Frage von ratsuchender435, 18

Welche Höhe eines Einbehaltes bei einer Rechnung ist korrekt?

Wir haben ein Haus gebaut wo jetzt die Schlussrechnung von der Baufirma kam. Alles wurde korrekt gebaut nur eines nicht: Die Sockeleisten an den Rändern des Laminatbodens fehlen noch, die sollen in 3 Monaten angebracht werden. Die Baufirma hat mir geschrieben ich könnte 500EURO von der Schlussrechnung einbehalten. Ich habe bei einem Bodenleger den Preis für diese Leistung angefragt. Er hat mir einen Kostenvoranschlag über 904,40 gemacht. soviel kostet es wohl wenn er das komplette Zweifamilienhaus mit Sockelleisten versieht.

Ich habe nun die Schlussrechnung bezahlt und 900 EURO einbehalten und der Baufirma geschrieben, das ich 500 EURO nicht OK finde da die fehlende Leistung gemäß Kostenvoranschlag mehr kostet.

Reaktion der Baufirma. Entweder ich überweise noch 400 EURO bis Mittwoch oder das Geld das ich für die Schlussrechnung bezahlt habe wird an mich zurücküberwiesen und ein Mahnverfahren wird eingeleitet.

Wie reagiere ich auf die Forderung der Baufirma. Muss ich die 400 EURO bezahlen oder was soll ich der Baufirma antworten? Was muss ich beachten bei einem Mahnverfahren?

Antwort
von mepeisen, 8

Wie reagiere ich auf die Forderung der Baufirma.

Einmal herzlich lachen.

Folgendes ist wichtig zu wissen:

1. Wenn sie dir die Schlussrechnung zurück überweisen ist dies eine Annahmeverweigerung. Laut BGB hast du exakt 0€ an Folgekosten zu verantworten in diesem Fall. Die können ja genauso gut das Geld behalten und lediglich wegen der fehlenden 400€ einen Mahnbescheid stellen. Du musst nicht mal Zinsen für so einen Unfug bezahlen. Die Gesetze schützen dich hier.

2. Du hast bereits deine deutliche Verweigerung zum Ausdruck gebracht. Du kannst natürlich nochmals deutlicher werden (Textvorschlag folgt noch). Das bedeutet: Der gerichtliche Mahnbescheid ist vollkommener Schwachsinn, denn dem wirst du sowieso widersprechen.

3. Selbst wenn die nun so vorgehen, du dem ganzen dann widersprichst, müssen sie eine Klagebegründung folgen lassen. Dann folgst du mit einem Widerspruch und legst dar, dass die die Annahme des letzten Geldes verweigert haben. Ab da haben sie sich vor Gericht bereits lächerlich gemacht. Es kann und darf nur um die fehlenden 400€ gehen und damit kann und darf es nur um die Frage gehen, welche Minderung angemessen ist.

Ich würde denen folgendes schreiben: "Werte Baufirma. Dass Sie mir das Geld zurück überwiesen wollen und damit klar die Annahme verweigern, sorgt bei mir eher für Erheiterung. Vielleicht sollten Sie einmal einen Anwalt konsultieren, was das für schwerwiegende Konsequenzen für sie nach sich zieht, wenn sie die Annahme des bereits überwiesenen Geldes einfach verweigern. Sie haben den Auftrag bisher nicht ordnungsgemäß und vollständig erledigt. Daraus entsteht ein Sachmangel. Ich habe einen Kostenvoranschlag, wie viel mich die Behebung dieses Mangels kostet. In dieser Höhe habe ich von meinem Zurückbehaltungsrecht Gebrauch gemacht. Das alles darf ich. Auch hier der Vorschlag: Fragen Sie ihren Anwalt. Gerne können sie das vor Gericht ausdiskutieren, das ändert nichts daran, dass sie die zurückbehaltenen 900€ erst bei Behebung der Mängel bekommen. Sie erhalten eine aller letzte Chance, den Mangel vernünftig wie angekündigt bis zum XX.XX.2016 zu beheben. Bei Weigerung oder Versäumnis dieser Frist, werde ich die Behebung des Mangels extern vergeben und die Kosten hierfür haben Sie als Schadensersatz zu bezahlen, dies wird dann mit dem zurückbehaltenen Geld aufgerechnet. Im übrigen werde ich einem gerichtlichen Mahnbescheid sowieso widersprechen, selbst wenn sie mir das Geld einfach zurück überweisen. Diesen Mahnbescheid können sie sich also sparen. Ich hoffte, dass sich das vernünftig regeln lässt, aber vielleicht muss man Ihnen mal vor Augen führen, dass sie womöglich bereits eine Straftat begangen haben (Nötigung)."

Vielleicht kann man es noch etwas umformulieren. Ist auch an mancher Stelle etwas deutlich. Aber: Eine Baufirma macht das nicht zum ersten Mal. Die sind doch sicher länger am Markt aktiv. Die wissen auch, dass es immer mal Mängel gibt und die sollten sich auskennen, was man da als Baufirma darf und was nicht. Offenbar ist es deren Ziel, die Leute einzuschüchtern. Wer weiß, ob du jemals die Leisten fristgerecht gemacht bekommst, wenn du nun einfach überweist.

Was muss ich beachten bei einem Mahnverfahren?

Briefkasten täglich leeren. Du bekommst irgendwann Post von einem Gericht. Einen Mahnbescheid samt Widerspruchsformular. Im Grunde wird es in einfachen Worten erklärt. Du kreuzt "Ich widerspreche komplett" an und schickst dieses Widerspruchsformular per Einschreiben (!) ans Gericht zurück.

Damit ist der Fall durch. Die Baufirma ist genauso weit wie zuvor. Sie müsste nun Klage einreichen und dann sorgfältig begründen, warum du Geld zahlen sollst.

Da es vermutlich um viel Geld geht, wenn die die letzte Abschlagszahlung zurück nehmen (also > 5000 €), wird das vermutlich vor dem Landgericht landen und dort herrscht Anwaltszwang. Also würdet ihr bei der Klage einen Anwalt einschalten.

Aber der dürfte auch nur lächeln angesichts der Tatsachen. Die Klage ist ganz schnell abgewehrt und für den Anwalt ist es extrem leicht verdientes Geld. Man könnte sogar schon beim Mahnbescheid einen Anwalt hinzu ziehen, diesen den Widerspruch machen lassen und die Klage beantragen lassen. Dann erwischt ihr die Baufirma womöglich auf völlig falschen Fuß, denn wenn sich der Anwalt der Baufirma dann erst den Fall anschaut, wird er wohl kräftig mit dem Kopf schütteln.

Keine passende Antwort gefunden?

Fragen Sie die Community

Weitere Fragen mit Antworten