Frage von jobrunner, 82

Welche Note verbirgt sich hinter meinem Arbeitszeugnis genau?

Hallo, ich habe von meinem Chef ein Zeugnis erhalten, bei dem ich nicht weiß, welche Note es genau hat, weil es nach einer umfänglichen Tätigkeitsbeschreibung sowohl gute bis sehr gute Formulierungen enthält. An sich bin ich ja mit einem "1 minus"-Zeugnis ja auch zufrieden, aber ich frage mich, ob Personaler bei so einem Zeugnis nicht eher verwirrt sind. Könnt Ihr mir bei meinem "Luxus-Problem" helfen? Wie versteht Ihr das Zeugnis?

"Herr X zeigte stets Eigeninitiative. Auch bei höchster Beanspruchung war er den Anforderungen jederzeit gewachsen. Er arbeitete immer zuverlässig und gewissenhaft. Seine Aufträge erfüllte er selbständig und sicher, er fand gute Lösungen und brachte sich mit neuen Ideen ein. Herr X erfüllte die ihm übertragenen Aufgaben stets zu unserer vollsten Zufriedenheit.

Sein persönliches Verhalten war immer vorbildlich und loyal. Bei Chefs, Mitarbeitern und Geschäftspartnern war er sehr geschätzt.

Herr X hat seine Tätigkeit auf eigenen Wunsch beendet. Wir danken ihm für die sehr gute Zusammenarbeit und wünschen ihm für seinen Lebensweg weiterhin viel Erfolg.

Das Zeugnis wird auf Wunsch von Herrn X ausgestellt."

Antwort
von DarthMario72, 47

Man kann ein Zeugnis nur dann halbwegs seriös beurteilen, wenn man es im Zusammenhang liest, also vollständig von der Überschrift bis zum Ausstellungsdatum und der Unterschrift. Überall dort können Informationen enthalten sein, die für die Einschätzung des Zeugnisses wichtig sind.

Mit deinen Bedenken hast du recht: Ich bin tatsächlich ein wenig verwirrt, auch wenn es nur ein Auszug aus deinem Zeugnis ist. Grundsätzlich deuten die Formulierungen darauf hin, dass man dir ein guten bis sehr gutes Zeugnis geben wollte. Mir fehlt allerdings die Beurteilung deines Fachwissens (ich gehe mal davon aus, dass du welches hast). Und auch der Rest der Leistungsbeurteilung ist ein wenig durcheinander.

Bei Chefs, Mitarbeitern und Geschäftspartnern war er sehr geschätzt.

Chefs? Steht das ernsthaft so im Zeugnis? Vorgesetzte muss das richtigerweise heißen. Und aus dem Begriff Mitarbeiter entnehme ich, dass du Personalverantwortung bzw. Führungsaufgaben hattest. War dem nicht so, ist das sachlich falsch und es müsste Kollegen heißen.

Herr X hat seine Tätigkeit auf eigenen Wunsch beendet. (...) Das Zeugnis wird auf Wunsch von Herrn X ausgestellt.

Diese beiden Sätze widersprechen sich. Entweder bist du aus eigenem Wunsch aus dem Unternehmen ausgeschieden, dann ist der AG aber zur Ausstellung eines Zeugnisses gesetzlich verpflichtet. Oder du bekommst ein Zeugnis auf deinen Wunsch ausgestellt - dann bist du aber noch dort beschäftigt.

Wir danken ihm für die sehr gute Zusammenarbeit und wünschen ihm für seinen Lebensweg weiterhin viel Erfolg.

Auch dieser Teil der Schlussformel ist unlogisch und passt nicht zum Zeugnis. Es fehlt das Bedauern über deinen Fortgang. Passen würde eine Schlussformel mit folgendem Inhalt: Dank für deine Arbeit, Bedauern über deinen Weggang, berufliche und private Erfolgswünsche.

Ich denke, dass der Verfasser dieses Zeugnisses nicht so wirklich erfahren ist. Neben einigen merkwürdigen Formulierungen ist das Zeugnis m. E. unlogisch und in sich unschlüssig und du solltest es auf jeden Fall beanstanden. Allerdings empfehle ich, vorher auch den Rest des Zeugnisses hier anonymisiert zur Bewertung einzustellen.

Antwort
von ponyfliege, 45

ich sehe einen einzigen - aber wirklich winzigen - haken.

müsste am schluss heissen:

...wünschen herrn beruflich weiterhin viel erfolg und persönlich alles gute. wir bedauern das ausscheiden aus unserem betrieb.

arbeit sehr gut gemacht, verhalten einwandfrei. du wusstest, was deine aufgaben sind, hast sie erledigt und dann von allein die nächste aufgabe erledigt.

hat alles super gepasst. nur das rein menschliche nicht ganz so. aber sympathie lässt sich nun mal nicht erzwingen.

ja. ist ne 1-

du bist der zuverlässige, der gut arbeitet und keinen unfrieden unter den kollegen stiftet, vielseitig einsetzbar. vielleicht jetzt nicht grad der präsestinierte teamleiter, aber du bist immer korrekt und gibst keinen anlass zur klage.

mit dem zeugnis hast du gute chancen beim bewerben.

und - man hat dich nicht "rausgelobt" damit.

falls du immer noch nicht sicher bist - du kannst mit dem zeugnis zur gewerkschaft gehen und es dir "auslesen" lassen. wenn du nicht in der gewerkschaft bist kostet es einige wenige euro, aber du weisst dann ganz sicher, woran du bist.

Kommentar von DarthMario72 ,

nur das rein menschliche nicht ganz so

Woraus leitest du das denn ab?

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