Frage von pandaboy6543210, 97

Welche probleme ergeben sich bei revolutionären umwälzungen im gegensatz zu gesellschaftlichen veränderungen auf dem reformweg?

ich hab da nur, dass beu revikutionen blut fließt und bei reformen geld. mehr fällt mir nicht ein -_- danke im voraus

Expertenantwort
von PeVau, Community-Experte für Geschichte, 56

Eine Revolution ist doch eine Umwälzung, die die grundlegenden Machtverhältnisse verändert. Eine Reform ist eine Anpassung an sich verändernde Umstände zum Erhalt der Machtverhältnisse.

Vielleicht hilft dir das ein wenig beim Nachdenken. Du kannst auch darüber nachdenken, wer Interesse an einer Revolution und wer Interesse an Reformen hat. Wer verliert, wer gewinnt?

Kommentar von pandaboy6543210 ,

das einzige was mir dazu einfällt ist das revolutionen meist vom volk aus gehen, während reformen von oben eingeleitet werden....

Kommentar von PeVau ,

Warum würden denn die Inhaber der Macht eine Reform bevorzugen und eine Revolution ablehnen. Wer hätte was zu verlieren? Wer hätte was zu gewinnen? Wie würde bei einer Revolution das praktisch aussehen? Würden die, die ihre Macht verlieren, sich einfach so fügen? Würden die, die die Macht gewinnen, Widerstand einfach dulden?

Wie sieht es mit dem Herrschaftswissen aus?

Kommentar von pandaboy6543210 ,

die eliten der gesellschaft werden bei einer revolution oft gestürzt und es finden veränderungen auf den gesellschaftsebenen statt, z.b. entwickelt sich eine gesellschaftsschicht aus der revolutin heraus oder eine geht verloren.

bei einer reform wird ja eigentlich ein kompromiss gesucht zwischen den streitparteien und beide seiten haben an sich existenzmäßig nichts zu befürchten. und sie ist viel langsamer als die revolution 

danke übrigens für deine hilfe :D

worauf willst du mit herrschaftswissen hinaus?

Kommentar von PeVau ,

Herrschaftswissen, ist das Wissen, das gebraucht wird, um die Herrschaft auszuüben und in der Regel nur denen zur Verfügung steht, die auch wirklich herrschen. Das geht von ganz elementaren Fragen der Verwaltung bis hin zu geheimgehaltenen Dingen. Haben die neuen Machthaber genügend Fachleute, helfen ihnen alte?

Kommentar von pandaboy6543210 ,

die alten würden ihnen helfen mit dem hintergedanken wieder zur alten herrschaftsform zurückzuwechseln. die neuen sind nicht erfahren genug.

Kommentar von PeVau ,

Das ist gar nicht schlecht gedacht. Die Zuverlässigkeit der alten Fachleute ist in der Tat ein Problem. Deshalb wird man nach jeder Revolution versuchen, die alten Fachleute so schnell wie möglich durch neue, loyale zu ersetzen.

Antwort
von Joshua18, 40

Bei revolutionären Umwälzungen ist so gut wie immer Gewalt im Spiel. Das kann zu weitgehender Zerstörung der Infrastruktur und zu Flüchtlingselend führen, die Gewalt kennt dann kaum noch Grenzen (siehe Syrien).

Geldvermögen kann sich über Nacht in Luft auflösen, ebenso wie Renten- und Versicherungsansprüche. Die psychischen Schäden können derart krass sein, dass viele im Suizid enden und ein Wiederaufbau mit der traumatisierten Bevölkerung nur schwer möglich sein wird, denn der Hass wird bleiben.

Wenn z.B. in Deutschland die Schere zwischen Arm und Reich weiter so auseinanderklafft (Mietenproblematik !) wie in den letzten Jahren, kann es bald schon wieder so weit sein. Wie empfindlich die Wähler auch kurzfristig reagieren können, zeigt sich derzeit sehr deutlich an der Flüchtlingsproblematik.

Antwort
von berkersheim, 30

Beide Ausdrücke sind nicht sehr präzise. Revolution besagt lediglich einen Umsturz von Gewalt begleitet. Über die Ursachen wie über die Ergebnisse sagt das Wort gar nichts. Inzwischen ist das Wort wie viele in Politik und Werbung verballhornt, wo es dann die Revolution auf der Wäscheleine gibt. Genau übersetzt heißt der Begriff "Rückwälzung" - was z.B. für das alte Rom gilt, wo der Umsturz des Sulla und dann die abermalige Verschwörung des Catilina der Versuch waren, die alte Aristokratenherrschaft wiederherzustellen.

Reform ist ja auch mit dem "re" bestückt und bedeutet ein wieder in Form bringen, ohne dass dabei gesagt wird, wer es in welcher Intention tut. So hat sich die englische Demokratie etwas weniger blutrünstig und umstürztlerisch durchgesetzt wie die fanzösische, wobei die französische Revolution letztlich in Napoleon geendet ist und die ehemals Befreiten als Soldaten den höchsten Blutzoll gezahlt haben. Reform bedeutet, dass tiefgreifendere Veränderungen etwas kontrollierter vor sich gehen. Genau genommen war die Machtergreifung Hitlers auch eine Reform, die es der NSDAP erlaubte, ohne Gewalt per Wahl grundlegende Veränderungen im demokratisch gedachten Staatsgebilde hin zur Diktatur vorzunehmen. Das wurde vom irregeführten Volk mitgetragen!

Revolution dagegen ist ein eruptiver Ausbruch von Hass und Gewalt, dessen Ausgang in der Regel nicht vorhersagbar ist. Meist ist sie sehr zerstörerisch und bewirkt nicht selten, siehe der Bauernaufstand im 16. JH, Verarmung und Verelendung derer, die sich befreien wollten. Schaut man sich die Ergebnisse historischer Umsturzversuche genauer an, verschwindet der Glorienschein, der dem Begriff übergestülpt wird.

Kommentar von Ruehrstab ,

Ich habe in meinem Leben mindestens eine friedliche Revolution erlebt. Ein Volk erhob sich und beseitigte friedlich seine Regierung. Die hat übrigens auch nicht, wie sonst üblich, alles mit sich selbst in den Abgrund zu reißen versucht. Es war ... vorbildlich. Leider haben diese Revolutionäre es versäumt, ihre Macht besser zu festigen. So dachten die nicht. Was sie besonders sympathisch macht. Wer weiß, was daraus geworden wäre ... Aber vielleicht auch zwei kooperierende deutsche Staaten?

Kommentar von PeVau ,

Eine Revolution muss nicht per se mit Gewalt verbunden sein. Da aber das Alte zu überwindende in den seltensten Fällen freiwillig das Feld räumt, und seine Macht mit aller Gewalt (!) verteidigt, so wie es seine Macht auch mit Gewalt in allen ihren Spielarten vorher ausgeübt hat, werden Revolutionen meistens mit Gewalt verbunden sein.

Dabei geht es auch nicht nur um den kurzen Zeitraum des Umsturzes, sondern auch um den danach folgenden Zeitraum der Konstituierung, in dem sich eine Revolution auch gegen die Konterrevolution verteidigen muss.

Einer Revolution Gewalt vorzuwerfen und so zu tun, als ob die Zustände vorher Friede, Freude, Eierkuchen gewesen wären, ist für die Charakterisierung einer Revolution nicht besonders hilfreich.

Natürlich scheitern Revolutionen auch, aber nicht, weil sie mit Gewalt verbunden waren. Sie scheitern weil die Voraussetzungen nicht stimmten, strategische und taktische Fehler gemacht wurden und weil sie ihren Erfolg nicht sichern konnte.

Man sollte meiner Meinung nach auch einen Unterschied machen zwischen Revolution und Revolte bzw. Aufstand. Eine Revolution kann Aufstand und Revolte beinhalten, aber nicht jeder Aufstand und jede Revolte ist eine Revolution.

Vielleicht etwas zur friedlichen Revolution in der DDR. Die steht exemplarisch für eine gescheiterte Revolution. Angefangen als Revolution für einen demokratischen Sozialismus, wandelte sie sich schnell und endete als Restauration alter vorsozialistischer Verhältnisse.

Kommentar von berkersheim ,

So, nun haben wir also auch noch die eindimensionale marxistische Version gelesen.

Kommentar von Ruehrstab ,

Och nee, diese enttäuschend ideologische Bemerkung hätte ich jetzt eigentlich nicht erwartet, berkersheim. Übrigens auch nicht erhofft.

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