Frage von gitarre7, 97

Welche Lösung bleibt mir bei meinem Studium?

Hallo..

Ich bin 19 Jahre alt und studiere Jura. Ja, Jura. Das Studium, wo manche Leute sich denken, dass es doch viel zu anspruchsvoll sei, es würde zu lange dauern, etc.

Wie ich gemerkt habe, war das bisher der größte Fehler, den ich jemals begangen habe in meinem Leben. Das Studium ist auch hier und da ganz interessant, keine Frage, aber ich habe einfach die Erkenntnis gemacht, dass es zu schwer ist für mich. Die erste "große" Klausur mit ca. 300 Seiten (was für mich schon unheimlich viel war), ging noch in Ordnung, ich bin beim ersten Antritt durchgekommen. Jetzt steht am Ende des zweiten Semesters die zweite große Klausur und als ich von der Menge erst einmal gehört hatte, wollte ich ganz ehrlich einfach nur noch weinen. Ca. 900-1000 Seiten Stoff. Ich meine, ich habe gewusst, dass das Studium nicht leicht ist, aber, dass es so schwer sein würde, hätte ich nie gedacht. Ich lerne täglich (!) mindestens (!) 5-6 Stunden, es gab schon Tage, da habe ich 10 Stunden bzw. sogar einfach nur den ganzen Tag durchgelernt. Und mir ist eben klar, dass das Studium nicht leichter wird, ganz im Gegenteil: es wird nur noch schwerer werden für mich.

Ich habe den Plan, dass ich für diese Klausur mich täglich vorbereiten werde und auch wirklich versuchen werde, sie zu bestehen. Aber, falls ich es doch nicht schaffen sollte, spiele ich mit dem Gedanken, das Studium abzubrechen. Es gibt dabei folgende Probleme:

  1. Was werden meine Eltern dazu sagen? Sie wissen, dass ich nicht der Kompetenteste der Familie bin, aber trotzdem.
  2. Ich würde mich einfach wie der größte Versager fühlen.

Zudem muss ich sagen, dass ich hier zwar vielleicht teilweise motiviert klinge, doch dem ist nicht wirklich so. Ich bin mehr oder weniger jeden Tag traurig und demotiviert, weil ich genau weiß, dass ich wieder mind. 5 Stunden lernen muss. Ich weiß aber auch, dass das Studium nicht bloß 4 Semester hat, sondern 8. Das würde heißen, ich müsste das noch ca. 4 Jahre durchziehen. Hätte ich noch einmal die Entscheidung darüber, was ich nach der Schule mache, würde ich niemals im Leben Jura studieren, ich würde nicht einmal darüber nachdenken.

Was ich bildungstechnisch anbieten kann: Ich habe Abitur gemacht & anschließend Zivildienst, mehr nicht.

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Antwort
von kindvbahnhofzoo, 34

Hey,

mir geht es ganz genauso wie dir! Ich studiere Pharmazie und ich frage mich auch oft, ob ich dem Studium eigentlich gewachsen bin.

Ich werde dieses Semester jetzt einfach mal "durchziehen" und dann sehe ich ja, ob es etwas für mich ist. Viel Lernenaufwand für die Prüfungen wirst du aber bei jedem Studiengang einbringen müssen.

Du solltest dich aber auf keinen Fall als ein Versager fühlen, wenn du das Studium doch abbrichst, das ist doch keine Seltenheit mehr.

Wenn ich mich da bei Freunden umschaue, die schon länger studieren gibt es viele die schon einmal oder auch öfter den Studienplatz gewechselt haben.

Denk doch mal so: Wäre es nicht Unsinn, wenn du ein Studium weitermachst, obwohl es dir überhaupt keinen Spaß macht?                           Du verschwendest nur Jahre, wenn du ein Fach weiterstudierst, obwohl du schon in den ersten Semestern merkst, dass es nichts für dich ist.

Probieren geht über studieren! ;)

Liebe Grüße

Antwort
von AlexLiebtPferde, 33

Guten Abend, bei deinem folgenden Problem kann ich leider nicht komplett aus Erfahrung sprechen. Ich habe mein Jurastudium zwar beendet, aber für mich war es auch eine Herausforderung!  Allerdings bin ich der Überzeugung, dass deine Eltern den Weg den du wählen wirst, auch wenn du das Studium abbrichst akzeptieren werden und dich trotzdem unterstützen! Und es gibt ja noch andere Studiengänge oder Ausbildungsplätze die du machen kannst. Nur weil du das Studium abbrichst bist du ja nicht "verloren". 

Zu deinem zweiten Punkt. Du bist jung, nur weil dein Studium nicht klappt, bist du lange kein Versager und du bist absolut nicht die einzige die ihr Studium abbricht und erkennt das es nichts für sie ist! Oft ist der erste Anlauf einfach nicht der richtige. 

Ich hoffe ich bin auf deine Fragen so eingegangen wie du es dir erhofft hast, stehe gerne für weitere Fragen zur Verfügung :)

Kommentar von gitarre7 ,

Ich glaube, dass das Problem einfach daran liegt, dass ich einfach nicht mehr studieren möchte. In den letzten Tagen der Anmeldefrist für die Universität hatte ich immer noch absolut keine Ahnung, was ich studieren soll. Ehrlich gesagt, ich habe mir damals alle Studiengänge angeschaut (also durchgelesen) und bei keinem hat sich wirklich großes Interesse ergeben.

Die schönsten Tage, die ich hatte waren als ich den Zivildienst hatte. Ich habe es mir schon immer vorgestellt, dass Arbeiten irgendwie mir besser liegen könnte und das hat sich beim Zivildienst auch als richtig erwiesen. Einfach jeden Tag das machen, was einem liegt und was man auch kann. Dann ab nach Hause und den restlichen Tag schön genießen, ohne auch wirklich nur einen Blick in ein Buch werfen zu müssen. Ich habe mich zwar hier und da darüber beschwert, dass ich ziemlich früh aufstehen muss, aber trotzdem. Mit den richtigen Arbeitskollegen hat es mir einfach unglaublich viel Spaß gemacht und dieses Gefühl, dass wenn man nach Hause kommt und nichts mehr machen muss, ist einfach unbeschreiblich für mich gewesen. Und an dienstfreien Tagen konnte ich mich auch um meine eigenen Hobbys kümmern und war einfach nur froh. 

Beim Jura Studium sieht das momentan so aus: Ich kann zwar jeden Tag wirklich spät aufstehen, weil ich mir den Tag selbst einteilen möchte, aber trotzdem war das Schlafen vielleicht wirklich das, worauf ich mich am meisten gefreut habe, weil ich einfach nicht lernen muss. Der Tag besteht einfach bei mir aus übermäßig dem Lernen, Trauer, Demotivation und ich gebe es ehrlich zu, aus dem Weinen. Natürlich habe ich dann meine Stündchen, wo ich mich um meine Freizeit kümmern kann...aber trotzdem. Ich hoffe du verstehst, was ich meine.    

Kommentar von AlexLiebtPferde ,

Dann würde ich mich mit dem Studium auf keinen Fall weiter aufhalten. Weil du wirst ja auch später in dem "Fachbereich Jura" bleiben müssen bei diesem Studium und sofern dir das jetzt schon nicht liegt, würde ich auf keinen Fall dieses Studium weiter machen, sondern einen Beruf wählen der dir liegt und den du lange Zeit machen möchtest!

Kommentar von gitarre7 ,

Das Problem wäre ja viel mehr, dass ich mich wie ein Versager fühlen würde & meine Eltern wären zutiefst enttäuscht von mir. Und ehrlich gesagt, ich könnte ihnen nicht mehr in die Augen schauen. Sie würden mir nämlich sagen, dass ich dann Medizin studieren soll, aber das ist vom Lernaufwand ja viel mehr bzw. belastender.

Meinst du mit Beruf wählen, ein neues Studium oder einfach Arbeit suchen?

Kommentar von AlexLiebtPferde ,

Ich würde mich mit deinen Eltern tatsächlich mal zusammensetzen an deiner Stelle und mit ihnen über alles reden! Und gleichzeitig auch Ihnen erzählen das du Angst hast ein Versager zu sein und alle deine Sorgen berichtest und dann mal auf ihre Reaktion abwartest oder hast du das schon getan? 

Ich meinte mit Arbeit nichts gezieltes, aber dir muss klar sein, dass du später einen Beruf ausüben musst, für eine lange Zeit und wenn du dich jetzt nicht bereit oder zu unmotiviert für ein Studium bist, such dir vielleicht erstmal ein Praktikumsplatz, mach ein FSJ oder ähnliches und zu einem späteren Zeitpunkt gucken was du weiter machen möchtest 

Kommentar von gitarre7 ,

Geredet habe ich noch nicht mit meinen Eltern. Ich will erstmal abwarten, wie diese große Klausur ausfallen wird..wenn ich aber durchfallen sollte, werde ich auf jeden Fall das Gespräch mit meinen Eltern suchen. 

Und wenn ich ihnen sage, dass ich mich wie ein Versager dabei fühle, würden sie mir zu 100% zustimmen und mir einfach raten, weiterzumachen.  

Mir ist auch klar, dass wenn ich mich endgültig für etwas entscheide, dass ich das auch mein ganzes Leben lang machen werde. Ich weiß nicht, wie ich das ausdrücken soll, aber ich stell mir ein Leben ohne Studium viel einfacher vor und mir ist auch bewusst, dass es eine Chance gibt, dass ich tatsächlich ohne Studium erfolgreich bin, aber 1. wäre die Chance sehr gering (außer es geschieht irgendein Wunder) und 2. würde ich mich einfach wie ein Versager fühlen, weil ich aufgegeben habe. 

Kommentar von AlexLiebtPferde ,

Hattest du denn ein gutes Verhältnis zu deinen Eltern? Werden sie deine Entscheidung den nicht akzeptieren und dich in dieser nicht unterstützen? 

Ich würde dir einfach raten, dass du wie du sagst die Klausur abwartest, aber sonst tatsächlich zb ein FSJ machen und in einem halben oder Jahr gucken wie es weitergeht :) 

Ich würde auch an deiner Stelle an deiner Einstellung arbeiten. Wer sagt denn, dass deine Erste Idee in Richtung Studium direkt die richtige sein muss? Und du gibst ja nicht auf, sondern wählst womöglich einen besseren Weg für eine Zukunft. 

Kommentar von gitarre7 ,

Ich wohne noch bei meinen Eltern und sie wissen eigentlich auch, dass ich nicht wirklich zufrieden bin mit dem ganzen Stress, das sieht man mir nämlich (gesundheitlich) auch sehr an, ich bin dann auch noch dazu meist extrem schlecht gelaunt wenn ich lernen muss, also sie müssten so in etwa wissen, dass ich da nicht zu 100% zufrieden bin mit Jura.

Eine Frage hätte ich aber an dich, weil du meintest, dass du dein Studium bereits abgeschlossen hast. Viele Leute haben mich schon darauf angesprochen, dass ich mich zu sehr anstrenge, unter anderem auch meine Eltern. Wie schon oben geschrieben, lerne ich jeden Tag mindestens 5 Stunden, manchmal können es auch bis zu 10 Stunden sein. Meine Prüfung ist am 28. Juni, aus dem 1000 Seiten Stoffgebiet habe ich mir schon 90% zusammengefasst und es sind jetzt nur noch lediglich etwa 130 Seiten insgesamt zu lernen. 

Aber trotzdem war heute das Paradebeispiel für Folgendes: Wenn ich Mal einen Tag mit dem Lernen aussetzen muss bzw. mit dem Lernen nicht vorankomme, dann geht für mich die Welt unter. Ich hätte heute beispielsweise ganz normal wie in den vorigen Tagen einfach lernen sollen, aber irgendwie hat das heute nicht passen wollen, weil ich einfach vieles beim Lernen vergessen habe, etc. 

Nach 1-2 Stunden probieren habe ich dann gemerkt, dass das nichts wird und habe einfach den Stoff von gestern noch einmal wiederholt und dann aufgehört. Ich habe mich dann komplett wie ein Idiot gefühlt, wie ein richtiger Versager, der das Handtuch wirft. Aber wenn ich in dem Zustand weitergelernt hätte, wäre das ein neuer Weltrekord gewesen, was die Anzahl an Lernstunden auf einmal angeht. Denn für so eine halbe Seite habe ich bisschen mehr als eine Stunde gebraucht und ich hatte mir heute 9 Seiten vorgenommen. 

Mach ich mir etwa zu sehr Druck? Soll ich es ruhiger angehen? Mir hat nämlich schon ein Jura Student empfohlen, dass ich einfach nur das lernen soll, was ich gerade (zb in den Vorlesungen) abrufen muss und dann ist es auch gut. Denn wo ich gerade mit dem Lernstoff bin, werden wir nämlich in der Vorlesung voraussichtlich erst Mitte Mai ankommen, wenn nicht später. 

Kommentar von AlexLiebtPferde ,

Ja also ich würde dir auch raten, dass du es langsamer angehst und dir tatsächlich Tage "gönnst" wo du nichts machst! Und ja es reicht vollkommen erstmal nur den Stoff für die anstehende Vorlesung ins Gedächtnis zu rufen, weil es ist wichtiger das das wichtig sitzt, als dass du schon so gut wie alles "halbwegs" kannst! 

Und wegen deiner Einstellung würde ich tatsächlich vielleicht sogar mal 2-3 Stunden zu einer Therapeutin/Psychologin gehen, damit du davon runterkommst, weil ich glaube wenn du die Einstellung ein Versager zu sein etc "los bist" wird das alles schon entspannter!

Antwort
von Rubycon, 57

Bei einem Studium lernt man in der Regel ca. 6-10 Wochen für eine Prüfung (Ingenieurswesen). Dies als Vergleich. Wenn dir Jura nicht liegt, wechsele das Fachgebiet.

Kommentar von gitarre7 ,

Also meine Prüfung ist kurz vor den Sommerferien und ich fühle mich einfach jetzt schon dazu verpflichtet, jeden Tag stundenlang dafür zu lernen. Und ich muss auch leider sagen, dass ich trotzdem nicht die gewünschten Leistungen zeigen kann.

Antwort
von SophiaPetersen, 26

Glaub an dich. Erstmal die Klausur, dann weitersehen.

Kommentar von gitarre7 ,

Ich weiß nicht, inwiefern das klappen soll. Bei der ersten Klausur mit 300 Seiten Stoff dachte ich mir auch, dass ich die zu 99% verhauen werde. Ich habe sie aber irgendwie doch noch bestanden. Aber bei der nächsten Klausur kommen jetzt ungefähr 1000 Seiten & der Stoff ist auch viel anspruchsvoller..

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