.

Strafbar ist aber jedenfalls die Verbreitung oder Veröffentlichung (Absatz 1 Nummer 1 des genannten Paragrafen) sowie, einer anderen Person den Besitz zu verschaffen (Absatz 1 Nummer 2 des genannten Paragrafen), weil diese Strafbarkeiten nicht im Absatz 4 (der ja die Einwilligung regelt) ausgenommen worden sind.

Unabhängig davon ist Dein Recht am eigenen Bild verletzt, weil zwar die Anfertigung der Fotos, nicht aber deren Verbreitung mit Deiner Einwilligung geschieht. Dieses Recht ist in § 22 Kunsturhebergesetz geregelt, die (hier nicht einschlägigen) Ausnahmen stehen in § 23 des Kunsturhebergesetzes: http://www.gesetze-im-internet.de/kunsturhg/BJNR000070907.html

Nach § 33 Kunsturhebergesetz (siehe Link oben) ist der Verstoß eine Straftat, wird aber nur verfolgt, wenn Du innerhalb von drei Monaten nach Kenntnis von Tat und Täter einen Strafantrag stellst; hierfür ist die Schriftform erforderlich. Den Strafantrag kannst Du bei jeder Polizeibehörde oder Staatsanwaltschaft stellen.

Außerdem hast Du einen Anspruch auf Unterlassung der Verbreitung sowie auf Vernichtung der Fotos (zum Vernichtungsanspruch vgl. § 37 Kunsturhebergesetz). Du kannst auch die Herausgabe verlangen, wenn Du z.B. die Bilder selber schön findest (§ 38 Kunsturhebergesetz); die Vergütung, die dafür verlangt werden kann (der Exfreund ist ja der Fotograf), dürfte minimal sein.

So, wie kannst Du nun vorgehen?

Handelt es sich um Jugendpornografie, kannst Du Strafanzeige erstatten. Dies hat den Vorteil, dass die Polizei ermitteln wird, wer genau diese Fotos erhalten hat, und allen Absendern und Empfängern strafrechtliche Konsequenzen drohen. Handelt es sich nur um eine Verletzung des Rechts am eigenen Bild, kann es sich lohnen, Strafantrag zu stellen, um ein Ermittlungsergebnis zu erhalten.

Parallel wäre es ratsam, durch eine Unterlassungsklage zivilrechtlich gegen den Exfreund und auch gegen Empfänger des Bildes vorzugehen. Die Kosten, auch Deine Anwaltskosten, müssen (sofern dort etwas zu holen ist) diese Personen tragen. Wenn Du kein oder ein geringes Einkommen hast, solltest Du zuvor den Anwalt bitten, dass er für Dich Prozesskostenhilfe (PKH) beantragt.

Der Anwalt sollte erst tätig werden, wenn zuvor die Polizei einen ersten Zugriff vorgenommen hat, etwa durch Durchsuchung und Beschlagnahme der Schriften. Ansonsten ist der Täter durch die Schriftsätze oder den PKH-Antrag vorgewarnt, vernichtet alles und kann behaupten, es sei niemals etwas geschehen. Außerdem kannst Du nach einem Zugriff - über Deinen Anwalt -Akteneinsicht in die staatsanwaltschaftliche Ermittlungsakte nehmen und hast bessere Beweismittel in der Hand. Denn bei einer Unterlassungsklage musst Du den Verstoß beweisen.

Kommentar von Dannius ,

Korrektur: Statt "§ 184 Absatz 1 Nummer 1 Strafgesetzbuch" ist "§ 184 c Absatz 1 Nummer 1 Strafgesetzbuch" richtig. Der von mir gesetzte Link stimmt allerdings.

Kommentar von Dannius ,

Weiterer Kommentar: Meine Antwort bezieht sich auf Deine Kernfrage: Rechtsfolge der Verbreitung oder Veröffentlichung.

Dies alles gilt natürlich nur, wenn er sie verbreitet bzw. veröffentlicht. 

Ich gehe davon aus, dass er sie mit Deiner Einwilligung in Besitz gebracht hat. "Gezwungen" ist in Deiner Sachverhaltsbeschreibung etwas ungenau. Wenn es nur "psychischer Druck" war, den er mit einer Drohung verbunden hat, die er aussprechen darf ("wenn Du sie nicht sendest, trenne ich mich"), ist das rechtlich nicht erheblich. Denn er hatte ja - um beim Beispiel zu bleiben - jederzeit das Recht, sich zu trennen. Insofern sind die Chancen gering, dass er wegen des reinen Besitzes eine Straftat begeht.

Solange er die Bilder nicht verbreitet, kommst Du daher nur mit einer Zivilklage weiter, auf Grund Deines Rechts auf Dein eigenes Bild, womit Du einen Löschungsanspruch geltend machst. Strafrechtlich wäre dann nichts herauszuholen.

Kommentar von deathbyhacks ,

Na ein Glück, dass offenbar auch Anwälte auf gutefrage.net sind :D

Antwort
von musenkumpel, 36

Der Besitz von Fotos minderjähriger wird mit mehreren, ich glaube mindestens 2Jahre Haft bestraft. Es wird nicht bloss das Weiterschicken bestraft. (PS: siehe dannius)

Du solltest dich von ihm distanzieren, das macht es emotional einfacher.

Lass es nicht dazu kommen, dass er dich damit unter Druck setzt oder sie
verbreitet. Möglich ist auch, dass er inzwischen eine Sicherungskopie hat. Deswegen weiss ich nicht wieviel Sinn es macht, ihm nochmal zu drohen, wenn er vorher schon so kooperativ war.

Da das ganze eine ziemlich lähmende Vorstellung ist, solltest du nicht viel Zeit verlieren. Du hast ihn jetzt schon aufgefordert sie zu löschen. Du kannst ihm zwar nochmal mit der Polizei drohen, falls du es nicht getan hast, aber solltest auch sofort einen Anwalt und die Polizei kontaktieren.

Je nachdem wie du ihn einschätzt, wenn ihr euch noch vertrauen könnt und es vielleicht nur ein Spaß gewesen ist, dich zappeln zu lassen, kannst du ihn nochmal drauf ansprechen.

Da ich das für ziemlich unwahrscheinlich halte, da es schon 4Jahre in seinem Besitz ist, würde ich sagen, solltest du es lassen und keine Zeit verlieren.

Du könntest es eventuell noch bei seinen Eltern versuchen. Scheint ja noch relativ unterentwickelt, der Typ. Wenigstens bekäm er dann vielleicht schonmal ne Vorahnung, was für Ärger auf ihn zukommen kann.

Antwort
von deathbyhacks, 84

Er macht sich alleine schon dadurch strafbar, dass er Bilder einer minderjährigen Person besitzt. Also wenn dus drauf ankommen lassen willst kannst du ihn jetzt schon wegen Besitz Kinderpornographischen Materials anzeigen.
Ansonsten würde ich erstmal mit ihm drüber reden und ihm klar machen dass du notfalls einen Anwalt einschalten wirst.

Kommentar von Bitterkraut ,

Er macht sich nicht strafbar, wenn er die Bilder von dieser Person selbst hat.

Kommentar von Menuett ,

Pornographische Photos von Jugendlichen sind immer strafbar, auch wenn sie mit Einverständnis des Jugendlichen gegeben wurden.

Plus - hier steht, dass er sie gezwungen hat.

Das ist noch eine ganze Nummer härter.

Kommentar von Bitterkraut ,

gezwungen... wie zwingt man jemanden, ein Nacktfoto von sich zu machen und einem zu schicken? Vorgehaltene Pistole durchs Internet?

Kommentar von deathbyhacks ,

@Bitterkraut schon mal was von Erpressung gehört? Wenn sie ihm ein Bild freiwillig geschickt hat reicht das aus um sie damit unter Druck zu setzen und weitere Bilder zu erzwingen. Und ja bereits der Besitz von Nacktbildern minderjähriger Personen ist strafbar auch wenn diese im Einverständnis der abgebildeten Person entstanden sind.

Antwort
von Menuett, 26

Du hast Rechte an Deinem Bild plus, die Bilder sind strafrechtlich relevant.

Geh zur Polizei und zeig ihn an.

Antwort
von BlackRose10897, 89

Würde er sie veröffentlichen/weiterschicken, würde er sich wegen Kinderpornografie strafbar machen. Da würde einiges auf ihn zukommen.

Wir hatten ein Mädchen auf der Schule, die Nacktbilder an einen Typ geschickt hat. Ein paar Tage später hangeln in der Schule überall diese Bilder und die Kripo stand in der Schule.

Aber das alles bringt dir auch nichts, wenn sie erstmal veröffentlicht sind. Das Internet vergisst nichts.

Droh ihm mit dem Anwalt und der Polizei, wenn er sie nicht vor Deinen Augen löscht.

Kommentar von Tannibi ,

Würde er sie veröffentlichen/weiterschicken, würde er sich wegen
Kinderpornografie strafbar machen. Da würde einiges auf ihn zukommen.

Bist du da sicher? Es ist doch nicht alles Nackte Pornographie.

Und "vor ihren Augen löschen..." er kann zig Kopien haben.

Kommentar von BlackRose10897 ,

Es handelt sich dabei um ein 14-jähriges Mädchen und dann ist es Kinderpornografie. 

Oder denkst du, die Kriminal-Polizei war damals just 4 fun bei uns in der Schule?

Kommentar von Dannius ,

Ab Vollendung des 14. Lebensjahres war sie kein Kind mehr.

Kommentar von Tannibi ,

Just for fun sicher nicht, aber da kann es ja noch alle möglichen anderen Gründe gegeben haben. Vermutlich darf man auch keine Nacktbilder von Erwachsenen einfach in die Welt blasen.

Kommentar von Dannius ,

Stimmt genau, Tannibi, das Aufhängen von pornografischen Bildern in einer Schule - auch wenn darauf nur Erwachsene zu sehen sind - wäre zum Beispiel nach § 184 Absatz 1 Nummer 2 Strafgesetzbuch strafbar: https://www.gesetze-im-internet.de/stgb/__184.html

"Wer eine pornographische Schrift (§ 11 Absatz 3)

[...] 2. an einem Ort, der Personen unter achtzehn Jahren zugänglich ist oder von ihnen eingesehen werden kann, zugänglich macht, [...]
wird mit Freiheitsstrafe bis zu einem Jahr oder mit Geldstrafe bestraft."
Kommentar von Tannibi ,

Soweit verstehe ich es ja noch, bloß dachte ich, nicht jedes Nacktbild sei Pornographie.

Antwort
von magicced01, 73

Würde er sie weiterschicken würde er sich der Jugendpornographie strafbar machen. 

Kommentar von Menuett ,

Auch wenn er sie behält ist das Jugendpornographie. Darf er nicht haben....

Antwort
von Bitterkraut, 36

Die Veröfentlichung wäre Kinderpornografie.

Dagegen kannst du erst vorgehen, wenn er sie wirklich verschikt oder verschickt hat. Daß er sie in seinem Besitz hat, kannst du nicht ändern, hast sieh ihm ja selbst geschickt.

Kommentar von atzef ,

Doch. Dass er die Fotos besitzt, kann sie "leicht" mit einem erklagbaren Herausgabeanspruch ändern.

http://www.spiegel.de/panorama/justiz/urteil-expartner-muss-nacktbilder-nach-lie...

Kommentar von Menuett ,

Auch ohne Veröffentlichung ist das Jugendpornographie.

Er darf solche Bilder nicht haben und er hätte sie noch viel weniger erzwingen dürfen.

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