Seelenfrieden am 01.07.2007 um 2:44 Uhr
Mein 13-jähriger Sohn "klärte mich heute auf", dass es nicht mehr "Sex haben" heißt, sondern fi..... ! Dieser Ausspruch hat mich zum Nachdenken veranlasst, da ich das Wort "nur" aus dem Lateinunterricht "kannte" und mir dadurch klar wurde, dass es bereits mehrere dieser Gedanken bei mir gegeben hat, über die "verbale Freiheit" unserer Schüler, Kinder und Erwachsenen nachzudenken ... verrohen wir - hat die Ehrfurcht vor dem Menschen so weit abgenommen, ist unsere Gesellschaft am Rande des ... ???
Die Ehrfurcht ist geringer geworden. Wohin diese Geselschaft driftet, ich weiss es nicht. Geradeaus und Absturz, oder Halt, ueberlegen was zu verbessern / ich wuensch mir letzteres fuer die Jugend.
Schon seit Comenius' Zeiten (17. Jahrhundert) war die "Jugend von heute" ganz fürchterlich und die schlimmste, die man sich jemals vorstellen kann. ;)
Ich selbst bin auch nicht glücklich über die "neudeutsche" Verwendung etlicher einzelner Wörter, aber einen allgemeinen Trend zum Negativen sehe ich nicht, weil sonst die Weiterentwicklung von Sprache keine Chance hätte. Althochdeutsch würde heutzutage sicher auch ein wenig seltsam anmuten ;)
Wie ich selbst damit umgehe? Ich habe meiner Tochter rechtzeitig den Begriff Umgangssprache erklärt, so dass sie meist unterscheiden kann, in welcher Gruppe von Menschen sie sich wie ausdrückt.
soust am 1. Juli 2007 15:06 Deine Antwort klingt vernünftig und was noch dazukommt, die ist in gutem Deutsch verfasst. Bitte alle mal lesen, die nicht nur die Verrohung, sondern auch die Verschlampung der Sprache beklagen.
Was verstehst du unter "Verschlampung"? Sprache ändert sich. Ich spreche an der Uni eine andere Sprache als mit meinen Freunden - ganz bewusst.
Na die meisten hier scheinen die tatsächliche Umgangssprache der Kidds gar nicht zu kennen - die unterhalten sich vollkommen anders über vollkommen andere Dinge. Lernt mal eure Kiddis verstehen - ihr staunt Bauklötze was in deren Köpfen vor sich geht. Das unsere sogenannte Gesellschaft immer mehr verroht - liegt schlicht und ergreifend am Wertewandel - und da trifft die Schuld in erster Linie die Eltern. Die beschäftgien sich zu wenig mit dem Nachwuchs und schütze diese nicht ausreichend vor den neuen Medien und den folgeschäden. Nur hinter jammern, das tun fast alle.
Gut gesagt.
Die Medien die heutztage vorhanden sind spiegeln ganz andere Werte ab als vor 30 Jahren. Früher gab es als Nachrichtenquelle nur das Fernsehen und die Zeitungen oder Zeitschriften. Heutzutage werden auch Kinder schon mit einer Informationsflut fast erschlagen. Die Hemmschwelle der einzelnen dürfte dadurch gesunken sein. Ebenso ist die soziale Bindung nicht mehr so ausgeprägt. Früher wurde in den Familien viel mehr gespielt und geredet. Heute schaut man zusammen Fernsehen. Die Zeiten haben sich definitiv geändert und dadurch auch die Menschen und natürlich auch die Kinder.
Ist doch klar. Kinder lernen von Erwachsenen. Schau dir doch mal die Talkshows jeden Mittag an. Und dann braucht man sich ja nicht wundern, dass unsere Kids das übernehmen.

Welche Jugend wollte die Alten denn bisher nicht mit ihrer Sprache provozieren? Wir doch genauso. Und offensichtlich haben die Ausdrücke deines Sohn dann doch ihr Ziel erreicht.
Die Umgangssprache der Jugendlichen ist oft ein heikles Thema im Gespräch von Eltern/Jugendliche(r). Es gibt natürlich viele mögliche Gründe, und die meißten wurden ja auch schon genannt. Dennoch "muss" ich als "Jugend-Experte" auch Mal die Jugend in Schutz nehmen; es gibt noch immer viele Jugendliche die sich in gewähltem Hochdeutsch ausdrücken können und auf f-Wörter und der gleichen auch verzichten. Natürlich, es gibt diese und jene.... Die Erziehung denke ich, ist nur in seltenen Fällen der Grund, eher dass es in Jugendgruppen oft als "überschlau" und "abgehoben" gilt, sich "ordentlich" auszudrücken! Die Eltern aber sollten auf jeden Fall ihren Kindern/Jugendlichen klar machen, dass die angesprochene Sprache, wenn sie denn schon gesprochen wird, tabu unter Erwachsenen ist!
-Die Medien pumpen Sprachverschnitt aller Art in die Gehirne der Kinder (und Erwachsenen).
Die Eltern legen immer weniger Wert auf Sprache (und auf Zoff mit ihren Kindern)und korrigieren immer weniger.
Der Rest ist wie er schon immer war. Gruppendruck, jedes Kind / jeder Jugendliche möchte dazu gehören, cool sein, sich vielleicht von den Eltern unterscheiden... (Musik, Kleidung, Sprache, Handy etc.9
Die offizielle Sprachentwicklung wird "sauber gehalten", indem fremdsprachige oder auch international übliche Bezeichnungen in die französiche Sprache adaptiert werden. So wurde z.B. aus AIDS - SIDA (Buchstaben umgestellt, aber französich).
Solche Versuche gab es schon vor über 100 Jahren auch in Deutschland. Hat sich aber nicht durchgesetzt. Es heißt immer noch KONTRABASS und nicht BRUMMFIEDEL.
soust am 1. Juli 2007 15:10 ..."Gesichtserker" für "Nase" hat sich auch nicht durchgesetzt - falscher Angriffspunkt.
Übrigens: in welcher Weise, glaubst Du, unterscheidet sich das Mobiltelefon der Kinder heutzutage von dem ihrer Eltern?
Ist ein Teil ihres Körpers und ihrer Seele geworden. Bei den meisten Eltern ist es noch eine Art Telefon zum mitnehmen.

Dieses Wort ist nicht neu in diesem Zusammenhang. Erstens wird es im deutschen Sprachraum schon lange benutzt, zweitens wurde dieses Wort schon vor mehr als 2.000 Jahren gebraucht - im lateinischen war es "ficere" = hineintun, hineinstecken. Nihil nove sub sole! :-)) = Nichts neues unter der Sonne...
soust am 1. Juli 2007 15:27 Tut mir leid, Martin Korsch, aber diesen Zahn muss ich Dir ziehen (vielleicht ist Dein Lateinunterricht auch schon ne Weile her, wie meiner). Ob Dein Ausspruch "Nichts Neues unter der Sonne" schon im Lateinischen belegt ist, weiß ich zwar nicht, aber wenn, müsste es zum Mindesten: "Nihil novum..." oder "Nihil novi..." heißen. Dann zur Herkunft von f...... Dein postuliertes lateinisches Wort "ficere" gibt es nicht. Es gibt nur "facere" = "machen" und die davon abgeleiteten Komposita, also Präposition + ficere: "interficere" z.B. heißt "töten". Über die wahre Herkunft des deutschen Wortes lies bitte nach unter:
http://de.wikipedia.org/wiki/F
(Du musst den Link bitte abschreiben und F... entsprechend ergänzen. Der ganze Link kommt an der Zensur hier nicht vorbei).
Ich bin 23 und meine Kindheit ist daher noch nicht ganz so lange her. Und ich kann mich noch erinnern, wie ungerecht behandelt ich mich fühlte als meine Eltern mit Leuten über die Tatsache redeten, dass die Kinder / Jugendlichen ( alle ! ) "heutzutage" ja so schlecht seien. Erstens war das als Aussage recht verletzend, zweitens entmutigend, und drittens doch etwas arrogant, da sie ja damit signalisierten sie selbst seien etwas Besseres, was nicht so war, da sie sich als Erwachsene ihrerseits Gruppendruck seitens ihrer Bekannten beugten.
Ich denke dass es nicht so viel bringt Teens / Kindern zu erzählen, was sie alles nicht tun sollen. Ja, schön dass man sich so nicht verhalten sollte, aber wie sollte man sich denn anders verhalten?
Man kann ja nicht einfach anti- alles sein was die anderen tun.
Also dann muss man den Teens schon auch was anderes bieten an ( praktikablen ) Verhaltensmustern, wie sie sich verhalten können. Man kann ja nicht einfach nur sagen: "Mach dies nicht." Super. Aber was stattdessen?
So eine Schulklasse ist ja auch ein dynamisches Gebilde, in dem man aufpassen muss, dass man nicht "unter die Räder" gerät... Um da bei manchen Sachen nicht mitmachen zu müssen braucht man Selbstbewusstsein - und das muss daher kommen dass man was anderes vorgelebt bekommt, sich jemand anderen als Vorbild nehmen kann, den Rücken gestärkt bekommt...
Im Positiven und nicht in einer Anti- Alles- Haltung ( Anti- Alles was für Teens wichtig ist ).
Das ist Jüngerschaft. Jemand, der in einem Bereich Reife entwickelt hat kann jemand anderem als Vorbild dienen... ( Nicht aufgezwungen, sondern wenn man überzeugende Werte lebt, dann übernehmen andere das einfach. )