Welche Noten verstecken sich in diesen Arbeitszeugnis?

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11 Antworten

Limala:

Aufgrund der vielen Meinungen bist du vermutlich an einem anderen
Zeugnis interessiert. Welche Formulierungen soll das neue Zeugnis
konkret enthalten?  Hast du einen selbstkritischen Gegenentwurf
gefertigt?

M. E. hat der Verfasser den Text aus einem alten Formularbuch abgekupfert, ohne mit dir vorher zu sprechen.

Um Unstimmigkeiten zu begegnen, bespreche ich mit dem
ausscheidenden Mitarbeiter den Inhalt im Detail. Am Schluss des
Gesprächs lasse ich mir den Entwurf mit evtl.  Änderungen und
Ergänzungen, sofern sie der Wahrheit entsprechen, gegenzeichnen.
Damit bin ich bislang gut gefahren.

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Eher mäßig. Ganz besonder stutzig macht mich der Satz mit der Pünktlichkeit. Das ist eine Selbstverständlichkeit und wird in einem Zeugnis eigentlich nur erwähnt, wenn der Arbeitnehmer es damit nicht so genau nimmt. 

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Danke euch. Genau das hatte ich auch im Gefühl. Und so etwas war ich nicht gewohnt. Auch manch eine Formulierung stoß mir etwas mehr auf. Denn bisher habe ich nie schlechter als 2 erhalten. Und unter den Bedingungen vor Ort. Naja ich glaube ich brauche den Bereich Pflege nicht erklären :-)

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Kommentar von Domovoj
13.07.2016, 23:39

Klar, ist ein sehr schwieriger und emotional belastender Job. Genug bekannte Damen gehabt die dort arbeiteten, könnte ich selbst nicht und wünsche ich niemandem.

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Auch dir sei gesagt: Man kann ein Zeugnis nur dann vernünftig bewerten, wenn man es vollständig liest, also von der Überschrift bist zum Ausstellungsdatum. Überall dort können Informationen enthalten sein, die für die Einschätzung des Zeugnisses wichtig sein - das gilt auch für vermeintliche Rechtschreib- oder Zeichenfehler oder das Ausstellungsdatum.

Die Formulierungen sind für ein Zeugnis äußerst ungewöhnlich - das grenzt an ziemlich schwülstiges Gelaber. Auch die Reihenfolge ist recht wirr.

Auch wenn das Zeugnis nicht vollständig vorliegt, fallen mir folgende Formulierungen eher negativ auf:

Die ihr übertragenen Aufgaben führte Fr. x. zu unserer vollen Zufriedenheit aus.

Das entspricht einem "befriedigend".

Ihr Verhalten gegenüber Vorgesetzen war stets korrekt

"Stets korrekt" ist auch nur befriedigend. Aber warum werden Kollegen und Dritte ausdrücklich nicht erwähnt? Diesen Satz muss man so lesen, dass du mit jedem angeeckt bist und auch dein Verhältnis zum Chef gerade mal "Okay" war.

Der Form halber sei erwähnt, das Fr. x. stets pünktlich zum Dienst erschien. 

Oh, du bist also auch immer pünktlich gegangen und hast keine Überstunden gemacht.

Hygienevorgaben und Arbeitssicherheitsbestimmungen wurden von ihr stets eingehalten. 

Auch solche Selbstverständlichkeiten haben im Zeugnis nichts zu suchen. Man hat wohl Händeringend etwas positives zu finden versucht. Mit pflegerischen Hilfs-/Mitteln ging Fr. x. sorgsam, pfleglich und wirtschaftlich um.

und wünschen ihr alles erdenklich Gute für ihre berufliche, wie auch private Zukunft

Hier fehlen die Erfolgswünsche, und es wird nicht gesagt, dass du in deinem Job irgendwelchen Erfolg hattest.

Ich weiß nicht, was ich davon halten soll. M. E. ist dieses Zeugnis - vorsichtig ausgedrückt - nicht das Papier wert, auf dem es steht. Entweder hat der Verfasser des Zeugnisses nicht den blassesten Dunst, was er da geschrieben hat oder man hat dir bewusst einen verbalen Axxxxtritt verpasst.

Ich an deiner Stelle würde das Zeugnis umgehend zurückschicken und es neu schreiben lassen.

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Kommentar von DarthMario72
14.07.2016, 00:21

welche Rechte hat man bezüglich des geschrieben Arbeitszeugnis? Kennt sich da wer aus?

Du schickst das Zeugnis zurück und forderst Nachbesserung. Dabei listest du die von uns beanstandeten Punkte auf. Am besten dürfte es aber sein, wenn du dich dabei von einem Fachmann beraten lässt und ggf. sogar einen eigenen Zeugnisentwurf mitschickst (falls du den selbst schreibst, stell den unbedingt vorab hier zur Beurteilung ein!)

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Kommentar von Everklever
14.07.2016, 03:07

Auch solche Selbstverständlichkeiten haben im Zeugnis nichts zu suchen. Man hat wohl Händeringend etwas positives zu finden versucht. Mit pflegerischen Hilfs-/Mitteln ging Fr. x. sorgsam, pfleglich und wirtschaftlich um.

Auch das ist nicht positiv, denn an der Pflege und an Pflegemitteln kann man nur zu Lasten der zu Pflegenden sparen. Ich sehe diesen Satz als Kritik an der Ausführung der Tätigkeiten.

(Kleine Ergänzung: Ich habe mehr als ein Jahrzehnt Erfahrung durch intensive ehrenamtliche Tätigkeit in Pflegeeinrichtungen und kenne die "Knackpunkte" recht gut.).

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"Ihr Verhalten gegenüber Vorgesetzten war stets korrekt." Nach LAG Hamm sind die Begriffe einwandfrei und korrekt etwa gleichrangig....Die Verhaltensbeurteilung geht daher abhängig vom weiteren Kontext in Richtung vollbefriedigend.

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Da ist ein Haken drin.

""Der Form halber sei erwähnt, das Fr. x. stets pünktlich zum Dienst erschien.""

Das ist Blödsinn, da geht man von aus. Aber das hat dein Arbeitgeber scheinbar nicht besser gewusst.


Ich würde den Auszug als glatte 2 bewerten.

Obwohl, der genannte Satz ist komisch, hast Du den Arbeitsplatz regelmäßig vor Feierabend verlassen?

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Kommentar von Limala88
13.07.2016, 23:17

Nein im Gegenteil, bin sogar länger geblieben.

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Kommentar von DarthMario72
13.07.2016, 23:28

Ich würde den Auszug als glatte 2 bewerten.

Wie kommst du zu dieser interessanten Ansicht?

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Da sind ein paar Sachen, die mir direkt ins Auge stechen:

  • Die ihr übertragenen Aufgaben führte Fr. x. zu unserer vollen Zufriedenheit aus. Dürfte einer Note 3 entsprechen; 1 wäre "stets zu unserer vollsten Zufriedenheit", 2 wäre "stets zu unserer vollen Zufriedenheit."
  • Ihr Verhalten gegenüber Vorgesetzten war stets korrekt. Was das genau für eine Note ist, weiß ich nicht, aber ich kenne nur die gängige Formel "war vorbildlich"
  • Der Form halber sei erwähnt, das Fr. x. stets pünktlich zum Dienst erschien. Übel. Heißt so viel wie: "Sie konnte zwar nix, aber immerhin war sie pünktlich."
  • "Mit Bedauern nehmen wir ihr Ausscheiden zur Kenntnis." Bin mir hier auch nicht sicher; kenne nur die gängige Formel "Wir bedauern, mit dem Ausscheiden von Frau X eine wertvolle Mitarbeiterin verloren zu haben."

Das waren nur die Sachen, die mir bekannt sind. Darüber hinaus könnte das Zeugnis aber noch weitere negative Formulierungen enthalten. Außerdem: müsste nicht noch eine Tätigkeitsbeschreibung rein?

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Kommentar von Rockuser
13.07.2016, 23:25

@ Addath, den Satz kenne ich auch so nicht. Weißt Du was das bedeutet?

Erklärung wäre Nett. Das erdenklich macht mich stutzig.

""Fr. x. für die geleistete Arbeit und wünschen ihr alles erdenklich Gute für ihre berufliche, wie auch private Zukunft""

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welche Rechte hat man bezüglich des geschrieben Arbeitszeugnis? Kennt sich da wer aus?

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Kommentar von Nightstick
14.07.2016, 00:19

Grundsätzlich hat man nach gängiger Arbeitsrechtsprechung einen Anspruch auf ein "befriedigendes" Zeugnis. Nun ist das natürlich auch gewisse Auslegungssache.

Ist das Zeugnis schlechter als "befriedigend" zu bewerten, wäre der Arbeitgeber in der Beweispflicht.

Ist der Zeugnisempfänger der Meinung, er verdiene eine bessere Bewertung als "befriedigend", so wäre er in der Beweispflicht.

Letztendlich könnte man sich dann via Rechtsanwalt (bis hin zum Arbeitsgericht) mit dem Arbeitgeber um eine zutreffende Formulierung streiten. Diese Option muss man sich natürlich offenhalten, aber im ersten Schritt würde ich mir an Deiner Stelle jemanden suchen, der die Zeugnissprache versteht, und der mit Dir gemeinsam einen eigenen Zeugnisentwurf fertigt.

Diesen würde ich dem Arbeitgeber zunächst freundlich "unter die Nase halten" - bei gleichzeitiger Reklamation und Rückgabe des Originalzeugnisses.

Je nach Reaktion des Arbeitgebers müssten dann ggf. weitere Schritte unternommen werden.

Ich wünsche Dir viel Erfolg!

Gruß @Nightstick 

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Ich würde sagen eine drei ( insgesamt ).
Also ein Durchschnitts-Zeugnis.

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