Frage von eisiice596, 116

Welche Kündigung ist gültig?

Hey,

verzwickte Situation. Ich bin seit längerem aufgrund der untragbaren Situation am Arbeitsplatz krankgeschrieben. Nun habe ich mich dazu entschlossen zu kündigen und weiterzumachen.

Die erste Kündigung die ich schrieb ging jedoch an die falsche Stelle und war somit ungültig, laut meinem Arbeitgeber. Habe also eine neue Kündigung aufgesetzt und diese losgeschickt. Einen Tag nachdem ich die zweite Kündigung abgeschickt habe, trudelte eine Kündigung seitens des Arbeitgebers bei mir ein.

Nun habe ich dann natürlich überall das Datum der Kündigung des Arbeitgebers angegeben, habe dies mit dem Arzt durchgesprochen und auch mit der Agentur für Arbeit.

Die Tage erhielt ich mein Arbeitszeugnis, welches nicht nur unter aller Sau ist, sondern in welchem auch vermerkt ist, dass ich lediglich bis zum Datum MEINER Kündigung dort angestellt war und ich das Unternehmen auf eigenen Wunsch verlassen habe.

Welche Kündigung ist denn nun gültig? Meine? Oder die des Arbeitgebers?

Antwort
von Asardec, 68

Es gilt die Kündigung, die zuerst ausgesprochen bzw. zugestellt wurde. Hier sollte das Datum auf der Kündigung ausschlag geben.

Gab es hier keine Kündigungsfrist? Das Arbeitsverhältnis geht üblicherweise bis zum Ablauf der Kündigungsfrist und nicht bis zum erhalt der Kündigung. Ebenso sollte ja in der/den Kündigung/en stehen "gekündigt zum XX.XX.XXX". Eine rückwirkende Kündigung ist nicht rechtens und somit ungültig. Am besten hier mal in den Arbeitsvertrag schauen. Da sollte die Kündigungsfrist festgehalten sein.

Wenn man mit seinem Arbeitszeugnis nicht einverstanden ist, darf man ein neues verlangen, welches man für angemessen hält. Dieser Vorgang kann so oft wiederholt werden, bis man mit dem Zeugnis zufrieden ist. (Sollte es diesbezüglich zu einem Rechtstreit kommen wird oft eine neutrale Lösung gefünden).

Ich persönlich würde ein entsprechendes Zeugnis vorschreiben, eine Kopie der Kündigung des Arbeitgebers beilegen und freundlich um Nachbesserung unter Angabe einer angemessenen Frist (1-2 Wochen) bitten. Natürlich werden die dein Original nicht verwenden, haben aber eine Vorstellung davon, wie du es haben möchtest. Evtl. hast du sogar Glück und du bekommst tatsächlich dein zeugnis unterschrieben zurück (hab ich schon erlebt).

Kommentar von eisiice596 ,

Danke für deine Antwort.

DIe Kündigungsfrist liegt bei 4 Wochen.

Die Frage ist nun, welche wurde zuerst ausgesprochen bzw zugestellt? Meine erste die lt. Arbeitgeber jedoch ungültig ist, da es an die falsche Adresse ging? Oder deren, da diese bei mir eher eintraf, als meine bei denen?

In meiner Kündigung steht "kündige fristgerecht zum 24.03." - Arbeitgeber sagt "wir kündigen dich zum 31.03.".

Kommentar von Parhalia ,

@eisiice596

, selbst wenn Du Deine ( fristgerecht gemeinte ) Kündigung dann bereits am 23.02.2016 und zudem an die falsche Adresse zugestellt hättest, so wäre sie alleine schon wegen des Kündigungsdatums nicht rechtsverbindlich. Sie hätte zum 01. oder 15. des Folgemonats gemäss 622 BGB erfolgen müssen.

Dein Chef setzte seinerseits ( Zustellung hätte spätestens zum 28.02 - 03.03. 2016 erfolgen müssen ) eine arbeitgeberseitige ( fristgerechte ) Kündigung zum 31.03, aber akzeptierte von sich aus Deine korrigierte Kündigung zum 24.03. zunächst mal einseitig ( seinerseits )

Das ganze "Zugangsprozedere" dieser 3 Kündigungen müsste dann ja allgemein bereits im Februar erfolgt sein. In diesem Fall KANN Dein Chef Deine letzte Kündigung zum 24.03 als "verbindlich" ansehen, weil dagegen binnen 3 Wochen ab Zugang keinerlei Widerspruch von keiner beteiligten Partei erfolgte.

( Soweit meine Auffassung der Sachlage als Laie )

Kommentar von DarthMario72 ,

Sie hätte zum 01. oder 15. des Folgemonats gemäss 622 BGB erfolgen müssen

Offensichtlich wurde eine Kündigungsfrist von 4 Wochen ohne vorgegebenes Ende vereinbart. Das ist selbstverständlich auch möglich. § 622 BGB greift dann also nicht.

Kommentar von wurzlsepp668 ,

ich hatte eine Mitarbeiterin, der hat mein Zeugnis auch nicht gefallen

(war auf Note 2- gestellt). Lt. ihrer Aussage und ihres kompletten Freundeskreis wäre es eine 5, mit viel guten Willen eine 4 .....

hat mir ein selbstgeschriebenes Zeugnis vorgelegt, natürlich Note 1+ .......

komischerweise war im Arbeitsgerichtsprozeß vom Zeugnis nie die Rede ........

habe ihr das Zeugnis dann so gestellt, wie sie es wollte, da sie Telefonterror betrieben hat ...

hat ihr nur wenig genützt, innerhalb eines Jahres 3 oder 4 andere Arbeitsstellen ..... trotz "hervorragendem" Zeugnis ....

Meine persönliche Meinung: ein Arbeitszeugnis ist das Papier nicht wert, worauf es steht ......

ich habe von meinem letzten Arbeitgeber kein Arbeitszeugnis erhalten, aber auch keines angefordert ....

Antwort
von DarthMario72, 39

Die erste Kündigung die ich schrieb ging jedoch an die falsche Stelle und war somit ungültig, laut meinem Arbeitgeber.

Was heißt denn "falsche Stelle"? Wohin hast du die Kündigung geschickt und mit welchem Kündigungsdatum?

Und auf welche/s Datum/Daten lauten die anderen Kündigungen?

Die Tage erhielt ich mein Arbeitszeugnis, welches nicht nur unter aller Sau ist

Dann stell es in einer neuen Frage hier zur Bewertung ein (vollständig und anonymisiert), dann kann man dir einen Rat geben, was du ggf. unternehmen kannst.

Antwort
von Parhalia, 38

Du beschreibst an sich eine "verzwickte Situation". Leider sind Deine Angaben aktuell aber auch noch nicht vollständig für eine angemessene Bewertung.

Ich unterstelle mal grundlegend, dass Du jeweils "fristgerecht" ( also ordentlich ) kündigen wolltest.

- Was meinst Du "meine erste Kündigung ging an falsche Stelle" ? Zu welchem Datum wolltest Du erstmalig kündigen ?

 - zu welchem Datum wolltest Du in der 2. ( korrigierten ) Kündigung das AV beenden ?

 - zu welchem Datum kündigte Dein Arbeitgeber

 - auf welches Datum beziehen sich die Angaben Deines Arbeitgebers in dem Arbeitszeugnis ? Das Datum welcher Kündigung hast DU bei der Arbeitsagentur angegeben ?

Was das Arbeitszeugnis an sich betrifft, so hast Du natürlich schon mal ein Anrecht auf ein formell korrekt ausgestelltes AZ ohne Rechtschreibfehler und ( versteckte ) negative Bewertungen. Reklamiere daher dieses AZ und verlange eine formell wie auch inhaltlich den Vorgaben entsprechende Ausfertigung.

Eine Erstberatung bei ortsansässigen Niederlassungen von Gewerkschaften bekommst Du in der Regel auch als Nicht-Mitglied. Wenn Dein Betrieb einen Betriebsrat hat, so spreche dementsprechend auch hier vor.

Kommentar von eisiice596 ,

Danke für deine Antwort. Ich beantworte deine Fragen mal von oben nach unten.

Meine Absicht war es fristgerecht zu kündigen, ja.

Die erste Kündigung ging direkt an den Projektleiter, da dies vor einiger Zeit in einem persönlichen Gespräch so besprochen wurde, dieser teilte mir über eine dritte Person dann mit, dass die Kündigung an die Personalabteilung gehen muss. Die Kündigung war zum 18.03. .

Die korrigierte Kündigung meinerseits war zum 24.03. .

Arbeitgeber kündigte mir zum 31.03. .

Und das Arbeitszeugnis bezieht sich auf meine Kündigung zum 24.03.

Wie unten bereits geantwortet, als Beispiel. Meine zweite Kündigung ging an einem Dienstag raus und am Mittwoch ging bei mir die Kündigung des Arbeitgebers ein, in der darauffolgenden Woche wurde mir meine Kündigung vom Arbeitgeber bestätigt.

Kommentar von Parhalia ,

Wenn es streng nach gesetzlichen Formalgrundlagen ginge, so wäre eine fristgerechte Kündigung entweder zum 1. oder 15. eines Monats rechtswirksam, sofern niemand der beiden Parteien den tatsächlichen Kündigungsdaten der Kündigungen binnen 3 Wochen ab Zugang widerspräche.

Somit KÖNNTE Deine eigene ( korrigierte ) Kündigung zum 24.03 erst einmal durchaus wirksam sein, weil der AG dieser Datierung nicht widersprach. ( dieses jetzt mal ganz rudimentär )

Welche ( ordentlichen ) Kündigungsfristen lagen denn zum Zeitpunkt der Kündigungs-Formulierung / Zugang der ersten Kündigung Deinerseits laut Arbeitsvertrag vor ? ( nicht dass grundlegend Kündigungsfristen unterschritten wurden )

Kommentar von eisiice596 ,

Lediglich eine Frist von 4 Wochen, kein bestimmter Termin wie von dir genannt.

Er widerpsrach der Kündigung zwar nicht, lies mir aber eine zukommen mit gekündigt zum 31.03.

Kündigungsfristen wurden somit nicht unterschritten.

Kommentar von Parhalia ,

Wenn die Kündigungen damit wechselseitig bereits im Februar jeweils zugestellt wurden, somit wären Rechtsmittel der Anfechtung ( Kündigungsschutz ) damit bereits "abgelaufen".

Somit sehe ich da jetzt ( wohlgemerkt als LAIE ) kein Anerkennungsproblem in der Haltung Deines Arbeitgebers, wenn er sich auf Deine Kündigung zum 24.03 bezog, wenn sie ihm z.B. Mitte Februar bereits zuging.

Für absolute RechtsSICHERHEIT solltest Du Deinen hier nun zeitlich "aufbereiteten " Fall mal kurz in einer regionalen Gewerkschafts-Niederlassung besprechen. Für eine Kurzberatung sollten die in der Regel halt wie gesagt auch Nicht-Mitgliedern rudimentäre Tipps geben.

Kommentar von Parhalia ,

WANN jeweils zugestellt ? Das ganze "Prozedere" muss doch DANN schon Mitte  bis Ende Februar über die "Bühne" gegangen sein.

( wie sonst wolltet Ihr gegenseitg denn rein die GESETZLICHE KüFri jeweils "per Zustellung" eingehalten haben wollen ..." )

Es bleibt leider "dubios" ...

Kommentar von DarthMario72 ,

Die erste Kündigung ging direkt an den Projektleiter, da dies vor einiger Zeit in einem persönlichen Gespräch so besprochen wurde, dieser teilte mir über eine dritte Person dann mit, dass die Kündigung an die Personalabteilung gehen muss.

Grundsätzlich ist es vollkommen egal, wer die Kündigung in der Firma entgegennimmt. Ob das nun die Personalabteilung, die Chefsekretärin oder sonstwer ist, solange sie beim AG eingegangen ist und du den Zugang belegen kannst, ist sie wirksam. 

M. E. wäre damit sogar deine Kündigung zum 18.03. wirksam gewesen.

Expertenantwort
von lenzing42, Community-Experte für Arbeit & Arbeitsrecht, 26

Welche Kündigung ist denn nun gültig? Meine? Oder die des

Arbeitgebers?



Eine eigene Kündigung des Arbeitnehmers hat in der Regel eine Sperre des Arbeitslosengeldes  zur Folge, bei der Kündigung durch den Arbeitgeber wird es keine Sperre geben.                                            


Antwort
von roxins, 45

Die Kündigung ist eine einseitige empfangsbedürftige Willenserklärung. In eurem Falle heißt das, es ist die Kündigung gültig, welche zuerst zugegangen ist Hierbei kommt es nicht auf das Absendedatum an, sondern auf das Datum des Zugangs. Da du deine Kündigung einen Tag vorher abgeschickt hast, ist sie wahrscheinlich auch vor der anderen zugegangen. Somit ist deine Kündigung wirksam. Genauer lässt sich das aber bei normaler Post nicht sagen. Das ist der Grund weshalb man Kündigungen (und andere wichtige Geschäfte) IMMER per Einschreiben mit Rückschein verschicken sollte.

Kommentar von eisiice596 ,

Naja, sagen wir mal ich hab meine Kündigung am Dienstag in den netten gelben Kasten um die Ecke geschmissen. Am Mittwoch kam die Kündigung meines Arbeitgebers bei mir an.

In der darauffolgenden Woche erst habe ich eine Eingangsbestätigung meiner Kündigung erhalten.

Kommentar von DarthMario72 ,

IMMER per Einschreiben mit Rückschein verschicken

Nein, NIEMALS per Einschreiben mit Rückschein, sondern wenn dann per Einwurf-Einschreiben! Wird ein ES mit Rückschein vom Empfänger nicht angenommen bzw. nicht auf der Post abgeholt, ist es nicht zugegangen und man verpasst die Frist.

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