Welche kulturelle Wirkungen hat die Niederschrift von Religionen zur Folge?
Kennt Ihr Untersuchungen zu folgendem Thema: Die drei Buchreligionen (Judentum, Christentum und Islam) haben ihre Grundsätze und Mythen in Schriftform niedergelegt. Diese Schriften werden immer wieder diskutiert und erklärt. Offenbar haben diese intellektuellen Prozesse eine Folge für die jeweilige Kultur : die Menschen denken, rechtfertigen und erlangen so eine Art intellektueller Kreativität und Geschmeidigkeit. Welche sind die Folgen? Sind die von Schriftreligion geprägten Kulturen anderen ohne Schrift überlegen? Gibt es Untersuchungen, wie sich solche Prozesse auf das Zusammenleben und die Entwicklung von Gruppen und Völker auswirkt?
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Der Begriff Buchreligion bezeichnet Religionen, die eine Heilige Schrift besitzen und diese in schriftlicher Form festgehalten haben. Verwandte Begriffe sind Offenbarungsreligion, Weltreligion und Schriftreligion. Der Begriff ist in wesentlichen Teilen vom Islam und dessen Religionsverständnis geprägt und wurde nur von wenigen westlichen Wissenschaftlern übernommen.
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Der Indologe und Religionswissenschaftler Friedrich Max Müller bestimmte am 26. Februar 1870 in einer Vorlesung an der Royal Institution in London acht Religionen als Buchreligionen: drei semitische (Judentum, Christentum, Islam), drei „arische“ (Hinduismus, Buddhismus, Zoroastrismus) und zwei chinesische (Konfuzianismus, Daoismus). Für Müller stellten diese acht Religionen „eine Art von Aristokratie gegenüber dem gemeinen Pöbel von buchlosen, unliterarischen Religionen“ dar. Als Gegenstück zu den Buchreligionen sah man die „Kultreligionen“ an: „Primitive Religionen werden mehr getanzt als gedacht“ (Robert Ranulph Marett). Der Begriff „Buchreligion“ wurde nicht nur beschreibend, sondern vor allem wertend verwendet.
Der Begriff „Buchreligion“ ist als Versuch einer klaren Abgrenzung zu Religionen schriftloser Völker (Naturreligionen) auch insofern fragwürdig, als sich die schriftliche Überlieferung oftmals an eine längere Periode mündlicher Überlieferung anschließt. Der Begriff enthält zudem eine problematische Wertung bzw. Abwertung schriftloser Religionen, die in Müllers Zitat deutlich wird. Die Entscheidung, welche Religionen zu den Buchreligionen gezählt werden, ist einer gewissen Willkür unterworfen, da die Abgrenzung nicht treffsicher ist. Aus diesem Grunde wird der Begriff in der modernen Religionswissenschaft kritisch gesehen und wenig verwendet.
Im Allgemeinen werden auch der Sikhismus und die Bahai zu den Buchreligionen gerechnet.
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Ein riesiges Thema. - Ist hier wohl der falsche Platz. Aber: ... das mit der intellektuellen Geschmeidigkeit gefällt mir. - Darf ich das in meinen Wortschatz aufnehmen? ;-)
Kommentar von HarterkampferHarterkampfer 11.09.2009Bitte, bitte, noch zögere ich, den Begriff urheberrechtlich schützen zu lassen...!
Kommentar von TestwinnerTestwinner 11.09.2009Vielen Dank, ich habe den Begriff integriert und deine Erlaubnis dazu ausgedruckt.
Kommentar von HarterkampferHarterkampfer 11.09.2009Mit dem Begriff der intellektuellen Geschmeidigkeit meine ich positive – aber auch weniger positive Sachen. So hörte ich die Tage im Radio von irgendeinem wichtigen Leiter der Religionspolizei in Saudi-Arabien zum Thema Führerscheinverbot für Frauen folgende Erklärung : Der Religion erlaubt der Frau das Lenken eines Wagens nicht, um sie zu unterdrücken, nein, im Gegenteil : um sie zu schützen! Denn im Straßenverkehr könnte sie ja verhaftet werden, und davor soll sie durch das Verbot bewahrt werden!
Das meine ich! Wenn man gewohnt ist, Regeln auszulegen, dann entwickelt die Kultur eine Virtuosität im Erklären, und das hat auch langfristige Auswirkungen auf die gesamte Kultur.
Kommentar von TestwinnerTestwinner 11.09.2009Ein gutes Beispiel. Ich nenne das sogar rhetorische Geschmeidigkeit. (Intellekt vorausgesetzt)
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Ganz einfach: Das Schriftliche ist für jeden zugänglich,du kannst es zuhause lesen und dir Gedanken darüber machen. Beim Mündlichen wäre die Bedingung,daß du irgendwo grade dabei gewesen sein mußt um es gehört zu haben.
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Was heißt schriftlich niedergelegt? Wann wurden sie das? Doch erst nach Erfindung der Schrift(vor max.ca 4000a) und sollte all die Jahrtausende vorher kein Gottglaube existiert haben? Soll schnell kann der Homo sapiens nicht mutieren, er ist der gleiche wie vor 10 000 Jahren. Und damals hat er seine Religion halt mündlich im Stamm tradiert. Irgendein Schreiberlin oder vielmehr eine Priesterzunft hat das Zeug dann irgendwie in Gesetzestext/Bibel/Koran/Talmud - form gebracht und das halt so wie es zu ihrer Lebensumwelt passte.
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Diese Betrachtungen stelle ich nur über Themen an, die mich encht interessieren und Einfluß auf meine Lebensweise haben.
Sehr gute Hintergrundinfos, danke!