Welche Haltung hatte Adenauer zum Thema Wiederbewaffnung und Westintegration?

... komplette Frage anzeigen

7 Antworten

Welche Haltung hatte Adenauer zum Thema Wiederbewaffnung und Westintegration?

Die gleiche Haltung, die heute die baltischen Staaten und Polen in Sachen Aufrüstung haben und das auch aus den gleichen Gründen.

Diese Gründe lagen aber nicht in einer Bedrohung durch die Sowjetunion oder jetzt durch Russland, diese Gründe lagen und liegen darin, sich den Status als Speerspitze gegen einen an die Wand gemalten Teufel versilbern zu lassen, indem man sich als Frontstaat großzügig alimentieren und aufbauen lässt und politischen Einfluss gewinnt.

Bei Adenauer kamen aber auch noch andere Gründe hinzu. Für diesen rheinischen Separatisten, für den an der Elbe bei Magdeburg Sibirien begann, war die deutsche Einheit nur ein Lippenbekenntnis. Ein vereinigtes Deutschland, in dem seine CDU wahrscheinlich nicht die Mehrheit hinter sich hätte bringen können, wäre undenkbar gewesen.

Mit der Wiederbewaffnung sicherte er sich sein halbes Deutschland ganz und diente sich den ehemaligen Westalliierten als treu ergebener Vasall gegen den alten Feind an.

Es ist schon bezeichnend, dass kurz nach dem Krieg, in dem deutsche Truppen ganz Europa überfallen und Osteuropa, vor allem die Sowjetunion in einem verbrecherischen Vernichtungskrieg verheerten, sich Deutsche hinstellen und sich von der zuvor überfallenen Sowjetunion bedroht fühlten.

Freiheit und Demokratie sollte verteidigt werden?

In der internationalen Politik geht es nie um Demokratie oder
Menschenrechte. Es geht um die Interessen von Staaten. Merken Sie sich
das, egal, was man Ihnen im Geschichtsunterricht erzählt. (Egon Bahr)

Und hier ging es um die Interessen derer, die wieder die Macht im westdeutschen Staat übernommen hatten.

Antwort bewerten Vielen Dank für Deine Bewertung

Nach dem Krieg hatten die vier Alliierten die Regierungsgewalt in Deutschland übernommen und das Land in Besatzungszonen aufgeteilt. Mit Fortschreiten des Kalten Krieges sicherten sich sowohl die westlichen Aliierten als auch die Sovjetunion die mehr oder minder freiwillig-gezwungene Unterstützung ihrer Besatzungszonen. Die Westmächte sorgten als Gegenleistung für die Gründung der Bundesrepublik in Westdeutschland, damit die dortigen Deutschen sich als freiheitlich-demokratische Gesellschaft bewähren konnten, während die Sovjetunion die sog. DDR als von Moskau gelenkte Parteidiktatur errichtete und ihre "Ostzone" noch weiter ausbeutete.

Adenauer war nach den furchtbaren Verbrechen der Nazizeit daran gelegen, den in der Welt beschädigten Ruf der Deutschen als eines zivilisierten Volkes wiederherzustellen. Zugleich musste er verhindern, dass wenigstens die Bundesrepublik, also Westdeutschland und seine Bevölkerung, der Sovjetdiktatur in die Hände fiel. Weil die Bundesrepublik keine militärische Macht war und sein konnte, brauchte er die Westmächte, um Westdeutschland gegen die sovjetische Bedrohung zu verteidigen. Verständlich war die Reaktion Adenauers, auch einen deutschen Militärbeitrag anzubieten, selbst wenn er nur unter internationalem Befehl akzeptiert werden würde. Denn die militärische Verteidigung allein den Westmächten zu überlassen, wäre von den Westdeutschen natürlich feige und als alleinige Aufgabe für die Westmächte eine Zumutung gewesen. Adenauers Anerbieten wurde angenommen, und weil sich die westdeutsche Demokratie als lebensfähig und zuverlässig erwiesen hatte, erhielt sie 1955 die Souveränitätsrechte zurück und zugleich die Pflicht, im Rahmen der Natomitgliedschaft der Bundesrepublik eine "Bundeswehr" aufzubauen.

Die Westintegration zur Sicherung der Freiheit und Demokratie in der Bundesrepublik war für Adenauer alternativlos. Einer stalinistischen Sovjetdiktatur, die zuvor mit dem Naziregime paktiert hatte, war in keinem Falle zu trauen! Das bedeutet nicht, dass Adenauer die Wiedervereinigung und die Befreiung der "Ostzone" bzw. der sog. DDR aufgegeben hätte. Doch ihm war angesichts der Blockbildung klar, dass dieses Ziel nur auf dem Weg umfassender Vertrauensbildung zu erreichen war. Adenauer hat dieses Vertrauen zu Westdeutschland bei den Westmächten durch seine verlässliche Politik hergestellt, durch die Aufnahme diplomatischer Beziehungen mit der Sovjetunion hat er außerdem den Weg vorbereitet, den dann Willy Brandt als Kanzler gegangen ist, nämlich auch bei den Mächten des Ostblocks Vertrauen zur Bundesrepublik zu schaffen. Adenauer war klar, dass eine Vereinigung der beiden deutschen Staaten zu einem gemeinsamen Staatswesen nur auf dem einvernehmlichen Wege des Spannungsabbaus zwischen den gegnerischen Blöcken des Kalten Krieges und schließlich der Beendigung dieses Kalten Krieges möglich sein würde. Die Geschichte hat ihm Recht gegeben!

MfG

Arnold

Antwort bewerten Vielen Dank für Deine Bewertung
Kommentar von PeVau
20.12.2015, 00:52

Adenauer war klar, dass eine Vereinigung der beiden deutschen Staaten zu einem gemeinsamen Staatswesen nur auf dem einvernehmlichen Wege des Spannungsabbaus zwischen den gegnerischen Blöcken des Kalten Krieges und schließlich der Beendigung dieses Kalten Krieges möglich sein würde. Die Geschichte hat ihm Recht gegeben!

Der Kalte Krieger und verbohrte Antikommunist als Friedensfürst und Wegbereiter der Entspannungspolitik! Glaubst du diesen Unsinn wirklich?


7
Kommentar von JBEZorg
20.12.2015, 01:19

Adenauer war klar, dass eine Vereinigung der beiden deutschen Staaten zu einem gemeinsamen Staatswesen nur auf dem einvernehmlichen Wege des Spannungsabbaus zwischen den gegnerischen Blöcken des Kalten Krieges und schließlich der Beendigung dieses Kalten Krieges möglich sein würde. Die Geschichte hat ihm Recht gegeben!

Also entweder hat's die Republik Österreich bis 1990 nicht gegeben, oder Herr Adenauer lag (mit voller Absicht) falsch.Beides kann nicht stimmen.

4
Kommentar von Hegemon
20.12.2015, 11:34

"Einer stalinistischen Sovjetdiktatur, die zuvor mit dem Naziregime paktiert hatte, war in keinem Falle zu trauen!"

You made my day. Ausgerechnet Adenauer, der sich rudelweise mit rochrangigen Altnazis umgab (Globke, Oberländer, Hettlage, Strauß, Kraft usw. usw.), traute den Sowjets nicht, weil diese 1939 mit ebendiesen Nazis den Nichtangriffspakt geschlossen hatten? Respekt. Auf solch eine steile These muß man erst mal kommen.

Aber Dir ist schon klar, wer wen 1941 angegriffen und einen Vernichtungskrieg samt Völkermord geführt hat, oder? Kleiner Tip: der Angreifer war nicht die "stalinistische Sowjetdiktatur" sondern es waren Wehrmachtsgeneräle wie Heusinger und Speidel, die dann "rein zufällig" Adenauer ab 1948 in Wiederbewaffnungsfragen berieten (vergleiche auch "Himmeroder Expertengruppe").

Bezüglich der übrigen Ergüsse empfehle ich, sich einfach mal mit den historischen Fakten vertraut zu machen.

http://www.spiegel.de/spiegel/print/d-13518748.html

1

Konrad Adenauer wollte in erster Linie die BRD zum Aufstieg führen, eine Wiedervereinigung mit dem Osten war ihm nicht wichtig. Den Westen sah er als wichtigen Partner, dadurch das die USA Finanzhilfen (Marshall-Plan) und die Sicherung in der NATO bat.

Antwort bewerten Vielen Dank für Deine Bewertung
Kommentar von lkrues
19.12.2015, 21:29

Das ist eine erfreulich neutral-sachliche Sicht. Man könnte noch ergänzen, dass die Bundesrepublik sich erst mal wieder das Vertrauen der europäischen Völker verdienen musste.

Und man darf nicht vergessen, dass Stalin, der mit brutalster Machtpolitik zum Beispiel gegen das Weltkriegsopfer Polen vorgegangen war, immer noch an der Macht war - und in der DDR ab 1948 ebenfalls für totalen Stalinismus gesorgt hatte.

Wer wollte diesem Mann vertrauen? Die meisten Menschen taten es jedenfalls nicht. Es gab kaum welche, die von West nach Ost gingen - die Mauer wurde bekanntlich später so gebaut, dass sie den Weg nach Westen versperrte, dort wollten fast alle hin.

0

Adenauer dieser kalte Krieger und Spalter Deutschlands arbeitete systematisch hin zu einer Wiederbewaffnung, schon weil er die BRD als Speerspitze gegen den Sozialismus ansah. Dazu gehörte eben auch jegliche Entspannung zu torpedieren und dies dann auch noch den sozialistischen Staaten in die Schuhe schieben. Eine perfide Haltung, die bei vielen Westdeutschen auch noch Anklang fand.

Antwort bewerten Vielen Dank für Deine Bewertung

Adenauer und sein Dunstkreis arbeiteten mindestes seit 1948 auf die Wiederbewaffnung eines westdeutschen Teilstaates hin.

(Hans-Jürgen Lichtenberg: „CDU/CSU und Wiederbewaffnung“, 2009, S. 52ff.)

Das stand auch in auffälliger Übereinstimmung zu den seit der offiziellen Auflösung der Wehrmacht 1947 vorgehaltenen "alliierten Dienstgruppen". Das waren Wehrmachtsangehörige und z.T. ganze Wehrmachtsverbände, die unter alliiertem Oberkommando standen und zunächst Hilfsdienste leisteten.

Besonders pikant ist die Tatsache, daß sich Adenauer und Konsorten von der Rüstungsinsdustrie bestechen ließen (Arte-Dokumentation "Schwarze Kassen der CDU/CSU", HS-30-Skandal usw.). Für die Rüstungsindustrie war eine hochgerüstete Armee an einer Systemgrenze wesentlich lukrativer als ein geeintes und neutrales Deutschland - ein Motiv für die deutsche Teilung.

Ein weiteres Motiv für die Teilung dürfte gewesen sein, daß man sich nicht an den exorbitanten Reparationen für die SU beteiligen wollte. Die ließ man die SBZ/DDR lieber alleine zahlen.

"Westintegration" ist nichts weiter als eine verharmlosende
Umschreibung der deutschen Teilung und hieran war Adenauer ganz maßgeblich beteiligt.

http://www.spiegel.de/spiegel/print/d-13518748.html

Zu Adenauers persönlichen Motiven dürfte auch die Tatsache zählen, daß seine Partei bei gesamtdeutschen Wahlen nicht mehr die Mehrheit gehabt hätte.

Antwort bewerten Vielen Dank für Deine Bewertung
Kommentar von lkrues
19.12.2015, 23:04

Es wäre schon ganz schön, wenn Du bei aller anregenden Kritik am Westen ein bisschen im Auge behalten würdest, wie die Alternative im Osten aussah.

Warum flohen alle die Menschen nach Westen. Darauf gehst du nicht ein.

0

Er war für beides. Für ihn waren die Soffjets  - rhein. Akzent - die Bösen.


Antwort bewerten Vielen Dank für Deine Bewertung

Adenauer wollte die "Wehrhaftigkeit" Deutschlands (wie auch schon AH-wiederherstellen. Die von der USSR (1948, 1951,1953 -Korea, Berlin) geplante Neutralisierung von Österreich hintertrieb Adenauer bei den USA und Engländern weil er auch für Deutschland eine nachfolgende "Neutralisierung" befürchtete. Erst bei einer "Neutralität Österreichs nach der "Floskel" nach Schweizer Vorbild" und auf Drängen der USA (Verringerung ihrer Streitkräfte in Europa>gleichzeitig Schaffung der Bundeswehr), gab Adenauer seinen Widerstand auf. Nicht zu vergessen die horrenden Wiedergutmachungszahlungen-Geld und Öl(Österreich hat bestes Öl-geeignet für kältefeste Schmierstoffe)-an die USSR!

Antwort bewerten Vielen Dank für Deine Bewertung