Frage von Schafpeter, 54

Welche Kampfsportart ist auch zur Selbstverteidigung geeignet?

Es gibt soviele aus denen man aussuchen kann, möchte aber eine erlernen die nicht nur für Wettbewerbe gedacht ist.

Danke im Vorraus.

Expertenantwort
von Enzylexikon, Community-Experte für Kampfsport, 23

Grundsätzlich ist jede Kampfkunst, jeder Kampfsport und jedes moderne Selbstverteidigungssystem für die Verteidigung geeignet.

Ich erkläre am Beispiel Japans mal die Hintergründe.

Ursprünglich gab es Kriegskünste (Bugei), die für den Ernstfall in einem Kampf auf Leben und Tod eingesetzt wurden. Diese werden in bestimmten Traditionslinien bzw. Schulen (Koryu) gelehrt.

Als Japan gewaltsam nach 1600 gewaltsam befriedet wurde, gab es keine Verwendung mehr für tödliche Kämpfe. So wurden sie zu modernen Kampfkünsten (Gendai Budo) definiert, die pädagogische und philosophische Ansprüche haben.

Später wurden einige dieser Kampfkünste zu Wettkampfsportarten verändert, was teilweise zur Einschränkung der bislang gelehrten Techniken führte. Einige waren nun "zu riskant" und wurden teilweise ganz gestrichen.

Schließlich gab es Überlegungen, durch Kombination verschiedener Elemente möglichst effektive Disziplinen zu schaffen, ohne alte Philosophie, oder sportliche Wettkampfelemente.

Diese wurden dann teilweise verschiedenen Personengruppen - Militär, Polizei, Sicherheitsdiensten, Zivilbevölkerung angepasst, um den unterschiedlichen Bedürfnissen Rechnung zu tragen.

Grundsätzlich sind alle vier Kategorien - Kriegskunst, Kampfkunst, Wettkampfsport und moderne SV-Systeme, zur Verteidigung geeignet.

Bei Kriegskünsten wird meist Wert auf traditionelle Umgangsformen gelehrt und das Training mit altertümlichen Waffen wirkt nicht immer zeitgemäß. Der Selbstverteidigungsfaktor ist jedoch erwartungsgemäß vorhanden.

Bei Kampfkünsten, die vor allem die Persönlichkeit und den Charakter schulen sollen, steht die Selbstverteidigung nicht im Mittelpunkt, wird also eher langsam verinnerlicht, ist aber weiterhin durch die Techniken gegeben.

Bei Wettkampfsportarten werden gefährliche Techniken häufig erst höher Graduierten vermittelt und ähnlich wie bei der Kampfkunst kann es dauern, bis man ihren Wert für realistische Selbstverteidigung erkennt.

Deshalb ist gerade bei Kriegskünsten, Kampfkünsten, aber auch bei Kampfsport eine sehr langfristige Motivation erforderlich, wenn man wirklich Fortschritte machen will.

Moderne Selbstverteidigungssysteme für Zivilisten verzichten in der Regel auf lebensgefährliche Techniken. Hier geht es vor allem darum, einen Angriff abzuwehren, um Möglichkeit zur Flucht zu haben.

Eine der am häufigsten gestellten Fragen ist die, nach dem "effektivsten", "besten", "realistischsten", "straßentauglichsten" Stil.

Kurz und knapp; So etwas wie den idealen Stil für alle Menschen gibt es nicht. Anderslautende Aussagen sind unseriöse Werbeversprechen.

Unterschiedliche körperliche Voraussetzungen, vor allem aber unterschiedliche Persönlichkeiten und Charakterzüge, machen den ultimativen "Einer-für-Alle"-Stil schlichtweg unmöglich.

Außerdem ist letztlich nicht der erlernte Stil, sondern die individuelle mentale Stabilität und Anpassung an die Situation entscheidend.

Was nützen die 108 geheimen Techniken der Shaolin, oder die SV-Taktik einer Spezialeinheit, wenn man mit der Situation überfordert ist und sich nicht mehr den realen Gegebenheiten anpassen kann?

Mentale Stabilität und Anpassungsfähigkeit werden in den verschiedenen Disziplinen auf unterschiedliche Weise vermittelt.

Kriegskünste und Kampfkünste greifen eher auf traditionelle Methoden der geistigen Schulung, wie etwa Kata, Atemübung und Meditation zurück.

Bei Wettkampfsportarten ist die direkte Konfrontation in einer Wettkampfsituation ein wenig, Konzentration und Nervenstärke zu fördern.

In modernen SV-Systemen wird versucht, durch Training von Techniken aus alltäglichen Situationen heraus, mentale Stabilität zu schaffen.

Wie findet man also den "für sich" besten Stil unter all den verschiedenen Angeboten heraus, ohne allzu oft enttäuscht zu werden?

Die Antwort lautet; Ausprobieren. Nichts ist so wertvoll, wie die eigene Erfahrung.

Also suche dir alle Vereine in deiner Umgebung und informiere dich über die dort angebotenen Stile. Vereinbare einen Termin für ein Probetraining. Das ist entweder nur eine "Schnupperstunde", oder über mehrere Tage hinweg möglich, und entweder kostenlos, oder gegen eine kleine Gebühr möglich.

Durch das Probetraining bekommst du nicht nur ein Gefühl dafür, wie dir die Bewegungsmuster und Techniken zusagen, sondern du verschaffst dir auch einen Eindruck von den dortigen Umständen.

Wie ist der Umgang der Menschen miteinander? Freundschaftlich und offen oder von Leistungsdruck und Konkurrenzdenken geprägt?

Ist der Lehrer offen für Fragen? Kann er gut erklären? Trainiert er mit, oder beschränkt er sich darauf, tolle Geschichten zu erzählen?

Es kann durchaus sein, dass du einen bestimmten Stil sofort absolut genial findest, aber die Atmosphäre im Verein nicht magst.

Dann gilt eben; Gleichen Stil bei anderem Verein ausprobieren - eventuell fühlst du dich dort wohler.

Egal für welche Disziplin du dich letztlich entscheidest - ich wünsche dir viel Freude beim Training, denn nur sie garantiert, dass du langfristig motiviert bleibst. :-)

Antwort
von ramay1418, 6

Grundsätzlich ist jede/s Kampfsportart, Kampfkunst, Kampfsystem geeignet, weil Reaktion, Kraft, Ausdauer, Schnelligkeit trainiert und das Selbstbewusstsein gestärkt wird. 

Du bist ja nicht gezwungen, an Wettkämpfen teilzunehmen. 

Wichtig ist: Einfache Techniken (ideal wäre nur eine gegen alle möglichen Angriffe), die man auch nach langen Trainingspausen schnell wieder einstudieren kann und mit denen Du trotzdem eine realistische Chance hast, wie z. B. der 

"Five-seconds-knockout" des SAS. 

Aus der Praxis für die Praxis. In Nordirland und weltweit erprobt und eingesetzt von den echten Profis. 

Eine Abwehrhandlung, dann Fauststöße und Fußtritte, bis der Gegner nach spätestens fünf Sekunden am Boden liegt; danach wegrennen und fertig. OK, beim Militär würde man den Gegner noch töten oder weiter verletzen, aber wir sind ja Zivilisten; da gelten andere Grundsätze. 

Es ist ja auch nicht so, dass in Deutschland an jeder dunklen Ecke ein Mörder, Räuber oder Vergewaltiger lauert, deshalb sind "Erfahrungen" doch eher theoretischer Natur - oder man hat die falschen Freunde. 

Du kannst aber ja mal die Trainer in Sportschulen und Vereinen fragen, mit welcher Technik sie wie viele Gegner schon mal auf der Straße in einem realen Kampf besiegt haben. Das wird sicher eine interessante Statistik. 

Antwort
von Rottx1512, 10

Jede Kampfsportart kann dir in irgendeiner Art und Weise auf der Straße weiterhelfen bzw. in brenzlichen Stresssituationen. Es gibt keinen schlechten Kampfstil, nur schlechte Kämpfer.

Trotzdem unterscheidet man unter Kampfsport und Selbstverteidigung. Ein typischer Kampfsport ist Boxen, Kickboxen oder WTF Taekwondo. Hier gibt es Wettkämpfe die man zu gewinnen hat etc.

Wenn du aber einfach nur Selbstverteidigung erlernen möchtest dann besuch am besten Systeme wie Speznaz Systema oder Krav Maga. Hier gibt es logischer weise keine Wettkämpfe. Es geht nur darum sich auf der Straße zu wehr setzen zu können. Im Endeffekt ists egal ob Krav Maga oder Systema, es verfolgt beides eigentlich das selbe Ziel: Selbstverteidigung.

Beide Systeme wurden übrigens vom Militär quasi "erfunden" oder entwickelt. Krav Maga wird in der israelischen Armee gelehrt. Systema ist ein Selbstverteidigungssystem aus Russland, bzw aus der ehemaligen Sowjetunion. Speznaz hieß deren Spezialeinheit (ähnlich wie die GSG in Deutschland oder die COBRA in Österreich)

Antwort
von Klausobot, 30

Die meisten Kampfsport arten sind ursprünglich nicht für denn Wettkampf gedacht sondern eher zur Selbstverteidigung (früher im Krieg). Informier dich mal über Krav Magar, des ist eine Israelische Selbstverteidigungs "Kampfkunst". Dort lernst du wie du dich im altag mit denn dir vorhandenen Gegenständen verteidigen kannst.

Antwort
von HasemitNase, 14

Ich würde dir Muay Thai empfehlen. Es sind Formen von Boxen und Kickboxen enthalten. Was beides solide und auch gut zu gebrauchende Kampfkünste sind.

Antwort
von Wippich, 25

Es gibt keinen Kampfsport der für Wettbewerbe erfunden wurde.

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