Frage von schankmarkddorf, 52

Welche Kündigungsfrist gilt in Probezeit?

Hallo Community,

ich habe eine Frage an euch, weil ich wegen verschiedener Meinung grad etwas verunsichert bin. Seit zwei Monaten habe ich einen neuen Job als Archivverwalter bei einem großen hiesigen Stahlunternehmen. Da ich mich jedoch überhaupt nicht mit meinem Vorgesetzten verstehe, habe ich mich anderswo beworben und zum Glück auch was gefunden :-) Nun habe ich meinen Boss gefragt auf welchen Zeitpunkt ich kündigen kann und er meinte, das geht erst in vier Wochen. Steht auch so im Arbeitsvertrag. Nun möchte mein neuer Arbeitgeber mich aber gerne schon zum ersten Dezember einstellen. Ein Freund von mir meinte, dass man in der Probezeit (bin ich ja immer noch) aber innerhalb von 14 Tagen kündigen kann. Bin jetzt einigermaßen verwirrt, weil das ja auch im Arbeitsvertrag drin steht mit den zwei Wochen...Habt ihr ähnliche Erfahrungen oder kennt sich jemand im Arbeitsrecht aus?

Expertenantwort
von Familiengerd, Community-Experte für Arbeitsrecht, 27
er meinte, das geht erst in vier Wochen. Steht auch so im Arbeitsvertrag.

und

dass man in der Probezeit (bin ich ja immer noch) aber innerhalb von 14 Tagen kündigen kann. Bin jetzt einigermaßen verwirrt, weil das ja auch im Arbeitsvertrag drin steht mit den zwei Wochen...

Steht beides in Deinem Arbeitsvertrag - das erste allgemein zu Kündigungsfristen und das zweite in Zusammenhang mit der Probezeit?

Wenn das so ist - wenn in diesem Fall also für die Probezeit ausdrücklich eine Kündigungsfrist von 2 Wochen vereinbart wurde - dann kannst Du auch mit einer Frist von 2 Wochen kündigen. Diese Frist gilt - nach dem Gesetz - auch, wenn eine Probezeit zwar vereinbart, aber keine besondere Frist für eine Kündigung innerhalb der Probezeit angegeben wurde.

Wenn Du bei dem neuen Arbeitgeber am 01.12. beginnen willst, muss Du die Kündigung zum spätestens 30.11. aussprechen (das geht selbstverständlich auch schon früher), und Deinem Arbeitgeber muss die Kündigung spätestens am 16.11. zugehen (die 14-tägige Frist beginnt dann am folgenden Tag, dem 17.11. - oder entsprechend vorher).

Achtung: der 16.11. ist als Buß- und Bettag in Sachsen noch ein gesetzlicher Feiertag; wenn Dein Arbeitgeber also in Sachsen ist, muss ihm die Kündigung am Tag vorher, als am 15.11., spätestens zugehen.

Du kannst die Kündigung rechtzeitig als Einwurfeinschreiben (mit einem zeugen für den Inhalt) versenden, sie persönlich oder durch Boten in den Firmenbriefkasten werfen oder direkt abgeben (jeweils mit einem Zeugen für den Inhalt und den Vorgang).

Kommentar von schankmarkddorf ,

Hallo, da habe ich mich vertippt: auch in meinem Arbeitsvertrag steht die Kündigungsfrist von vier Wochen drin. Ich verstehe jetzt nicht ganz, warum ich die Kündigung am 30.11. aussprechen muss, wenn dem Arbeitgeber diese spätestens am 15.11. zugehen muss...Die entscheidende Frage ist, ob der Arbeitsvertrag mit den vier Wochen stärker wiegt als das allgemeine Gesetz von 2 Woche: http://www.kuendigungsfristen.net/arbeitsrecht/probezeit/ hier steht, dass laut BGB § 622 in der Probezeit innerhalb von zwei Wochen gekündigt werden kann. Von einer Möglichkeit, dass im Vertrag was anderes drin stehen kann, finde ich hier nichts...

Kommentar von Familiengerd ,

Okay, Du hast Dich also bei den "2 Wochen" vertippt.

Die entscheidende Frage ist, ob der Arbeitsvertrag mit den vier Wochen stärker wiegt als das allgemeine Gesetz von 2

Ja!

Dann gilt das, was im Arbeitsvertrag steht: 4 Wochen.

Arbeitsvertraglich dürfen längere als die gesetzlichen Fristen vereinbart werden; wenn also im Arbeitsvertrag 4 Wochen vereinbart sind, dann gelten diese 4 Wochen - und nicht die 2 Wochen nach dem BGB § 622 Abs. 3.

Ich verstehe jetzt nicht ganz, warum ich die Kündigung am 30.11. aussprechen muss, wenn dem Arbeitgeber diese spätestens am 15.11. zugehen muss...

Da hast Du nicht richtig gelesen:

Du hättest die Kündigung spätestens zum 30.11. - nicht am 30.11. - aussprechen müssen.

Wegen der doch einzuhaltenden Kündigungsfrist von 4 Wochen ist das aber nicht mehr möglich.

Du hast dann nur noch die Möglichkeit, mit Deinem Arbeitgeber - sofern er sich darauf einlässt - einen Aufhebungsvertrag zur einvernehmlichen Beendigung des Arbeitsverhältnisses zu einem beliebigen Zeitpunkt zu schließen.

Kommentar von schankmarkddorf ,

Vielen Dank für deine Hilfe, Familiengerd! Jetzt ist mir die Sache klar. Verstehe aber nicht,w arum mein jetziger Arbeitgeber die Kündigungsfrist zwei Wochen länger gemacht hat als üblich. Auf zwei Wochen kommt es ja nun auch nicht wirklich an, die ich dort mehr arbeiten werde...

Kommentar von Familiengerd ,

Vielleicht zitierst Du einmal die Passagen zur Kündigungsfrist und zur Probezeit.

Es ist nicht ausgeschlossen, dass sich aus dem Kontext doch ergibt, dass für die Probezeit nur 14 Tage einzuhalten sind - aber dazu müsste man die genauen Formulierungen kennen.

In der Tat ergibt es relativ wenig Sinn, wenn für die Probezeit die gleiche Frist gelten soll wie danach; denn die Möglichkeit der Kündigung mit verkürzter Frist ist ja - neben dem generell fehlenden Kündigungsschutz in den ersten 6 Monaten - das besondere Merkmal der Probezeit.

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