Frage von Rosenblad, 30

Welche Frauenrolle wird im Lehrgebäude des Buddhismus aufzeigbar?

Expertenantwort
von Enzylexikon, Community-Experte für Buddhismus & Religion, 12

Frühbuddhismus

Ursprünglich war der Buddhismus offenbar nicht sehr aufgeschlossen gegenüber Frauen, was unter anderem der damaligen Gesellschaftsordnung geschuldet ist.

Es hieß sogar, dass Frauen erst als Männer wiedergeboren werden müssen, um die Erleuchtung zu erlangen. Dem stehen jedoch Texte gegenüber, die von erwachten Frauen berichten.

Es gibt sowohl Hinweise auf frauenfeindliche, als auch befürwortende Haltungen des Frühbuddhismus zur Rolle der Frau.

Theravada

Im Theravada-Buddhismus sind Nonnen den Mönchen untergeordnet und werden als rangniedriger angesehen. Allerdings gibt es Reformbewegungen, die dieses Rollenbild gezielt ändern.

Traditionell ist das Frauenbild des Palikanon patriarchalisch, die Ehefrau ist die Untergebene des Ehemanns.

Die Rolle der Mutter im Buddhismus gilt als sehr wichtig, nicht zuletzt weil der Buddha nach dem Tod seiner Mutter Maya von seiner Schwiegermutter Mahapajapati aufgezogen wurde.

Mahayana

Im Mahayana-Buddhismus verfügt jedes Wesen über die Buddha-Natur und hat daher die Möglichkeit, die Erleuchtung zu realisieren. Das gilt auch für Frauen.

In buddhistischen Traditionen die stark von Laien geprägt sind, etwa dem Shin-Buddhismus in Japan, ist die Rolle der Frau nicht substantiell verschieden von der des Mannes

Allerdings darf man nicht vergessen, dass viele buddhistische Schriften durch die jeweiligen Kulturen geprägt waren, und zB das "buddhistische" Frauenbild in China anders aussieht, als das in anderen asiatischen Ländern.

Vajrayana

Im tibetischen Vajrayana-Buddhismus, bei dem das Auffinden angeblicher Wiedergeburten hochrangiger Lamas (Tulku) eine Rolle spielt, gibt es vermutlich seit dem 15. Jahrhundert auch Fälle von weiblichen Tulkus.

Allerdings wird das Vajrayana aufgrund tantrischer Praktiken auch als frauenfeindlich kritisiert. Bei religiösen sexuellen Praktiken sei die Partnerin lediglich das Erleuchtungswerkzeug für den Mann. 

Textkritik

Der japanische Zen-Mönch und offizielle Auslandsbeauftragter der Soto-Zen-Tradition für Deutschland, Fumon Shoju Nakagawa ermutigt in seinem Werk "Zen, weil wir Menschen sind" die westlichen Leser zum kritischen Denken.

Anlass dafür war ein Artikel in einem buddhistischen Magazin, in dem frauenfeindliche Äußerungen vorbehaltlos als "Worte Buddhas" bezeichnet wurden.

Nakagawa Roshi bemängelt diese Haltung.

Einerseits sei der Westen zwastolz auf seine intellektuellen Leistungen bei der Textkritik, andererseits würden westliche Buddhisten diese Qualitäten teilweise ausblenden und bei religiösen Themen durch vorbehaltlosen, wörtlichen Glauben ersetzen.

Nakagawa Roshi ruft dazu auf, buddhistische Texte genau so mit der gebührenden Skepsis zu lesen, wie andere Texte auch.

Kommentar von Enzylexikon ,

Nonnenordination

Es heißt, der Buddha habe die Ordination von Frauen zur Nonnen erst auf Drängen seines Schülers Ananda eingeführt.

Grund für die Vorbehalte waren vermutlich sowohl die damalige Gesellschaftsordnung, als auch der Umstand, dass die Schüler des Buddha damals in die "Hauslosigkeit" zogen - ihn als Wandermönche begleiteten.

In der spirituellen Tradition Indiens war ein solches Leben für Frauen unüblich und das Buddha überhaupt Nonnen ordinierte, bereits außergewöhnlich.

Praktische Erwägungen - Frauen wären den körperlichen Strapazen weniger gewachsen und die Almosenspenden der Bevölkerung könnten bei Nonnen geringer ausfallen, dürften ebenfalls ein Grund gewesen sein.

Erste Nonnenordination

Die erste Nonnenordination soll der Buddha seiner Ziehmutter Prajapati gegeben haben und auch seine Frau Yasoddhara soll Bhikkhuni (Nonne) geworden sein.

Regeln für Nonnen

Während im konservativen Theravada-Buddhismus der Mönch 227 Regeln einzuhalten hat, sind es bei Nonnen 311 Regeln.

Dies wird zum einen auf eine andere Zählung zurückgeführt, zum anderen aber scherzhaft auch damit begründet, dass Frauen zwei Brüste hätten, was zusätzliche Verhaltensregeln erforderlich machte.

Zur Zeit des Buddha entstanden die Regeln spontan, aus der Situation und Notwendigkeit heraus. Bettelschalen waren damals aus Keramik, also wurde die Regel erlassen, Mönche und Nonnen dürften ihre Schalen nicht an der Tischkannte abstellen.

Die zusätzlichen Regeln für Nonnen dürften sich unter anderem durch ähnliche Erwägungen ergeben haben.

Status der Nonne

Wie oben bereits erklärt, hat der Theravada-Buddhismus ein konservatives Frauenbild und in den Ländern Südostasiens, wo Theravada vorherrscht, ist die Rolle der Nonne der des Mönchs unterlegen.

In Japan gibt es zwar weniger Nonnen als Mönche, jedoch verfügt beispielsweise die Soto-Zen-Tradition über mindestens drei offizielle Ausbildungsklöster für Nonnen, wo sie ihr "Handwerk" erlernen und dann theoretisch später eigene Tempel leiten können.

Soweit erst einmal dazu. :-)

Kommentar von Rosenblad ,

Eigentlich müsste es für solche Antworten eine besondere Auszeichnung geben !

Vielen Dank für die - wie schon so oft auf meine Fragen - ausführlichen und kompetenten Antworten!

Kommentar von Enzylexikon ,

Sehr gerne. Freut mich, wenn ich helfen kann. :-)

Kommentar von Buddhishi ,

Hallo Rosenblad, ja Enzylexikon gibt immer so hervorragende Antworten. Ich habe ihm gerade ein Kompliment gegeben :-)

LG Buddhishi

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