Frage von HeikoWeber, 203

Welche Erfahrungen habt Ihr mit deutschen Baptisten Gemeinden der Evangelischen Freikirche?

Hallo,

meine Fragen richten sich an alle User die schon einmal persönliche Erfahrungen in einer Baptisten Gemeinde in Deutschland gemacht haben, oder von Freunden/ Angehörigen/ u.s.w. näheres über eine solche Evangelisch Freikirchlische Gemeinede erfahren haben. Sind das dort nicht sehr "eingefahrene Strukturen"? Will sagen, für Ausenstehende oder Interessierte kein reinkommen in diese, sehr verzweigten "Familien- Gemeinden"- wo, wie die, die ich meine, alle irgendwie miteinander verwandt sind? Danke und Gruß H.W.

Hilfreichste Antwort - ausgezeichnet vom Fragesteller
von laynapor, 133

Ich bin Pastorenkind eines Baptistenpastors und habe schon so einige verschiedene Gemeinden in ganz Deutschland kennengelernt. Allgemein muss ich sagen, dass ich die Antworten hier etwas übertrieben finde. Natürlich gibt es auch solche Gemeinden, in denen es eher dogmatisch, charismatisch, konservativ, wie auch immer zugeht. Das besondere bei den Baptisten ist ja, dass jede Gemeinde sich selbst verwaltet, es kein "Diktat" von oben gibt und somit auch jede Gemeinde eine andere Ausrichtung hat. Insgesamt sind die Baptisten allerdings eher die liberalen Freikirchler. Pfingstler z.B. sind keine Baptisten. In den Baptistengemeinden, die ich kenne, habe ich es noch nie erlebt, dass der Kontakt zu Nichtgläubigen vermieden wird. Mein Bruder ist selber nicht gläubig und natürlich finden meine Eltern das schade, aber niemals wäre das für sie ein Problem, dass sie ihn verstoßen würden oder was weiß ich. Ich bin übrigens homosexuell und zwar nicht allgemein bekannt in der Gemeinde geoutet, aber meine Eltern und Großeltern (alles Baptisten) kommen damit klar und meinen auch nicht, das sei eine Sünde, derer ich mich ganz schnell durch Gebet entledigen müsse. Klar, auch bei den Baptisten gibt es Leute, vor allem ältere, die meinen, das sei falsch - aber die gibt es überall, selbst unter Atheisten.

Bei jeder Gemeinde findet man Probleme und Schwierigkeiten, je mehr man sie kennenlernt. Aber ich habe Baptistengemeinden überwiegend als sehr freundlich und offen und an den Menschen interessiert empfunden.

Übrigens: In meiner Heimatgemeinde im hohen Norden sind tatsächlich viele miteinander verwandt, weil diese Familie einfach extrem groß ist - hat es für uns "Südler" allerdings nicht schwieriger gemacht, in die Gemeinde reinzukommen ;-)

Kommentar von HeikoWeber ,

Danke für deine interessante Antwort.

Was ich in deiner Nachricht nicht so ganz verstanden habe: Hast du dich geoutet oder nicht? Das kann ich deiner Antwort nicht ganz entnehmen. Hier sind alle untereinander verwandt. Als Neuling ist es schwer, da hinein zu kommen und voll und ganz akzeptiert zu werden. Deinen vorletzten Absatz kann ich bestätigen! Zum Beispiel gibt es selbst in einer solchen Gemeinde- man will es sonst gar nicht glauben- auch Intrigen, Ratsch und Klatsch, wie überall. LG

Kommentar von laynapor ,

Sorry, das habe ich ich etwas unklar formuliert. In der Gemeinde bin ich nicht geoutet. Zum einen wollte ich meinen Vater nicht in eventuelle berufliche Schwierigkeiten bringen, zum anderen geht es meiner Meinung nach die Allgemeinheit sowieso nichts an, auch außerhalb der Gemeinde.

Ja, so ist das leider, auch Christen sind nur Menschen und eher wenige kriegen das mit der bedingungslosen Nächstenliebe so gut hin, wie die meisten das gerne würden.

Kommentar von Thisisnati22 ,

Ich kann dem nur zustimmen! Finde Baptistengemeinden auch viel ansprechender als Landeskirchen. Die teilweise negativen Kommentare kann ich nicht gut nachvollziehen, da diese Dinge zumindest bei meiner Gemeinde nicht zutreffen. Ich bin übrigens auch Pastorenkind und 2 meiner 3 Geschwister sind nicht christlich und werden auch nicht verstoßen, weniger gemocht etc. Ich bin übrigens auch nicht getauft.

Antwort
von dieroterosa, 109

hi heiko, die baptisten geben sich nach aussen natürlich ultra tolerant und völlig offen für jeden, der "jesus" neu für sich entdeckt hat. bist du neu dort werden sie dich sanft drängen, mal bei ihnen mit zu machen und alles ist natürlich freiwillig. hast du dich aber einmal entschieden, dort mitglied zu werden wirst du an hauskreisen teilnhemen, die einer art Selbsthilfegruppe ähneln. letztlich sollst du dein ganzes leben der gemeinde überschreiben, sie sagen natürlich "jesus" anvertrauen und ihm alles "übergeben". bald wirst du feststellen, dass alles sich nur noch um "jesus" dreht und dein ganzes pribatleben unter beschlag genommen wird. du sollst 10 prozent deines einkommens spenden und wirst bald feststellen, das du mit normalen leuten nicht mehr ins gespräch kommst, weil die sich ja nicht "bekehrt" haben. du beginnst in s/w zu denken.  die baptisten sind im theologischen sinne selbstverständlich keine sekte, da sie nur jesus christus als herrn anerkennen und dieser haupt der gemeinde ist. allerdings sind sie im soziologischen sinne eindeutig eine sekte im klassischen sinne. defizite, die du hast werden dort verfestigt, sie sind sogar anlass gewesen für so manchen, dort erst recht mit zu wirken (einsamkeit, alkohol, drogen scheidung, frühere falsche freunde) die baptisten ziehen menschen magisch an, die defizitäre struktiuren in ihrem vorherigen leben erfahren haben (eltern, familie, freunde) versuche das wort "jessus" durch gemeinde oder "sekte" zu ersetzen, wenn du unsicher bist, dann wirst du merken, dass es nicht um wahre freundschaft und wahre gute werte geht, sondern nur um sektenmitgliedschaft. wenn du familie hast oder eine planst, wird der ausstieg noch schwerer, weil- wo willst du hingehen, um akzeptanz zu finden draußen, wenn du sowieso schwierigkeiten mit anderen hast? andere haben sich aus deren sicht dem teufel verschrieben und gehen auf feste, trinken, haben sex, ...nur die baptisten sind loyal und fromm und integer...?! deshalb sind sie attraktiv für zweifler und schwache menschen.

Kommentar von laynapor ,

Woher nimmst du denn dein Wissen über Baptisten und die Praktiken und inneren Strukturen?

Antwort
von klariem, 9

Hallo Heiko,

ich bin auf der Suche nach Kommentaren über Erfahrungen mit Baptisten auf dieses Forum gestoßen.

Ich habe eine Frau kennen und lieben gelernt, mit der das Zusammenleben ein Traum war. Wir haben geliebt, uns grenzenlos vertraut, gestritten, gelebt. Nach und nach fokussierte sie unsere Gespräche immer stärker dahin, dass ich unsere Liebe nur durch totale Hingabe an "Gott" erhalten könne und "outete" sich als gläubige Baptistin und betete nach jedem intimen Zusammensein um Vergebung zu Ihrem "Gott", weil Sie nach Auffassung Ihrer Gemeinde Umgang und Sex mit einem "Ungläubigen" hatte. Nach jedem Ihrer Gemeindebesuche war sie aggressiv und ich konnte sie lange Zeit nicht emotional erreichen, obwohl Sie sich gleichzeitig weinend an mich klammerte. Inzwischen habe ich diese Frau verloren. Ich bin unglaublich verzweifelt, weil ich hilflos ansehen muss, wie diese wertvolle und unglaublich liebenswerte Frau immer tiefer in den Baptisten-Strudel gesogen wird, ohne faire Chance, sich daraus befreien zu können.

Danke.

Kommentar von HeikoWeber ,

Hallo Klariem,

ich kann nur jedem Menschen von denen abraten.

Wenn ich meine sämtlichen Erfahrungen mit diesen Leuten schreiben würde, käme gut ein Buch zusammen. Die sind null tolerant. Frauen haben bei denen sowieso nichts zu sagen. Die Gemeinde, die ich kennengelernt habe, liebt nur reiche Mitglieder, die, die jede Menge Geld spenden, werden auf Händen getragen. Und da ich nicht zu den Reichen gehöre, war ich schnell nicht mehr gern gesehen. Nach den Reichen, kommen die Männer. Der "Rest" dann irgend wann mal- wenn überhaupt.

Wenn Ihr Euch einen Gefallen tun wollte: Finger weg von den Baptisten. Alles Heuchler!

Antwort
von Kuno33, 133

Es gibt eine meist sehr freundliche Art zu präsentieren. Viele sind aus meiner Sicht "dogmatisch" gläubig. Bei Kontakten habe ich gesehen, dass es einen sehr intoleranten Umgang mit den "Abtrünnigen" gibt, z. B. dass Eltern ein abtrünniges Kind verstoßen. In einem konkreten Fall kann ich aber sagen, dass die Eltern ihre Intoleranz am Ende doch wieder aufgegeben haben, obwohl das Kind nicht zum Glauben zurückgekehrt ist.

Außenstehende kommen dann in die Kreise hinein, wenn sie gläubig werden.

Das sind jedenfalls meine Erfahrungen. Aber sicher wäre es zu einfach zu sagen, dass "alle Baptisten" so sind. Die Tendenz zum Dogmatismus würde ich allerdings bestätigen.

Kommentar von HeikoWeber ,

Ich denke, dass diese- am Anfang- freundliche Art nur gespielt ist um neue Mitglieder zu werben.

Kennt man diese Gemeinden näher, zeigen die ihr wahres Gesicht. Intoleranz trifft es am besten. Schwimmt man dort nicht mit dem Strom, geht man unter.

Kommentar von RonnyFunk ,

Ja und ich bekomme 100 EUR dafür, Dir zu sagen, dass Du Dich gründlich irrst... 

Mann oh Mann, Pfingsten das liebliche Fest ist gekommen - und die Christophoben fangen an durchzudrehen...

Kommentar von Kuno33 ,

Es muss ja nicht gleich Christophobie sein, wenn man bei evangelikalen Gruppen einige Merkwürdigkeiten beschreibt, die man selbst erlebt hat. Dennoch werde ich das nicht verallgemeinern. Teilweise habe ich dort "als Ungläubiger" durchaus Freundlichkeit erlebt, teilweise aber auch engstirniges Verhalten beobachtet, das allerdings nicht mir galt.

Wenn allerdings Evangelikale unter Verweis auf die Bibel wissenschaftliche Erkenntnisse unterdrücken wollen, wie es z. B. in den USA hinsichtlich der Evolutionstheorie geschieht, bin ich der Meinung, dass man dagegen etwas unternehmen muss. Die Lehren der Bibel über die Entstehung der Welt können nicht mit der Wissenschaft in Konkurrenz gesetzt werden. Als ehemaliges Mitglied einer christlichen Religionsgemeinschaft weiß ich, dass es ein großes Missverständnis ist, religiöse Texte der Bibel buchstabengetreu annehmen zu wollen. Sonst wird der Verstand außer Kraft gesetzt. Damit beginnen Fanatismus, Dogmatismus und Intoleranz.

Kommentar von Projektplaner13 ,

sehr zutreffend, besonders deine letzten beiden Sätze...ich rede dann schonmal von "bibeltreuen Gläubigen" und auch "Pharisäern"...bald schreibe ich dazu mal Tatsachen aus dem Leben, die ich vorher z.T. als Frage auch hier einbringe, s.a. nachfolgend eine Antwort von mir, liebe Grüße

Kommentar von laynapor ,

Mit der Bewertung von evangelikalen, anti-wissenschaftlich ausgerichteten Gruppierungen hast du sicherlich recht, allerdings sind Baptisten an sich nicht evangelikal. Und zwischen Baptisten in Deutschland und den USA muss man sowieso deutlich unterscheiden. Das "Problem" der Baptisten ist, dass durch die Freiheit zur weitestgehenden Selbstbestimmung der einzelnen Gemeinden ganz unterschiedliche Ausrichtungen bestehen - und die extrem und evangelikal ausgerichteten, die es durchaus gibt, schreien meist am lautesten, egal wie wenige es sind. Und die werfen gleich ein falsches Licht auf die gesamten Baptisten.

Antwort
von josef050153, 108

Sie sind eine bibelorientierte Freikirche einschließlich Glaubenstaufe.
Die meisten sind freundlich mit einer hohen Toleranzschwelle nach außen.
Besonders der Umgang von Eltern mit ihren 'ungläubigen' Kindern ist aber manchmal problematisch.

Antwort
von Projektplaner13, 34

hi lieber HeikoWeber, von diesen "bibeltreuen Gläubigen" kann ich dir ein Lied singen. Ich bin schwul und lebte mit meinem jungen Partner 4 Jahre in Liebe zusammen. Auf einmal hieß es, unsere homosexuelle Liebe sei Sünde...es kam von der Familie beginnend, obwohl sie alles von uns beiden wußten..., daß wir zusammen leben (lebten) usw.

...es bagann alles mit dem Chip, der in den Staaten (Gesundheitschip in den USA) ja per Gesetz den Amis "eingepflanzt" wird. Aufgrunddessen hieß es auf einmal bei der Fam. meines Lieblings : das kommt auch zu uns nach Europa und Deutaschland...und ..wenn wir das bekommen (also die bibeltreuen Gläubigen) und wir lassen uns das auch einpflanzen, landen wir in der Hölle....

...und so entstand es, daß unsere Liebe durch den Glauben der evang. Freikirche...Baptisten, auch ein Pfarrer der Pfingstler war da noch im Spiel, zerstört wurde, mein Freund, mein Liebling sagte mir nur noch kurz : ich mußte mich entscheiden für dich oder Gott ( nach 4 Jahren in Liebe des Zusammenlebens)..das alles war für mich unmöglich, unvorstellbar...als wären wir wieder im Mittelalter...110 % HOMOPHOB...

...das Schlimme dabei ist, daß diese "Gläubigen" die homosexuelle Liebe glauben wegbeten zu können... 

...ein ehem. kath. Pfarrer, der jetzt als freiberuflicher Pfarrer tätig ist, sagte zu mir : diese Evangelikalen, wie z.B. Baptisten, Pfingstler...eben evang. Freikirchler, Brudergeminschaften und wie sie alle heißen...sieht er nicht als die Gläubigen an, sondern ..sie missionieren..., ich habe z.T. auch gelesen, daß z.B. in Baden-Württemberg schon einige Gläubige derer auch schon in der heutigen Zeit angekommen sind und Homosexuelle auch beachten...

...mir sagte hier in Köln ein Dipl.-Psychologe, der die Bibel auch kennt (ich sprach mit ihm über das Unmögliche), was mir durch den Glauben der Familie meines Lieblings, widerfahren ist...es war für ja mich eine Katastrophe...diese Trennung war für mich schlimmer, als wenn jemand gestorben wäre...weil mein "Jemand,mein Liebling" ist ja noch da, er lebt ja noch, aber ich komme an ihn nicht mehr ran...

...jedenfalls meinte er (der Psychologe), daß diese Gläubigen noch 1 - 2 Genartionen brauchen, um noch mehr in unserer heutigen Welt "anzukommen" und gleichgeschlechtlich Liebende auch mehr zu akzep- und respektieren..., die Katholiken inbegriffen..., warum konnten denn das die evangelischen (EKD) schon viel früher ??? ...weil sich u.a., z.B. 1992 die evangelische Kirche im Rheinland Landessynode ein Arbeitspapier, d.h. der Theologische Ausschuß, erarbeitet hat : ausführlich über das Thema "homosexuelle Liebe"

...sorry für mein Ausschweifen, aber mir kam da so einiges wieder hoch...die Trennung bei mir ist gerade mal über 1 Jahr her, aber noch "problematisch", weil es für mich unverständlich war...immer wieder die Frage : WARUM ???...das war nie Gottes Wille, daß sich Liebende wegen eines Glaubens getrennt werden...an andere Stelle, später mal, schreibe ich noch mehr dazu, vielen Dank für die Geduld des Lesens, liebe Grüße

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