Frage von m98r19, 45

Welche Gründe gab es für das neue Machtstreben unter Führung von Wilhelm 2?

wäre nett wenn ihr mir helfen könntet.

Antwort
von dataways, 29

Deutschland wollte als Emporkömmling im Kreis der ganz Großen mitspielen. Die Entwicklung vom Agargebiet zum Industriestaat war keine 50 Jahre im Gange, die Reichsgründung keine 20 Jahre her, aber Kaiser Wilhelm II wollte das Reich so mächtig machen, wie Großbritannien, das er immer bewundert hat. Vielleicht wollte er seiner Großmutter, Queen Victoria imponieren aber auf jeden Fall hatte er Minderwertigkeitskomplexe wegen seiner Behinderung, die er seit seiner Geburt hatte.

Kommentar von m98r19 ,

Danke:)

Antwort
von napoloni, 15

Deutschland war seit 1871 ein großer Staat, hatte sich stark industrialisiert, war wirtschaftlich stark aufgestiegen und eine Wirtschaftsmacht. Schon damals war die Wirtschaft stark globalisiert. Und als Industrieland war Deutschland auf Importe von Rohstoffen aus Übersee angewiesen. Etwa die Hälfte der Importe kamen aus Übersee.

Daher war es logisch, das man sich darum bemühte, weltweit seine Handelsinteressen schützen zu können und eine militärische Stärke zu erreichen, um sich verteidigen zu können.

Ich denke, die Situation lässt sich gut mit dem heutigen China vergleichen.


Antwort
von Ringoscarlett, 30

Hast du dich in das Thema bereits eingelesen? Für den Einstieg schau mal bei Wikipedia nach Wilhelm II, Weltpolitik und Platz an der Sonne. Wilhelm II war als Person ebenfalls sehr komplex und in seiner Kindheit und seiner Familie kann man auch so manche Ursachen finden.

Kommentar von m98r19 ,

Was sind Gründe aus der Kindheit? Das er nie Lob bekommen hat und das seine Mutter ihn durch seine Behinderung nicht wirklich als Sohn angesehen hat und ganz allgemein das er eine sehr schwere Kindheit hatte?

Kommentar von Ringoscarlett ,

Genau. Wilhelm verlangte Anerkennung. Er war nicht der Beliebteste in seiner Familie. Und auch nicht in England. Die Jugend hat bei Wilhelm Wunden hinterlassen.  Er war Kaiser eines modernen mächtigen Reiches, aber er war zum Beispiel niemals in Paris. Für den Reise-Kaiser war das ein schwerer Rückschlag. Ein offizieller Besuch des dt. Kaisers in Paris wäre eine Ehrerweisung gewesen. Frankreich wollte das aber nicht. Wilhelms Onkel Edward II von England hingegen war in Paris und er war dort und in Europa beliebt. Mit England und damit verbunden seiner Familie verband Wilhelm eine Art Hassliebe. 

Er fühlte, dass ihm als dt. Kaiser nicht genügend Respekt entgegengebracht wurde. Macht und Einfluss zu gewinnen war für Wilhelm auch ein Mittel, fehlenden Respekt zu erzwingen. Wenn er genug Territorien hätte, genügend Kriegsschiffe, ausreichend Soldaten, dann müsste man ihn als großartigen, mächtigen Kaiser sehen. 

In gewisser Weise ging es vielen Deutschen im damaligen Reich ähnlich. Sie lebten in einem großen, geschichtsträchtigen Land voller Denker und Dichter, voller Erfinder und Künstler, aber wenn man von einem Großreich sprach, sprach man von England - nicht von Deutschland. Wenn es um Künste und Kultur ging, sprach man von Frankreich, oder vom exotischen Orient. Man träumte von der großen weiten Welt. Von Kolonien. Kaum einer interessierte sich für Deutschland. 

Das gesamte Thema ist sehr komplex. Wenn du dir die einleitenden Kapitel in Barbara Tuchmanns 'August 1914' durchliest (online verfügbar bei Google Books), dann kannst du einen guten Überblick gewinnen. Ansonsten findest du aber auch sehr viele Infos über das Thema bei Google. 

Kommentar von m98r19 ,

Danke:)

Antwort
von earnest, 13

Es wäre hier eine verkürzte Denke, das Machtstreben nur dem Kaiser unterzuschieben und es vielleicht gar seinem Lebenslauf zuzuordnen (Minderwertigkeitskomplexe, verkrüppelter Arm usw.). 

Deutschland als spät gekommene Mittelmacht drängte nach seinem "Platz an der Sonne". Deutschland als verspäteter Emporkömmling im Wettstreit der "Imperialismen". 

Gruß, earnest

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