Frage von Mayhem71, 111

Welche guten Gründe gibt es für ein Zwischenzeugnis ohne Misstrauen zu wecken?

Hallo,

nach langer und reiflicher Überlegung bin ich fest entschlossen, noch einmal eine neue Herausforderung anzunehmen und mir eine neue Arbeitstelle zu suchen. Da ich gute bis sehr gute Leistungen erbringe in meiner jetzigen Firma, die teilweise nur ich machen darf (zum Beispiel ausbilden), würde ich mir gerne ein gutes Zwischenzeugnis unterschreiben lassen (das ich auch schon selber formuliert habe). Ich möchte aber unbedingt vermeiden, dass mein Chef von meinem Vorhaben erfährt, um dieses und meinen jetzigen Job nicht zu gefährden. Was gebe ich am besten als Begründung an und gibt es einen guten Zeitpunkt, um meinen Chef darauf anzusprechen? Ich bin nun 5 Jahre in der Firma, das wäre ein Grund. Was für Gründe gibt es noch? Was könnte zum Beispiel passieren, dass ich das mal benötigen könnte? Vielen Dank im Voraus für eure Antworten :)

Hilfreichste Antwort - ausgezeichnet vom Fragesteller
von JillyBean, 35

Also ich hab damals einfach nach einem Zwischnezeugnis gefragt - ohne einen Grund anzugeben. Hätte man mich gefragt, hätte ich gesagt, nach X Jahren möchte man doch wissen, wie man eingeschätzt wird.

Antwort
von dante2016, 20

Zunächst einmal: Es gibt keine gesetzliche Regelung für einen Anspruch auf die Erteilung eines Zwischenzeugnisses!

Nur bei trifftigen Gründen, ist der Arbeitgeber dazu verpflichtet. Dazu hat es schon eine Vielzahl von Gerichtsurteilen gegeben.

  • Findet ein Vorgesetztenwechsel statt, haben Mitarbeiter einen Anspruch, da der neue Chef nicht in der Lage ist, für die Zeit vor seinem Antritt die Arbeitnehmerleistung zu beurteilen.
  • Wird ein Mitarbeiter in eine andere Abteilung versetzt, steht ihm ebenfalls von seinem alten Vorgesetzten ein Zwischenzeugnis zu. Erst recht, wenn ihn in der neuen Abteilung auch neue Aufgaben erwarten.
  • Möchte ein Mitarbeiter eine Weiterbildung absolvieren, erwarten einige
    Fortbildungsstätten bei der Anmeldung ein (Zwischen-)Zeugnis. Auch dann
    müssen Arbeitgeber sich die Mühe machen.
  • Verlässt ein Mitarbeiter für einen längeren Zeitraum das Unternehmen (z.B.
    Elternzeit), kann er ebenfalls ein Zwischenzeugnis erwarten, da zu
    diesem Zeitpunkt nicht klar ist, ob er wieder zurückkehrt in den Betrieb
    bzw. ob der Vorgesetzte nach Rückkehr des Mitarbeiters noch in der
    Abteilung bzw. dem Unternehmen tätig ist.
  • Und natürlich wenn ein Mitarbeiter auf Arbeitsplatzsuche geht. Auch dann hat er einen Anspruch auf ein Zwischenzeugnis. Denn nur so sind seine Bewerbungsunterlagen auch vollständig.

Fakt ist: Wenn keiner der o. g. Gründe vorliegt oder, wie in Ihrem Fall, Sie nicht möchten das der Arbeitgeber von der Arbeitsplatzsuche erfährt, ist der Arbeitgeber nicht verpflichtet, Ihnen ein Zwischenzeugnis auszustellen.

Sie können jedoch ... eine schriftliche Leistungsbeurteilung verlangen. Dazu ist der Arbeitgeber verpflichtet, zumal Sie fünf Jahre im Unternehmen sind und sich Ihre Aufgaben seit Beginn Ihrer Anstellung erweitert haben.

Eine solche Leistungsbeurteilung fällt meist besser aus, da man einen gut eingearbeiteten Mitarbeiter ungern verliert.

Übrigens: Wenn man seinem Arbeitgeber mitteilt, dass man auf der Suche nach einem neuen Arbeitsplatz ist, kann  (nicht muss) das unangenehme Folgen haben. Eventuell fällt das Zwischenzeugnis schlecht aus oder der Arbeitgeber kündigt den Mitarbeiter, auf Grund eines nicht mehr vorhandenen Vertrauensverhältnisses.

Und zum Schluss noch etwas Persönliches: Ich würde mir selbst nie ein Arbeitszeugnis schreiben wollen, denn ich möchte wissen, wie mein Arbeitgeber bzw. Vorgesetzter meine Leistungen tatsächlich beurteilt, sehen, ob er tatsächlich alle meine Aufgaben kennt oder auch bemerkt hat. Auch möchte ich wissen, wie er mich als Mitarbeiter in meinen Softskills einschätzt.
Sollte ich mit der Ausarbeitung nicht zufrieden sein, habe ich die Möglichkeit mich mit ihm zusammenzusetzen und Sachverhalte richtig zu stellen oder auch meine Einschätzungen etc. darzulegen.
Mir hat das, in meiner Zeit als Angestellte, viel Hochachtung beim Arbeitgeber und hervorragende Zeugnisse eingebracht.

Ich hoffe, meine Antwort hilft Ihnen ein wenig weiter!

Beste Grüße

Kommentar von Mayhem71 ,

Hätte ich nicht vorher schon eine andere Antwort als hilfreichste ausgezeichnet, wäre es deine geworden. Danke!

Kommentar von dante2016 ,

Danke, das ist lieb von Dir! Ich habe gesehen, dass Du schon eine Antwort als die hilfreichste ausgezeichnet hast. Daher zielte meine Antwort nicht darauf ab, diese "Auszeichnung" zu bekommen, sondern Dir einen hilfreichen Rat zu geben. Deshalb freut es mich umso mehr, dass ich Dir helfen konnte. :-)

Antwort
von zahlenguide, 55

du kannst auch einfach bei der wahrheit bleiben und sagen, dass du in letzter zeit erkannt hast, dass du gerne ein hobby von dir zum beruf machen möchtest und dich lange damit beschäftigt hast. geh am besten in die personalabteilung oder zum chef persönlich und erkläre ihm die situation so das du dich darüber freust. chefs erleben andauernd, dass sie leute verlassen. das sollte für einen chef überhaupt kein problem sein. 

wenn doch dann kannst du auch zu einem stellvertretenden chef gehen, der dann dem chef ins gewissen redet oder einem abteilungsleiter. oft ist es so, dass positive aussagen von anderen, dann den chef doch dazu bekommen ein ordentliches zeugnis zu erstellen, weil er ja weiter mit diesen kollegen arbeiten will und ein schlechtes arbeitsklima aufkäme, wenn diese dann auch damit rechnen müssen, dass sie schlechte zeugnisse bekämen.

Antwort
von fernandoHuart, 59

Ganz einfach dass man wissen möchte wie man bisher beurteilt wird bei der Frima.

Kommentar von gadus ,

Kurze aber praezise Antwort.   LG  gadus

Antwort
von Akecheta, 55

Solche Mitarbeiter liebe ich ja. Anstatt dem Vorgesetzten genauso Vertrauen entgegen zu bringen wie man es selbst genießt, wenn man schon ein Alleinstellungsmerkmal inne hat (Ausbilderschein womöglich), geht man schon her und stellt sich das eigene Zeugnis aus und fragt dann im Internet nach, wie man das unterschrieben bekommt.

Unglaublich.

Es ist dein gutes Recht ein Zwischenzeugnis anzufordern und es ist die Pflicht und alleiniges Recht deines Arbeitgebers dieses zu schreiben und zu formulieren. Alles andere ist "Betrug".

Übrigens die meisten Leute die meinen sie wären gut bis sehr gut im Job, werden in der Leitung eher als unterdurchschnittlich angesehen.

Kommentar von Mayhem71 ,

Ja, Ausbilderschein. Ich bin dort ziemlich rasch aufgestiegen, aber jetzt gibt es kein Weiterkommen mehr. Über mir ist nur noch der Betriebsleiter. Der Job ist sehr unterdurchschnittlich bezahlt. Der Firmenchef selber ist eher selten mal anwesend, so dass ich ihm mit der Vorformulierung eher einen Gefallen tue.

Kommentar von Akecheta ,

Soso, du tust ihm damit einen Gefallen. Gut, gibt so Chefs denen das egal ist, dass sind auch diejenigen die für die meisten Insolvenzen verantwortlich sind. Auf den Ausbilderschein brauchst dir übrigens nichts einbilden, den kann man mit ein "paar" Stunden bei der nächsten IHK machen.

Fordere ein Zwischenzeugnis an und schreib das nicht selber. Jemand der damit Erfahrung hat liest das sowieso heraus oder stellt dich bei einem Vorstellungsgespräch und das war es dann.

Bei mir kommen deine Aussagen eher so rüber, dass du Angst vor einer ehrlichen Bewertung hast.

Kommentar von Mayhem71 ,

Ja, ich befürchte, dass er nur auf die Meinung des Betriebsleiters hört. Das Problem dabei ist, dass der hauptsächlich seine eigenen Leute (Familienmitglieder und Landsleute) fördert. Er hat selber keinen Schulabschluss und versucht zudem, Leute mit Schulabschluss und Ausbildung eher in ein schlechtes Licht zu rücken, obwohl er das gar nicht nötig hätte, da er einen guten Job macht. Ist aber leider trotzdem so und der Chef vertraut ihm.

Kommentar von grisu2101 ,

Interessante These, aber so etwas gibt es leider..... Dem kann ich nur zustimmen.

Kommentar von fernandoHuart ,

Wie Du sicher weißt (oder wissen sollte) ist es durchaus möglich Korrekturen zu fordern wenn man mit einen Zeugnis nicht zufrieden ist.

Konfliktbereit musst man schon sein.

Kommentar von Mayhem71 ,

Ja Fernando, ich bin konfliktbereit, mir wäre es nach 6 Jahren und einer schönen Zeit dort aber lieber, wenn alles ohne faden Beigeschmack abliefe.

Kommentar von Mayhem71 ,

Akecheta, ich formuliere auch die Arbeitszeugnisse für ausscheidende Mitarbeiter und der Chef unterschreibt sie nur. Nein, ich bilde mir nichts ein auf den Ausbilderschein, auch wenn man mit ein "paar" Stunden nicht ganz hinkommt. Ich will kein falsches Bild erwecken. Ich arbeite gerne dort, aber durch ein langjähriges Studium, was ich letztlich abgebrochen habe und eine kaufmännische Umschulung fehlen mir etliche Rentenjahre. Laut meinem letzten Rentenbescheid käme ich auf 612,-€. Ich strebe keine Mega-Rente an, aber ich möchte zumindest später mal nicht aufgestockt werden müssen. Das schaffe ich bei den durchschnittlichen Lohnerhöhungen in meiner jetzigen Firma aber nicht. Bist du selber Chef? :)

Antwort
von Novos, 53

Da gibt es wohl keine anderen plausible Gründe

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