strick4a am 04.01.2008 um 0:42 Uhr
Ein Bekannter von mir ist nach mehr als 3jähriger Arbeitslosikeit nicht mehr in der Lage, weitere Tätigkeiten zu verrichten, als den TV - Knopf zu betätigen oder zum Briefkasten zu gehen.Seinen Freundeskreis hat er fast verloren, da er niemanden mehr sehen will.Therapie aufzwingen geht nicht.Gesprächsbereit über die Situation ist er auch nicht.Was "tun" ??

Das sieht wohl schlecht aus. Gegen seinen Willen kannst Du gar nichts machen, solange keine Gefahr für seine Gesundheit oder sein Leben vorliegt. Wenn er sich selbst aufgegeben hat, wird es fast unmöglich sein, ihn da wieder heraus zu holen. Du kannst es nur immer wieder über Gespräche versuchen, wirst aber leider wenig Erfolg haben.

...nun, das ist wirklich schwer. Ich verstehe, was Raimund meint, und auch was Kraudischen meint, und ich denke, das wird eventuell auch das sein, was du suchst.
...klingt ziemlich verzwickt, ist es auch. Raimund meint, dass der Ansatzpunkt der wäre, wo noch ein Interesse von deinem Bekannten zu erkennen ist. Ein Hobby, was er vielleicht früher mal gemacht hat. Und Kraudischen ist der Ansicht, dass man als sensibler Mensch mit der Zeit so empfindet, gar kein Recht mehr auf gute Sachen im Leben zu haben. Ob es jetzt das Essen ist oder ein paar Glücksmomente im Kreis seiner Freunde, oder aber ein Job und ein "normales", zufriedenes Leben. Das Gefühl der Wertlosigkeit, des Nicht-gebraucht-werdens, der Sinnlosigkeit stellt sich da schnell ein.
Vielleicht will dein Freund ja, dass ihr euch alle von ihm abwendet, weil er sich schämt? Vielleicht betäubt er seine Alltagssorgen und seinen Frust durch die Glotze?
Lad ihn doch mal ein, ins Kino, ein Konzert, irgendwas, wo er auch mit alten Klamotten hingehen kann ohne sich zu schämen, was nicht zuviel kostet, damit er nicht das Gefühl hat, ein Almosen zu bekommen, sondern als wäre das ganz normal. Und suche mal nach Hartz IV - Selbsthilfegruppen in eurer Umgebung und schleif ihn da mal hin. Da ist er erstmal unter Leidensgenossen, aber unter welchen, die den Hintern hochgekriegt haben und mit Sicherheit mit gleichen oder ähnlichen Problemen zu kämpfen hatten.

Bevor er auf Parterre leben kann muss Er für einige Zeit in den Keller ! Wenn Er die Kellertreppe wieder schafft, kannst Du mit Rat und Tat zur Seite stehen ! Vorherige Bemühungen verlaufen buchstäblich im Sand ! Ohne Selbsterkenntnis ist da nicht zu machen , so hart das auch klingen mag !

Da hat jemand keine Kraft mehr zum Leben - es gibt offenbar keine Perspektive für diesen Menschen mehr. Vielleicht gibt es irtgendetwas in seinem Leben, das ihn doch noch interessiert? Ich sehe nur da einen Ansatzpunkt.
Hallo Strick, ich kann Dir nur über einen Kommentar antworten(GF). Ich kann Deinen Bekannten gut verstehen, wer von Harz lebt hat 2 Rechnungen. Die was das Amt einem gibt und die, was das Leben kostet. Wer über Jahre durch die Angebotsflut läuft, und die Wahl hat zwischen Rais und Nudeln, muß zwangsläufig dem Mut verlieren. Lade Ihn doch mal zum Essen ein, ein Apfel kann in der Situation schon sehr verlockend sein. L.G.
strick4a am 4. Januar 2008 02:56 es ist sehr lieb von Dir, Dich zu dieser Thematik zu äußern, da ich weiß, in welcher Situation Du Dich befindest,aber das hilft jetzt nicht wirklich weiter. Danke und alles Gute strick
Hallo Stick, ich denke doch, ich war heute auf einer Geburtstagsparty, und habe nur den grünen Salat gegessen. Bis ich liebevoll angeduchst wurde. Das ist irgendwann so im Kopf, das Dir das Brötchen nicht zu steht, und ich lebe erst seit 2 Monaten von Harz. L.G.
strick4a am 4. Januar 2008 02:59 welchen Ansatzpunkt, Raimund...?
So hart es klingt, solange der Leidendruck Deines Freundes nicht groß genug ist, kann man gar nichts machen. Das Einzige was Du tun kannst, Dich mal bei ihm sehen zu lassen und vorsichtig versuchen ihn zu ermutigen, zwecks bewerbungen schreiben, raus gehen usw. Aber ich denke, momentan kannst Du da nicht viel ausrichten.
Danke,gri1su, dieses Gefühl habe ich leider auch, daher meine Frage. Wie kann ich Mann/Frau Gesprächsbereitschaft erzwingen ?
erzwingen kannst Du leider gar nichts. So hart das klingt: Solche Leute müssen oftmals erst ganz tief fallen, damit sie aufwachen und überhaupt Jemanden an sich heran lassen. Du kannst Dir so den Mund fusselig sabbeln, wirst ihn innerlich aber kaum erreichen, weil er sich vollkommen abgeschottet hat. Gibt es eine Person, zu der er einen ganz besonderen Bezug hat? Vielleicht wäre das auf dem Weg möglich.
leider nein, seine "ex" ist up and away...