Frage von Bienchen191, 85

Welche Möglichkeiten bei sexueller Belästigung?

Eine Freundin arbeitet neben dem Studium als Reinigungskraft...der Hausmeister des Hauses wo sie putzt , ein älterer dickerer Mann belästigt sie andauernd, und versucht ihr einzureden, sie sei an allem selber Schuld (total verklemmt) und sie solle bloß nix sagen, was da abläuft,sonst macht er sie "kalt" und solche Sprüche...sie hat schon mit ihrer Chefin der Reinigung gesprochen, die meint dann solle sie einfach gehen und nicht so ein Brimborium machen, man wolle das Haus wegen so was nicht verlieren Was war es also? Wie seht ihr das?

Antwort
von loema, 29

Der Täter ist ein Kunde.
Die Cheffin will den Kunden nicht verlieren.
Also verharmlost sie die Situation und betreibt Blaming.

Deine Freundin sollte gehen. Kündigen.
Sie kann den Mann anzeigen wegen Beleidigung und eventuell noch anderen Dingen. Hier kann sie sich unverbindlich bei der Polizei beraten lassen.
Und sie sollte nicht für eine Cheffin arbeitet, die sexuelle Gewalt verharmlost und ihre Mitarbeiter nicht schützt.

Antwort
von Halbammi, 31

Für den wirtschaftlichen Aspekt habe ich verständniss, nicht aber für den Moralischen. Das Ganze liesse sich einfach umgehen indem man jemand anderen dieses haus reinigen lässt. Am besten einen Mann. Oder man lässt dort eine zweite Kraft mit hin, um einen Zeugen zu haben.

Antwort
von Flintsch, 46

Sie sollte den A*sch anzeigen wegen sexueller Belästigung. Und sich gründlich überlegen, ob sie nicht ihre Stelle aufgibt und sich eine neue sucht. Ihre Chefin ist ja wohl ein ganz mieses Drecksstück, da ihr das Geld wichtiger ist, als das Wohl ihrer Angestellten.

Und wenn deine Freundin mal wieder von dem Kerl belästigt wird, ein schnelles Hochziehen des Beins mit einem Treffer zwischen die Kniescheiben des Typs wirkt Wunder und ist reine Selbstverteidigung.

Kommentar von loema ,

Grabschen ist derzeit noch keine Straftat.
Das ist ja das Problem.

Kommentar von Halbammi ,

Das ist es sehr wohl, denn es ist eine Nötigung.

Kommentar von PolluxHH ,

Nötigung setzt mehrere Dinge voraus, nämlich entweder Gewalt (hier ist die Grenze aktuell sehr hoch gesetzt) oder die Androhung eines erheblichen Übels, um den anderen zu einer Handlung oder Duldung resp. Unterlassung einer Handlung zu zwingen. Um Nötigung einzubringen bedarf es also schon mehr, als einfach nur zu "Grabschen" (anderenfalls wäre auch jede einfache Körperverletzung schon eine Nötigung in Tateinheit und damit wäre ein Offizialdelikt statt eines Antragdelikts gegeben).

Kommentar von Halbammi ,

Hier wurde genannt, dass der Täter mit "Kalt machen" droht. Wenn das keien Nötigung ist...was dann?

Kommentar von PolluxHH ,

Das hatte ich ja selber geschrieben, um es dann wieder zurückzunehmen aufgrund genauerer Ausführungen zum Sachverhalt. Deine Aussage hatte ich so verstanden, daß Grabschen immer Nötigung sei, darauf bezog sich mein Einwand. Da lag wohl ein Mißverständnis vor, sorry.

Kommentar von Flintsch ,

Und da irrst du dich gewaltig. Grabschen ist strafbar. Es reichen allein schon entsprechende Bemerkungen sexueller Art für eine Anzeige.

Kommentar von PolluxHH ,

Es ist unglücklich, aus einer Meinungsäußerung eine Tatsachenbehauptung zu basteln. Nenne eine Rechtsnorm, in der es als Straftat gefaßt ist, und ich gebe Dir Recht, aber nicht so (ich bewege mich im deutschen Recht).

Antwort
von Gestiefelte, 39

Sowas geht gar nicht! Die Chefin würde ich melden, zur Not könnte man auch gegen den Hausmeister Anzeige erstatten.

Antwort
von PolluxHH, 18

Das Problem ist die Kluft zwischen moralischem Recht und der Nachweisbarkeit, aber zuerst wäre zu fragen, ob hier "nur" sexuelle Belastigung vorliegt, oder schon die Schwelle zum Strafrecht berührt ist, was schon bei Gewaltanwendung oder beleidigenden Äußerungen der Fall wäre. Bei "nur" sexueller Belästigung bestünde nach § 13 AGG ein Beschwerderecht beim Arbeitgeber, mehr nicht (und das wurde schon - erfolglos - ausgeübt, was, Nachweisbarkeit vorausgesetzt, wieder arbeitsrechtliche und zivilrechtliche Möglichkeiten eröffnete, § 14, 15 AGG, was sich in der Theorie nett anhört, aber in der Praxis viel an Charme verliert).

Beleidigung könnte auch vorliegen und ist ein absolutes 'Antragsdelikt und es bliebe selbst bei Nachweisbarkeit die Frage, ob hier nicht auf den Weg der Privatklage verwiesen würde.

Die "Sprüche" aber deuten schon in Richtung auf § 240 StGB (Nötigung). Zwar dürfte die Schwelle der Gewalteinwirkung noch nicht überschritten sein, aber die Drohung mit einem erheblichen Übel sollte erfüllt sein. Doch auch hier wäre die Nachweisbarkeit der kritische Punkt und die Beweissicherung obläge der Polizei (§ 201 StGB ist u.a. zu beachten), aber die Aussage, daß solche Aussagen getätigt wurden, eröffnete zumindest einen zureichenden Anfangsverdacht, was Ermittlungen zuließe. Da es sich aber um ein Offizialdelikt handelt, könnte hier jeder eine
 Anzeige stellen.

§ 177 ff. StGB sehe ich hier noch nicht tangiert.

Aber abschließend: der BGH hat meines Wissens unzulässige Mitschnitte von Gesprächen stets als Beweis in Strafsachen für unzulässig erklärt, anders das Bundesarbeitsgericht in seiner Entscheidung vom 20.6.2013, 2 AZR 546/12, allerdings nur hinsichtlich Zivilklagen (inkl. Arbeitsrecht), doch sollte der Mitschnitt tunlichst eine Notwehrsituation belegen und es dürfte keine Unterlassungsklage die Verwendung als Beweis behindern.


Kommentar von PolluxHH ,

Hallo Bienchen191,

leider muß ich hier antworten, eine andere Möglichkeit sehe ich nicht.

Nötigung wäre es dann, wenn er ihr gedroht hätte sie umzubringen, wenn sie die Belästigung meldete/verfolgte. So wie Du es nichtöffentlich darstelltest, war es im Kontext einer verbalen Belästigung (sexuelle Phantasie) und "scherzhaft" (als eindeutig eine Erweiterung der Phantasie, in deren Handlungsrahmen sie eingebunden war ... eben eine Kausalität: ist die Ursache unwahr, ist die Wirkung beliebig, aber die Kausalität wahr; er hätte als Wirkung sagen können, was er wollte, über die fiktive Vorgeschichte als Voraussetzung wäre es nicht gegen ihn zu verwenden), also keine reale Drohung. Damit wäre Nötigung wieder raus ... eigentlich höchst bedauerlich :( , es wäre m.E. das einzig wirklich brauchbare Werkzeug gewesen.

Selbst § 14 AGG brächte hier kaum etwas, denn der Hausmeister ist ja in Anstellung beim Inhaber des Hauses oder der Verwaltung, nicht bei der Cheffin, was ihre Möglichkeiten eines Handelns deutlich beschränkt, damit auch ggf. gegebene Ansprüche gegen die Cheffin.

Die andere Option wäre eine Unterlassungsklage, aber das könnte die Anstellung kosten.

Gerne hätte ich etwas erfreulicheres verlauten lassen ...

Kommentar von Bienchen191 ,

Also hat sie überhaupt keine Möglichkeiten gegen die Obzönitäten??

Kündigen und das wars?

Kommentar von PolluxHH ,

Dies ist einer der Fälle, bei denen ich mir wirklich eine Verschärfung des Sexualstrafrechts wünschte. Gerade bei sexueller Belästigung ist es unglaublich schwer, Grenzen zu ziehen, denn im Gegensatz zur allgemeinen Perspektive des Strafrechts, die immer auf das Bewußtsein des Täters abstellt (Frage nach Vorsatz als subjektiver Tatbestand) bei grundsätzlich objektivem Tatbestand, müßte bei sexueller Belästigung der Tatbestand aus der subjektiven Perspektive des Opfers betrachtet werden. Ist z.B. das Aufhalten einer Tür, statt sie einer Frau vor der Nase zuzuschlagen, schon sexuelle Belästigung? Für manche Frauen ja. Oder einer Frau einen Platz in öffentlichen Verkehrsmitteln anbieten? Sexuelle Belästigung läßt sich nicht in ein Schema pressen, was es schwer macht, hier eine Grenze zu ziehen, ab da es strafrechtlich relevant wäre. Noch schwerer ist es, den Perspektivenwechsel zu vollziehen, denn es wäre nachzuweisen, daß der Täter vorsätzlich gehandelt hätte, also zunächst nachzuweisen, daß er wußte, daß seine Handlung als sexuelle Belästigung empfunden werde. Sollte es strafrechtlich fixiert werden, besteht die Gefahr, daß schon das Mitbringen eines Kaffees zu einem Ruf der Polizei und Strafantrag oder - anzeige führen könnte.

Seit langem gilt in Deutschland über das Bundesverfassungsgericht der Grundsatz, daß Rechtssicherheit vor Gerechtigkeit ginge und - hier scheint mir einer der Fälle vorzuliegen, wo die Gerechtigkeit zugunsten der Rechtssicherheit auf der Strecke bleibt. Ein besonders großes Problem besteht dabei darin, daß Deine Freundin alleine zu arbeiten scheint, aber immer in der Beweispflicht wäre. In solchen Fällen hat nicht nur bei sexueller Belästigung zumeist das Opfer schlechte Karten, solange keine harten Beweise vorliegen.

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