Frage von Tom651, 64

Welche Faktoren beeinflussen die Vermögensungleichheit in Deutschland?

Antwort
von Geraldianer, 33

Das Steuersystem (Erbschafts- und Vermögenssteuer), die Zinssituation (kann ich Geldvermögen mehren) und die Rentabilität von Betrieben (Aktien und Firmenkapital).

Die Einkommensunterschiede dürften eine geringere Rolle spielen, da die großen Unterschiede nicht durch Erwerbsarbeit sondern durch Besitz entstehen.

In Deutschland sind die Unterschiede im europäischen Vergleich sehr groß. Das dürfte an der praktisch nicht existierenden Erbschaftssteuer und der fehlenden Vermögenssteuer liegen. Es gibt wohl wenige Ländern, in denen leistungslos durch Erbe erworbenes Vermögen so akzeptiert wird wie in Deutschland.

Kommentar von Maxieu ,

"Das dürfte an der praktisch nicht existierenden Erbschaftssteuer und der fehlenden Vermögenssteuer liegen."

Ich denke, dass es eher an dem in Deutschland traditionell fehlenden Hausbesitz der ärmeren Hälfte der Bevölkerung liegt.

Bei der Erbschaftssteuer liegt Deutschland doch wohl gar nicht niedriger als der europäische Durchschnitt.

Und: Die Grundsteuer ist eine Steuer auf Vermögen.
Die Steuer auf sonstiges Vermögen (also eine allgemeine Vermögenssteuer) hat es in vielen europäischen Ländern nie gegeben. In den meisten anderen ist sie in den vergangenen Jahren abgeschafft worden. Die französischen Experimente mit dieser Steuer sind immerhin diskutabel.

Ich finde, man sollte eher an der Kapitalertragssteuer in ihrer Quellensteuer- und Abgeltungssteuerform ansetzen und diese in einem ersten Schritt auf 30% erhöhen oder sie dem Einkommensteuersatz anpassen (nachdem etliche Steuerflüchtige inzwischen ja resozialisiert worden sind).

Kommentar von Geraldianer ,

Die Erbschaftssteuer  betrifft hohe Vermögen in Deutschland nicht. Das Vermögen steckt man in eine GmbH. Wenn man dieses sieben Jahre behält, braucht man keinerlei Steuern zu zahlen. Kein Milliardenerbe in Deutschland zahlt einen Cent Erbschaftssteuer.

Die Kapitalertragssteuer für größere Vermögen ist sicher mit ein Grund für die Ungleichverteilung. Viele Arbeitnehmer zahlen mehr Steuer auf ihr durch Arbeit erworbenes Einkommen als auf ihre Kapitaleinkünfte.

Antwort
von Maxieu, 30

Neben den von Geraldianer genannten Faktoren:

1. die Kinderarmut. Erbe verteilt sich auf immer weniger Nachkommen.

2. die Intelligenz. So ganz zu vernachlässigen ist Leistungsfähigkeit und -bereitschaft des Einzelnen nun doch nicht.

(Ich habe z. B. eine Schwester, die 90% eines Tanten-Vermögens geerbt hat.
Außer einem mickrigen Reihenhaus in ungünstiger Lage ist davon nichts übrig geblieben - ohne dass sie das verschwundene Vermögen zuvor erkennbar  in Lebensgenuss umgesetzt hätte.)

Zur Erbschaftssteuer:

Ich finde sie - vor allem, wenn es nicht mehr um Verwandte ersten Grades geht
- auch zu niedrig. Ob aber Geraldianer  mit seiner Bemerkung von "der praktisch nicht existierenden Erbschaftssteuer" recht hat, müsst ihr an Hand einer diesbezüglichen Steuertabelle selbst beurteilen.

(Ich musste in dem angesprochenen Erbfall 15%, meine Schwester 25% auf den Betrag oberhalb der Freibetragsgrenze zahlen.)

Antwort
von lesterb42, 13

Der Teufel sch... immer auf einen großen Haufen. Wer ohne Vermögen anfängt, hat es sehr schwer. Wer eine kleine Erbschaft macht, hat schon einmal ein schönes Startkapital.

Antwort
von voayager, 15

Fehlende Klassenkämpfe, lammfromme Gewerkschaften, ein unwissendes Volk, das ist der Stoff, der zur Totalherrschaft der Reichen und Mächtigen führte, so dass durch Steuererleichterungen der Firmen und Vermögen, letztere explodieren konnten und können.

Kommentar von lesterb42 ,

Der Klassenkampf ist abgesagt, weil wir nicht in einer Klassen- sondern in einer Leistungsgesellschaft leben. Es gibt eine Zugewinngemeinschft aus Arbeit und Kapital. Die Mitbestimmung der Arbeitnehmer in großen Unternehmen ist dafür ein Beispiel.

Kommentar von voayager ,

Ja, die Gewerkschaften haben den Klassenkampf abgeblasen, verhindern ihn, das eingenebelte deutsche Proletariat ist im Alleingang, also ohne Gewerkschaft dazu nicht fähig.

Wir sind gewiß eine Leistungsgesellschaft, also eine der Ausbeutung, denn was ist denn Leistung anderes als verstärkte Ausbeutung, ausgetragen auf dem Rücken der Lohnabhängigen.

Die Mitbestimmung ist bloße Augenwischerei, schon weil die Sitzungen des Aufsichtsrates geheim sind, eine Schweigepflicht besteht und die Vertreter der Arbeitnehmer-Bank nicht zur Rechenschaft herangezogen werden können.

Es ist bis dato nicht erkennbar, welchen Nutzen die Mitbestimmung den Werktätigen je gebracht hat und noch bringen wird. Mir ist kein einziger Fall bekannt, wo Massenentlassungen durch ein Veto der Arbeitnehmer im Aufsichtsrat verhindert wurde. Die entsprechenden Figuren dort vertreten die Interessen der Firma und damit die der Kapitaleigner. Das nennt man systemimmanente Logik, die befolgt wird, also die sogenannten Sachzwänge.

Der Begriff Zugewinngemeinschaft ist ein euphemistischer Begriff, der die realen Verhältnisse verschleiert, ja regelrecht zukleistert.

Kommentar von lesterb42 ,

Irgendwie bist du mit deiner Gesamtsituation unzufrieden. Schön, dass deine Meinung nicht Mehrheitsfähig ist und deine Leute über eine Regierung in Thüringen nie hinaus kommen werden.

Kommentar von voayager ,

Es ist schon Einiges gewonnen, wenn eine kämpferische Linke existiert, die vorantreibt und aufklärt. Aufgabe ist es, die Massen aufzuklären und den bürgerlichen Staatsapparat auf Trab zu halten, so wie der Bock die Ricke treibt, um es mal in der Jägersprache auszudrücken.

Antwort
von AEROFAN, 40

Wenn ich dir das ganz konkrett sagen kann: DIE POLITIK

Kommentar von AEROFAN ,

Die derzeitige Politik

Kommentar von Tom651 ,

Super Faktoren, solche Antworten helfen super :)

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